Bruchsteinhaus nachträglich Bodenplatte sinnvoll?



Wir sind mit der Bestandsaufnahme unseres Bruchstein/Fachwerkhauses (siehe Profil) inzwischen fertig und haben auch schon Lösungsvorschläge von Gutachtern. Der eine Vorschlag ist, alles 1:1 wieder herzustellen und ein bisschen zu dämmen. Damit könnten wir gut leben, wenn die Kosten nicht so immens wären -> Das komplette Fachwerk der Innenwände ist morsch und teilweise durch Bimsstein ersetzt, eine Außenwand ist aus Fachwerk - oder war es mal, weil hier auch schon Fachwerk durch Bims, Ziegel usw ersetzt wurde - leider ohne die morsche Schwelle zu reparieren. Wir würden auch einiges selbst machen, aber sooo viel Zeit haben wir auch nicht.
Ein weiterer Vorschlag besteht darin, nur drei Außenwände (zwei aus Bruchstein, eine genauso dick aus Ziegel) stehen zu lassen, etwas Boden auszuheben und dann auf Kies/Schaumglasschotter eine stark bewehrte Bodenplatte zu gießen. Auf diese soll dann die vierte Außenwand und der geplante Anbau aus Porotonziegel gemauert werden, die Innenwände aus KS-Stein. Oben dann rundherum ein Ringanker aus Beton.
Von den Kosten und dem Zeitrahmen sieht der Vorschlag nicht schlecht aus, ich habe aber Sorge, wie es dann mit Setzungen aussieht, wenn die neuen Wände auf der Bodenplatte stehen und die drei alten Wände auf ihrem "Feldsteinfundament". Kann man da überhaupt eine Verbindung/Verzahnung herstellen und sollte man das tun? Besteht die Gefahr, dass die alten Wände dann feucht werden?



Komplettsanierung



Der Vorschlag mit der Bodenplatte scheint auf Neubaumentalität hinzudeuten.
Die alte Wand muß doch auch ein Fundament gehabt haben-
soll dies abgerissen werden oder warum soll es nicht mehr repariert werden können?
Warum eine dicke, armierte Bodenplatte über den gesamten Grundriß gießen wenn diese nur eine Wand trägt?
Warum können keine Maueranker an Deckenbalken den Zusammenhalt gewährleisten und statt dessen einen Ringanker vorsehen?
Wird die neue Wand gemauert und nicht mehr als Fachwerkwand hergestellt- sonst ist ein durchgehender Ringanker nicht möglich.

Bei dem Vorschlag bleiben vom gesamten Gebäude wohl ohnehin nur noch drei Wände stehen- da seid ihr nicht mehr fern vom Neubau.

Warum soll die Reparatur des Bestandes so viel teurer werden als ein weitgehender Abriß und Teilneubau?

Gibt's noch mehr Bilder mit Gesamtansichten?

Andreas Teich



Selbe Situation



Hallo,

wir haben auch ein Fachwerkaus gehabt, alles morsch, was nicht morsch war, waren sämtliche Tiere bzw Käfer drin...
Ebenfalls alles irgendwie mit Backsteinen, Bims, Mörtel oder Bretter zusammengeklebt und genagelt.
Was am meisten gehalten hatte, war wohl die Lattung des Gipskartons...

Wir haben mit sämtlichen Ämtern, Gutachtern usw zwei Monate gerechnet und überlegt, was wir tun sollen... Sanieren? Teilsanierung? Abbruch? Teilabriss?
Selbst das Denkmalamt hat uns sofort, trotz Denkmalschutz den Abriss erlaubt, da alles andere min das doppelte gekostet hätte... Von der Mehrzeit will ich gar nicht sprechen!!!

