Schieferdach - Daemmung mit, oder ohne Hinterlüftung

20.01.2006



Hallo zusammen,

stehe nun auch vor dem Problem, dass mir die Fachleute (Dachdecker, der selber Schiefer verlegt, Architekt, Sachverständiger für Wärmeschutz) unterschiedliche Angaben zur geplanten Dachdaemmung geben.

Konkret besteht meine momentaner Dachaubau nur aus den Sparren (14 cm), der 2cm Holzverschalung und die Schiefereindeckung.
Baujahr des Hauses: 1964

Das Dach ist dicht, also keine Wasserflecken auf den Brettern bzw. Feuchte Stellen bei Schlagregen oder
Schneestöbern. Winddruck bzw. Zugluft ist natürlich spürbar. Alle drei Fachleute haben mir den sehr guten Zustand des Daches trotz der mittlerweile 40 Jahre bestätigt und konnten auch keine Holzschädlinge oder sonstigen Baumängel entdecken. Nur bei des Dämmungsvorgaben gehen die Vorschläge auseinander:


Bemerkung: gedämmt soll nur mit Naturdämmstoffen (Hanf/oder Holzfaserplatten)Sparrenaufdopplung ist zur Erreichung des Dämmvorgaben nach EnEv Voraussetzung für den weiteren Dämmvorgang:

1. Vorschlag: Unterspannbahn zwischen den Starren(aus atmungsaktiven, 2-lagigem armiertem Papier aus (Naturzellulose) ohne Hinterlüftung, dann das Thermohanf(18cm) anschließend die Dampfsperre wieder aus dem o.g. 2-lagigem armierten Papier mit Funktonsmembran (gibt Kondensationsfeuchtigkeit auch raumseitig wieder ab)
Als Innenverkleidung dann die Gipsplatten 12,5mm auf Proflileisten.

2. Vorschlag: wie 1. allerdings mit Hinterlüftung und
mindestens 20cm Thermohanf Architekt würde sogar 24cm nehmen.




3. Vorschlag: wie 1. aber ohne Unterspannbahn (lt. Sachverständiger: ..."Angstfolie..." und bei meinen dichten Dach nicht erforderlich.

Was ist denn nun optimal für mein Schieferdach?

Ich hoffe auf klärende Infos und verbleibe mit bestem Dank,

Lutz Stork
NRW/Münsterland



Beste Lösung ?!



Ich bevorzuge wenn irgend möglich immer die hinterlüftete Variante, da sie ein höheres Maß an Sicherheit bringt. Das bedeutet, dass die Konstruktion kleiner Fehler eher verkraftet. Die Hinterlüftung macht aber nur Sinn, wenn eine ausreichende Be-und Entlüftung an First und Traufe gewährleistet werden kann.



Schichten



Hallo Lutz

Ist zwischen Schiefer und Holzschalung denn keine Sicherung (2. Entwässerungsebene) durch eine diffusionsoffene Folie oder zumindest eine Teerpappe ?
Wie ist die Dachkonstruktion holzschutztechnisch behandelt oder anders, in welche Gefährdungsklasse soll der Dachstuhl eingestuft werden ?



Hallo Lutz,



Da ein Schieferdach nach aussen dicht ist solltest du dafür sorgen das die Feuchtigkeit nach innen kann. Die dampfbramse aussen kanst du dir sparen, innen ist sie angebracht. Wenn es mein dach wäre würde ich mit stopfhanf, oder aus meiner noch besser seegraß (von natur aus ein b2 baustoff, schwer entflammbar) eine follsparrendämmung machen, dann ohne dampfbramse einerauschalung, Putzträger und lehmputz. Wenn du auf die Dampfbremse nicht verzichten möchtest dann genau so aufbauen nur mit angstpapier. Solltest du keine feuchtigkeit einbringen wollen und alles selber machen wollen, dann nimm anstelle von bremse, Schalung und Lehmputz die Lehmbauplatte von n&l, (www.lehm.at). Die ist auf einer OSB Platte aufgebracht und hat einevertige lehmoberfläche. Kein putzen mehr notwendig, und OSB dient als dampfbremse. Mit lehmigen grüssen Martin



Schieferdach - Daemmung mit, oder ohne Hinterlüftung



Schon jetzt herzlichen Dank für die bereits eingegangenen
Rückmeldungen.

Zur Antwort 1:Beste Lösung ?! (Fred Heim):

Was darf ich unter einer "ausreichenden" Be- u. Entlüftung
verstehen?.

Die mir vorliegenen Fachbücher zum Dachausbau gehen grundsätzlich bei einer Hinterlüftungsebene von ca. 3cm
(Abstand zw. Dacheindeckung und Unterspannbahn) von einer
bautechnich korrekten Hinterlüftung aus.

