Bruchsteinwand mit geringem Abstand zum Nachbarn dämmen

16.06.2020 Paul


Bruchsteinwand mit geringem Abstand zum Nachbarn dämmen

Hallo liebe Forum-Gemeinschaft,

wir sanieren derzeit das Haus der Oma meiner Frau, um mit unseren kleinen Kindern und besagter Oma ein Mehrgenerationenhaus zu gründen. Das Bauernhaus wurde ca. 1850 erbaut und ist hälftig als Fachwerk und hälftig mit Bruchsteinmauern errichtet.

Die beiden Fachwerkwände möchten wir von innen mit TecTem historic dämmen. Die eine Fachwerkwand (zur Straße) ist mit Holzschindeln verkleidet, die noch gut erhalten sind. An der anderen Fachwerkwand (zum Hof) möchten wir das Fachwerk wieder von außen sichtbar machen.

Die beiden Bruchsteinwände sind kaum sichtbar, weshalb wir hier mit einem außen angebrachten Wärmedämmverbundsytsem arbeiten möchten. Problematisch ist aber, dass die Westmauer sehr dicht an der Brandschutzmauer des Nachbarn steht - im schmalsten Bereich keine 20 cm. Ich habe euch dazu mal ein Foto angehängt. Unser Haus ist zweistöckig und die Nachbarsmauer etwa 3-3,5 m hoch. Hier ein vernünftiges Wärmedämmverbundsystem aufzubringen, ist also nicht möglich. Wir sehen daher zwei Varianten und ich würde mich über Rückmeldung von den Experten sehr freuen:

Variante 1: Dämmund im EG von innen mit TecTem historic. Im OG von außen mit einem Wärmedämmverbundsystem, wobei eine Überlappung von mindestens 0,5 m der Innen- und Außendämmung angestrebt wird.

Variante 2: Wir mauern den Ein- und Ausgang zu diesem "Schacht" zu und verfüllen den Hohlraum mit Glasschaumschotter. Im OG dann wieder das geplante Wärmedämmverbundsystem bis etwa -0,5 m OK der Mauerkrone des Nachbarn. Dann müsste von der Mauerkrone des Nachbarn zu unserer Wand (bzw. dem WDVS) noch eine Abdichtung mit Drainage hergestellt werden.

Was haltet ihr von den beiden Varianten? Habt ihr vielleicht sogar Produktempfehlungen?

Vielen Dank und Grüße
Paul



Spaltdämmung



ich könnte mir Variante 2 am besten vorstellen, wobei da natürlich das Verhältnis zum Nachbarn sehr gut sein müßte und das vielleicht auch schriftlich irgendwie fixiert werden sollte. allerdings habe ich noch keine Vorstellung vom Abschluss/Deckelung des Ganzen. vielleicht ist eine Verblechung mit Ablauf nach einer Vermauerungsseite besser als eine Art Drainage. ist die Nachbarsmauer eine Mauer oder eine Hausmauer? Wie sieht dessen Dachform aus?



Hallo Roland,



vielen Dank für deine Einschätzung.
Wie gut das Verhältnis zum Nachbarn wird, muss sich erst noch zeigen - ich bin da aber optimistisch :)
Nichtsdestotrotz steht seine Mauer genau an der Grundstücksgrenze. Die Verfüllung würde also auf unserem Grundstück stattfinden. Lediglich für die Abdichtungsarbeiten am "Deckel" ist eine gemeinschaftliche Lösung sicherlich am besten.
Hinter der Nachbarsmauer liegen keine Wohnräume, lediglich dessen überdachte Einfahrt und dessen Garage. Aktuell sind zwei Reihen Tonziegel mit Gefälle zum Nachbargrundstück hin auf die Mauerkrone aufgesetzt - wohlgemerkt ohne Rinne. Das Wasser läuft dem Nachbarn also auf seine sich an die Mauer anschließende Terasse im OG. Das Interesse an einer vernünftigen Entwässerung könnte also durchaus vorhanden sein.

Grüße
Paul



Spalt zum Nachbarhaus ausdämmen



Am sinnvollsten ist sicher das Dämmen des Zwischenraums-
am günstigsten mit Zellulose.
Unten würde ich ca 10 cm hoch hydrophobierte Perlite, Glasschaumgranulat oder anderes feuchtebeständige Dämmmaterial einfüllen.

Die seitlichen Bereiche abdecken, was auch mit Holz möglich ist..
Im Spritzwasserbereich ca 30 cm hoch eine Mauer bauen oder mit einer zementgebundenen Platte verschließen.

