Wer hat Erfahrung mit Denkmalschutz und Biberschwanzziegeln?

27.01.2004



Unser Haus von ca. 1910 hat ein wunderschönes Dach mit Biberschwanzziegeln, das aber leider komplett neu gemacht werden muß. Da es sich um ein EINZELDENKMAL handelt, redet uns die Denkmalbehörde überall mit. Eine Denkmalauflage ist es, die Firstziegel (bzw. den "Ortgang") zu vermörteln. Das führt aber dazu, daß keine Luft mehr zirkulieren kann, also sollen (teure) Lüfterziegeln eingebaut werden, die vorher aber gar nicht da waren. Der Dachdecker sagt außerdem, daß der Mörtel nach ein paar Jahren sowieso weggefroren ist, so daß er die Ziegel auf jeden Fall auch noch festklammert. Die Fragen: Wer kann mir erklären, warum die Denkmalbehörde auf dem Vermörteln besteht? Gibt es jemanden, der seine Denkmalbehörde davon überzeugen konnte, daß Vermörteln der Ziegel sinnlos ist, bzw. dem Dach eher schadet? Wir suchen Argumente bzw. Präzedenzfälle, um unser Dach ohne Lüfterziegeln zu bauen!!! (die nicht nur teuer sondern auch gar nicht so besonders hübsch sind)



Lüfterfirst



Guten Morgen Frau Jandt,

in technischer Hinsicht schließe ich mich der Auffassung Ihres Dachdeckers an: Frost, Erschütterung und die unvermeidlichen Bewegungen des Daches geben jedem Mörtelverstrich schon nach wenigen Jahren den Rest.
In ästhetischer Hinsicht sind Lüfterziegel in einem denkmalgeschützten Dach eine mindestens fragwürdige Angelegenheit. Hier kommt es wesentlich auf das Lieferprogramm der jeweiligen Ziegelei an, es gibt nämlich ausgesprochen flache, die unauffällig sind und solche, die schon aus großer Entfernung als komische Pickel auffallen.
Man kann aber auch mit Traufenlüftungselementen, Firstentlüftern und Lüftungsgittern am Knick zwischen Mansarde und Hauptdach - so vorhanden - gut zurechtkommen. Eine Vermörtelung der Ortgänge ist schlicht überflüssig. wenn Sie in einer sturmgefährdeten Lage arbeiten, kann man klammern oder im Extremfall sogar schrauben: Loch in den Biberschwanz bohren, Schraube durchdrehen.
Ich würde solche Details mit dem Denkmalpfleger besprechen, vielleicht sogar anbieten, gebrauchte mit neuen Biberschwänzen zu mischen, um so ein nicht so "g´schlecktes" Dach zu kriegen. Aber der Unsinn mit dem Mörtelfirst käme mir nicht in die Tüte, ich würde mit Unzumutbarkeit (muß dauernd erneuert werden) und der pottenhäßlichen Alternative von denkmalfremden Lüfterziegeln argumentieren.

Viel Erfolg



Biber



Hallo, das Vermörteln von Zieglen ist eine historische Technik und damit denkmalgerecht. Ich kenne im Fränkischen etliche Dächer, auf denen Mönch und Nonne noch ganzflächig vermörtelt sind. Das kann 100 Jahre oder länger halten. Ich denke aber, dass es beim Denkmalamt immer einen Verhandlungsspielraum gibt. Bei einem Kaltdach spricht sicher nicht gegen den Mörtel, beim energetisch gedämmten Dachausbau bekommen Sie natürlich Probleme mit dem Hinterlüften - wobei ein schlecht ausgeführter Lüftungsfirst schlimmer aussehen kann als dezente Lüfterziegel. Bei meinem Haus finde ich gemauerten First und Lüfterziegel einfach bildhübsch (Zweite-Wahl-Biber!).
Gruß gf



mörtelfirst



habe beim eigenen Denkmal auch gemörtelt bzw mörteln lassen ,üblicherweise gibts beim historischen Pfannendach wenig Probleme mit entlüften , sind halt alle ein bißchen schief , da kommt die Luft schon raus ..
Der Biber liegt natürlich dichter , ggfls läßt sich da am First pro Sparrenfeld eine (senkrechte ) "Luftfuge" machen
- freuen sich auch die Fledermausis !!
Jürgen kube



