Dachausbau und lauter verschiedene Meinungen...

20.04.2008



Hallo zusammen!

Mein Mann und ich haben ein älteres, schnuckeliges Häuschen gekauft. Da schnuckelig meißt gleich klein bedeutet, ist unser Plan, das Dach auszubauen, um dort unseren Schlafbereich unter zu bringen. Drum haben wir bei der zweiten Besichtigung gleich Architekt und Zimmermann im Gepäck gehabt. Alle waren sich einig: Null Problemo!

So, nun haben wir mit dem Aus- und Umbau des Häuschens begonnen, im DG hat vor einer Woche der Zimmermann begonnen. Das Häuschen ist 1951 gebaut, das Dach muß aber irgendwann in den 70ern mal gemacht worden sein. Es befinden sich gesandete Betonziegel auf dem Dach in erstaunlich gutem Zustand, alle sind sich einig, die können noch gut und gerne 10-15 Jahre durchhalten. Direkt drunter ist eine "schöne" schwarze Teerpappe. Mehr nicht.

Wir = absolute Laien, haben von Zimmermann + Architekt folgenden Aufbau vorgeschlagen bekommen: Sparen aufdoppeln auf ca. insg. 16 cm, Glaswolle 14 cm dick rein, Dampfbremse drüber, Rigipsplatten drauf.
Aufgedoppelt hat der Zimmermann mittlerweile, nun sollte eigentlich die Glaswolle rein. Er hatte sich aber mittlerweile nochmal erkundigt und Bedenken angemeldet, die wir nun, nachdem wir uns etwas mit dem Thema befasst haben, definitiv teilen.

Nun ist guter Rat gefragt. Wir hatten bisher 2 Dachdecker bei uns zur Ansicht. Beide haben einstimmig das gleiche Urteil abgegeben, das geht so nicht...

Einer hat uns vorgeschlagen, einfach zu den vorhandenen 16 Lüfterziegel noch zusätzliche einzusetzen, hinter jedem Lüfterziegel die Teerpappe einzuschneiden, den First (jetzt gemörtelt) zu ändern in einen "trockenen First" (mit diffusionsoffener Plane darunter) und somit eine entsprechende Hinterlüftung zu schaffen.
Andere Möglichkeit wäre nur, das dach neu zu decken, was natürlich, weil nicht geplant, finanziell uns jetzt ganz schön plätten würde.

Der zweite Dachdecker, den wir befragt hatten, hat die Firsthinterlüftungsgeschichte ganz abgelehnt und meinte, nur eine Neudeckung käme hier in Frage. Als Alternative hat er nur vorheschlagen gar nicht zu dämmen,nur Rigips raufzuschrauben und später das Dach mit Aufsparrendämmung neu zu machen.

So, nun stehen wir da und sind ratlos, zumal in meinem Elternhaus seit 20 Jahren ein ähnlicher Aufbau besteht (Betonziegel, Teerpappe, Lüfterziegel mit Löchern in Teerpappe, wenige Zentimeter Luftsicht, 10 cm Glaswolle und direkt Holzpaneeleverkleidung nach innen). Also einziger Unterschied ist die innen fehlende Dampfbremse. Mein Papa, eingefleischter Handwerker, ist sehr gewissenhaft und schaut regelmäßig nach dem Rechten, nach 20 Jahren gibt es niergends Schimmel, Pilz oder Nässe.

Was also nun? Ist die "Notfall-Lösung" für uns ein ähnlicher Aufbau wie bei meinen Eltern (mit oder ohne Dampfbremse, Luftschicht hinter Dämmung und vor Teerpappe), um die Lebensdauer der Ziegel zumindest noch ein paar Jahre auszunutzen, uns von dem eh schon teuren Umbau zu erholen, um dann in wenigen Jahren, das Dach per Aufsparrendämmung zu sanieren oder ist es wirklich so, wie Dachdecker Nummer 2 behauptet, dass uns dann in wenigen Monaten das Dach und der Innenausbau wegschimmeln kann??

Wer hat einen Rat für uns??

Ganz lieben Dank an alle, die den langen Beitrag bis zum Ende durchgehalten haben und noch mehr Dank an alle, die einen ehrlichen Rat für uns haben!!

