Dachdämmung mit runden Sparren

02.05.2021 Karl


Liebe Community,
ich habe eine Frage zur Dachdämmung. Unsere Energieberaterin hat uns vorgeschlagen das Dach (erhaltenswerte Bausubstanz) folgendermaßen zu dämmen:
Aufbau von innen nach aussen:
GKB 12,5 mm
Lattung /Luftschicht
Sparren-zum Teil abgerundet-BJ 1875-ca. 12 cm stark (Stärke differiert aber um 1-2 cm, also 12-14 cm)
dazwischen Holzfaserdämmung WLF 040
Luftdichtbahn
Pavatex 8 cm
Konterlattung /Lattung/Ziegel
Empfehlung war, dass der Dachdecker die Konstruktion beim Hersteller z.B. Pavatex, mit Wufi rechnen lässt.

Das war auch alles für uns klar. Eine klassische Konstruktion mit Dampfbremse raumseitig lässt sich schwierig realisieren, da wir einen liegenden Stuhl (Walmdach) haben, und die Anschlüsse aufgrund der Kopfbänder usw. aufwendig sind.

Gestern war ein Zimmermann vor Ort, der uns diesen Aufbau nicht empfohlen hat, da er meint, die Sparren, die zum Teil abgerundet sind, lassen sich mit diesem Material nicht richtig ausdämmen, da sich das Material nicht richtig in die Rundungen anarbeiten lässt und durch die unterschiedliche Sparren sei es auch schwierig, das richtig auszudämmen, da der Sparrenzwischenraum vollflächig ausgefüllt sein muss.
Sein Vorschlag war: entweder Mineralfaser als Zwischensparrendämmung oder doch aufwendig ankleben und mit Ausblasdämmung ausfüllen, oder PUR auf das Dach als komplette Aufdachdämmung.
Eigentlich stehen wir der letzten Variante skeptisch gegenüber, da sich die Dachansicht vermutlich deutlich ändert, es sich um einen Kunststoff handelt der irgendwann auch wieder entsorgt werden muss.
Er sieht den Vorteil aber u.a. darin, dass die Dachsparren immer zugänglich sind, ein evtl. Wurmbefall etc. festgestellt werden kann, auch das leuchtet uns ein.
Es sind wenige Sparren wegen Wurmbefall auszutauschen. Der Großteil des Dachstuhls ist in Ordnung, aber ausschließen können wir natürlich nicht, dass wir da etwas mit "einschließen". Er empfahl uns noch den Dachstuhl im Vorfeld mit Borsalz zu behandeln ("tränken" durch spritzen oder streichen, der Dachstuhl ist von 1875 bauzeitlich).
Frage: hat jemand Erfahrung damit, runde Sparren auszudämmen? Wir dachten, dass z.B. Steico Dämmfilz relativ ähnlich wie MF zu Verarbeiten ist (2 cm größer zuschneiden und reinklemmen). Ist das nicht so?
Welche Variante würdet Ihr wählen und warum? Gibt es Verbesserungsvorschläge?
Wir sind dankbar für Eure Hinweise!

herzliche Grüße und schönen Sonntag
Karl



Dachdämmung



wie ist der gegenwärtige Dachaufbau, Ziegel ? Gibt es bereits eine 2. wasserführende Ebene sprich Unterdeckbahn? Foto vom Ist-Zustand (Dachinnenseite) wäre hilfreich ?
Oben unter dem Menüpunkt "Lupe" ist die Suchfunktion nach einigen Werbeeinträgen folgen die Beiträge des Forums zum Thema, da gibt es einige Dutzend zum Einlesen an diesem trüben Maitag.