Einfach nicht machen



Hallo,

bei meinem Fachwerkhaus wollte das Denkmalamt auch das der First wieder vermörtelt wird. Ich habe Krempziegel auf meinem Dach und musste dieses auch wieder neu decken.
Ich habe einfach einen Trockenfirst drauf gemacht.
Die Firstziegeln müssen natürlich so angebracht werden, das es nicht zu neu aussieht. Die waren schon zwei mal da und haben nichts mehr gesagt, vielleicht haben Sie es ja noch garnicht gesehen.

MfG
Fritz



Historisches, lebendes Dach?



Hallo, Ute- und Guten Abend! Ist schon interessant, welche Unruhe Denkmal-Verwaltungs-Angestellte mit Ihren Entscheidungen in Bauherrenfamilien bringen... Aber halb so schlimm! Folgende Erklärungen zum "naß Verlegen" von Handstrichbibern: Ausgeführt wird mittels "Längsschlag" und "Querschlag", was gleichbedeutend mit einer "Zwangshinterlüftung"- je nach Geschick und Ausführung- ist. Ich nehme an, Sie wollen anstelle des Kaltdaches (Vorzustand) einen Dachausbau vornehmen. Wie haben Sie das vor? Mit "Trockenbau"? Hoffe ich doch nicht!
Gern erläutere und begründe ich Ihnen nachfolgende Fragen zur Bauphysik, ökol. Bauen und auch der hist. Dachdeckung.
Bis zum nächsten Mal!
(Also- keine Sorge- BRAAS wollen Sie hoffentlich nicht reich machen...)
Ernst Ulbich



Müssen Biberschwanz-Dachziegel an denkmalgeschützen Häusern vermörtelt werden?



Wenn ich das richtig verstanden habe, werden also die Biber so verlegt, daß eine Extra-Belüftung nicht notwendig ist? Wieso hat uns der Dachdecker dann die Lüftungsziegeln empfohlen? Kann man das irgendwo nachlesen????
Das Haus hat das Dach zu Mansarden heruntergezogen, also bis zum 1. Obergeschoss, und der Dachboden ist schon von den Vorbesitzern im "Trockenbau" ausgebaut, wir wollen das Ganze gerne von außen besser isolieren, das "Kaltdach" bleibt nur in der Dachspitze erhalten.
Wie ist es denn nun mit dem Vermörteln. Außer das es eine historische Technik ist, ist es sonst noch zu irgendetwas gut? Kann man es überhaupt von unten erkennen? (Außer an der Anwesenheit der Lüfterziegel...)
Wir suchen immer noch jemanden, der die Denkmalbehörden davon überzeugen konnte, daß es auch ohne Vermörteln geht. Immerhin wird ja auch nicht verlangt, daß alle Ziegel auf dem gesamten Dach wieder wie im Originalzustand nur mit Mörtel befestigt werden.





Irgendwie ist so ein neues altes Dach einfach schön - meine ganz persönliche, vermörtelte und ziegelgelüftete Biberburg ...





Biberburg - noch ein Versuch mit dem Bild



Mörtel



hat seine Berechtigung in Innenstadtlagen mit gleichem Bild der umliegenden Gebäude. Wenn Sie keine Lüferziegel wollen (würde ich auch nicht einbauen), versuchen Sie über die Firststeine die Entlüftung zu gewährleisten. Übrigens ist Mörtel kein Schwachsinn, denn er gewährleistete die Dichtung gegen Flugschnee usw. in den Dachraum ohne Unterspannbahn. Wenn ein Dachdecker meint, dass der Mörtel schon nach ein paar Jahren weggefroren sei, hat er nicht richtig gearbeitet...



Gute Dachdecker- schlechte Dachdecker?