Herzliche Grüße, Martina



Kaltdach



Euer Vorschlag ist das sog. Kaltdach, die früher übliche Variante der Dachdämmung... Solange ihr beachtet, daß an Traufe und First ein ausreichender Lüftungsquerschnitt vorhanden ist (je 200qcm / lfm - entspricht 2cm Spaltbreite unter Dachpappe), ist die Konstruktion unproblematisch. Nachteilig ist lediglich der zur Dämmung nicht vollständig ausgenutzte Sparrenquerschnitt. Qualifizierten Handwerkern sollte diese Konstruktion bekannt sein...

Eine Dampfbremse muß aber ebenfalls innenseitig angebracht werden. Eine an den Stößen und Wänden verklebte Folie welcher Art auch immer wird aber i.d.R. eh zur Herstellung der Luftdichtigkeit benötigt. Nur RiGi reicht zur Herstellung der Luftdichtigkeit nicht aus (Risse, besonders an den Anschlüssen zum Mauerwerk). Durch Luftströhmungen ins die Konstruktion eingedrungende Feuchtigkeit übertrifft die Diffusionsmengen oftmals bei weitem!

Wenn ihr später neu deckt einfach Restzwischenraum auffüllen, Weichfaserplatte oder diff. offene Unterspannbahn auflegen und neu decken.

Gruß Frank



Nachtrag



Wenn ihr da oben schlafen wollt, ist Glas- oder Mineralwolle die schlechteste Wahl. Hier ist der sommerliche Wärmeschutz fast wichtiger. Lieber einen Dämmstoff mit mehr Masse verwenden...

Nochmaliger Gruß
Frank



@ Frank



Herzlichen Dank für die Infos!!

Noch ein paar Fragen dazu:

Heißt das, dass der folgende Aufbau der richtige wäre (von außen nach innen):

Ziegel
2 cm Luft
Dachpappe
2 cm Luft
Isolierung
Dampfbremse
Rigips

Oder nur 2 cm Luft zwischen Dachpappe und Iso?

Bei uns liegen die Ziegel direkt auf der Dachlatte, es gibt keine Konterlattung... ;o(

Und innen sind die 2 cm auch kritisch: Wir haben ja nur auf ca. 15 cm aufgedoppelt, mit 2 cm Luft zur Dachpappe bekommen wir ja nur ne ca. 12 cm Dämmung rein...

Ohje, klingt nicht gut...

Noch eine Sache: Sie schreiben "Lieber einen Dämmstoff mit mehr Masse verwenden...". Was wäre das denn z.B. in unserem konkreten Fall?

Merci vielmals für die Infos und liebe Grüße,
Martina



Ist doch absolut i.O.



Die Ziegel müssen nicht hinterlüftet werden... die übliche Konterlattung dient nur dem besseren Ablauf des evtl. eingedrungenem Wassers. Aber die min. 2cm zwischen Dämmung und Dachpappe sind zwingend erforderlich!!! Und natürlich die Belüftung des Zwischenraumes an First und Traufe nach außen!!!

12 cm sind auch i.O., zumal ihr später ja noch weiter dämmt, +2cm vom jetzigen Zwischenraum sind 14cm, wenn ihr dann außen eine Weichfaserplatte auflegt kommen nochmal 2cm hinzu, die zusätzlich nochmal 2cm extra zählen, da sie über die Sparren hinweg gehen. Wäre dann also mit 18cm Zwischensparrendämmung vergleichbar. Zur Not könnte man aber auch von unten noch jeweils eine Dachlatte unter die Aufdopplung schrauben, dann habt ihr jetzt schon 14cm, würde ich mir aber sparen und das Geld an anderer Stelle sinnvoll zur Energieeinsparung einsetzen.

Isofloc oder Climate-Chips haben gute Werte bezüglich des sommerlichen Wärmeschutzes, sind aber aufgrund eurer Einbausituation (Lüftungsebene) nicht ohne großen Aufwand einblasbar. Ich kenne noch als "Mattenware" Thermoflex von Gutex... Nehmen wir schon mal, wenn wir nicht ausblasen können. Es gilt: um so höher die Rohdichte desto besser der som. Wärmeschutz.

Mal von kompetenter Seite beraten lassen und speziell nach som. Wärmeschutz fragen... oder einfach Googeln

http://www.waermedaemmstoffe.com/
http://www.gutex.de/produkte/thermoflex/index.html
http://isofloc.de/waermeschutz.phtml

Gruß Frank



Dann bin ich jetzt etwas beruhigter...



