Aufdach-Dämmung Holzflachdach... oder nicht?

18.09.2012 Guy



Hallo, liebes Forum,

ich habe ein Haus älteren Baujahres wo der Wind im Moment noch ordentlich durchpfeift und auch keine Dämmung vorhanden ist. Da muss vor dem Winter also was gemacht werden.

Aktuell haben wir das Flachdach im Auge, es ist ein leichtes Holzdach mit 8 Grad Gefälle. Lässt sich gut aufdach oder zwischen den Sparren dämmen. Nur: Was ist besser? Die Dachbahn wird erneuert (wird EPDM) und mir schweben nun zwei Alternativen vor:

Variante Aufdachdämmung (von innen nach außen):
Dampfbremse feuchtevariabel
Styropor 035, 180 mm, 100 kPA
16mm OSB (lose verlegt oder streifenweise verklebt)
EPDM-Bahnen (verklebt auf OSB).

Fragen hierzu:
Welchen SD-Wert sollte die Dampfbremse zwischen Holzdach und Styropor haben? Eine feuchtevariable (0,25 - 10 m) wäre sicher das Optimum?

Machen die OSB-Platten hier Sinn oder kann die EPDM-Bahn genausogut direkt auf das Styropor geklebt werden (Haltbarkeit / Windsog)?

Genügt es, die OSB-Platten lose aufzulegen und nur an den Rändern mechanisch zu befestigen oder sollten diese aufgeklebt werden (ca. 70 Quadratmeter Dachfläche, ca. 7 Meter Dachhöhe)?


Alternative: Zwischensparrendämmung 200 mm Zellulose.

Die Alternative wäre sicher im Schall- und Hitzeschutz besser - aber nicht so sicher bezüglich Feuchtigkeit.

Als dritte Alternative wäre auch eine Kombination von 100 mm Styropor Aufdach und 100 mm Zelluslose Zwischensparren möglich - macht das Sinn?

Was sagt ihr, welcher Aufbau wäre besser oder wo sind Fehler?



Die Zellulosedämmung würde ich in diesem



Fall vorziehen. Die Dachhaut kann ja von der Dämmebene mit einer Unterlüftung abgekoppelt werden.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Wieso?



Danke für die Antwort - aber: Wieso?

Laut den mit vorliegenden Informationen sind alle Aufbauten, welche den Taupunkt ÜBER der Holzkonstruktion halten in jedem Falle vorzuziehen - weil das Holz dadurch mit Sicherheit trocken gehalten wird, auch im Fehlerfalle bei Anreicherung mit Kondensfeuchtigkeit durch eine offene Fuge o.ä..

Die Unterlüftung der Dichtebene funktioniert aus diversen Gründen bei diesem Dach nicht, keine Chance!

Es kommt also nur Aufdachdämmung mit EPS oder Zwischensparrendämmung mit Zellulose oder eine Kombination von beidem (120 mm Aufdach, 100 mm Zellulose oder so in der Art) in Frage. Wobei ich in der Kombination EPS+Zellulose keinen Mehrwert (außer vll. den verschobenen Taupunkt) und mehr mögliche Ausführungsprobleme und Fehlerquellen sehe.



Alle …



… Holzkonstruktionselemente gehören bei einem Flachdach unterhalb der dampfbremsenden Ebene. Nur so sind Feuchteschäden weitgehend ausgeschlossen.



das dachte ich mir auch...



die EPS-aufdachdämmung ist mir auch sympathischer um den taupunkt ÜBER der tragenden Konstruktion zu halten, dann nehmen wir wohl diese variante - ist auch etwas günstiger.

kopfschmerzen bereitet mir allerdings die konkrete ausführung:

vollflächiges verkleben der dampfbremse tötet jede dampfoffenheit. antackern ist auch nicht gerade optimal bzw. bringt nur wieder schadenspotential.

streifenweise verkleben oder gar nicht verkleben scheinen mir die sinnvollsten lösungen. in der literatur finde ich vor allem aufbauten mit auflast, welche hier nicht in frage kommen (ist ein leichtbau-günstig-dach mit 6-7 meter spannweite... das wird nix).

genügt die auflast von den OSB-Platten (ca. 9-13 kg/m²) (je nachdem was der Statiker mir erlaubt)?

ich würde holzdach -> dampfbremse -> 180 mm EPS -> OSB-Platten zwischen jede lage alle 30 cm eine kleberaupe durchgehend auftragen. an den rändern zusätzlich ringsum mechanisch fixieren.

ist das verkleben da überhaupt notwendig oder reicht die auflast + randfixierung schon aus? hat da jemand erfahrungswerte oder ne nette doku / website / etc?

vielen dank! :)



So eine Konstruktion…



… ist komplett dampfdicht.

