buchenteer

25.11.2004



Hallo!
Kann mir jemand seine Erfahrungen mit Buchenteer als Fachwerkanstrich im Stall berichten? Hat jemand Tipps zu haltbaren und unschädlichen Farben im Stallinnen- und Aussenbereich?
Vielen Dank
Franziska



Buchenteer aus Trockendestillation



Hallo Frau Riedel,
ich habe das letzte Mal 1991 mit einem derartigen Produkt der Firma OSMO gearbeitet. Es war die Holzverschalung/Giebel des Obergeschoß am Böckstiegelhaus (hist. Bauleitungsgebäude von Schloß Pillnitz).

Es ist ein lösemittelhaltiges Produkt aus Holz- und Steinkohlenteeröldestillaten. Sieht demzufolge Schwarzbraun bis Schwarz aus. Oberflächen und Gestaltungen müssen den natürlichen Farbton für immer akzeptieren.

Bei späteren Anstrichen oder auch Klecksen auf Putzflächen muß mit Isolierfarbe abgesperrt werden, sonst verfärben die Teeröle alle nachfolgenden Anstriche. Holz liebt absperren nicht, viele Risse sind ohnehin nicht gut abzusperren.

Ja Buchenteer desinfiziert. Vielen ist Karbolineum ein Begriff. Hier ist auch Buchenteer einzuordnen. Jeder Hersteller hat da seine eigene Rezeptur und zum Teil unbelastete Namensgebungen. Karbolineum wurde früher für Eisenbahnschwellen und Telegrafenmasten eingesetzt. Im Innenbereich war es eigentlich Verboten, trotzdem wurden Ställe und in Bedürfnissanstalten die Pinkelwände gestrichen, denn es war in der Lage, auch Geruch zu dämpfen.

Heute gibt es auch wasserlösliche Karbolineumsorten, mit vielleicht weniger Bedenklichkeit für Stallanlagen. Genaueres für diesen Einsatzzweck weiß ich allerdings nicht.

Die bestehende Holzverschalung war derartig verwittert, das allen am Bau Beteiligten, der Fall hoffnungslos erschien. Das Wunder wurde Wahr, unter den Fingern zerbröselndes Nadelholz, wurde wieder fest und sieht heute noch einigermaßen gut aus.

Allerdings hat der Regen einige Teerölbestandteile ausgewaschen, diese sind zum Teil in die Mineralfarbe des Erdgeschoßbereiches eingedrungen und werden bei Unwissenden, beim Überstreichen für Verwunderung sorgen.

Mit farbenfrohen Grüßen
Peter Seifarth, Malermeister





Hallo. Früher hat man immer nen Kalkputz verwendet...

Grüße Annette



Unterschied Buchenteer und Buchenteeröl



Habe mal ein wenig in unterschiedlichen Fachbüchern gestöbert. Das Einzige welches ein wenig weiterhalf war aus dem Jahre 1941.
Zum einen sollte differenziert werden: Buchenteeröl ist das weiterverarbeitete Buchenteer. Es besteht aus Paraffinkohlenwasserstoffe, Phenole( Kreosot) und deren Ester, Fettsäuren und Pech, ist schwarzbrau und dünnflüssig. Die keimtötende Wirkung erfolgt über die enthaltenen Phenole, die aufgrund ihrer sauren Basis entsprechend wirken. Gleichzeitig enthalten all diese Mittel flüchtige Bestandteile, entwickeln zumeist einen starken Eigengeruch. Das geht so weit, das Buchenteer in der Forstwirtschaft als Wildschweinlockmittel eingesetzt wird. Die flüchtigen Mittel sorgen somit für eine starke Belastung der Luft und umliegender, nicht gemeinter Bauteile. Die artverwandten Steinkohlenteeröle sind aus diesen Gründen (Verflüchtigung krebserregender Bestandteile im Teer)teilweise aus dem Verkehr gezogen worden und haben in Wohnräumen und auf Spielplätzen nichts mehr verloren.
Leider habe ich nicht herausgefunden inwieweit das auch auf Buchenteeröle zutrifft (vielleicht gar nicht...).
Der Begriff Carbolineum ist, wie bereits von Peter Seifarth erwähnt, eher ein Überbegriff und teilweise falsch verwendete Mittelbezeichnung. Carbolineum war der von Richard Avenarius 1876 geprägte Begriff für die Behandlung von Weinbergpfählen über offenen heizbaren Kesseln nach einem bestimmten und von ihm erdachten Verfahren. In den nachfolgenden Jahrzehnten wurde der Begriff von der Industrie (z. B. Rütgers u. a.) übernommen und teilweise auch für artfremde Fabrikate (z. B. Wollfettemulsionen) übernommen.
Grüße aus Leipzig von



Man lernt jeden Tag dazu



auch über längst von der Zeit überholte Materialien und Technologien.

Danke für die Ergänzungsinformationen.

MfG PSei



Vielen Dank



Vielen Dank für die guten und ausführlichen Antworten. Wir haben am Wochenende schon einen kleinen Teil des Holzes versuchsweise mit Buchenteer aus dem Landhandel gestrichen. Es war ziemlich schwierig. Wir mussten ihn immer erneut im Wasserbad erwärmen, um ihn überhaupt streichbar zu machen. Aber das Resultat zieht ganz gut aus. Wildschweine sind aber noch nicht gekommen. Mal sehen wie die Balken nach dem Winter aussehen. Vielen Dank nochmal. Grüsse aus Greifswald, Franziska Riedel





Moin zusammen.
Das was Ihr mit Buchenteer versucht ist bereits bei den Wikinger bekannt gewesen und wird heute noch an vielen stellen z. B. in Norwegen und in der Seefahrt hier bei Traditionsschiffen mit Kienteer/ Wurzelteer ausgeführt. Der Kienteer wird nach bedarf mit Leinöl verdünnt. Auch ist der Kienteer anderweitig vielseitig einsetzbar.



@J.K.



Hättest du mir eine Bezugsquelle für Kienteer / Wurzelholzteer?

Gruss, Boris



schon mal



unter bootsbau etc. gegoogelt?
z.b. www.toplicht.de/shop/farben-lack-oel-und-holzteer
www.fky.org/restaurierung/menke.htm
gruß, carmen



@Carmen:



Danke!!!, Toplicht hats....

:-) Boris



Hey Boris !



Bei Fragen zu Kienteeröl bzgl.Konsum und seiner Verwendung, gebe ich gern interne Hilfe bei Anruf.

Gruß Ronny