Dachgeschoss eines alten Stalls richtig dämmen

17.03.2015 ReinerM



Hallo zusammen,
ich bin neu hier und habe die folgende Frage:
auf unserer Hofanlage möchten wir den ehemaligen Stall als Wohnraum umnutzen (ca. 90m² Grundfläche, massive Bauweise, Balkenlage über EG mit Holzdielen). Da ich in den letzten Monate viel gelesen habe über falsches dämmen (u.A. von Konrad Fischer) und das für mich recht gut nachvollziehbar ist, interssieren mich Hinweise dazu, wie ich das Dachgeschoss richtig dämmen kann, ohne Schimmelgefahr. Da wir im Dachgeschoss auch wohnen möchten, kann ich den Dachstuhl nicht so lassen wie er ist (Aufbau von Aussen: Dachziegel, Unterspannfolie (defekt, ca. 70er Jahre), Sparren ca. 10-12cm), die Dachneigung beträgt ca. 40°
Vielen Dank für Eure Hinweise und Tips!



Hanfdämmwolle



Gute Erfahrungen gemacht mit:

Dachflächen in der Dachschräge, sowie ggf. die
Decke zum Spitzboden dämmen mit Hanfdämmwolle
HDW-ST in einer Stärke von ca. 22 cm, einschl.
aufbringen einer Holzweichfaserplatte D 20 / N+F
zum späteren Verputzen mit Lehmkleber + Gewebe
Einschl. erstellen der Anschlüsse an Mittelpfetten
und Streben sowie Sprengwerke im DG. Die Unter-
spannbahn ist zu entfernen, hierbei ist zu beachten,
dass die äußere Dachhaut ständig in einwandfreiem
Zustand gehalten werden muss.

Zulage, erstellen einen wagrechten Lattung aus
40 / 60 cm Latten um auf die Dämmdicke von ca.
20-22 cm zu kommen

Lehmkleber auf die Dachschrägen und sonstigen
Flächenaufbringen in einer Stärke von
3-4 mm, einschl. einbetten eines flächigen Armierungs-
gewebes auf die gesamte Fläche bestehend aus
Flachsgewebe. Kleber in mehreren Lagen auf-
bringen, Oberfläche fertig abgebürstet, bzw. gefilzt
zum Anstrich.

Wenn Sie uns die Mengen mitteilen bieten wir Ihnen
die Materialien gerne an.

Mit freundlichen Grüßen vom Schwanenhof
me. Gerold Sparwasser


GFM-Gesellschaft für
Fachwerksanierung und
Anstrich mbH
Untergasse 11
65239 Hochheim-Massenheim
Tel.: 06145 / 59 39 00
Fax: 06145 / 59 39 01

www.yosima.gfm-naturbaustoffe.de
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Öffnungszeiten
Montag bis Donnerstag: 10.00 bis 14.00 Uhr
Freitag: 10.00 bis 18.00 Uhr
Samstag: 10.00 bis 13.00 Uhr

Außerhalb dieser Zeiten vereinbaren Sie bitte einen speziellen Beratungstermin.

Einmalig in Europa
Nur bei uns: Alle YOSIMA–Lehmdesignputze als Originalmuster (über 140 Farbtöne)

siehe auch:

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Ein Besuch unserer Ausstellung / Abhollager ist immer wieder interessant, große Lehmputzflächen, Kalk und Hanf uvm. !!! Vieles direkt zum Mitnehmen.



Dachausbau



Dieser vorgeschlagene Aufbau mag für einen Heimwerker rechtlich gesehen angehen; der kann sich nicht selber auf Ausführungsmängel verklagen wenn später Schäden auftreten würden.
Trotzdem sollten Sie diesen Aufbau nicht ausführen.
Er ist zu risikobehaftet.
Keine Dachhaut ist wasserdicht und treibschneesicher, auch im neuwertigen Zustand. Wenn die USB ca. 40 Jahre alt ist wird es die Dachhaut auch sein.
Im Winter können sich größere Mengen an Feuchte ansammeln wenn noch Luftundichtigkeiten auf Grund der fehlenden Dampfbremse mit dazukommen.
In kalten Wetterlagen kann sich dann aus Treibschnee, Tauwasser und kondensierender Innenraumfeuchte Reif und Eis im äußeren Bereich der Dämmlage akkumulieren. Wenn es dann schmilzt kann man sich ausrechnen was passiert.