Raumseitig anfallendem Kondenswasser bzw. dem "Dampfdruck" muss anderweitig entgegnet werden, z.B. je nach optischem Geschmack durch eine dicke Lage Holz oberhalb der Sparren oder geeigneter Putz bzw. Lehmbauplatten. Um Feuchterisiken oder böse Überraschungen zu minimieren, die Sparren weitgehend frei sichtbar lassen, also keine (Zusatz-) Zwischensparrendämmung. Gute Raumlüftung durch Fenster oder Lüftungssysteme sollte gewährleistet sein. Evtl. könnte der Einsatz einer Flächenheizung angedacht werden, z.B. WEM-Klimaelemente.

Die OSB-Lage (besser deutlich stärker als 16mm, denn dann gibt es neben der besseren Statik auch dampfsperrende Eigenschaften) dann unterhalb der Dämmschicht, die evtl. nach unten hin zur Sicherheit noch mit einer Folie abgesperrt wird. Die EPDM-Bahn oberhalb der Dämmschicht mit Kies beschweren oder ggf. sogar Statik für ein Gründach checken lassen.

Schwach- bzw. evtl. Fehlerstellen sind hier vor allem an den Randabschlüssen und Wasserablauf möglich. Hier muss sehr sorgfältig geplant und ausgeführt werden.

In der gesamten Konstruktion sind Hohlräume möglichst zu vermeiden, also auf keinen Fall unter die Sparren noch Rigipsplatten schrauben oder mit Blindböden arbeiten.

Noch habe ich mit meinem Bruder (Zimmermann) Meinungsverschiedenheiten bezüglich dieses Dachaufbaus, er kennt auch nur die altbekannten aufwändigen unterlüfteten Flachdächer, aber die Angaben in der DIN 68800-2 sind ja ziemlich eindeutig.



Guy hat Kopfschmerzen ...



"... kopfschmerzen bereitet mir allerdings die konkrete ausführung: vollflächiges verkleben der dampfbremse tötet jede dampfoffenheit ..."

Es ist zwar richtig gedacht, dass man die tragende Konstruktion im Trockenen lässt. Die Praxis zeigt aber, dass die Luftdichtung zwischen Innenseite und Dämmung nicht immer korrekt ausgeführt wird, bzw. bauseits bedingt nicht ausgeführt werden kann. Selbst wenn man auf das "Tackern" verzichtet.

Guy schreibt von Dampfbremse und will dann wieder nach Innen etwas ausdiffundieren lassen (feuchtevariabel). Gleichzeitig schreibt er davon, dass " ... vollflächiges verkleben der dampfbremse tötet jede dampfoffenheit ..."

Ein Dampfbremse ist eine Bremse, da sie kontrolliert Feuchte eindringen lässt und hoffentlich auch umgekehrt funktioniert. Die tötet keine Dampfoffenheit. Sie verhindert in unserem Wunschdenken evtl. Konvektion. Das steht und fällt aber mit dem Handwerker und den Möglichkeiten vor Ort.

Wenn, dann wäre eine dampfdichte Luftdichtung der richtige Ansatz. Aber auch hier bleibt die kopfschmerzhafte Frage der richtigen Verarbeitung.

Falsch verarbeitete Dampfbremse oder Dampfhoffenheit tötende Dampfsperre lässt in diesem Fall Kondensat im Schaum und spätestens unterhalb der OSB-Platte zu. Schaum lässt das Wasser nur höchst verzögert wieder abgeben.

So ganz kann ich es nicht glauben:

Wenn ich wenigstens 18cm Aufbauhöhe für eine Dämmung über der Konstruktion habe, dann reichen mir die 18 cm auch für eine Hinterlüftung der Dämmung zwischen dem Flachdach und der Konstruktion. Der Zellulose gebe ich den Vorzug, da sie kapillaraktiv das Holz trocken hält.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Warum...



... soll das Styropor überhaupt mit Wasser in Berührung kommen? Die Materialeigenschaften taugen dafür doch gar nicht. OSB (an den Stoßkanten verklebt) + dichte Folie dürften das Styropor hinreichend trocken halten. Die Folie würde ich auch nicht tackern, wozu, wenn sie durch die EPS-Platten und oberhalb der Abdichtfolie liegende Kiesbeschwerung o.ä. gehalten wird.

