Bruchsteinmauer außen & innen feucht (Schimmel), Abdichtung von außen sinnvoll?

03.11.2021 peter


Hallo,
eine Außenmauer unseres Hauses aus Bruchstein (Altbau, 16. Jh) ist von außen uns innen sehr feucht, geradezu nass. Innen tritt großflächig Schimmel auf (obwohl wir mit Kalkputz verputzt hatten). Das Ganze hat erst nach Umbaumaßnahmen des Nachbarn begonnen, der auf seinem Gelände u.a. das Bodenniveau erhöhte. Wäre es sinnvoll die Mauer von Außen abzudichten? ZB mit Bitumen? Oder aufzugraben und eine Kiesschicht an der Mauer entlang zu legen? Was macht bei einem so alten Gebäude Sinn?
Haus hat einen Gewölbekeller, der ist natürlich feucht.
Danke für eure Hilfe!



bruchsteinmauer



Hallo Peter,
vorab, ein Kalkputz macht keine Mauer trocken. Der Kalkputz lässt in diesem Fall die Feuchtigkeit durchwandern (normal) Er ist offenporig, kann aber nur bedingt Feuchtigkeit puffern. Selbst der alkalische Kalkanstrich ist bei dauerhafter Durchfeuchtung nicht vollständig schimmelresistent. Kommt dann noch Staub und Verschattung dazu, sind die Vorzeichen schlecht.
Nun zur Abdichtung: Die sog. aufsteigende Mauerfeuchtigkeit komm in der Regel von unten (Fundament) oder von der Seite (Hangwasser). Also, wenn man an die Ursache rann will, dann sollte man von außen schon mal ausbuddeln. Bei alten Gebäuden am besten seitenweise. Nie das ganze Gebäude. Bei der Trockenlegung gibt es verschiedene Ansätze. Abzuraten ist auf jeden Fall von Mauerinjektionen (unkontrollierte Chemie) und Bitumen. Wieso? Weil beide Varianten wenig bis gar nicht reversibel sind, was grundsätzlich vorallem für alte Gebäude schlecht ist.
Die klassischste Abdichtung ist wahrscheinlich die Trainagenabdichtung mit Noppenfolie und Kiesschüttung. Diese Variante muss jedoch auch gewartet werden (Abfluss) und der verunreinigte Kies ist nach ein paar Jahren herauszunehmen und zu reinigen.
Interessant sind auch die "Abdichtungen" mit Glasschotter und Lehm (z.B. Dernoton).
Bei der letzteren Variante versucht man eine anhaltende Durchfeuchtung und Durchwanderung von löslichen Mauersalzen zu unterbinden, legt jedoch die Mauer nicht trocken. Der Ansatz ist der, dass man davon ausgeht, dass das Fundament von historischen Gebäuden schon bei der Erbauung feucht war und bei zu starker Austrocknung absacken könnte. möglich. Da die meiste Feuchtigkeit nicht durch den Stein, sondern vielmehr durch die Fuge transportiert wird, ist es sicher von Vorteil, den wahrscheinlich eh schon desolaten Fugenmörtel auf der Außenseite zu ersetzen. Ob man dann noch die Fundamentaußenwand mit einer Dichtschlämme einstreichen sollte, ist ansichtssache.
Wenn der Innenputz, nach einer der möglichen Varianten, immer noch feucht und schimmelig ist, würde ich diesen vielleicht doch entfernen (hat bestimmt eh schon Mauersalze aufgenommen). Alternativ wäre dann ein Porenputz, Salzspeicherputz oder eine Mischung aus reinmineralischen Dämmputz und einem NHL Putz aufzubringen. Alles ohne Hydrophobierungsmittel und am besten auch ohne Anstrich (schön verputzen!)
Du kannst auch mal bei Norbert Höpfer (romankalk.web.com) reinschauen. Der hat da eine Rezeptur für einen Feuchtmauerputz. Wichtig ist der Leichtzuschlag Perlit oder ein Luftporenbildner (Chemie).
Diese Puffern die Feuchtigkeit und die Salze.
Hoffe, ich konnte Dir etwas weiterhelfen.
Schöne Grüße
Daniel



Der Nachbar...



...hätte das Bodenniveau im Grenzbereich oder gar maueranliegend nicht ohne Deine Zustimmung erhöhen dürfen.

Unter Hinweis auf die rechtliche Situation und Deine (von ihm verursachten) Bauschäden solltest Du ihn umgehend zum Rückbau auffordern.

Das kommt billiger. Eine nasse und / oder versalzene Wand wird auch nicht besser, weil da ein beliebiger neuer Putz draufkommt.

Grüße

Thomas



Danke



für eure Antworten.

Die Mauer ist ja ca. 120 cm dick, wie weit müsste ich denn den Mörtel erneuern, wenn das etwas bewirken soll?
Salzausblühungen haben wir an manch einer Stelle am Haus, aber feucht sind die Wände dort nicht, jedenfalls nicht so, dass es zu Schimmelbildung kommt.

Kann das Hangwasser als Folge des angehobenen Bodenniveaus auf dem Nachbargrundstück der Grund für die starke Durchfeuchtung sein? Wäre hier eine Abdichtung z.B. mit Bitumennatürlich nicht doch sinnvoll? (Mineralische Abdichtung klingt gut, allerdings, der Nachbar möchte es günstig halten.)

Ich muss noch ergänzen, dass die Mauer im Zuge der nachbarlichen Baumaßnahmen mit Noppenfolie und Kiesaufschüttung geschützt worden ist, was aber leider keine Wirkung gezeitigt hat. Davor war die Mauer überhaupt nicht geschützt aber eben auch nicht naß.

VG



genau da wird das problem liegen



durch die kiesauffüllung wird wahrscheinlich die mauer mehr Feuchtigkeit bekommen als jemals zuvor...
wenn das Wasser welches durch den Kies läuft nicht abgeführt wird (Drainage) sammelt es sich und zieht warscheinlich in die mauer....es wurde quasi das Wasser zur mauer hin geleitet.

da wird man wohl wieder aufgraben müssen und der Sache auf den Grund gehen

gruß