Bruchstein freilegen oder verputzen?

25.03.2016 kowelenser



Guten Morgen zusammen,

bald geht es los und das Haus wird kernsaniert. Auf dem Bruchstein-Fundament wurde vor 20 Jahren ein Sanierputz aufgetragen, der allerdings fertig ist. Aufsteigende und seitlich eindringende Feuchtigkeit sowie Löcher in der Dachrinne haben dem Putz ordentlich zugesetzt.

Nun heißt es erst einmal den alten Putz abschlagen.

Anschließend wird 21m um das Haus herum ausgeschachtet und das Mauerwerk mit einer Dickbeschichtung und Noppenfolie versehen, eine Drainage verbaut und mit Kies aufgeschüttet.

Meine Frage: Was spricht dagegen, den Bruchstein wieder sichtbar zu machen?

Viele Grüße
kowelenser



Abdichtung



Gegenfrage:
Was spricht dafür eine Abdichtung mit Noppenfolie und Dränung einzubauen?





Hallo,

an eine Dränung hatte ich gedacht wegen aufstauendem Sickerwasser, den wir immer mal wieder haben (Rhein in direkter Nähe) und da ohnehin ausgeschachtet werden muss, bietet es sich an, direkt eine Drainage mit einzubauen.

Noppenfolie / Bitumenbeschichtung wollten wir verbauen, da das Bruchsteinfundament permanent mit dem Erdreich verbunden ist und so die Wände durchnässt wurden.

Vermutlich daraus entstanden ist die aufsteigende Feuchtigkeit, die sich ums Haus herum jeweils am Sockel über dem Gehweg erkenntlich machen.



Abdichtung



1. Sie haben keinen Keller, also kein erdberührtes Bauteil, das abgedichtet werden muß.
2. Fundamente, hier Streifenfundamente, sind IMMER erdberührt und IMMER der Erdfeuchtigkeit ausgesetzt. Das ist normal und das soll so sein.
3. Wenn Sie Ihre Fundamentflanken freischachten gefährden Sie deren Tragfähigkeit und damit die Standsicherheit des Hauses.
4. Bei Ihnen zu schützen ist der Sockelbereich. Das sind ca. 30 cm unter und über der Geländeoberfläche. Dafür eignet sich ein Natursteinmauerwerk in entsprechender Ausführung, also mit geringer Fugenfläche. Wenn das nicht vorhanden ist dann ein mehrlagiges mineralisches Sockelputzsystem.
5. Noppenbahnen sind als Anfüllschutz für Bitumendickbeschichtungen ungeeignet, sie zerstören sie.
6. Eine Dränanlage ist nur für einen speziellen Fall gedacht und geeignet: Um die senkrechte Abdichtung einer Keller!wand gegen Bodenfeuchte bei dem Lastfall kurzzeitig aufstauendes Sickerwasser drucklos zu halten.
7. Eine Dränanlage muß geplant und regelkonform ausgeführt werden. Wer sich damit nicht auskennt baut eine Wandbewässerungsanlage.

Zum Schluß noch eine Frage von mir: Wieso hat Ihr Haus die ganzen Jahrzehnte vor Ihnen auch ohne Noppenbahn, Dränung und Aufschachterei funktioniert? Die Schädigung des Sockelputzes ist nach Ihrer eigenen Erkenntnis auf Spritzwasser und eine undichte Dachrinne zurückzuführen, dagegen hilft keine Dränung.





Hallo Herr Böttcher,

in meinem Eingangspost hatte ich die Gewölbekeller vergessen zu erwähnen. Es sind zwei Gewölbekeller also vorhanden, ebenfalls aus Bruchsteinen, rund um das Haus herum.

Die Schäden an der Front sind sicherlich auf die defekte Dachrinne, fehlende Versätze etc. zu schieben.

Die aufsteigende Feuchtigkeit ist am Sockel zu sehen, wo das Erdreich aufhört und wandert bis ca. 10 cm hoch. Hinsichtlich des Putzes: Hintergrund, den Putz zu entfernen ist die extreme Feuchtigkeit im Erdgeschoss (Bruchstein), die prozentual bei zwischen 95 und 100 % angegeben wird, also schlichtweg nass. Hier hält keine Tapete, kein Putz, kein gar nichts.

Daher meine Idee, die Ursache abzustellen und sich dann stetig weiter nach oben zu begeben.

Ich hatte bereits drei Gutachter / Bausachverständige da, die auch alle supertoll wunderbar viel erzählt haben, allerdings trotz "unabhängig" natürlich Interesse daran hatten, Ihre präferierte Methode an den Mann zu bringen.

Von Elektroosmose über Mauersägeverfahren bis hin zur Injektion habe ich mich jetzt tagelang schlau gemacht, aber es scheint keine Universallösung zu geben.