Allerdings sind dort als Konstruktionsmodelle immmer Pfanneneindeckungen angegeben, also ohne dichte Unterverschalung wie beim Schieferdach.
Bei den Pfannen gibt es zudem auch noch bei Bedarf Belüftungspfannen, die bei Schieferdächern - bzw. bei mir gar nicht vorhanden sind.

Würde also bei meiner Dachkonstruktion, wenn ich nur ca. 3 cm. Abstand zwischen der Holzverschalung und Dämmung lasse, eine ausreichende Belüftung durch den Winddruck/Zugluft gewährleistet?

zu Anwort 2: Schichten (Mutabor): es ist definitiv keine
Folie/Teerpappe oder sonstiges zwischen der Schiefereindeckung und der Holzverschalung. Ob das Holz 1964 imprägniert oder anderweitig behandelt wurde, ist mir unbekannt. Aufgrund der mittelbraunen Färbung würde ich aber auf eine entsprechende Behandlung mit Holzschutzlasur
tippen. Brandschutztechnisch muß es einem Zweifamilienhaus
gerecht werden. (gesetzl. Bauvorgaben)


zu Anwort 3: Lehm/Martinbau: der Vorschlag hört sich gut an; werde mir einmal die "Kosten" ermitteln.


Schöne Grüsse aus dem Münsterland

Lutz Stork





Hallo Lutz

Die von deinem Sachverständigen so abfällig mit "Angstfolie" titulierte 2. Entwässerungsebene halte ich im ausgebauten Dach auch nach den Regeln des Deutschen Dachdeckerhandwerks für unbedingt notwendig.
Es ist nun einmal so, das im ausgebauten Dach ein Bruch im Schiefer oder ähnliches, von dir an der Innenseite kaum bemerkt werden wird und daher im Versteckten zu massiven Schäden an der Dachkonstruktion führen kann.

Wobei die hier vorgeschlagenen Lösungen der nachträglichen Einbringung einer zweiten Dachhaut (zwischen den Sparren) nur 85% der Dachfläche sichern kann und daher abgesehen von der Notwenigkeit einer gewissenhaften, überlegten Ausführung nur einen vorübergehenden Kompromiss darstellen kann.


Eine Hinterlüftungsabstand lässt sich nicht standartisieren.

Der Lüftungsabstand ist zumindest abhängig von folgenden Parametern:
+ Länge der Hinterlüftungsebene
+ Steigung des Daches
+ Oberflächenrauheit des Hinterlüftungskanals(Reibungswiderstand)
+ Verhältniss der Größe der Zu- und Abluftöffung
+ Lage und Ausrichtung des Daches (Windgeschindigkeiten, Luv und Lee Ausrichtung, Höhenlage etc.)

Im Zweifelsfall solltest du auf Nummer sicher gehen. Was der "Sachverständige" als "Angstfolie" bezeichnet, schützt dich vor Schäden die er wohl nicht bezahlen wird.
Gruß

Lutz Parisek



Ich denke, dass eine



Unterlüftung von 4 cm in den meisten Fällen ausreichend ist.

Eine ausreichende Be- und Entlüftung ist entsprechend den von Lutz aufgeführten Randbedingungen zu ermitteln. Belüftung an der Traufe, Entlüftung am First.

Bei der ausführung schwerer Konstruktionen (z.B. Lehmputz, ...) Statik im Auge behalten. Die meisten Dachkonstruktionen sind für solche Lasten nicht ausgelegt. Wenn die Sparren noch funktionieren, müssen häufig die Pfetten verstärkt werden.



Statik und Hinterlüftung



Zufällig hat mein Chef mitbekommen, dass ich hinsichtlich der Schiefereindeckung und Dämmung noch Klärungsbedarf habe. Da er sehr gute Kontakte in der Eifelregion hat, konnte er mir einen Fachmann aus dieser Region vermitteln.

In 3 Wochen kommt dieser Mitarbeiter einer Dachdeckerfirma zu mir, die sich schwerpunktmäßig mit der Schiefer-eindeckungen befasst.
Mal schauen, was dann Neues zu berichten ist.

Der Hinweis zur Statik ist wichtig. In meinem Fall ist die Lehmplattenverkleidung (je Platte ca. 32KG!) ohne massive Verstärkung der Dachkonstruktion lt. Statiker nicht umsetzbar.

Bis jetzt waren Eure Hinweise schon sehr gut und haben mir bei den (nachträglichen) Gesprächen mit den Handwerken und Architekten sehr geholfen.

Zu deren Ehrenrettung sollte man allerdings anführen, dass eine Schiefereindeckung im Münsterland bei Privathäusern kaum vorhanden ist und somit die Erfahrungswerte fehlen. In Regionen wie der Eifel oder Weserbergland, Sauerland hätten die Dachdecker wahrscheinlich auch detaillierter Bescheid gewußt.(Aussage der Handwerker)