Bruchsteinsockel - Schimmel an den Fußleisten

26.10.2017 smartcore



Hallo,

ich habe schon das ein oder andere mal hier guten Rat erhalten. Daher meine Hoffnung dass mir bei meinem aktuell Problem auch zumindest etwas weiter geholfen werden kann.

Wir haben eine Garage, die auf den Grundmauern (Granitbruchstein) einer Scheune und eines Stalles errichtet wurde, in Praxisräume umgebaut. Dank der guten Tipps hier hat das an sich auch ganz gut geklappt.

Dann hat sich in einer Ecke des Abstellraumes doch Schimmel gebildet. Dort ist aber keine Heizung und schlechte Belüftung. Daher habe ich dort schon einen dauernd laufenden Lüfter geplant.

In einer Ecke eines Behandlungsraumes gibt es starke Ausblühungen, da dummerweise eine BruchsteinINNENwand mit grünem Rigips verkleidet wurde. An der Wand selbst ist nichts festzustellen ... aber am Übergang zum Bruchsteinsockel der Außenwand gibt es nun eben diese Stelle. Ich denke, dass dort die Feuchtigkeit hinter der Rigips-Verkleideten Wand austritt. Da ich die Wand evtl. demnächst eh nochmal aufmache, den Rigips entferne und mit Sanierputz Verputzen lasse, habe ich mir darüber dann auch erst mal keine großartigen Gedanken gemacht.

Nun habe ich aber ein ernstes Problem: An den Sockelleisten der Außenwände, also am umlaufenden etwa 80cm hohen Bruchsteinsockel, bildet sich bräunlicher Schimmel (siehe Bild). Die Luftfeuchtigkeit beträgt in allen Räumen angeblich 73% ... alllerdings ist das ein sehr billiges Digitalthermometer und ich bin nicht sicher ob das realistisch ist ...
An der Wand messe ich mit einem (ebenfalls günstigen) Brennestuhl Feuchtemessgerät am Sockel oben 8-12% und im Bereich der Schimmelbildung 18-23% Feuchtigkeit. Ist also wirklich nur ganz unten feucht, was IMHO relevante Feuchtigkeit von AUSSEN (20-80% des Bruchsteinsockels befinden sich im Erdreich) ausschliesst. Es schein also von UNTEN aufsteigende Feuchtigkeit zu sein. Der Bruchsteinsockel hat ja nun auch nicht wirklich eine Horizontalsperre ;-)

Zum Aufbau der Wand und des Bodens:
Der Bruchsteinsockel wurde einstmals mit Hohlblocksteinen aufgemauert. Der Stall nebenan ist komplett aus Bruchstein und hat eine Gewölbedecke (dich ich prima optisch mit in das Konzept einarbeiten konnte ;-) ). Dort befindet sich der Wartebereich, die Toilette und der Abstellraum (mit der einen Schimmelecke) sowie ein unbeheizter Ölvorratsraum. Über den beiden Praxisräumen mit dem Bruchsteinsockel und dem ehemaligen Stall wurde eine komplette Betondecke gesetzt die als Terrasse dient.
Da es im letzten Winter nicht möglich war, diese Räume mit (für den Rauminhalt mehr als ausreichenden) Heizkörpern warm zu bekommen, war ich gezwungen, die Decke und die Außenwände zu dämmen. Verwendet wurde hierbei PUR für die Terasse und Resolharzplatten und mineralischer Kleber/Putz für die Wände. Verkleidet wurden NUR die Hohlblock-Mauern. Keine Bruchsteinwand oder Bruchsteinsockel wurden irgendwie behandelt, abgedichtet oder gedämmt! außen um die Sockel wurde vor einigen Jahren eine Drainage gelegt.
Die Sockel und (fast) alle Bruchsteinwände wurden innen nur mit Sanierputz, Kalkputz(?) und Silikatfarbe behandelt .. so wie es eigentlich sein soll.
Der Boden hat nur eine mittelmäßig bis dünne Betondecke auf dem alten Lehm- und Stallboden. Darauf wurde eine Knauf Katja Abdichtbahn aufgebracht. Darauf eine Perlite-Schüttung zum Ausgleich, darauf eine 2cm starke Holzfaserdämmplatte, darauf Fermacell-Trockenestrichplatten, darauf eine Trittschalldämung für Vinylboden und zum Abschluss ein Clickvinylboden (Ich hätte wirklich gerne Holz genommen ... aber das war wegen der Nutzung als Fußpflegepraxis und der Hygienevorschriften nicht möglich ...). Die Fußleisten wurden am Boden und an der Kante zur Wand mit Silikon versiegelt.

Ich vermute hier eine klassische aufsteigende Feuchtigkeit von unten an den Bruchstenwänden. Da wo die Wand nicht so gut atmen kann, an den versiegelten Fußleisten, bildet sich jetzt (noch vereinzelt) Schimmel.
In den letzten Wochen hat meine Frau leider (durch eine Missverständnis) die Heizung immer komplett abgedreht (so 50-70% des Tages) und evtl auch nicht so gut gelüftet wie sie sollte. Das mag die Sache etwas forciert haben. Aber das Grundproblem muss ich, auch wenn Sie es jetzt richtig macht, trotzdem beseitigen.

