Kauf eines Fachwerkhauses mit Reetdach

19.06.2005



Hallo, wir beabsichtigen, ein Fachwerkhaus mit Reetdach zu kaufen. Dies ist ein absoluter Traum von uns. Aber bevor wir uns von den Gefühlen übermannen lassen, möchte ich hier gerne ein paar Fragen stellen.

Das Haus hat neue Wasser- und Elektroleitungen. Es ist eine Gasheizung eingebaut worden und die Bäder und die Küche sind neu gemacht. Vorder- und Hintertür müssen erneuert werden, sowie zwei oder drei Fenster. Diese sind nur einfach verglast. Ansonsten muss das Dach an ein paar stellen abgedichtet werden.
In einem der Bäder muss das neu eingebaute Fenster abgedichtet werden. Hier ist auch ein beschädigter Holzbalken, welcher aufgefüllt werden müsste.

Was hat man Eurer Erfahrung nach bei dem Kauf eines solchen Objektes besonders zu beachten? Sollten wir mit einem fachkundigen Berater einen Termin vereinbaren und wenn ja, wo bekommen wir diesen her? Das Haus ist in PLZ 31535.
Was würde versicherungstechnisch auf uns zukommen? Ich habe gelesen, dass Reetdächer ziemlich teuer in der Versicherung sind.
Über ein paar hilfreiche Antworten würde ich mich sehr freuen. Gruß Maike



FW mit Reetdach



hallo,
Erst müssen Sie unterscheiden zwischen die sichtbare Mängel und die verstekte Mängel. Was die zwei Türen betrifft, Angebote bei guten Tischler hohlen, auf die Form und die Struktur der Türen achten (keine Baumark- oder Serienware).
Bei den Fenster, können Sie vielleicht ein Kastenfenster daraus machen? Was heißt einen morschen Balken ausfüllen, hier sollen Sie sich keine "Flickarbeit" leisten. Was das Reetdach betrifft, habe ich ein Paar Adressen von Firmen, allerdings die sind alle im Bremer - Hamburger gegend ansässig. Eine Adresse aus meiner Liste habe ich in Vechta .
Dann kommen die unsichtbare Mängel: wie sieht es mit den Schwellen aus? vorallem von innen. Wie ist es mit den Fussböden im EG, sind sie hinterlüftet? Sind die Außengefüge mit eine deckende Farbe bemalt, vielleicht mehrmals bemalt? Ist der Dachstuhl überall einsehbar. Summa sumarum sind alle Bereiche, die irgendwann einmal abgedichtet worden sind oder nicht mehr zugänglich zu überprüfen. Auch im Hinterkopf zu behalten ist der Tatsache dass viele Schäden von innen kommen, z.B. fehlende Dampfdurchlässigkeit.
Sie sehen die Liste kann lang sein...
Dies als Einstieg, vielleicht gibt es noch ein paar präzisere Tipps von anderen Forummitglieder.



Das Reetproblem besteht darin,


Das weiß doch jeder Fachmann - siehe Bild.

daß mangels historischem Rauchdach und neuerlichem Ausbau oft eine überhöhte Grundfeuchte dank Dampfdiffusion aus feuchter Raumluft und mangelnder Ausheizung aufgenommener Regenfeuchte in der Dachkonstruktion entsteht, die zu Schädlingsbefall und geringer Lebensdauer der Deckung führt.

Details auf Link:


Rund um die Dachkonstruktion

Hier muß man also erstens forschen, wie es am Objekt konstruktiv aussieht, und ob man und wie was dagegen unternimmt.

Ansonsten die typischen verdeckten Mängel suchen, wie vom Kollegen vorgeschlagen.

Nebenbei: Gerade die noch vorhandenen Einfachfenster haben im Reethaus eine perfekte Funktion: An ihnen kann sich überhöhte Luftfeuchte niederschlagen, bevor sie ins Reet oder FW wandert und dort Unheil anrichtet. Ansonsten bringt ein Einfachfenster nur Vorteile: Es kommt mehr kostenlose Solarenergie rein (Solardurchlaßgrad g) als bei Doppelglas und wandelt sich in Wärmestrahlung um, die dann auch durch Einfachglas nicht mehr rauskommt. Siehe Bildbeleg und Link:


Rund um Lüftungs- und Fensterprobleme sowie den feuchtebedingten Schädlingsbefall


Viel Erfolg!



Fachwerkhaus



Guten Tag Frau Maeckler,

eine fachkundige Beratung beim Kauf eines Hauses ist doch immer notwendig - es sei denn das Haus ist extrem günstig und Sie sowieso davon ausgehen, dass eine Komplattsanierung notwendig ist.
Anscheinend war/ ist das Dach des Hauses undicht, d.h. das Ausmaß des Schadens ist zu klären.
Woher kommt die Schädigung des einen Holzbalkens? Wie sieht es aus mit Holzschädlingen und dem Einsatz von Holzschutzmitteln in den 60er- 70er Jahren? Wenn Sie sicher sind, dass die Balken nicht behandelt wurden brauchen Sie nichts weiter unternehmen ansonsten empfiehlt sich immer eine Untersuchung durch ein Labor.

Die Versicherung für Reetdachhäuser ist tatsächlich meist sehr teuer, vor allem wenn weitere Reetdachhäuser in der Umgebung liegen. Evtl. gibt es die Möglichkeit das Reetdach durch eine entsprechende Lehmbeschichtung von innen so zu behandeln, dass das Dach quasi nicht mehr brennbar ist, was sich dann auf die Versicherungsprämie auswirken würde. Das sollte vorher mit der Versicherung geklärt werden.

Für weitere Fragen können Sie mich gerne telefonisch kontaktieren. Ich mache sehr viele Hauskaufberatungen. Von meinem Wohnort aus sind es ca. 120 km.

Viele Grüße
Rainer Stasch



Habe jetzt erst mitbekommen, daß den Anfragern keine Links mehr gegönnt werden,



deswegen - wenn es Sie interessiert - googeln oder interne Suchmaschine meiner informellen Homepage nutzen.



Hallo Maike Maeckler ,



zum Fachwerk könnte ich vielleicht was sagen , ebenso was Türen und Fenster angeht , zum Reet eher nicht , aber wie bereits selbst bemerkt , dicht muss es wieder ..
Gruss Jürgen Kube



Versicherung für Reetdach



Hallo Maike,

wir haben auch ein Reetgedecktes Fachwerkhaus in 31582 - allerdings wollen wir es verkaufen (haben es ab heute in Fachwerk.de inseriert). Das hat aber nichts mit dem Reetdach bzw. der Versicherung zu tun. Wir zahlen knapp 1000,- Euro/Jahr und sind bei der Generali (Schweizer Versicherungsunternehmen) versichert. Alle anderen (VGH, Allianz etc. ) wollten zwichen 2000 - 4000 Euro. Viel Erfolg ! Iris