Es gibt genug Schadensfälle auch bei belüfteten Flachdächern, weil der Optimalzustand z.B. bei angrenzenden Gebäuden, die eine gute Luftzirkulation verhindern, nicht sichergestellt werden kann, außerden sind belüftete Dächer ungleich aufwändiger, also fehleranfälliger, jetzt mal von den Kosten, die zumindest den Bauherren eine Rolle spielen, mal ganz abgesehen.



Also das Problem bei dem Dach



ist zum einen die Aufbauhöhe - rundum ist verschiefert, ca. 20 cm über Dachhöhe als eine Art riesige Wanne. Ein paar cm kann man mit einer einfachen Verkleidung gewinnen, danach ist Schluss. Ein wesentlich höherer Aufbau bringt Fassadenarbeiten mit - fällt also flach. Die EnEV schreibt 160-180 mm WLG 035 vor + OSB-Lage sind 180-200 mm. Da ist kein Platz mehr und 3-5 cm Luftspalt bringen sicher nichts, vor allem kann nirgends an den Rändern Luft hinein oder heraus, die Luft wird sich nicht bewegen dort.

Dann ist das Dach nicht in einer Ebene, sondern mehrere Gefälle (Anbauten) münden in einen Hauptsammelpunkt mit unterschiedlichen Gefällerichtungen, sogar die Sparren verlaufen 90° versetzt - Unterlüftung nada, allein schon weil kein Windsog im Boden einer Wanne entsteht. Wollte ich eine Unterlüftung durch großzügiges aufdoppeln (25 cm und höher) herstellen, hätte ich ein Problem mit der überstehenden Schieferfassade - da könnte ich auch gleich ein neues Dach bauen. Wie man es dreht und wendet: Das wird nix.

Soweit mir bekannt ist, gibt es überhaupt keine Dampfdichtheit die man nachrüsten könnte - nie. Spätestens über Flankendiffusion oder einen Nagel in der Dampfsperre kommt Kondensat rein - immer. Ich habe schon genug gebaut um zu wissen, dass ein oder zwei kleine Fehler so oder so unvermeidbar sind. Und auch wenn nur die Folie in einer Ecke einreißt... das Wasser kommt dann nie wieder raus und akkumuliert sich über Jahre. Deswegen sind soweit mir bekannt ist nur noch diffusionsoffene Aufbauten Stand der Technik, maximaler erlaubter SD-Wert ist aktuell wohl 2 Meter im Flachdach.

Eine massive Beschwerung (Kies, Gründach) scheidet absolut aus. Sparrenmaße 14x8 cm bei bis zu 7 Meter Spannweite. Das Dach hält sich grade so alleine, ich werde mittig noch einen Quersparren unterziehen um das zusätzliche Gewicht von Dämmung und OSB zu tragen - ein paar Hundert Kilo OK, aber nicht ein paar Tonnen. Da zeigt mir der Statiker den Vogel und ich brauch ihn noch nichtmal, um zu wissen, dass das Wahnsinn wäre bei den Sparrenmaßen. Es ist leider kein geplantes, sondern ein über Jahrzehnte gewachsenes Dach. Und der ausführende gelernte Dachdecker war eine Schlafnase übelster Sorte.

Die Sparren müssen von unten verkleidet werden, es ist Wohnraum und kein Lagerboden...

Das mit der "getöteten Dampfoffenheit" war übrigens so gemeint: Setze ich eine halbwegsoffene oder feuchtevariable Bremse ein und verklebe diese vollflächig (!), so verklebt der Kleber auch die Folie und Poren der Bremse - und der Kleber wird quasi selbst zur Dampfsperre. Rücktrocknung = unmöglich.

Ich zitiere einfach mal:
Der Einbau von Dampfsperren (sd,i = 100 m) in außenseitig dampfdichten Holzkonstruktionen entspricht nicht mehr den Regeln der Technik. Sie unterbinden die sommerliche Umkehrdiffusion, die zur Trocknung des winterlichen Feuchteeintrags aus Dampftransport per Luftströmung (Konvektion) durch unvermeidliche Restleckagen erforderlich ist.

7 goldene Regeln für ein nachweisfreies Flachdach ...
(bei normalem Wohnklima nach EN 15026 bzw. WTA Merkblatt 6-2)
1. Es hat ein Gefälle = 3% vor bzw. = 2% nach Verformung und es
2. ist dunkel (Strahlungsabsorption a = 80%), unverschattet und es hat
3. keine Deckschichten (Bekiesung, Gründach, Terrassenbeläge) aber
4. eine feuchtevariable Dampfbremse und
5. keine unkontrollierbaren Hohlräume auf der kalten Seite der Dämmschicht und
6. eine geprüfte Luftdichtheit und es
7. wurden vor dem Schließen des Aufbaus die Holzfeuchten von Tragwerk und Schalung
(u = 15 ± 3 M-%) bzw. Holzwerkstoffbeplankung (u = 12 ± 3 M-%) dokumentiert.