Hallo Ute! Herr Garkisch, Herr Flegel und viele andere haben sicher und bestimmt recht: Denn- wissen Sie was Sie wollen? "Ein wenig schwanger" geht nicht... Sie haben offensichtlich ein altes Haus gekauft. Nun sagt die Denkmalbehörde, es muß die althergebrachte "Dachlandschaft" erhalten werden. Sie haben alte Biber 'drauf- ob Handstrich oder nicht ist Wurscht. Ausgebaut (ob richtig wird sich noch offenbaren...) ist, nach Ihrer Beschreibung, bis in den Zangenbereich. Der sog. Spitzboden ist Kaltdachbereich.
Nun wünschen Sie sich, um der Wärmeschutzverordnung gerecht werden zu können, eine "Außendachdämmung. Bis wohin? Denn: Bekleidet man die Dachkonstruktion über die gesamten Dachflächen (Traufe bis First)z.B. mit Holzweichfaserplatten- der Spitzbodenbereich bleibt Kaltdach- warum empfiehlt man Ihnen dann eine Hinterlüftung von der Traufe bis zum First? Die ist ja da und auch gewährleistet (Konterlatte, Dachlatte, Firstbrett)? Und Neues mit Altem zu vermischen, dann BRAAS- Klammern zu setzen, Ortgang, Traufe und First verschrauben...? Wenn Ihr ratgebender Dachdecker nicht mit Zungenkelle, Trommel und Schnur umgehen kann- tja, was dann? Im Übrigen: Wenn Sie von der Denkmalbehörde ein paar Cent für's Dach bekommen, dann sollten Sie sich besser überlegen, wie Sie damit verbundenen Forderungen zu Ihrem und deren Vorteil gerecht werden könnten. Unsere Ratschläge sind in der Praxis angewandt worden. An sich auch leicht auszuführen- und nicht so kostenintensiv (gucken Sie mal, was Lüftersteine kosten...!) M.f.G.! ERnst Ulbich



Gut, schlecht, schön?



Guter Gedanke, Herr Ulbich! Natürlich muss der Denkmaleigentümer aufs Geld schauen, aber bei manchen Punkten muss man sich dann schon fragem warum man denn überhaupt ein Denkmal hat. Die Denkmalbehörde hätte uns zum Beispiel keine Steine in den Weg gelegt, wenn wir Verbundfenster (natürlich Holz mit Sprossen) fassadenbündig eingebaut hätten; und man hätte wahrscheinlich wirklich FAST keinen Unterschied gesehen. Wir haben uns für den mühsamen Weg der handgefertigten Kastenfenster entschieden, aus dem Gefühl heraus, dass sie einfach richtig sind für die alte Burg. Der Anblick jetzt bestätigt uns: Das ist eben der kleine Unterschied. Und so geht es weiter mit den kleine Unterschieden: altes Eichenholz für Fachwerk-Ausbesserung oder neues aus dem Sägewerk? Holznägel und Zapfen oder Eisenwinkel und Schrauben? Die Dachrinne aus Kunststoff oder aus Kupfer? .... Mörtel auf dem Dach oder Klammern? Man kann da sicher niemandem reinreden. Will ich auch nicht. Es ist auf jeden Fall toll, wenn alte Häuser erhalten werden.
gf



Mörtelfirst



Hallo Ute,

teure Lüfterziegel bei einem Biberschwanzdach müssen nicht sein, sofern die oberste Reihe des Daches nicht mit kürzeren Firstziegeln, sondern mit normalen Bibern gedeckt wird ("Kronengebinde"). Bevor ich lange rumerkläre, lieber ein Verweis auf eine entsprechende Seite:

http://www.von-mueller.com/Technik/Awt_bi_lufter06.html

Zum Vermörteln muß ich meinen Vorrednern recht geben; wenn der Mörtel nach einigen Jahren schon wieder wegfriert, hat der Dachdecker einen Fehler gemacht. Jeder Dachdecker müßte in seiner Ausbildung gelernt haben, wie man First und Grat richtig vermörtelt. Und zwar so, daß der Mörtel so gut es geht vor Wasser geschützt wird. Außerdem sollte Dein Dachdecker über die richtige Mörtelart bescheid wissen.

Gruß, Andreas