Reetdach

23.03.2007


Hallo,
ich habe ein Problem. Wir wollen uns ein Ferienhaus zulegen und haben uns ein paar Häuser an der Nordsee angeschaut, unser Favorit ist ein Haus Bj. 1954 mit Reetdach, das 1992 neu eingedeckt wurde. Das Haus würden wir nach unseren Wünschen umbauen und neu dämmen.

Nun haben wir in der Zeitung und im Internet gelesen, dass es ein Reetdachsterben gibt, dass von einem Killerpilz verursacht wird. Können wir irgendwie erkennen, ob das Dach befallen ist?

Grüße aus Hamburg und vielen Dank

Bettina



Wir leben...



...seit 23 Jahren in einem Bauernhaus mit Reetdach und hatten bis auf einige Sturmschäden bisher keine Probleme. Die Geschichte mit dem „Killerpilz“ hört sich stark nach Bildzeitung an. Ich hab mir auch schon die Seite www.reetdach-sterben.de und www.reetdach-sanierung.de angeschaut, da ist dann von einem „epidemisches Reetdach Sterben“ und einem von der Holzindustrie entwickelten Pilz die Rede, der jetzt die Reetdächer zerstört. Weiter unten werden dann ein Behandlungsmittel und ein Servicevertrag angeboten. Da wäre ich vorsichtig, da will jemand Geld machen. Ich würde Dir generell raten das Haus und das Dach vor dem Kauf von einem Sachverständigen anschauen zu lassen. Die findest Du sicher über die Handwerkskammer oder die Innung.


Grüße


Martin



Reetdächer



Ich schließe mich Martin an. Ich bin auch Reetdachhausbesitzer und hab mal ein wenig im Netz gesucht. Neben der Reetdach-Sterben-Seite habe auch die Seiten www.reetdachdeckung.de, und www.hiss-reet.de gefunden, ich habe das Gefühl dort wird die Problematik etwas objektiver (soweit das die offizielle Informationsseite der Reetdachdeckerinnung und die Seite eines Reethändlers eben können) und nicht ganz so emotional dargestellt.
Viele Grüße

Harald



das Zeug fault nur...



... wenn es zu feucht wird und nicht mehr trocknen kann - also würde ich - der ich immer in der Minderheit bin bei diesem Thema - sagen: nicht DÄMMEN!

Intelligente und Materialbezogenen Sanierung und dann klappt es ... aber wer macht das mit nachhaltigkeit ... ich wüste einen ...

FK

P.S. Less is more!

FK



Reetdachverottung



Hallo,
Sie können das evt. feststellen wenn Sie im unteren Bereich des Daches ca. 1m über der Traufe Reet rausziehen, der Halm darf höchstens 5 cm feucht sein- das ist die Eindringtiefe auf einem gut gedeckten Dach- sollte der Halm dann auch noch in diesem Bereich stabil sein, ist vielleicht alles gut. Sich ein wenig Sorgen machen ist gar nicht verkehrt. Ich komme fast jeden Tag auf Dächer die vorzeitig verrotten und leider bleibt es nicht aus das die ursprüngliche Halbarkeit von 40 Jahren, in den meisten Fällen, nicht mehr erreicht wird. Das hat auch nichts mit falscher Dämmung zu tun, selbst in nicht bewohnten Häusern kommt es zu dieser vorzeitigen Alterung. Deshalb kann ich nur raten lassen Sie das Dach ansehen und vor allen Dingen auch reinsehen.
Gruß aus dem Norden
Michael



Dämmung eines Reetdaches



Hallo Herr Ingwersen-Andersen,

da machen Sie es sich hier etwas zu einfach. Zu behaupten, dass das verrotten eines Daches überhaupt nichts mit falscher Dämmung zu tun haben kann. Wenn beispielsweise die Außenwände eines reetgedeckten Fachwerkhauses mit einer dampfdichten Innendämmung versehen werden, dann wird die Feuchtigkeit der Raumluft nicht mehr (mit Hilfe der Diffusion und Kapillarität) durch die Wände abtransportiert. Wird dann nicht regelmäßig und ausreichend gelüftet, steigt die warme und Feuchte Luft (vor allem bei offenen Treppen) nach oben, also unter das Reetdach. Ist das Reetdach nicht hinterlüftet oder in dem Fall einer nicht hinterlüfteten Dachkonstruktion nicht zu 100 % dampfdicht ausgeführt, wird die Feuchtigkeit in das Reetdach ziehen und dieses durchfeuchten. Und wo es feucht und warm ist, finden Pilze einen idealen Lebensraum, dass wird Ihnen jeder Hausarzt, Schwimmbadbetreiber, Mykologe und Bauingenieur bestätigen.

Natürlich muss nicht ausschließlich eine falsch ausgeführte Dämmung dafür verantwortlich sein, aber wenn ein Reetdachhaus falsch gedämmt wird, dann kann dies einen wesentlichen Einfluss für das vorschnelle Altern sein. Die Feuchtigkeitsbelastung eines Reetdaches hängt natürlich auch von der Neigung des Daches, der Halmneigung und der Lage des Reetdaches ab. Wurde ein Reetdachdachhaus mit Dachneigung von 40° und einer Halmneigung von 23° gebaut und steht unter Bäumen, die das Regenwasser und den Morgentau immer schön auf das Dach tropfen lassen, (wie auf den Bildern der Seite www.reetdach-sterben.de zu sehen ist) dann wird dass Regenwasser von Außen in die Dachdeckung eindringen. Die Dachdeckung wird dann durchfeuchtet und die Zersetzung durch Pilze und Mikroorganismen beschleunigt.
Das ist übrigens unabhängig davon, ob ein Reetdachhaus bewohnt ist oder nicht.

