Dachbalken im EFH unterdimensioniert? Decke/Boden schwingt stark... was tun?

09.02.2020 keine JosefG



Hallo wir haben uns ein Einfamilienhaus gekauft, Baujahr 1954. Wir sind derzeit daran es komplett zu sanieren (Dämmung, Fenstern, Fußbodenheizung, Elektrik, Zu/Abwasser.... eigentlich fast alles). Das Haus hat 30/24er Bimssteinwände. Einige Setzrisse an den Außenfasse und innen, jedoch laut Architekten nichts statisch relevantes (alles unbedenklich und für das Alter normal).

Ich habe letzte Woche unsere Schilf-Gips-Decken im Erdgeschoss abgemacht. Erstens weil sie sehr schief gefertigt wurden, sie teilweise rissig waren und einfach weil ich sie gegen eine moderne Rigips-Decke ersetzen will.
Was mich an den Haus schon immer störte sind die Böden im ersten Stock. Da im Erdgeschoss eine Holzbalkendecke eingebaut wurde, sind die Böden im ersten Stock alle am knarzen und schwingen richtig unangenehm. Außerde hängen sie alle ziemlich durch.

Beispiel: Wenn ich durch das Wohnzimmer gehe klirren die Gläser im Schrank die zu nahe beieinander stehen. Wenn ich durch unser Schlafzimmer gehe und der Rolladen ist halb-unten dann scheppert dieser ziemlich laut und manche Türen von unserem Sideboard klappern aufgrund der Schwingung.

Für manche mag das romantisch sein "ach wie schön ein altes Haus", für mich ist das unerträglich.
Es muss eine Lösung her. Außerdem wird es im ersten Stock nach dem Umbau ein Bad geben (Fliesen) und ich möchte alle Heizkörper entfernen und auf Fußbodenheizung FBH umstellen (Schlüter System ENF 18 mit geringem Estrich). Dafür brauche ich einen Tragfähigen stabilen Boden.

Die Holzbalkendecke besteht bei uns aus 9-11cm breiten und 20cm hohen Balken. Der Balkenabstand ist mit 70cm leider sehr groß. Wir hatten bereits einen Statiker vor Ort der sagte es gibt 2 Möglichkeiten.

1) Zwischen jeden existierenden Balken einen zweiten in gleicher Stärke dazubauen. Reduziert die Schwingung auf die Hälfte.
2) Stahlträger quer durch den Raum bauen, die die Holzbalken unterstützen sollen.

Gerade bei Punkt 2 habe ich große Bedenken die Last die diese Stahlträger dann abbekommen in die Wand zu verteilen. Das führt doch zwangsweise zu einer Punktuellen Belastung und erneuter Risse oder?
Dazu kommt das meine Raumhöhe jetzt schon nur 258cm ist (nackt). Dazu kommen nochmal 5-10cm Decke und min 6-10cm FBH. Das wird mir zu eng und einen offenliegenden Stahlträger möchte ich eigentlich nicht haben.

Mein Wunsch wäre eigentlich eher Punkt 1.
Zwischen alle Balken einen neuen dazusetzen. Dann aber nachträglich auch die alten verzogenen Balken gegen neue austauschen. (die alten Balken sehen für meine unwissenden Augen nicht gerade hochwertig aus und sind teilweise auch beschädigt). Siehe Bilder.
Der Statiker sagte man kann die Balken nicht einfach so ersetzen. Ich frage warum das nicht gehen soll. Wenn man zuerst zusätzliche Balken einzieht und dann die alten ersetzt.

Der Raum ist 4,2x8,2m, bzw. es sind zwei Räume die mit einer Stellwand getrennt sind (aber Statisch gesehen ist es wohl ein Raum).

https://imgur.com/a/IaOPU7n



Deckenbalken Verstärkung zur Schwingungsreduzierung



Hallo Josef
Bei den gegeben Maßen ist die Decke nicht stark unterdimensioniert,
sofern ein Eigengewicht von ca 80 Kg/m2 und eine Verkehrslast von 200 kg/m2
nicht überschritten wird.
Vermutlich wird eher Masse fehlen.

