dachfrage, statik - lang

05.06.2005



ich habe ein Dach mit zwei mittelpfetten (ohne firstfette). für 9m in firstrichtung und 7,50 in der breite auch ein ganz schöner aufwand. unterkante Mittelpfette gerade mal eben so 1,80m. pfettenquerschnitt 16x14 (pfostenabstand 2,22), Sparren 14x12 nun waren die Statiker da und einer, den meine archi für einen absoluten altbauafachmann hält, hat zum einen gemurmelt, die Pfette würde sich jetzt schon biegen (was ich mir bei der dachkonsstruktion bei dem kleinen dach und derzeitig sprieß-deckung (und sonst nix) nicht so recht vorstellen kann. ich seh nix. die archi auch nicht.
hinzu kommen demnächst eine große schleppdachgaube (in firstnähe ansetzend), Dämmung und biberschwanz-doppeldeckung. die anderen kollegen statiker (mit denen die archi auch schon gearbeitet hat) sahen hingegen so keine probleme. der erste kollege will allerdings keinen hoai-vertrag unterschreiben, sondern rein auf stundenbasis arbeiten - was ich nicht will, weil ich die kosten im Griff behalten muss. und gerade zügig soll er auch nicht sein. kann das sein, dass er recht hat bei den genannten daten?
und dann hat er noch irgendwas gemurmelt, wie man zumindest eine pfette (teilweise) loswerden könnte, verstanden habe ich es nicht, die archi auch nicht (irgendwas von last in die geschoßwände ableiten - aber da geht sie jetzt doch schon hin?) folge wäre natürlich mehr platz und das wäre schön. kann das jemand erklären - für blödis?

ach menno, wenn ich mir sicher wäre, dass ich das dach (außer als lager und ausgang für die dachterasse des seitenflügels - deswegen die gaube) nie benötigen werde, würde ich 18cm dämmung auf den boden kanllen und fertig (mit 1,57 passe ich dann auch noch unter die pfette und männe bekommt einen helm :-)) ) aber leider kann ich das nicht beantworten, vielleicht wird omi (83) mal ein pflegefall und dann brauch ich mein gästeappartment im eg für sie... besuch haben will ich aber trotzdem noch (obwohl, wer meine oma kennt....:-)) )



Ich bin zwar



Statiker, aber wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich die Frage gar nicht richtig verstanden.
Es gibt in aller Regel Möglichkeiten Pfetten oder Sparren so zu verstärken, dass ein Mehr an Lasten aufgenommen werden kann. Problematisch wird es wenn tragende Teile wie z.B. Pfetten oder Binderkonstruktionen oder Pfosten verlegt werden müssen, um Raum oder Kopfhöhe zu gewinnen.
Ich denke aber nicht, dass man allein mit der Beschreibung 9,00*7,50 m und 2 Mittelpfetten aus der Ferne eine Statik oder die Aussage eines Statikers beurteilen kann. Ganz besonders schlecht ist es natürlich, wenn der beauftragte Architekt den Statiker nicht verstehen kann. Er sollte einmal mutig nachfragen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass meine Kollegen nicht Willens sind die Situation genauer zu erklären. Und ein bischen Tragwerksplanung gehört ja auch zu seiner Ausbildung.



? Bilder



Liebe Bettina,
nach Ihrer Beschreibung glaube ich nicht daß Sie ein Dach mit zwei Mittelpfetten haben, sondern wohl eher ein Kehlbalkendach mit zwei Rähmen. Dies ist insofern wichtig, als Sie durch den Einbau der Gaube erheblich in das statische System Ihres Daches eingreifen und Wohl daß Kehlbalkendach zu einem Pfettendach umfunktionieren. Dies hat nämlich zur Folge, daß Ihre Rähme, die jetzt mit 16x14 bemessen sind anders belastet werden und ggf. nicht mehr ausreichen. Wenn es Ihnen möglich ist, machen Sie doch einfach einmal ein paar Bilder vom Dachtragwerk und stellen diese ins Netz. hier sollten sie zum einem eine Gesamtansicht der Gespärre haben, sowie Details der Knotenpunkte, d.h. Fußpunkt, Anschluß Kehlbalken-Rähm-Sparren und Firstpunkt. Ich denke Ihre Problem lässt sich lösen, so daß Sie ein zufriedestellendes Ergbnis bekommen.
Genaue Aussgen lassen sich natürlich erst dann machen wenn man auch Grundrisspläne und Schnitte zur Verfügung hat.
Mit freundlichen Grüßen
Johann Müller