Gruß

Volker



Reetdach dämmen



Was aber ist mit den Dächern die fachgerecht gedämmt, steiler als 50° Dachneigung, Halmneigung bei 40°, kein Vollwärmeschutz, kein Baum, ausreichende Hinterlüftung von einem nüchternen Dachdecker eingedeckt, im Juni ohne Regen verarbeitet, Materialfeuchte unter 18%, Dach während der Eindeckung abends immer abgeplant und kein Badezimmer im Dachgeschoss??? Ich denke eher man macht es sich einfach, wenn man es nur auf die falsche Dämmung zurückführt. Früher waren Kuhställe mit Reet eingedeckt sehr viel Feuchtigkeit ist da sicherlich auch durchs Dach gegangen, trotzdem mußte das Dach nicht nach 10 oder 15 Jahren neu gedeckt werden. Das Problem ist wohl eher in anderer Richtung zu suchen.
Gruß
Michael





Lieber Michael,
vielen Dank für Deinen Beitrag, der zeigt, dass noch eine ganze Menge Aufklärungsbedarf besteht:

Die von Dir beschrieben Dächer halten seit vielen Jahren und haben kein Problem! Und dafür gibt es tausende von Beispielen in ganz Norddeutschland! Aber für diese heilen und fachgerecht ausgeführten Dächer interessieren sich die Zeitungen und das Fernsehen leider nicht.

Die Feuchtigkeit in den Kuhställen wurde damals mit Hilfe der „natürlichen Entlüftung“ (Ritzen und Undichtigkeiten in der Außenhülle) abtransportiert, so konnte keine Feuchtigkeit von Innen heraus das Dach durchfeuchten. Auf genau dieselbe wurden übrigens auch Fachwerk- und Bauernhäuser entlüftet (z.B. durch undichte Fenster). Leider werden im Zuge der Energieeinsparung immer mehr Häuser „dicht“ gebaut oder saniert, so dass die Feuchtigkeit nicht mehr mit Hilfe der „natürlichen Lüftung“ entweicht, sonder regelmäßig entlüftet werden muss. Geschieht dies nicht, steigt das Risiko, dass es zu Feuchtigkeitsschäden (z.B. Schimmelpilzbefall) kommt. Der Pilzbefall ist immer nur ein Symptom, die Ursache liegt in der bauphysikalisch falschen Konstruktion.

Damit die Problematik des angeblichen „Reetdach-Sterbens“, das von „bewusst zur Zellulosezerstörung“ gezüchteten Pilzen verursacht wird, besser zu verstehen ist, hier noch einige Hintergrundinformationen für die Leser dieses Beitrages:

Der Betreiber der Seite www.reetdach-sterben.de und www.reetdach-sanieren.de vermittelt Serviceverträge und verkauft „Kupfer-Ionen-Spender. Hinzu kommt, dass er gleichzeitig die Firma „Schaefer Film“ (www.schaefer-film.de) besitzt, die Werbefilme, Imagefilme und TV-Magazine erstellt.

Wenn ich mein Geld mit Serviceverträgen und dem Verkauf allerlei Wundermittel verdiene, liegt es doch in meinem Interesse, dass möglichst viele Häuser ein Problem mit der Haltbarkeit haben und somit einen Servicevertrag und ein paar Kupferionen benötigen? Und so kommt es, dass in allen Artikeln, die Pilze und „Killerpilze“ für ein „Reetdach-Sterben“ verantwortlich machen, zufällig der Medienprofi und Betreiber der Seite www.reetdach-sterben.de als „Experte“ genannt wird.

Das traurige daran ist, dass durch diese Vorgehensweise nicht die Ursachen für eine verkürzte Haltbarkeit von Reetdächern ins Blickfeld geraten, weil eine Ursachenbekämpfung auf wissenschaftlicher Ebene stattfinden müsste und damit kein Geld verdient wird.

Fazit:
"Man kann alle Menschen eine Weile täuschen, und einige Menschen die ganze Zeit, aber nicht alle Menschen die ganze Zeit."
Abraham Lincoln (1809-65)

In diesem Sinne Reet kein Blech !

Volker

PS:

Wenn ich als Reetdachdecker die Serviceverträge ausführe, dann liegt es doch auch in meinem Interesse zu behaupten, dass es ein "Reetdach-Sterben" gibt, oder ?

Folgenden Bericht habe ich unter „Presse“ auf der Seite gefunden www.reetdach-sterben.de gefunden, dort ist unter einem Bild aus dem Stader Tageblatt zu lesen:

„Münchhof-Besitzerin Anne-Katrin Harms-Friedrichsen und Dachdecker Michael Ingwersen-Andersen „fürchten ein Reetdachsterben““





ich bin Besitzerin eines Reetdachhauses was für ein Forschungsprojekt benutzt wird, da es tatsächlich einen Pilz gibt, der auch unser Dach ( vor 2 Jahren gedeckt ) befallen hat. Ob es sich um einen Killerpilz oder etwas anderes handelt weiss ich nicht, auf jeden Fall ist es Realität, dass es eine Pilz gibt der das Reet zerstört und zwar innerhalb von ziemlich kurzer Zeit ( 50-100 Jahre Reetdach ist definitiv vorbei ) man redet von ca. 15 Jahren......
An der falschen Dämmung kann es nicht liegen, da wir ein 2. Reetgedecktes Haus ( aber früher gedeckt ) besitzen, auch genauso gedämmt wie das befallene Haus. Hier ist aber kein Pilz gefunden worden ......
Mein Weg ist : Im Moment bis mir glaubwürdige Informationen gegeben werden, werde ich an diesen Reetdachhäusern nichts machen, wenn es nicht ganz zwingend ( regnet rein ) notwendig ist.




Dach-Webinar Auszug


Zu den Webinaren