Dachdämmung


Dachdämmung

Hallo,
momentan gibt es nur eine Lattung mit Ziegeleindeckung. Das Dach soll ausgebaut werden. Zum Teil war ein Ausbau vorhanden aber nur mit Lattung und Putz, innen auf den Sparren ohne Dämmebene.
Auf dem Foto sieht man die Sparren und die Streben mal beispielhaft.
Danke für den Hinweis mit den Herstellern, aber das Problem für mich ist, dass ich es nicht einschätzen kann. Die Beispiele bei den Herstellern gehen immer vom perfekten Neubausparren, Vierkant, perfekt aus. Nur ist das bei uns leider nicht der Fall. Holzfaserplatten habe ich noch nicht verarbeitet, ich kann nicht einschätzen, ob die sich bei etwas größerem Zuschnitt perfekt an die Rundungen am Sparren "anschmiegen" und die Dämmung damit dicht anliegt.
Ich glaube schon, dass die Einblasdämmung perfekt wäre, weiß aber nicht, ob es technisch / handwerklich machbar ist, dass die Platten oder die Folie drunter dicht anzubringen ist, wegen der Binderebene.

Viele Grüße
Karl



Aufsparrendämmung



das ist in der Tat nicht einfach. Du schriebst von der Variante Ausparrendämmung. Das heißt, Ihr überlegt die Ziegel aufzunehmen? Es gibt auch die Möglichkeit eine Aufsparrendämmung mit Holzfaserplatten umzusetzen , z.B. UdiTop von Unger Diffutherm. Damit hättet Ihr Dämmung und 2. wasserführende Ebene in einem.
Was ich aus so sehe ist, dass es fast unmöglich ist, starre Holzfaserplatten zwischen die runden Sparren dicht zu kriegen.
Wie ist denn Euer Raumkonzept für da oben? Wäre es eine Option hinsichtlich des Raumverlustes, die gesamte Sparrenebene als Hinterlüftung zu belassen und mit dem Ausbau danach zu beginnen.



Dachdämmung



Hallo,
da war wohl wieder die Autokorrektur am Werk: Entschuldigung, gemeint war Aufsparrendammung, das heißt wir wollten mit Pavatex o.ä. eine Dämmung auf den Sparren mit 8 cm vorsehen, darauf dann Lattung und Ziegel. Zwischen Sparren und Aufdachdämmung eine luftdichte Bahn, zwischen die Sparren eben dann die Holzwolledämmung, z.B. Steico flex, nach innen dann die GKB. Wie gesagt, der Zimmermann meint, dass man die Rundungen der Sparren nicht richtig ausdämmen kann. Aber mir ist nicht klar, warum das mit MF besser gehen soll. Da kann ich den Klemmfilz doch auch etwas größer zuschneiden und reinklemmen. Ich dachte, das sei analog mit Steico flex?? Komplett außen wollten wir nicht dämmen, da sich dann die Ansicht des Hauses wohl deutlich verändert, es müsste ja ein größeres Paket aufgebracht werden, das ginge dann wohl nur mit PUR o.ä.
Das hat uns der Dachdecker auch vorgeschlagen, weil der Vorteil wäre, dass die Sparren immer von innen zugänglich wären (Prüfung Wurmbefall).
Viele Grüße
Karl



Aufsparrendämmung



wenn Ihr eine Aufsparrendämmung mit einer Unterdeckplatte z.B. von Pavatex einbaut, wäre damit eine 2. wasserführende Ebene UND eine Luftdichtigkeite umgesetzt. Dann kann die luftdichte Bahn zwischen Sparren und Aufdachdämmung entfallen. Die Steico flex kann dann direkt bis unter die Pavatex verlegt werden, innen eine variable Dampfbremse, dann der Innenausbau. Da der Aufbau diffusionsoffen nach außen ist, wäre er auch wesentlich fehlertoleranter . Eine Herausforderung würde bei den vielen Balkendurchführungen wäre allein die Verlegung der Dampfbremse. Und klar, eine flexible Holzfaser läßt sich genau so gut an die Rundungen der Sparren anpassen wie eine MIWO-Dämmung.
Wichtig wäre halt, die Pavatex sauber und spaltfrei auf die Sparren zu kriegen und vor allem an der Traufe und am Ortgang dicht anzuschließen.



Dachdämmung



Schau mal hier, so könntest du es machen: https://www.steico.com/de/loesungen/sanierung/dachsanierung
Alternativ zur genannten Zwischensparren-Dämmmatte könntest du z. B. Isofloc einblasen lassen. Was den Vorteil hat das dabei alle schlecht zugänglichen Ritzen und Hohlräume gefüllt werden.