kehlbalkendach?



ich möchte das noch mal klar stellen - ich bin sicher nicht jemand, der leuten vom fach nicht traut, ich erwarte das in meinem fall ja auch. ein bißchen bin ich aber dann wieder schon der mensch, der mit der diagnose zum arzt kommt :-))
ich bin ja auch in einer zwickmühle - der vor ort wohl beste statiker macht verträge, die ich nicht möchte, jede frage ist kostenpflichtig - kein mensch für mich also.
ich war im mathe-leistungskurs und das auch gern, danach hat sich mein kontakt mit den naturwissenschaften leider ziemlich gelockert, trotzdem will ich verstehen...
zu den bildern: bild 1 zeigt die unproblematische seite, wo alles bleibt, wie es ist. die sparren müssen sicher verstärkt werden, aber das ist nun wirklich nicht mein bier.
bild 2 die stelle, wo die gaube hin soll. die pfette ist nicht mit drauf.
heute war noch einer aus der nullo-problemo-group da, der will die eine mittlepfette durch eine firstfette ersetzen. leider hatte ich gleichzeitig den heizungsmenschen zu bespielen und eh das in mein hirn vorgesickert war, war der statikus wieder weg :-(( sonst hätte ich gefragt, wohin er die last ableiten will, darunter gibts keine tragende wand??? er wirkte auch nicht so, als ob er gern vorträge an die unwissenden hält :-)) muss ein bißchen berufskrankheit sein







Dachausbau?





Dachausbau?



Dachog. Tschuldigung ein Hammer auf die Tasten gefallen. Wenn sie allein das Haus bewohnen und nur Wohnraüm schaffen wollen und nicht gleich eine Wohnung, sehe ich eigentlich kein Problem. Aus den Bildern entnehme ich, daß es sich um ein nicht abgestrebtes Pfettendach handelt. 1,80 vom Dachboden bis UK Mittelpfette. § 50 Abs.(4)BauO LSA " Aufenthaltsräume im Dachraum müssen eine lichte Raumhöhe von mindestens 2,20 m über mindestens der Hälfte ihrer Grundfläche haben. Die Pfette beansprucht die die Hälfte der Grundfläche? Nur ein Vorschlag. legen sie die Zimmerdecke doch auf die Kehlbalken, Holzspanplatten ordentlich verschraubt, so daß diese Kehlbalkendecke als Scheibe wirkt und so die die zusätzlichen Lasten aus Dämmung und Ausbau wie bisher abgeleitet werden können. Natürlich sind noch andere Faktoren zu beachten, aber durch den Einbau einer Scheibe, wird ein zusätzliches Tragelement geschaffen. Im geplanten Gaubenbereich würde ich deren Deckentragehölzer dann auf einen Ersatzrähm über die Kehlbalken,legen. Die Gaubensparren werden auf die vorhandenen Dachsparren aufgeschmigt. Für die Gaube ist ja eine Baugenehmigung erforderlich. Sie als Advokat müssen es doch hinbekommen, dem Bauamt plausibel zu machen, daß sie nur die Gaube genehmigt haben möchten, daß andere ist ja schon alles erledigt. Sie sind sicherlich nicht die Erste, die unter ihrem Dach macht was sie will. Mfg ut de ole Mark.



