Gutachter für Reetdachhaus Raum Bremen/Bremerhaven

26.07.2007



Hallo,
wir überlegen uns den Kauf eines Reetdachhauses. Wo finde ich im Raum Bremen/Bremerhaven/Cuxhaven einen Fachmann als Gutachter, nicht nur fürs Dach sonder auch für den Allgemeinzustand.

Danke, Helge
(das ist sicher eine F.A.Q aber ich komme mit der Navigation hier noch nicht ganz zurecht, sorry...)



Reetdach



Du bist mutig!

Lies mal http://www.reetdach-sterben.de.

Willst Du da wirklich dran?





Ja kenne ich. Googeln nach "Reetdach" liefert ja schon fast nix anderes. Ich kenne aber auch

http://igbauernhaus.de/uploads/media/Newsletter_03-2007.pdf

Google zeigt auch deutlich, das fast alle Pressemeldungen zum angeblichen Reetdachsterben von nur wenigen Quellen lanciert werden. Das macht mich eher misstrauisch, auch der reiserische Ton auf besagter Website.

Aber deswegen will ich ja auch einen Fachmann zu Rate ziehen ;-)

Danke Helge



Ich weiderhohle mich aber



diese Website scheint mir irgendwie etwas suspekt.
Was jetzt folgt ist nur meine persönliche Meinung und "Bauchgefühl"!
Dem Besucher Site wird suggeriert das irgendetwas "großes" auf die Reetdächer dieser Welt zukommt. Immer wird auf neue nicht näher spezifizierten agressive (mutmaßlich extra zur Zellulosevernichtung gezüchtete) Pilze hingewiesen. Es ehrt den/die Betreiber, dass diese versuchen mit wissenschaftlichen Methoden die Ursache dieses Reetdachsterbens zu ergünden.

Zitat von der Website "Wir sind Privatleute und haben keinerlei wirtschaftliche Interessen!" Hallo???

Zufällig bietet der Betreiber der Site aber auch Dienstleistungen im Bereich "Reetdach-Sanierung" an... M.E. ist so keine unvoreingenommen Auseinandersetzung mit dem Thema möglich und führt die Aussagen auf der Website ad absurdum. Mich beschleicht eher der Verdacht, dass es im wesentlichen um den Vetrieb dieses sehr oft genannten "Kupfer-Ionen-Spenders" geht.

Das sind nur meine Gedanken zum Tage. Nicht alles unreflektiert übernehmen.

Gruß Markus



Helge,



Danke für die Info. Ist mir neu!



Man kann die Intention des Webbetreibers durchaus in Frage stellen,



das Reetdach-Sterben ist aber Fakt, wie mir ausreichend Reetdachdecker bestätigten. Eine staatliche Expertengruppe beschäftigt sich auch schon damit.

Meiner Meinung nach ist der Feuchtegehalt, weniger die Pilzspezies maßgeblich, stauende Überfeuchte begünstigt eben das Verrotten an sich. Und der erst heute übliche Ausbau der Reetdächer behindert deren Abtrocknung nach Regen. Wenigstens für mich stellt sich das so dar.

Unterdämmung des Daches begünstigt die Auffeuchterei noch weiter. So kompostiert man nicht nur Reetdächer, sondern alle Dachkonstruktionen.

Mein Motto: Von den Alten lernen! Die hätten kein Reetdach gebaut, wenn es wie heute so schnell verrotten würde. Und deren Bauweise hielt das Dach auch von unten her viel trockener. Darauf kommt es an.

Was die Gutachterei betrifft - wenn Sie arg Glück haben, wird Ihnen empfohlen, gaaaanz viel "Wärmedämmung" zu kaufen. Die hat ein gutes Reetdachhaus nämlich nicht zu bieten. Es dämmt nämlich - wie jeder gute Damm - rein massiv.

Der schmucken Kate fehlt bestimmt auch die unsinnige Horizontalisolierung gegen nur angeblich "aufsteigende Feuchte". Trau, Schau, Wem!

Denn man tou!

Konrad Fischer



Wohl schon die Wikinger hatten konstruktive Probleme mit dem Reetdach



Ein reißerisch tituliertes "Reetdach-Sterben" ist zuvorderst wohl eine gern gesehene medienwirksame Hysterie, der mitunter auch Reetdachdecker verfallen, wenn sie die Ursachen nicht erkennen können und ihr Gewerbe bedroht sehen. Andere wittern hier - wohl sicher nicht zu unrecht - noch ein glänzendes Geschäft. Das sich schon eine Expertengruppe beschäftigt, zeigt nur den Grad dieser Hysterie an, sondern bietet drögen Nordlichtern die Möglichkeit "auch mal in`s Fernsehen zu kommen".

Dank der Archäologen, die die alten Wikingerbauten in Haitabu ausgebuddelt und im Detail wieder aufgebaut haben, wissen wir von Problemen, die schon die Wikínger mit der Reetdeckung haben mußten. Sie waren rein konstruktiv bedingt. Es war durchhängende Dachtragkonstruktion mit bereichsweise (zu) geringer Dachneigung, die zu Staunässe und zu der Erkenntnis führte, die Dachneigung nicht durchhängend auszubilden, sondern stetig steil auszubilden.

