Dachaufbau (Dämmung, diffusionsoffen)

26.07.2015 crab-key



Hallo,

ich plane (bzw. muss) mein Dach neu decken lassen und will auch gleich eine Dämmung (auch als sommerlicher Hitzeschutz) einbauen.
Der angedachte Dachaufbau von außen nach innen ist:
- Dacheindeckung (Metall, Doppelstehfalz)
- Dachlattung / Konterlattung
- Winddichtheitsschicht (Unterspannbahn)
- Dachschalung (Fichte 20mm)
- Sparren mit Zwischensparrendämmung (Thermohanf 100mm)
- Untersparrendämmung (Holzfaserdämmplatte 40 oder 60mm)
- Dampfbremse
- Lattung und Innenverkleidung (Rauspund)

Die Frage die sich mir stellt ist, ob ich die vorhandene Dachschalung besser entfernen?
Ich möchte mir natürlich möglichst viel unnötige Arbeit sparen, aber die Dachschalung widerspricht ja der eigentlichen Maxime, dass der Aufbau nach außen hin immer diffusionsoffener sein sollte.



Dachdecken



Welche Dachform und Neigung hat es ?

Wie soll die Hinterlüftung gewährleistet werden?

Warum überhaupt ein Metalldach, welches bauphysikalisch, vom Hitzeschutz und vom Lärm bei Regen und Hagel negativ ist?

Kann auch nicht gut repariert werden und dürfte auch nicht sehr günstig sein.

Oder nur wegen der Optik?

Wenn die vorhandenen Schalung in Ordnung ist muß diese natürlich nicht ersetzt werden.

Andreas Teich



Metalldach



Der Aufbau ist falsch.
Von außen nach innen
Doppelstehfalz,
Je nach Material der Deckung und der Dachneigung eine V13 oder eine Strukturmatte,
Vollflächige Schalung mind. 24 mm,
Hinterlüftungsebene, Höhe abhängig von DN,
Winddichtung,
Dämmung,
Dampfsperre,
Innenausbau.

Metallbedachungen sind extrem langlebig.

Sie haben keinerlei Nachteile bezüglich sommerlichem Hitzeschutz oder Geräuschentwicklung bei Regen.

Voraussetzung dafür ist eine fachgerechte Planung und Ausführung.



Metalldach oder was?



Vielen Dank für die schnellen Antworten. Hier ein paar Sätze zur Erläuterung:

Dachform und Neigung?
- teilweise Satteldach ca. 39°
- teilweise Schrägdach ca. 6°
Zur Verdeutlichung habe ich noch eine Schemazeichnung hinzugefügt.

Warum Metall?
- Dachziegel, -schindeln sind zu schwer für meinen Dachstuhl bzw. bei dem Schrägdach nicht geeignet (ich möchte gerne nur eine Art der Dachdeckung haben)
- Metallbedachungen sind für beide vorhandenen Neigungen geeignet (je nach Modell und eventuelle Zusatzmaßnahmen, wie z.B. Dichtbänder), sehen (meiner Meinung nach) schick aus, sind extrem langlebig und dadurch relativiert sich teilweise auch ein teurerer Preis
- Bitumenbahnen oder -schindeln sind i.d.R. häßlich, weniger lange haltbar und benötigen eine Dachschalung (auf die ich eigentlich verzichten wollte)
- Wenn jemand noch eine Alternative weiß? Gerne…

Hitze und Lärm?
Ich habe auch länger mit dem Metalldach gehadert, aber seit ich meinen letzten Urlaub in Berchtesgaden war und dort fast alle Dächer mit Metall gedeckt waren, habe ich mir gedacht, dass es so schlimm ja nicht sein kann, v.a. wenn noch ca. 20cm Dämmung angebracht werden?! In Anbetracht sehr dünner Wände ist das Dach hier wahrscheinlich nicht das Problem…

Ich hatte an eine Metallbedachung gedacht, die auf eine Lattung montiert ist und nicht auf eine Dachschalung (würde jetzt nicht direkt von selbsttragend reden, da ja je nach Lattenabstand keine großen Flächen überspannt werden müssen). Dies ist jedoch vermutlich kontraproduktiv bezüglich der Geräuschbelastung?!



Dachdeckung



Ich würde dann zumindest für das flache Dach EPDM Folie nehmen-das kann problemlos begangen werden, bekommt keine Dellen durch Begehung oder Hagel und ist rutschfest.
Von der Lebensdauer her eher besser als Blechbedachung.

Sofern das nicht zu sehr im Schatten liegt kann eine Vollsparrendämmung verwendet werden mit Zelluosedämmung und feuchtevariabler Dampfbremse- ohne Hinterlüftung möglich.

Bitumenschindeln finde ich normalerweise auch nicht so super, wurde aber bei unseren Nachbarn gerade erneuert, nachdem die alten über 30 Jahre lagen und das in einer sehr stürmigen Gegend.

Bei heute besseren Fabrikaten kann sicher von einer viel höheren Lebensdauer ausgegangen werden, sodaß es angesichts der Kosten rentabler sein müßte als ein Blechdach und auch gut selber ausgeführt werden könnte.

Andreas Teich



Metalldach



"Ich hatte an eine Metallbedachung gedacht, die auf eine Lattung montiert ist und nicht auf eine Dachschalung (würde jetzt nicht direkt von selbsttragend reden, da ja je nach Lattenabstand keine großen Flächen überspannt werden müssen)."

Eine Stehfalzdeckung ist auf eine vollflächige mindestens 24 mm starke Schalung zu montieren. Alles andere ist nicht zielführend.
Industrieprofile wie Kalzip oder Tecu, sowie Trapezbleche benötigen nur eine Lattung.