Dachausbau



vielen Dank für die Antworten.
Der Dachaufbau besitzt keine Dachhaut, sondern nur die Dachpfannen, die auf den Dachlatten liegen und darunter befindet sich die -schadhafte- Unterspannfolie.
Ich gege davon aus, daß wir das Dach abdecken müssen, um die USB zu erneuern.
@ Herr Böttcher: Sie schreiben, daß Sie die vorgeschlagene Hanf-Lösung nicht empfehlen. Aber haben Sie auch eine Alternative?
Herzliche Grüße, Reiner



Dachdämmung



Am besten ist die Erneuerung der Dachhaut (das sind die Ziegel) und in dem Rahmen auch der Ausbau des Dachgeschosses.
Wie das dann genau aussehen kann hängt vom Zustand des Dachtragwerkes und der Tragfähigkeit der Decke ab. Üblich ist heute der Einbau einer diffusionsoffenen Unterspannbahn, darauf Konterlattung und Lattung mit Dachbelag, hier Ziegel.
Als Dämmung kann Hanf in Mattenform verwendet werden, auch Holzfaserplatten als Putzträger für Lehmputz sind möglich. Ob man bei Ihnen auf eine Dampfbremse verzichten kann ist nur bei genauer Kenntnis der Gegebenheiten zu entscheiden.
Statt Hanfdämmung gehen auch flexible Holzfasermatten, selbst Mineralwolle ist möglich. Innen kann man statt Putzträgerplatten und Lehmputz auch eine Beplankung aus Gipskarton anbringen. Was die beste Lösung ist hängt neben den Kosten auch vom Gewicht des Aufbaus und den gewünschten Nutzungseigenschaften (Schalldämmung, Phasenverschiebung) ab.



Kein Dach muss abgedeckt werden um es zu dämmen



Kein Dach muss abgedeckt werden um es zu dämmen, die vorgeschlagene Lösung wird mittlerweile schon im Neubaubereich angewendet…..

Die einfachen Lösungen sind meist die besten. Auch wenn viele Baunormen unzählige Bedingungen stellen. Die Erfahrungen sprechen eine eindeutige Sprache. Die angeführten Beispiele bedürfen aber des Rates eines Fachmanns vor Ort.

Durch die Fugen und Lücken zwischen den Dachziegeln kann zwar theoretisch Luft und auch Regen oder Schnee eindringen, jedoch der hohe Strömungswiderstand der Hanffasern verhindert größtenteils das Eindringen von Luft in der Praxis. Selbst wenn der Hanf einmal an den Fugen Feuchtigkeit bekommt, trocknet er alsbald wieder aus, ohne dass dann noch etwas bemerkt werden kann.

Im Altbestand findet sich oftmals nur eine Dacheindeckung ohne zweite Dachhaut (Hart-Unterdach oder Unterspannbahn). Viele Bauherren dämmten die Hanf-Dämmwolle direkt an die Dachziegel. Nirgends zeichnet sich über die Jahre ein Mangel oder gar ein Schaden ab. Die Bauherren und Damen sind nach Jahrzehnten noch zufrieden, keine Mängel vorhanden…..!!!

Der hohe Strömungswiderstand der Hanfdämmwolle (1,2 kPa s/m²) minimiert das Eindingen von Wasser oder Schnee bei Wind. Dringen dennoch geringste Mengen Feuchtigkeit durch die Ziegel, so leidet die Hanfdämmwolle keinen Schaden, wenn sie wieder abtrocknen kann.
Wir finden für diesen Aufbau prinzipiell keine Einwände, sofern die Dachziegel insgesamt in gutem Zustand sind.

Auf dem Bild ist die abgeschlossene Leistung / Dämmung im fertigen Zustand zu sehen.

@ BAUST Bau & Sanierung Struve
Kompost gibt es immer nur dann wenn Holz / Sparren von unten und oben schön in Folie eingepackt werden…..



Mit freundlichen Grüßen vom Schwanenhof
me. Gerold Sparwasser



Dachdämmung



Hallo Herr Sparwasser,
mit Ihrem ersten Bild scheinen Sie dem Fragesteller zu suggerieren das man sein Dach ohne Erneuerung der Dachhaut dämmen kann, er muß nur die USB abschneiden. Ob dieses Bild so einen Fall zeigt- Dachhaut blieb auf dem Tragwerk drauf- bezweifle ich.
Eine neue Firstpfette aus BSH, eine neue Fuß- bzw. Mittelpfette auf einem neu eingezogenen Betonbalken; ich glaube nicht das so etwas von einer Ziegeldeckung mitgemacht wird.
Das man zur Not und unter bestimmten Umständen auch ohne Erneuerung der Ziegel dämmen kann ist machbar, ich habe vor ein paar Tagen einem Kunden dafür ein Konzept geschrieben. Das heißt aber nicht das in diesem Fall, ohne jegliche Kenntnis der konkreten Umstände, so etwas funktionieren wird.
Beim zweiten Bild hoffe ich das für diese recht fragile Konstruktion ein statischer Nachweis vorliegt.