Diese konstruktiven Erkenntnisse galten auch bei anderen Dachdeckungen im Mittelalter, deren Neigung bei 50-55 Grad lagen. (Grundlinie und Sparrenlänge waren gleich.) Schneller Wasserablauf ersparte komplizierte Abdichtungen und duldete eine gewisse Löchrigkleit in der Dachhaut.

So ist es denn auch die ganze Zeit geblieben, wenn die Dachneigung aus irgendwelchen konstruktiven Gründen zu gering ausfiel, "faulte das Dachzeugs weg wie nix".

(Zu) geringe Dachneigungen finden wir heute bei reetgedeckten Häusern z.B. an den nachträglich angesetzten Gauben. Wenn solche Gauben an reetgedeckten Dächern älterer Häuser eingebaut wurden, zeigte dies regelmäßig den nachträglichen Ausbau des zuvor offnen Dachgeschosses an.

Damit kommt ein konstruktiver Eingriff dazu, der schadträchtig wirken muß, denn damit geht der an den Kopfseiten mit Öffnungen querdurchlüftete Dachraum als Feuchteregulativ ganz verloren oder minimiert sich auf einen kleinen Bereich im Spitzboden. Solche heutigen Dachgeschoßausbauten richten sich nach bautechnischen Vorgaben, deren Auswirkungen zuvor nie an einer Reetdachkonstruktion geprüft wurden.

Die Betroffenen machen nun die Folgeschäden bis zur Hysterie ratlos. Sie überraschen aber auch alle jene, die das vorher nicht bedacht haben, was sie, nur dem jeweiligen Zeitgeist dienend, den Bürgern mit Bauverordnungen und Expertentipps aufgelastet oder verkauft haben. Da leistet man sich gern einen Expertenausschuß, der, wenn er es auch nicht mehr gerade biegen wird, ergebnisoffen im Dunkeln stochern darf (und dann auch mal in´s Fernsehen kommt).

Klassische holzzerstörende Gebäudepilze (oder solche, in Aufbereitungsprozessen der Zellindustrie für den Abbau von Lignin eingesetzte Pilze) spielen am Reetdach keine Rolle, es sind immer und bei ausreichender Staunässe auch ausreichend andere Schadorganismen zum Reetabbau vorhanden.

Eine Tatsache ist, alle faulenden Reetdächer haben eine eindeutig zu hohe Bauteilfeuchte und eine Feuchteverteilung in Form einer Staunässe.
In diese Kategorie fallen häufig solche Feststellungen:
-ausgebautes Dachgeschoß
-Dachgauben
-gedämmte Dachkonstruktionen
-starke Vegetation nahe dem Dach
-nicht gepflegte Deckungen (beständige Vermoosungen)
Überwiegend solche Dächer sind vom "Reetdachsterben" betroffen.

Eine andere Tatsche ist, alle nicht- oder ehrlich gesagt über kurze zeiträume nicht erkennbar faulende Reetdächer haben keine solche hohe Bauteilfeuchte und die vorhandene Feuchteverteilung führt (andauernd) nicht zu einer Staunässe.
In diese Kategorie fallen häufig solche Feststellungen:
-First in Windrichtung
-offner Dachraum
-offene Querlüftung
-offnene Dachkonstruktionen
-keine Gauben
-regelmäßig auf Abstand zum Dach zurückgeschnittene Vegetation
-regelmäßig kontrollierte, gepflegte bzw. rechtzeitig ausgebesserte Deckungen
Überwiegend solche Dächer fallen nicht unter diese neuzeitlichen "sterbenden Reetdächer", allerdings ist auch ihre Lebenszeit sehr begrenzt, weshalb der norddeutsche Bauersmann - wenn er nicht das nötigen Taler in der Schatulle hatte - neben langen Leitern stets auch Reetgras in bündelreifen Mengen zu haben pflegte.





Danke für diesen wohltuend sachlichen Beitrag zur Diskussion. Man brauch keine Panikmache a la Reetdach-sterben.de oder Sonntagspredigen a la Don-Quichotte-Fischer sondern nüchterne Fakten und vor allem *Lösungen*
Eigentlich stimmt ihre Antwort pessimistisch. Natürlich will man Dachausbau und Gauben im Obergeschoss eines Reetdachhauses! Ich bin kein Bauer aus dem 18.Jahrhundert und habe keine Lust auf zugige (perfekt durchlüftete) Obergeschosse.
Stichwort ist wahrscheinlich "Hinterlüftung" wobei ich mir immer noch nicht genau vorstellen kann, wie das technisch realisiert wird. Vielleicht kanns mir ja auch ein Fachmann aus dem Raum Bremen/Bremerhaven erzählen nachdem ich ja gefragt hatte :-)

Gruss, Helge



Hauskaufberatung



Hallo Helge,

gerne stelle ich Ihnen meine Dienste zur Verfügung zur Bewertung von Bausubstanz und Haustechnik, Schätzung der anstehenden Sanierungskosten etc. Ich bin kein Gutachter für die Bewertung von Reetdachdeckungen und arbeite in solchen Fällen mit einem Spezialisten aus diesem Bereich zusammen.
Rainer Stasch, Architekt + Baubiologe
Oldenburg - Bremen
Tel.: 0421-9490504