Lücke im Dachbereich mit schräger zementgebundene Platte, Siebdruckplatte o.ä. schließen.
Abdichtung mit EPDM
an deiner Wand etwas hochziehen, in einen Mauerschlitz legen und darüber zB eine Kappleiste o.a. Metallpfrofil..
Auf dem Nachbardach könnte es angeklebt werden,
ggf zusätzlich mit Blech abdecken



Hallo Andreas,



auch dir vielen Dank für deine Idee.

da Zellulose ein organisches Material ist, hätte ich Sorgen, dass die aufsteigende Feuchte aus der Bruchsteinwand zu Schimmelbildung in der Dämmung führt. Und wäre Setzung und Verklumpfen bei Feuchteeintrag nicht auch ein Problem?

Grüße
Paul



Baulücke ausdämmen



Wenn’s tatsächlich sehr feucht ist kannst du bis auf die Höhe mit wasserfesten Dämmmaterialien auffüllen.
Zellulose ist auch bei Tränkung mit Fäkalabwässern nicht geschimmelt-
aufgrund der Salze hätte ich keinerlei Bedenken.

Wenn’s feucht wird verhält sich das Material wie Pappmachee-
es wird fester und dadurch stabiler



Dämmung Mauerspalt



hallo Paul, auf keinen Fall würde ich organisches Material nehmen, auch wenn Herr Teich auf Zellulose schwört und meint, durch die Zusätze würde es keine Feuchtigkeit aufnehmen. Ich habe andere Erfahrungen gemacht und da dies ein Bereich ist, der dann schwer zu kontrollieren ist... Neben Glasschaumschotter kämen evtl. noch Blähton in Frage. Hast Du mal ausgerechnet, wieviel Kubikmeter Schüttung da zusammenkämen ?



Außendämmung



Zellulose soll und kann Feuchtigkeit aufnehmen und die wieder abgeben-
das ist ja gerade der Vorteil von Zellulose- neben gutem Dämmwert und geringen Kosten.
Wassereinwirkung soll natürlich vermieden werden, die bei oberseitiger Abdichtung ohnehin verhindert wird.
Gegen evt Bodenfeuchtigkeit sollte, wie beschrieben eine dünne Lage wasserbeständiges Dämmmaterial auf dem Boden verteilt werden.



Volumen Mauerspalt



Es dürften um die 25-30 m³ zusammenkommen, um den Spalt auszufüllen.

Den Spalt zu kontrollieren dürfte tatsächlich schwierig werden, weshalb ich auch eher ein eher "pflegeleichtes" Material verwenden wollte, sprich keine/geringe Schimmelgefahr und geringe Setzneigung.

Andreas, warum würdest du nur die untersten 30 cm der Einschalung mauern? Damit der obere Bereich noch diffusionsoffen bleibt und ein Abtrocknen der Mauern und Spaltdämmung möglich ist?



mauerspalt



Du kannst doch sicher im Moment in den Spalt schauen ? Ist der Bereich jetzt feucht/naß? Wachsen Moose oder andere Pflanzen ? Wenn der Spalt jetzt, wo er offen und vollständig belüftet wird, feucht ist, wird er garantiert nicht trocken , wenn er mit Dämmung verfüllt ist. Es fehlt dort einfach das Dampfdruckgefälle für die Abgabe der Feuchte aus der Zellulose. Im Gegenteil, wenn es draußen richtig schwülwarm ist im Sommer, ist die Gefahr von Sommerkondensation im kalten ( und vielleicht unbesonnten ) Spaltbereich sehr hoch.
Vielleicht muß man das garnicht dämmen? Wie dick ist denn die Mauer überhaupt. Vielleicht ist auch hier einen Innendämmung von 6cm wirtschaftlicher.



Feuchtigkeit



Die Frage ist leider nicht ganz einfach zu beantworten. Die darüberliegende Dachrinne ist nämlich undicht und bei Regen läuft etwa ein Drittel des Dachflächenwassers in den Spalt. Moose wachsen in dem Bereich, über dem die Rinne undicht ist. Pflanzen wachsen überall im Spalt, werden aber nicht besonders groß. Direktes Sonnenlicht gibt es ebenfalls nicht.

Die Mauer selbst ist etwa 0,5 m dick.