Die Umnutzung



Speicher in Wohnraum ist doch sicher auch genehmigungspflichtig.
Gibt es vielleicht noch einen Grundriss der darunter liegenden Geschosse, damit man die tragenden Wände sehen kann?



hallo herr kurze,



mit hammer am computer? selbstschutz? :-))) beißt ihrer?
klar weiß ich, dass genehmigungspflichtig, aber so ein bißchen ziviler ungehorsam muss schon sein :-)) gaube als reiner ausgang auf die dachterasse ist bereits genehmigt ;-) oben soll wirklich nur ein zimmerchen entstehen, auch damit das kind sich mit seinen kumpels mal zutückziehen und abfeiern kann - mir als neubaugewächs hat das immer gefehlt
ich werd mich jetzt mal in ihre erklärungen vertiefen, wird eine weile dauern :-))), wie gesagt, habe zwei schwafel-abschlüsse (noch mittelalterliche geschichte, ja!)
für herrn heim natürlich auch der grundriss - das Wohnzimmer interessiert nicht weiter - befindet sich im (historisch-flachgedeckten) anbau



Kehlbalkendach



Liebe Bettina,
anhand Ihrer Bilder bin ich mir sicher daß es sich bei dem Dachtragwerk Ihres Gebäudes um ein Kehlbalken- und nicht um ein Pfettendach handelt.
Deshalb, lassen Sie beim Dachgaubenbau bitte höchste Vorsicht walten, denn bisher hatten die Rähme lediglich das bisschen Last aus den Kehlbalken zu tragen.
Beim Einbau Ihrer Gaube verändern Sie das statische System und machen aus dem Kehlbalkendach im Bereich der Gaube ein Pfettendach, d.h. sowohl Rähm als auch Sparren und Dekenbalken werden nun anders belastet.
Achten Sie bei Ihrem Statiker darauf, daß er im Umgang mit historischer Bausubstanz ausgbildet ist und die alten Dachstuhlbauweisen kennt.
Vile Grüße
Johann Müller



@Johann Müller



würden sie uns Statikern, die sich in den historischen Dachtragwerken nicht so gut auskennen, bitte einmal erklären, aus welchen Gründen sie bei diesen beiden Bildern auf ein Kehlbalkendach schließen.



Kehlbalkendach



Lieber Herr Heim,

erst mal möchte Ich Ihre Kompetenz nicht anzweifeln und ich möchte auch gar keinen agressiven und unsachlichen Ton in die Diskussion bringen.
Zum Dach: Zum einem gibt es keine Firstpfette, und zum anderen liegt der Kehlbalken auf dem Rähm und nicht der Sparren auf dem Rähm.
Die Bezeichnung des Daches müsste genauer gesagt Kehlbalkendach mit doppelt stehenden Stuhl lauten.

Viele Grüße und fühlen Sie sich doch bitte nicht auf den Schlips getreten, wenn einer einmal eine andere Meinung vertritt.

Johann Müller



Hallo Herr Müller,



natürlich haben sie recht und ich fühle mich auch nicht auf den Schlips getreten. Ich sehe die Sache lediglich so, dass diese Dachform einem Pfettendach rechnerisch schon fast näher kommt als einem reinen Kehlbalkendach. Zumal man auf dem 2. Foto erkennen kann, dass das "Kehlbalkendach" durch den angehobenen Drempel und die flacher verlaufenden Sparren, ich vermute auf der Rückseite, schon mehr oder weniger zum Pfettendach umgebaut wurde, auch wenn die Pfetten unter dem Kehlbalken liegen. Nur die letzten beiden Sparren zeigen noch den Verlauf des ursprünglichen Daches, oder sollte ich mich hier täuschen?
Grundsätzlich haben sie natürlich recht, dass man beim Umbau eines Dachstuhles immer einen guten Statiker hinzuziehen muss.

Mit diesem kleinen Dialog haben wir jetzt jedenfalls widerlegt, dass Statiker nur reine Rechner sind, die sich mit anderen Menschen nicht auseinandersetzen können ;-))

Herzliche Grüße zurück
Fred Heim