Wenn dir die Mittelpfette und Kopfbänder "im Weg" sind, könntest du an die Sparren sog. Sparrenexpander schrauben und sie damit bis zur inneren Ebene der Pfette/Kopfbänder aufdoppeln. So dass diese in der Dämmebene verschwinden. Die dadurch verdoppelte Zwischensparrendämmung kannst du an der Aufsparrendämmung teilweise einsparen, wen du statt der angedachten 8 cm nur 3cm HWF-Platten auf die Sparren montierst.
Die in der Grafik dargestellte "Luftdichtungsbahn" (Pos. 3) ist eigentlich nur eine Winddichtung, damit keine Kaltluft in die Dämmung zieht. Die kann man sich sparen, wenn man die Aufsparren-Dämmplatten an den Rändern winddicht abklebt (was man mit der "Luftdichtungsbahn" auch machen muss).

Mit den Sparrenexpander kannst du auch die Unebenheiten der Sparren ausgleichen und daran die Innenbeplankung montieren.
Schraubst du zuerst eine Lage OSB-Platten an und klebst deren Stöße und Anschlussfugen zu den Wänden ab, hast du gleichzeitig die innere Dampfbremse und eine vollflächige Auflage für die GK-Platten (10mm reichen dann).
Wenn es dich interessiert, kannst du darauf auch die 16mm-Lehmtrockenputzplatten schrauben und mit Lehmputz verspachteln.

Thema Prüfung Wurmbefall: Wenn das Holz zur Zeit wurmfrei ist und das Dach nachher mehr oder weniger hermetisch abgedichtet ist, wie sollen dann noch Schädlinge eindringen können? Meiner Meinung nach ist eine wiederkehrende Prüfung ist nicht mehr nötig.

Ein kleine Korrektur noch. Du schreibst: "....das heißt wir wollten mit Pavatex o.ä. eine Dämmung auf den Sparren mit 8 cm vorsehen, darauf dann Lattung und Ziegel."
Da fehlt noch etwas: Auf die Dämmplatten kommt erst eine Konterlattung, darauf dann die Lattung und die Ziegel, damit die Ziegel hinterlüftet sind. (siehe Grafik in dem Link)

Gruß,
KH



Dachdämmung


Dachdämmung

Hallo zusammen,
vielen Dank schon mal für Eure Antworten, ich habe bei Steico Sanierung schon mal nachgeschaut und es beruhigt mich, dass man die Dämmung so verarbeiten kann wie MF. Dieser Teil sollte nämlich unsere Eigenleistung werden. Den Tipp mit den Expandern finde ich sehr gut, das kannte ich noch nicht, habe gleich Mal gegoogelt. Leider kann ich die Aufdopplung bis auf Pfette nicht realisieren, das trägt zu viel auf, die Binder wollten wir sichtbar lassen. Jetzt habe ich aber nochmal eine Frage zu der Dampfbremse mittels OSB und der Ausblasdämmung: würdet Ihr denken, dass man das dicht an die Binder anschließen kann? Die Ausblasdämmung wäre natürlich super, mit den Expandern könnte man die Sparren auf eine Ebene ausgleichen, Problem wären vermutlich die Felder in den Kopfbändern (siehe Foto). Macht die Ausblasdämmung immer der Dachdecker mit oder fragt man am Besten bei Firmen wie Isotec o.ä. direkt an?
Beste Grüße
Karl



Muß..



..denn die Eindeckung zwingend runter ?
Es gäbe ansonsten auch die Möglichkeit , Holzweichfaserplatten unter die Lattung zu montieren
und dann nach innen aufzudoppeln und mit Einblasdämmung und Dampfbremsbahn und dann deinen Innenausbau zu realisieren .
Wenn die Deckung durch ist ,und eh getauscht werden muss ,ist die Unterdeckplatte aus Weichfaser auf jeden Fall sinnvoll.
Anschluß Dampfbremse an Bindersparren sieht doch ganz machbar aus ..