Meine Fragen:
- Eine nachträgliche "feste" Horizontalsperre fällt bei einer 50cm starken Bruchsteinwand flach ... allein aus Kostengründen, oder?
- Diese "Elektroosmose" hört sich etwas sehr abenteuerlich an ... oder hat da jemand gute Erfahrungen?
- Worauf sollte ich bei Angeboten von "Bautenschutz"-Unternehmen die Injektionsverfahren anbieten beachten? Die überschlagen sich ja mit Versprechungen und Garantien ... aber welche Verfahren sind denn, speziell bei Granitbruchstein, am sinnvollsten? Verkieselung soll ja angeblich nicht so lange halten, oder ist diese Info überholt?
- Macht eine irgendwie geartete Behandlung des Bruchsteinsockels AUSSEN (wie gesagt, größtenteils im Erdreich) Sinn oder soll ich da weiter die Finger von lassen?
- Gibt es so etwas wie "diffusionsoffene" Sockelleisten? Könnte die Versiegelung mit Silikon auch mit ein Grund sein?
- Gibt es evtl. einen "atmenden" Bodenbelag der gleichzeitig Nässeunempfindlich ist?
- Kann eine dauernd laufende Lüftung das Problem verbessern und wie sinnvoll ist diese in Bezug auf die Heizung?
- Nächste Woche werden neue, modulierende Umwälzpumpen in die Heizanlage gebaut und ein hydraulischer Abgleich gemacht; Macht hier eine Nachtabsenkung der Heizung noch Sinn (älterer Ölbrenner/Heizkessel) oder sollte ich das dann nur noch über die Heizkörperthermostate regeln?
- Welche dauerhafte "Tiefsttemperatur" (also statt Nachtabsenkung) sollte ich speziell in der Praxis anstreben um Schimmel zu vermeiden?

Nach der aufwendigen Sanierung der Praxis sind unsere Mittel nun erst mal recht begrenzt ... die Frau muss da erstmal bisschen Geld mit verdienen;-)
Ich will aber trotzdem keinen Pfusch machen der das Problem nur zeitweise kaschiert. Für ein paar hilfreiche Tipps wäre ich dankbar.



Schimmelbildung



"Es schein also von UNTEN aufsteigende Feuchtigkeit zu sein. Der Bruchsteinsockel hat ja nun auch nicht wirklich eine Horizontalsperre ;-)"

Ihre ganzen Überlegungen sind darauf fixiert und damit auch Ihre Ideen zur Schadensbeseitigung (Elektroosmose, Sanierputz...).
Ich vermute ein ordinäres Heizungs- und Lüftungsproblem, dann die übliche Wandbewässerungsanlage mit integrierter Schimmelzucht (Vorsatzschale). Das in Kombination mit Sommerkondensation, hohem Luftfeuchteanfall und Hohlräumen, dazu eventuell noch hygrische Feuchte und ein undichter Sockel- da haben Sie genug Ursachen die nichts mit kapillarer Feuchte zu tun haben.
Elektroosmose oder Sanierputz hilft da nicht.
Ein paar hundert Euro in einen Fachmann der Schadensursachen ermittelt und ein Sanierungskonzept erarbeitet ist der Anfang einer kostenoptimierten Sanierung.



Verstehe ich nicht ganz ...



-- dann die übliche Wandbewässerungsanlage mit integrierter Schimmelzucht (Vorsatzschale) --

Was soll das sein? Die Außendämmung? Ganz ohne Dämmung hätte ich die Räume einfach nicht warm bekommen. Von Innendämmung, auch mit Multipor o.ä. wurde mir grundsätzlich abgeraten. Dann ist der Bruchsteinsockel ja extra von der Dämmung ausgenommen. An der einzigen Wand mit Rigips-Platten habe ich ja kein direktes Problem ... UND die Feuchtigkeit ist NUR ganz unten am Bruchsteinsockel. Was soll ich da anderes annehmen als kapillare Feuchte? Und was macht man gegen kapillare Feuchte von unten außer Horizontalsperre?
Was ist denn Ihre Vermutung, welche Maßnahmen hier helfen "könnten"?

Gruß, Stein



Gips im Keller und EG tun dem Bauherrn weh.



Gips im Keller und EG tun dem Bauherrn weh.



Bruchsteinwand



Wor könnend as nur aus der ferne beurteilen, aber um Satz "UND die Feuchtigkeit ist NUR ganz unten am Bruchsteinsockel" gehört noch die Ergänzung - unten ist die kälteste Stelle an der Wand - es sei denn, Du hast Fußboden oder Sockelheizung !
Stell doch mal ein Hygrometer und Thermometer an die Stelle und zeige mal die Werte - oftmals ist das eher Kondensat ! Und das meine Georg mit "Wandbewässerungsanlage mit integrierter Schimmelzucht". Wie gesagt - einen Fachmann vor Ort, aber keinen mit Sanierungsfirma im Hintergrund.