Wenn die Balken komplett freiliegen und ausgerichtet werden müssen
gibt es die Möglichkeit, seitlich Bohlen anzuschrauben.

Breite der Bohlen:
Höhe des höchsten Punktes oberhalb und Höhe des niedrigsten Punktes unterhalb messen.
Wenn du die Bohlen mit dieser Mindestbreite (oder Breiter) an die Deckenbalken anschraubst erreichst du den gleichzeitig ober- und unterseitigen Höhenausgleich.

Alternativ dazu:
Wenn die Balken am Auflager ein einheitliches Niveau haben könntest du längs unter diese eine Bohle (zB 40/100 oder 40/120 mm) legen, oder für noch deutlich höhere Tragfähigkeit Ultralam-Schichtsperrholz LVL (laminated veneer lumber) mit nur parallel verleimten Fasern verwenden.

Darunter verstellbare Deckenstützen stellen und die Balken überhöht hochdrücken,
Anschließend die Bohle verschrauben- analog zu den Holz-Beton-Verbunddecken, die eine andere, aber weit aufwendigere Möglichkeit darstellen.

Zur Verbesserung des Schallschutzes Masse einbringen und/oder die üblichen Deckenverkleidungen mit Schwingungsabhängern montieren, ggf oberseitig einen
schallgetrennten Fußbodenaufbau herstellen.
Bei Fragen ggf mail schreiben



Deckenhöhe darf nicht reduziert werden.


Deckenhöhe darf nicht reduziert werden.

Hallo Andreas.

Danke für deinen Vorschlag.

Aber wenn ich 10cm unter die vorhandenen Balken schraube, verliere ich ja direkt 10cm Deckenhöhe im gesamten Raum.
Dann habe ich nachher 258cm-10cm(Balken)-5bis10cm(Angehängte Decke Rigips)-6cm FBH-3cm(Fußbodenbelag)= 229cm Deckenhöhe.
Das wäre Fatal.

Seitlich an die Vorhandenen Balken zusätzliche Balken anschrauben hatte ich auch schon angedacht. Aber ich würde eigentlicht lieber komplett neue Balken, mit geringerem Balkenabstand einbauen, da die vorhandenen Balken schon sehr verdreht und verbogen sind (einer in der Mitte gar gerissen).



Ergänzung


Ergänzung

Hier die zusätzlichen Balken/Stahlträger eingezeichnet (schwarz) wie der Statiker es möchte. Bzw. im Endeffekt hätte ich mit deiner Lösung das gleiche Problem: Deckenhöhe unter 230cm



Balkendimensionierung zur Reduzierung der Deckenschwingungen



Du kannst die Deckenverkleidung ja auch direkt unter die Balken schrauben,
nur müßtest du den schallreduzierenden Aufbau dann oberhalb der Decke vornehmen.

Alles erneuern geht sicherlich- du mußt nur sehen wie du die Balken in die Maueröffnungen bekommst.
Die Auflagertiefe soll etwa 12 cm betragen, d.h. ein Loch muß mind. 25 cm tief sein
und ggf durch die ganze Wand gehen.

Es wäre viel einfacher die vorhandenen Balkenauflager zu verwenden und als Balkendimension 10/24 cm KVH nsi mit C24/ S 10 zu verwenden (ca 380 kg Fixlast möglich) oder 8/24 mit ca 280 kg Fixlast.
Wenn du mehr Deckenhöhe bevorzugst 12/20 Balken verwenden mit ca 250 kg Eigengewicht der Decke.
Verkehrslast ist immer mit 200 kg angenommen.

Das genügt für jede Deckenbeschwerung und jeden möglichen Aufbau