"Ich würde dann zumindest für das flache Dach EPDM Folie nehmen-das kann problemlos begangen werden, bekommt keine Dellen durch Begehung oder Hagel und ist rutschfest.
Von der Lebensdauer her eher besser als Blechbedachung."

... Und was träumst du nachts?
Metallbedachungen halten (fachlich richtig eingebaut) mehrere hundert Jahre.



Lebensdauer vom Metalldach?



Wo gibt's denn ein Beispiel eines Metalldachs mit mehreren hundert Jahren Lebensdauer???
Der Fragesteller hatte wohl nicht vor, Kupfer- oder Bleiplatten aufs Dach zu legen und alles andere gibt's noch nicht so lange oder sollte ich etwas verpaßt haben?

Andreas Teich



Metalldächer



"Wo gibt's denn ein Beispiel eines Metalldachs mit mehreren hundert Jahren Lebensdauer???"

Nur ein bekanntes Beispiel neben vielen anderen: Hagia Sophia, gebaut 532-537; deren Dach ist noch weitestgehend i.O.
Des Weitern gibt es zahllose Profan- und Sakralbauten mit teils sehr alten Metalldächern.
Oder die Dachlandschaft in Paris aus der Mitte des 19. Jhds.

"…Kupfer- oder Bleiplatten…"

Das sind Bleche und keine Platten; wenn man über Technik schreibt, sollte man sich schon der korrekten Terminologie bedienen;-)



Alles Blech?



Da der Fragesteller kaum sein Dach mit historischen Materialien decken will läßt sich vielleicht auch nicht die Lebensdauer von zum Teil vergoldeten Metalldächern mit heutigen Materialien vergleichen?

Und ob die Dachdeckung als Blech oder Plattenmaterial bezeichnet wird ist mehr akademischer Natur- auch Hersteller von Metalldächern bezeichnen ihre Dächer als Plattenmaterial, da 'Blech' rein sprachlich als eher abwertender Begriff verwendet wird (wiewohl bei dünnen Metalltafeln fachlich korrekt)

Gute Fabrikate haben bei korrekter Verlegung sicher eine hohe Lebensdauer -es gibt aber ebenso Metallpfannen oder Blechdächer, die nicht lange überleben.
Nachteilig ist in jedem Fall die mögliche Geräuschbelästigung bei Regen/Hagel und dadurch und durch Begehen verursachte irreparable Dellen/Eindrücke, Kondenswassergefahr etc

Ver-zinktes Blech würde ich nicht verwenden,
dann besser Titanzink, Kupfer, Alu (wobei das wiederum ökologisch nachteilig ist) Wie so oft eine Preisfrage.

Da das Dach gedämmt werden soll muß ist ohnehin eine Sparrenaufdoppelung sinnvoll, die auch zur Verstärkung der Dachkonstruktion beitragen kann. Dann läßt sich vielleicht auch ein Pfannendach verlegen.
Wenn das Mehrgewicht von vielleicht 50-60 kg nicht getragen werden kann ist womöglich noch anderswo der Wurm drin und fraglich ob sich auf einer solchen Konstruktion ein neues Metalldach lohnt.

Der Hitzeschutz von Hanf ist ca 25% schlechter als von Zellulose oder Holzfaserplatten- je nach Notwendigkeit und Ausrichtung der Dachflächen besser solche Materialien verwenden.

Andreas Teich



Dachschalung aus OSB?



Bei dem Hanfprodukt, das ich im Auge habe steht: "Neben der besonders guten Dämmwirkung überzeugt dieser Naturdämmstoff durch sein hohes Raumgewicht von 55 kg pro Kubikmeter. Dadurch ist im Sommer ein ausgezeichneter Hitzeschutz gewährleistet, da das Produkt für eine besonders lange Phasenverschiebung sorgt. Zum Vergleich: gängige Hanfdämmstoffe wiegen ca. 40 kg pro Kubikmeter, flexible Holzfaserdämmstoffe meist maximal 50 kg pro Kubikmeter."

Hoffe mal, dass das auch stimmt...

Zwischen die Sparren würde ich ja auch nur flexible Holzfaserplatten bekommen, die im Vergleich zu den dichten Platten auch einen schlechteren Hitzeschutz haben. Zellulose einblasen möchte ich nicht.
Zur Verbesserung des Hitzeschutzes (und auch der Dämmwirkung) soll dann ja zusätzlich auch noch eine Holzfaserplatte unter die Sparren.

Ich werde dann jetzt (nachdem ich mir heute die vorhandene Schalung auch noch einmal genau angeschaut habe) diese entfernen und eine neue Dachschalung auf einer ausreichenden Hinterlüftungsebene aufbringen.

Auch wenn ich die Sparren aufdoppel, kann ich auf einem Teil des Daches aufgrund der Neigung keine Pfannen verwenden. Ich liebäugele zwar weiterhin mit Metall, kann aber sein, dass irgendwo der Sparfuchs lauert und ich einfach Dachpappe draufmache.

Spricht bei der Dachschalung etwas gegen OSB?



OSB vs. Schalungsbretter



Der Vorteil von OSB wäre meines Erachtens, dass es beim Einbau trocken ist. Dachschalungsbretter sind oft sägefrisch, wodurch man sich gleich Feuchtigkeit ins Dach holt. Außerdem arbeiten Bretter dauerhaft mehr (Quellen/Schwinden) als ein Holzwerkstoff.
Vorteile der Schalungsbretter:
- leichter zu händeln (Gewicht, Größe)
- leichter an Dachform, -größe, -aussparungen (Fenster, Schornstein etc.) anzupassen
- Feuchtigkeit, die zwischen Schalung und Dacheindeckung entsteht kann besser entweichen
Preislich (Material/m²) nehmen sich die beiden Varianten ja nicht viel...