Einblasdämmung zB Zellulose ist ggfls günstiger als der Materialaufwand Holzfaser ..



so in etwa ..


Dachdämmung .im Bestand

Gruß aus Minden



Wobei dann allerdings



die 2. wasserführende Ebene, zumindest über den Sparren, fehlen würde. Bei Schäden am Ziegel in dem Bereich würde der Sparren durchfeuchtet ?



Theo..



..retisch schon -
bei den vorhandenen Falzziegeln in ausreichend gutem Zustand ist mit das allerdings noch nicht untergekommen . Die Platten sollten im Traufbereich paar cm über die Aussenwand geführt werden.



Dachdämmung



Hallo,
vielen Dank für das Detail.
Die Eindeckung muss in jedem Fall erneuert werden. Ist die Einblasdämmung deutlich günstiger als die Holzfaserdämmung? Halten Sie die Anschlüsse für machbar? Ich war mir unsicher, da ich dachte, die vielen Ecken durch den Walm und die Binderebene sind für die Dampfbremse wahrscheinlich schwierig und machen die Sache unsicher.
Sollen wir deswegen am Besten beim Zimmerer oder bei einem Hersteller nachfragen, oder wer kann uns dazu eine gute Auskunft geben? Die Dachfläche sind etwa 200 m2.
Ist es machbar die OSB-Platten in Eigenleistung zu montieren und anzukleben oder ist davon eher abzuraten?
Vielen Dank!

Karl



der OSB..



..würde ich eine Dampfbrensbahn vorziehen , zB Intello + von proclima .
Kosten- und arbeitshalber .

Preise für alles was Holz ist drehen eh grad frei ..



OSB-Platten abdichten



Die OSB-Platten kann man schon dampfdicht an den Balken verkleben. Es ist zwar in manchen Ecken eine rechte Fummelei, aber es geht. Es gibt auch elastische Klebebänder für so etwas. Risse in den Balken, die im Bereich des Klebebandes sind, kannst du mit einem Kartuschenkleber für Dampfbremsen vorher verschließen, damit durch die keine Feuchtigkeit in die Dämmung strömen kann.
Wenn ich es auf dem Foto richtig interpretiere sind mind. 2 Kopfbänder-"paare" vorhanden.
Ich würde an deiner Stelle die Kopfbänder paarweise zwischen den liegenden Stühlen ausbauen, die OSB-Platten von unten bis zur Pfette durch verlegen, an ihr verkleben und die Bänder dann wieder davor setzen. Die nächsten OSB-Platten (bis um First) setzt du dann von oben auf die Pfette und verklebst sie auch an ihr.
Der Dachstuhl fällt nicht um wenn du nicht alle Bänder gleichzeitig raus nimmst und die ausgebauten wieder einbaust, bevor du das nächste Paar ausbaust.
Der kurze Balken über der Pfette sieht wie ein typischer Dachständerbalken aus, an dem ehemals entweder der Strommast des E-Werks, oder dessen Abspannseil montiert war. Wenn dem so ist, kannst du den einfach abschrauben und weg lassen.
Grundsätzlich ist eine Einblasdämmung eine der preisgünstigsten, vor allem schnellsten Varianten einer Dämmung und werden von Zimmerer, Dachdecker und/oder spezialisierten Firmen gemacht.
ISOFLOC z. B. garantiert für ihr Material nur wenn es von zertifizierten Firmen eingebaut wurde.

Gruß,
KH



@ KH Hubel ..



.."Kopfbänder paarweise ausbauen.."
- da wär ich nicht dabei - zumindest nicht nach bloßer Fotoansicht am Bildschirm
und nötig tut es auch nicht !



Danke



für Eure Beiträge und Hilfe, ich werde mich nochmal mit dem Zimmerer in Verbindung setzen :-) und das mit der Einblasdämmung abklären! In diesem Fall müsste das ja dann der Handwerker machen.
Ihr habt mir in jedem Fall weitergeholfen!

Beste Grüße
Karl