Hallo Herr Böttcher,
ein statischer Nachweis lag hier natürlich vor / war auch nicht so einfach die Sache, aber hier geht es ja um Dämmung.
Finde übrigens gut das Sie auf solch einem Bild direkt die Problematik erkennen und darauf eingehen…… Man erkennt einfach wer hier vom Fach ist!


Mit freundlichen Grüßen vom Schwanenhof
me. Gerold Sparwasser



Stallausbau



Grundsätzlich stimme ich den Bedenken von G. Böttger und O. Struve zu: der von G. Sparwasser empfohlene Aufbau entspricht nicht den Richtlinien des ZVDH, allein die Wohnnutzung (2 erhöhte Anforderungen an die Dachdichtigkeit) macht eine Unterspannbahn notwendig. Ohne die Dachgeometrie zu kennen und weitere Parameter wie Orientierung zu den Himmelsrichtungen, Lage des Gebäudes etc. ist es aber müßig bzw. fahrlässig, Ausbaurezepturen aus dem Ärmel schütteln zu wollen.

Wie immer können solche Empfehlungen nur dann wirklich realistisch und fachgerecht gegeben werden, wenn die örtliche Situation im Detail bekannt ist. Und dazu zählen auch die anschließenden Bauteile, deren Zustand und Aufbau.

Allein der Dachstuhl / die Sparrenlage mit 10-12cm wird nicht in der Lage sein, die zusätzliche Belastung aus dem Dachausbau zu tragen. Um eine nach EnEv ausreichende Dämmung von min. 20cm einbauen zu können, müssen die Sparren aufgedoppelt werden oder es wird mit einer Aufsparrendämmung gearbeitet. Auch hier muß der gesamte Dachstuhl erst einmal aufgenommen und statisch bewertet werden.

Zudem sollte vor einem solche Ausbau gerade bei ehemaligen Stallungen eine sehr sorgfältige Bestandsaufnahme durchgeführt werden mit einer Untersuchung der Bausubstanz schwerpunktmäßig im Bereich der Feuchteschäden und der Salzbelastung aus Tierfäkalien. Hier sind m.o.w. große Belastungen zu erwarten, die realistisch bei einem Sanierungskonzept von Anfang berücksichtigt werden sollten - auch finanziell.

Nicht zuletzt sind mit einem solchen Stallausbau auch die baurechtliche Fragen verbunden (Umnutzungs = Bauantrag, Grenzständigkeit = Brandschutz/Belichtung, Ausnutzung des Grundstücks etc.)

Es gibt also einiges mehr zu bedenken als nur die richtige Dämmung. Wo in NRW befindet sich Ihre Hofanlage ?

PS. Konrad Fischer formuliert extreme Positionen; die Wahrheit liegt meistens in der Mitte und ist weniger spektakulär, dafür aber differenzierter in der Betrachtung.



Salze aus Tierhaltung und mögliche Auswirkungen



Ein Bekannter in Brandenburg hat eine ehemalige Stallung, dann Autowerkstatt, in ein Wohnhaus umgebaut. Nach ca. 8 Jahren flogen die Sicherungen ständig raus, eine Messung ergab, dass die Steckdosen im ehemaligen Stallbereich nicht mehr sicher waren. Alle neu Verlegen Stromkabel und insbesondere die Steckdosen in diesem Bereich mussten Augetauscht werden, der Zement freie Lehmputz konnte die Salze vermutlich nicht aufhalten.



Stalldach-Dämmung



Hallo Reiner,
Verschiebe doch deine neue Frage in diesen Bereich, sonst wissen neue Leser nicht worum es geht.

KF hat in mancher Skepsis sicher Recht, schreibt aber fast nur zu FALSCHEM und leider kaum etwas zum RICHTGEN Dämmen oder was hast du diesbezüglich gefunden?
Manche Empfehlungen führen dann zu Wohnverhältnissen wie in mittelalterlichen Burgen wo es nur dicht am Kamin halbwegs erträglich ist und dazu Unmengen an Brennholz verheizt werden müssen.
Infos sind teilweise ganz interessant- nur etwas schwer zu finden.