Bezüglich der Wirtschaftlichkeit:
Variante Innendämmung:
TecTem Historic als Gesamtsytem kostet laut Vertriebler etwa 60 €/m². Bei etwa 19 m Wandbreite und 2,25 m Raumhöhe käme ich auf etwa 2500 €. Dafür müsste ich im noch in der Planung befindlichen Anbau, der ebenfalls an die Nachbarwand kommt, eine Brandschutz-Revisionstür vorsehen. Der Spalt bleibt ja offen und ich muss da ggf. mal rein. Da kommen sicherlich nochmal 500 € drauf. Summa summarum also etwa 3000 €.
Variante Außendämmung:
Glasschaumschotter habe ich für etwa 77 €/m³ gefunden. Bei besagten 19 m Wandbreite und 3 m Spalthöhe sowie im Mittel 0,5 m Spaltbreite benötige ich 28,5 m³ - macht etwa 2200 €. Dann kommt aber noch die Einschalung und vor allem die Abdichtung oben. Einschalung schätze ich mal auf 200 €, Platten und Befestigungsmaterial ca. 400 €, EPDM Folie 150 €, Kappleiste 100 €. Und dann müsste ich die Bruchsteinwand von innen immer noch verputzen, um eine ebene Oberfläche zu bekommen. Das wären nochmal 20 €/m², also 850 €. Summa summarum 3900 €.
Ökonomisch ist das also eindeutig - vorausgesetzt ich habe nichts vergessen.

Viel wichtiger finde ich aber, dass ich mir keine Schimmelpilzzucht einbaue. Die Effektivität der Dämmung ist für mich eher zweitrangig.



innendämmung



Wie stark willst Du die Innendämmung ausführen ? Hast Du mal nach Multipor geschaut ? Sollte preiswerter sein bei gleichem Dämmwert. Sollen die 60 € nur der Materialwert sein?



Innendämmung



Das TecTem Historic ist 60 mm stark. Die 60 €/m² enthalten Ausgleichsputz, Dämmplatten und Oberputz mit Fasermatte.



materialwert



finde ich ziemlich happig, ist das frei Baustelle mit Anlieferung?



Materialwert



Ich gehe mal davon aus, dass das nur der Materialwert war ohne Anlieferung. Ein konkretes Angebot habe ich noch nicht.



Andere Frage



mir ist gerade aufgefallen, dass Ihr auch die Fachwerkwände mit dieser mineralischen Dämung innen versehen wollt. Wie kam es zu dieser Entscheidung ? Da gäbe es auch die Variante mit Holzfaserplatten in Lehm gelegt und mit Lehm verputzt.



Dämmung Fachwerkaußenwände



Wir möchten schon ein wenig dämmen und haben uns über verschiedene Möglichkeiten für Fachwerk informiert. An den mineralischen Platten hat uns vor allem die einfache Verarbeitung und dass sie diffusionsoffen sind gefallen.
Mit Holzfaserplatten würde ja eine deutlich geringere Dämmwirkung erzielt.



Wieso das ?



beide mit WLG 0,45 . Und wahrscheinlich preiswerter und bei Fachwerk besser ins System passend.
Mal zur Info: https://www.bausep.de/holzfaserdaemmplatte-protect-fassadendaemmung-60-mm.html



Feuerschutz



Ich halte es für notwendig auch über Feuerschutz nachzudenken. Deshalb Perlite oder Tonkugeln oder Glasschotter. Oberhalb der Mauer dann mit Mineralfaser.



Rohre?



Was sind das für Rohre auf dem Bild und wozu sind die da? Gehören die Rohre zu eurem Haus? Müßt ihr dort auch noch ran?



Holzfaserdämmplatte und die Rohre an der Außenwand



Hallo Roland, vielen Dank für den Hinweis mit der Holzfaserplatte. Das ist preislich natürlich sehr interessant. Ich habe gerade nochmal im WTA Merkblatt 8-5 nachgesehen, wo bei Holzweichfaserplatten eine Wandheizung empfolen wird. Hast du damit Erfahrungen?

Hallo Marianne: Brandschutz ist tatsächlich auch ein Thema - schließlich ist es auch eine Brandwand. Das vertikale Rohr auf dem Bild dient der Entwässerung des Daches und des Bades im OG. Da wir die Entwässerung aber ohnehin komplett neu machen müssen (das Gefälle ist zu gering) kommt zumindest der OG-Anschluss weg. Die Dachentwässerung könnte dann ja über den "Deckel" der Spaltdämmung erfolgen. Das dünnere Rohr wurde irgendwann mal gelegt, um die Drehstromkabel für die Küche, die vom Hauptsicherungskasten auf den Dachboden gehen, von außen in die damals neue Küche zu führen. Sehr abenteuerlich und wird definitiv rückgebaut und anständig gelöst.



Naja,



mit Wandheizung haben wir Erfahrungen, das ist eine super Sache. Allerdings ist die nicht auf Holzfaser, sondern auf Ziegelmauerwerk, welches von außen gedämmt wurde, verlegt.
Wenn man den Erfahrungen im Forum Glauben schenken darf, ist eine Innendämmung bis 6 cm wegen der Taupunktverschiebung unkritisch. Schadensträchtig ohne Wandheizung solls wohl erst bei stärkerer Dämmung werden. Aber falls Ihr über eine neuer Heizkonzept nachdenkt, ich würde wieder eine Wandheizung verbauen lassen.