Habe aber noch eine Frage:

Die 2 cm Luft zwischen Iso und Dachpappe sind momentan nur nötig, weil die Dachpappe nicht diffusionsoffen ist? Wenn wir später das Dach erneuern und die Dachpappe durch diffusionsoffene Folie/Plane ersetzen, ist das nicht mehr nötig? Habe ich das richtig verstanden?

Merci nochmals, auch für die Tipps zum Iso-Material, werde ich mal ausführlich studieren!!

Liebe Grüße,
Martina



Genau...



... und ich würde, nicht zuletzt wegen des zusätzlichen som. Wärmeschutzes statt einer diff. offenen Folie eine Holzweichfaserplatte als Unterdach nehmen (gibt es u.a. auch von Gutex).

Viel Erfolg
Frank



Ah, ok...



...das sind dann diese Ultratherm-Dinger??

Noch ein guter Tipp, herzlichen Dank!!

Liebe Grüße, Martina



Auch...



Gibt es aber auch in dünn... ab 18mm, wenn auch vielleicht nicht von Gutex... Ist eine Frage des Geldes aber auch der Optik. Natürlich trägt die Platte am Giebel auf, und wenn man dann auch noch ausgleichen muß, um ein gerades Dach zu bekommen, wird es schnell mal unansehnlich!?

Muß man vor Ort entscheiden. Für die Mindestdicke ist neben dem gewünschten Wärmeschutz der Sparrenabstand entscheidend (Durchbiegung).


Viel Erfolg
Frank



Nur ein Dachdcker und Spengler



Vieleicht ist mein wissen nicht ausschlaggebend.
Aber bei einem kalt-Dach ist der Lüftungsquerschnitt (2cm) immer noch von der Dachneigung abhängig. Je flacher das Dach, desto höher muss der Querschnitt sein.
2 cm reichen mir als Spengler nur im senkrechten bereich z.b. Kaminverkleidung aus.

Als Dachdecker bekomme ich Magenschmerzen wenn die Latten unter den Dachziegel nicht hinterlüftet sind, weil dann eindringende Feuchtigkeit nicht über den First entlüftet wird und die Latten leichter zur verrotung neigen.


Hoffe mein einwand hilft.

Gruß
Alex



Wiederspruch!



1. Laut H. Künzel in "Dachdeckung und Dachbelüftung", Frauenhofer IRB-Verlag, wirkt die Konterlattung sogar geringfügig nachteilig, da sie zu vermehrter Kondensation von feuchter Luft bei nächtlicher Abkühlung des Daches führt, dem gegenüber steht allerdings die bessere Wasserabfuhr bei Schadstellen... : Bei Intakter Eindeckung sind Dachlatten ohne Konterlattung trockener.

2. 2cm bzw. 200 qcm/m sind laut den annerkanten Regeln der Technik bei Steildächern mit einer üblichen Sparrenlänge ausreichend, bei sehr flachen Dächern sollte man sicher vorsichtig sein... aber wir reden hier über einen Altbau, daher dürfte die Dachneigung wohl mindestens um die 40° liegen?

Gruß Frank

Noch ein Link:
http://www.baunetz.de/sixcms_4/sixcms/detail.php?id=117759&area_id=2003



Nur ein Dachdcker und Spengler



Wiederspruch ??

Dachziegel eindeckungen sind zwar Regendicht aber nicht Wasserdicht d.h. bei Windböen und Regen kommt immer Wasser und die Dachziegeldeckung. Wenn man berufsbedingt des öffteren Dachziegel abdecken muss sieht man immer Wasserspuren auf der Lattung und Unterspannbahn.

2% Zuluftöffnung und 0,5% Abluftöffnung
dem zufolge brauch ich mind. 2cm höhe bei der Zuluft, sollte ich auch ein Lochblech davor stellen (ca. -50%) muss die höhe 4cm betragen.
Die Abluft nur mit ca. 0,5cm freien Querschnitt.

Warum das ganze ?

Zuluftöffnungen im Traufbereich werden erfahrungsgemäß schneller verdreckt und sollen deshalb von vornherein größer ausgebildet werden.


Gruß
Alex Spenglermeister



Kurz nachgefragt...



...was macht das Dach? Habe gerade auf eine ähnliche Frage geantwortet und habe hierhin verwiesen... da dachte ich, ich frage mal nach.

Gruß Frank