Bei der vorhandenen Sparrenstärke müßte auf jeden Fall aufgedoppelt und gleichzeitig verstärkt werden.
Ebenso müßte der Zustand der jetzigen Holzkonstruktion überprüft werden.

Wenn evt ohnehin die bestehende Deckung erneuert werden sollte wäre Außendämmung zu überlegen- wobei sich dabei die Ansicht durch dickeren Dachaufbau ändern würde.
Bei einer Neudeckung würde ohnehin ein regendichtes Unterdach hergestellt werden.

Bei Beibehalt des bestehenden Daches und nur Dämmung von unten hättest du das Risiko, daß durch jede defekte Dachpfanne, jeden kleinen kaum sichtbaren Riß unbemerkt Unmengen von Wasser in deine Dämmung eindringen können, was eine Totalsanierung notwendig machen könnte.

Daher wäre es in jedem Fall besser, das bestehende Dach abzudecken und lt Fachregeln neu zu decken inkl Unterdachplatten/ Konterlattung etc.

Aufdachdämmungen zB mit Holzfaserplatten haben den Vorteil einer lückenlosen, wärmebrückenfreien Ausführung und können zusätzlich mit einer Zwischensparrendämmung kombiniert werden.
Ein weiterer Vorteil ist auch der Raumgewinn im Inneren.
Nachteil: teurer und verändert die Außenansicht.

Alternativ von außen nach innen:

Tondachpfanne (passend zum Bestand)
Dachlattung
Konterlattung
Unterdachplatte wasserdicht als bituminierte/paraffinierte Holzfaserplatte
Sparrenlage inkl Verstärkung und Höhenausgleich d ges. mind 240 mm,
Hohlraum mit Zellulose ausblasen als günstigste Variante, alternativ Hanfdämmung o.a.
Dampfbremse
Je nach Sparrenabstand horizontal verschraubte Kanthölzer
dazwischen Holzfaserplatten als zusätzliche Dämmung und zur Vermeidung von Wärmebrücken.
Innenverkleidung ( GipsFaserPlatte,Lehmbauplatten, Holz etc)

Dies wäre dann eine der Standardvarianten.

U-Werte etc lassen sich dabei problemlos je nach gewünschtem Dämmstandard anpassen.

Wann soll denn der Umbau stattfinden?
Du kannst mir Bilder mailen von innen und außen-dann läßt sich mehr sagen über Möglichkeiten und Notwendigkeiten.

Es ist auch völlig ok sich erst einmal einen Überblick über verschiedene Alternativen zu verschaffen.
Viele hier nehmen diese als Anleitungen um möglichst fehlerfrei und trotzdem kostengünstig ihre Häuser in Eigenarbeit zu sanieren, was häufig bei knappem Budget gar nicht anders machbar ist.

Die Fachplanung und Anleitung kann dann immer noch in sehr reduzierter Form und viel kostengünstiger von Fachleuten übernommen werden und führt dann trotzdem zu bauphysikalisch einwandfreien und dauerhaften Sanierungen.

Ich bin immer wieder mal in meinem Haus bei Bonn ,(Feldbranntstein/Sandstein Bj 1910) und könnte mir deins dann ansehen und kenne ggf auch andere Planer/Handwerker für Mithilfe oder Umbau.
Meine Daten sind hinterlegt

Andreas Teich



Dachdämmung



zur Vermeidung von Feuchteanreicherungen ließe sich ja problemlos noch eine Dampfbremse einbauen.
Ralf Plag schreibt auch, daß bei seiner Software kapillare sorptive Eigenschaften von Dämmstoffen nicht berücksichtigt werden, was in vielen Fällen zu viel besseren Ergebnissen führen würde.
Bei Berechnung mit Wufi würde der vorgeschlagene Aufbau sicher günstiger dastehen.
Und tatsächlich wurden jahrzehntelang solche und ähnliche Konstruktionen praktiziert.
Mir wäre aber gerade bei einem aufwändigen Komplettausbau das Risiko zu hoch, daß selbst bei nur einer defekten Dachpfanne die Konstruktion unbemerkt Schaden durch eindringendes Regenwasser nehmen könnte inkl Verrottungsmöglichkeit der Dachkonstruktion.

Risse in Dachpfannen oder abgesplitterte Ecken im Überdeckungsbereich sind fast nur aus direkter Nähe sichtbar.

Andreas Teich