Ich hab jetzt alles abgerissen, bis auf die vier Außenwände (Bestandsschutz, mein BV läuft immernoch unter Sanierung!).

ein Fundament in der Mitte ein Stahlbetonfundament gegraben/gegossen (Abstützung Dach, ca 1,6 x 4,5m).
An den Fundamenten der Bestandswand haben wir gar NICHTS gemacht, die stehen seit 500 Jahren! Wir haben knapp 80 Tonnen (ohne Holz) aus dem Haus getragen, dieses Gewicht kommt beim Neubau NICHT mehr auf die Wände!

Die Bestandswände Sandstein) auf heutiges RaumHöhenniveau aufgemauert und einen Ringanker draufgesetzt.
Danach meinen kompletten Fußboden (alten Estrich drin gelassen! Nichts geschaufelt!) im Mittel mit ca 7cm eben ausgegossen, darauf kommt dann Abdichtung, Dämmung, Estrich und
Fußboden.

Da ich ja aber ein Fachwerkaus haben wollte, wird jetzt eine Holzbalkendecke eingezogen, Giebelwände und Kniestöcke wird alles aus Holz gefertigt, inkl sichtbares Fachwerk außen.

Anfangs war ich sehr traurig, das alte alles wegzureißen, jetzt dabei, bin ich froh, dass es so ist.
Ich habe einen Neubau, auf heutigen Stand, allerdings im alten „Gewand“.

Am 2.11. kommt der Zimmermann, das Haus steht nach 3 Tagen, komplett gedeckt, verblecht usw ist es 3-4 Wochen später.

Den 1. Dachziegel hab ich am 12.08. vom Dach geworfen.
Ich werde ca 6 Monate mit Handabriss(!!!) und Neubau brauchen.

Gemacht haben wir bisher alles selbst, war eine Sch****arbeit, bereuen tu ich’s nicht!!!
War auch die richtige Entscheidung!

Ich drück dir die Daumen! Halte durch!!! Ich wollte auch schon 5x hinwerfen!

Liebe Grüße





Vielen Dank für die Anmerkungen! Ich habe mal versucht, ein paar Abbildungen reinzubringen. Das Haus hat im vorderen Drittel einen Bruchsteinkeller, durch eine der Wände sind Wurzeln reinewachsen, die anderen sind wesentlich trockener. Die Wände im EG im nicht unterkellerten Bereich haben nur ein paar Bruchsteine drunter, als Fundament. Die Giebel- und parallel dazu stehenden Wände dienen als Auflager für das Pfettendach. Diese Innenwände bestehen aus Fachwerk, das aber durch die Nutzung als Stall bzw. durch einen alten Wasserrohrschaden schwer gelitten hat. Teilweise kann man das Holzmit dem Löffel rausholen. Der Dachstuhl hat riesige Sparrenabstände um die 1,5 m und ist teilweise sehr abenteuerlich gestückelt. Der Dachraum war als Wohnraum ausgebaut, mit Bimssteinabmauerungen und Glaswolleisolierung. Wir wollen ihn auch wieder als Wohnraum nutzen, allerdings mit einer zeitgemäßen Zwischen- und Aufdachdämmung. Der gestückelte alte Dachstuhl gibt das keinesfalls mehr her. Wir haben uns für einen neuen Dachstuhl entschieden. Dazu soll ein Ringanker gegossen und darauf ein Kniestock von etwa 50 cm gemauert werden, darauf dann das neue Pfettendach.
Da die tragenden Innenwände hin sind und keine richtiges Fundament haben, kam die Idee, innen alles rauszureißen und statt einzelner Streifenfundamente eine bewehrte Platte einzubauen und darauf dann neue tragende Wände zu mauern.





Die Bruchsteinaußenwände und die ebenso dicke Ziegelaußenwand sind prima, die Bruchsteinaußenwände wollen wir innen nur neu verfugen, nachdem der Putz nun ab ist. Vom Fachwerk und vom Bruchstein sah man nix mehr, weil in den 60ern alles unter Zementputz verschwunden ist...Innen wollen wir die alten Baustoffe sichtbar machen, außen wollen wir eine Dämmung und Boden-Deckel-Schalung anbringen.