Schimmelstreifen



Ist die Sockelleiste zum Wandanschluss mit Acryldichtstoff abgefugt? Acryl schimmelt gern. Noch ein Risikofaktor.



und billiges Silikon



schimmelt noch schneller. Die Fuge hat auch nicht lange gehalten.



Ich denke auch...



...das ein Entfernen der folierten Leiste und der silikakrylierten Dichtfuge die Situation bessern wird. Das ist kein Mittel gegen aufsteigende Feuchte, aber Sie entfernen das schmackhafteste Nährsubstrat.

Grüße

Thomas



Zu den anderen Fragen



fällt mir folgendes ein:
- diffusionsoffene Sockelabdeckung ist mir nicht bekannt, außer Holzleisten, die gehen aber wahrscheinlich wegen der Hygiene nicht.
- der Fußbodenaufbau ist dicht, da braucht es keine "atmenden" Bodenbeläge
- die Frage der Lüftung kann nur vor Ort eingeschätzt werden
- Nachtabsenkung wird kontrovers diskutiert
- eine Temperierung des Bereichs über dem Fußboden durch Verlegung der Heizungsrohre offen an der Wand ist hilfreich
- ich habe jetzt nicht das Mollierdiagramm zur Hand, aber bei 73% rF und 20 grd Raumtemperatur sollte die Wandtemperatur nicht viel unter 15grd Celsius liegen (gemessen werden kann das mit einem Infrarotthermometer aus dem Baumarkt).
- die Frage nach der Tiefsttemperatur läßt sich pauschal nicht beantworten. Wenn es Bereiche gibt, so wie wahrscheinlich im Abstellraum, in denen die warme Luft nicht zirkuliert und damit die Wände erwärmt, bilden sich kalte Wandbereiche, an denen sich dann eben Kondensat bildet und damit dann die überall vorhandenen Schimmelsporen ein gefundenes Fressen vorfinden.



Wandfeuchtigkeit



Vermutlich primär Kondensat wegen Wärmebrücken durch ungedämmten Granitsockel.
Acryl, Silikone bzw fast alle Kunststoffe sind ein guter Nährboden für Schimmelpilze-
besser Fugen mit Kalkputz schließen.

Eine Foto von außen sowie eine Skizze mit Wand- und Bodenaufbau und Angabe der Höhen vom Fußboden und des Außengeländes wären sinnvoll.

Andreas Teich



Das macht Sinn ...



Danke erstmal für die hilfreichen Antworten. Die Sockelleisten entferne ich morgen erstmal und schaue dann weiter.

Als Vorschlag wurde mir auch eine Sockelleistenheizung genannt. Was meinen Sie dazu? Also nur ergänzend ...

@Herr Teich: Fotos und Skizze reiche ich morgen nach.

Zum ungedämmten Sockel: So wie ich das damals verstanden habe, sollte ich den nicht dämmen oder abdichten. Sollte ich das nun doch? Würde (ohne Horizontalsperre) die Feuchtigkeit dann nicht nur eine Richtung kennen: Nach Innen?
Falls doch Dämmen, wäre der Aufbau so richtig?:
- Aufgraben
- Dichtputz gesamte Fläche
- Dichtschlämme ab Oberkante Erdreich zusätzlich
- XPS (Styrodur) 80-120mm mit KMD aufkleben bis Anschluss Fassadendämmung
- Mineralischer Putz
- Noppenfolie vor die Dämmung bis unter Oberkante Erdreich
- Zuschütten und verdichten.



Sockelputz



Ich empfehle Ihnen das einem Fachmann zu überlassen wie und mit was das Sockelputzsystem aufgebaut wird. Nach Gefühl einige Baumaterialien aufeinanderzustapeln ist nicht der richtige Weg.
Was genau und wie- das geht nur mit Kenntnis der Bedingungen vor Ort. Dazu gehören alle Informationen und nicht nur die durch Sie selektierten. Das ist kein Vorwurf, woher sollen Sie denn wissen was wichtig ist und was nicht.
Eins noch zum Schluß:
Noppenbahn ist als Anfüllschutz ungeeignet.



Noppenbahn



als Anfüllschutz würde ich schon "zulassen", jedoch sollte es die dreilagige mit Abschlußleiste sein und nicht nur die Bahn, wo viele dann wegen den angeblichen Hinterlüftung noch die Noppen zur Dickbeschichtung drehen.... so sollte es jedenfalls nicht gemacht werden !



"Noppenbahn ist als Anfüllschutz ungeeignet."



Hallo Herr Böttcher, das ist interessant. Ich hatte sie vor 15 Jahren auch so verbaut. Nur Interessehalber: Wofür wurde sie entwickelt und wofür ist sie zugelassen.



Anfüllschutz



Mit Noppenbahn meine ich die auf dem Foto sichtbare Bahn aus dem Landschaftsbau und nicht zugelassene mehrlagige Schutzbahn mit Entkopplungsfunktion, Anfüllschutz und Dränfunktion. Die sind in Ordnung.
Ob sie in dem Fall überhaupt notwendig sind ist fraglich.