Diese Regeln halte ich hier ein und werde auch nochmal mit einer Wärmebildkamera drübersehen um nach Fehlern zu suchen...

Was mir allerdings auch etwas Sorgen macht: Was passiert mit dem unvermeidlichen Kondensat, EPS besitzt doch quasi keine Sorption? Bis es im Sommer rücktrocknet, verbleibt es doch dann flüssig auf der Dampfbremse und wandert bis zur tiefsten Stelle im Dach - wäre da dann ein Ablauf nicht sinnvoll angebracht?



Der Bericht lässt ein wenig tiefer blicken.



.. noch mehr könnte vielleicht ein Foto von dem schönen Dach erklären.

Das mit der "getöten Dampfbremse" habe ich tatsächlich Mißverstanden. Die Regeln sind für mich nachvollziehbar. Deine Bedenken wegen dem Styropor aber genauso. Deshalb habe ich ja für ein sorptives, kapillaraktives Material plädiert.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Die bekannten Regeln...



... gelten für geschlossene Aufbauten, also Zwischensparrendämmung etc. konstruktiven Elementen innerhalb dampfbremsender Schichten.

Ich sprach aber von einem Umkehrdach, wo sich die Dichtebene unterhalb der Dämmung befindet.

Gibt es irgendwo belastbare Zahlen, wie viel Feuchtigkeit im Winter durch die Intellofolie ins EPS eindringt, um im Sommer bei der Umkehrdiffusion wieder nach unten hin durch die Folie heraus zu wandern, vor allem, wenn es nach der Folie keine zirkulierende Luft, sondern Hohlräume bzw. Rigips o.ä. gibt.

Die Dachdeckerzunft freut sich wahrscheinlich schon jetzt diebisch darüber, dass sie in ein paar Jahren all die "nachweisfreien" Flachdächer wieder sanieren darf.



Doofes Flachdach



Alles, was an Feuchte mal hineingegangen ist, sollte auch wieder hinaus, soweit die Theorie... blöderweise will die Feuchte aber nicht nach unten zurück wenn es oben doch so schön warm ist... soviel zur "feuchtevariablen" Folie...

Entweder komplett sperren, oder feuchtetolerante Materialien verbauen...

LG & Gutes Gelingen,
Sebastian Hausleithner



7 goldene Regeln



Bei den 7 goldenen Regeln fehlt mir die achte:
Die eingebaute Dämmung muss Kapillaraktiv sein (Zellulose oder Holzweichfaser) und dicht an der feuchteadaptiven Luftdichtheitsebene anliegen.
Ansonsten sehe ich das genauso und habe das schon mehrfach - und auch nur ausschließlich so - gebaut.
Wobei ich diese Konstruktionen immer habe durchrechnen lassen bezüglich der feuchtebelastung. Und nicht nach Glaser sonder als Klimasimulation über mehrere Jahre.
Z.Bsp. mit WUFI.
LG
SB



Durchrechnen…



… ist ja gut und schön, aber wie sieht der Praxis-Gegencheck über ein paar Jahre aus?

Funktioniert es wirklich so wie vorausberechnet, dass also das Wasser, welches durch die Folie in die Dämmung wandert, im Sommer wieder komplett herausdiffundiert?

Wie verhält sich die Dachoberfläche, die ja über keinen schützenden Belag verfügen darf, also UV-Strahlung und Wetter voll ausgesetzt ist, über die Jahre hinweg?

Wie dem aus sei, das alles hat trotzdem nicht mit dem von mir empfohlenen Umkehrdach zu tun.

Für o.g. "goldene" Lösungen würde ich mich nämlich auch lieber den Befürwortern einer Durchlüftungsebene (=höherer technischer und finanzieller Aufwand, üblicherweise mehr Aufbauhöhe) anschließen. Wie ich von meinem Bruder, der auch schon viele Dächer sanieren musste, hörte, ist es dann aber wirklich sehr wichtig, dass die Durchlüftungsebene am besten mindestens 10-15 cm beträgt und die Luft wirklich durchpusten kann. In der Praxis sind es oft nur 3-5cm und die Luft steht mehr oder weniger, da trocknet so schnell nichts ab. Im Falle des TE ist somit eine geeignete Luftebene auch nicht möglich.