Sicherlich haben Sie Recht, dass man früher keine Dickbeschichtungen benutzt hat und trotzdem hat das Haus Jahrhunderte gehalten. Aber der Mensch (alle Vorbesitzer) hat irgendetwas geändert, sonst würde die Feuchtigkeit nicht dermaßen angestiegen sein.

Obwohl der Putz mineralischer Natur ist, hat er nicht wirklich zur Entfeuchtung beigetragen, daher meine Idee, dass womöglich der Putz ein Problem ist, natürlich immer in Verbindung mit dem nassen Keller.

Hinsichtlich der Drainage:

Ich hatte / habe nicht vor, diese Arbeiten selbst zu machen, sondern werde sie auch wegen der Gewährleistungsansprüche von einer Fachfirma übernehmen lassen, das können andere schlichtweg besser als ich.



Kellerabdichtung



Ihre Gewölbekeller haben bereits eine senkrechte Abdichtung die verhindert das Wasser in flüssiger Form eindringt- sie sind gegen das anstehende Erdreich gemauert worden. Normale Kellerfeuchte, das heißt die Steine und die Fugen befinden sich in einer stabilen Ausgleichsfeuchte, war und ist in einem Gewölbekeller gewünscht und von Vorteil.
Wenn Sie dort einen Raum mit hochwertiger Nutzung einbauen wollen natürlich nicht, aber zur Lagerung von Wein, Äpfeln, Kartoffeln usw. ist er gut geeignet.
Deshalb: Finger weg vom Keller!
Wichtig ist das die Wohnräume vor Nässe geschützt sind. Die kommt in der Regel von außen, über den Spritzwasserbereich und hier sollte auch abgedichtet werden. Eine waagerechte Abdichtung ist bei einem Natursteinmauerwerk nicht erforderlich, der Sockel selbst ist die Abdichtung. Die Steine haben viel geringere Porenräume als Ziegel, die Fugenfläche sollte gering sein im Vergleich zur Gesamtfläche. Kapillare Steighöhen betragen nur wenige Zentimeter in den Fugen.
Typisch für solche Wände sind Kondensatbildungen am Wandfuß und den Wärmebrücken wie Ecken und Fensterlaibungen. Dagegen hilft Heizen, Lüften, Dämmen.

http://ingenieurbüro-böttcher-asl.de/mediapool/88/885822/data/Wann_ist_eine_Wand_nass.pdf





Hallo Herr Böttcher,

vielen Dank für Ihre Informationen.


Ich habe verstanden, dass der Bruchstein als solches schon eine Absperrung darstellt. Bei meiner Besichtigung im Keller habe ich auch keinerlei Feuchtigkeit oder Gestank wahrnehmen können.

Lediglich habe ich eine schimmelige Wand gesehen, die herunter zum Keller führt. Ich vermute hier aber, dass es sich um Kondensfeuchtigkeit handelt, da die Kellerfenster permanent geschlossen sind... Dadurch wird natürlich die Feuchtigkeit nicht wirklich abgegeben und diese Feuchtigkeit steigt dann in die Wand die hoch zum EG führt.

Wenn ich jetzt aber ein Stück weiter gehe:

Sie sagen: Lass den Keller in Ruhe. Wie bekomme ich dann die Fassade und die Feuchtigkeit in den Griff?

Ich würde schlussfolgern, dass ich den Putz abschlagen soll und die Steine neu verfügen sollte (bspw. mit Kalktrassmörtel) und zudem die Feuchtespender abstellen soll (Dachrinne, fehlender Versatz, etc.).

Liege ich damit richtig?

Sie schreiben: Es hilft, heizen, lüften, Dämmen. Ist hier eine Innendämmung ratsam oder was meinen Sie damit?


Ich habe bereits an einer Stelle mal mal ein Stück Putz abgeschlagen (das wird eine Mords-Arbeit) und habe dort Steine in einem dem Alter entsprechend gutem Zustand gesehen.

Vielen Dank für Ihre Hinweise!



Abdichtung



Ich habe so meine Probleme mit Ihren Schlußfolgerungen.
Zum Beispiel:
Wenn der Sockelputz noch richtig fest und hart ist wäre ein Abschlagen Nonsens.
Versuchen Sie es mit ein paar Fotos außen und innen vom Sockelbereich.
Vielleicht hilft Ihnen das weiter.



Schadensbild



Hallo Herr Böttcher,

anbei einmal die Feuchtigkeitsschäden von der Front, die auf eine defekte Dachrinne zurückzuführen sind. der Wandfuß ist über eine Länge von 9 m nicht abschließend.



2. Bild



Hier noch ein Bild, welches die aufsteigende Feuchtigkeit am Wandfuß verdeutlichen sollte.



Abdichtung



Die Fotos bestätigen meinen Vorschlag Richtung Sockelbereich.
Unterhalb des Geländes fehlt der Sockelputz, dazu kommt ein relativ dampfdichter, krakelierter Anstrich. Vermutlich auch noch geringer Dachüberstand, keine ausreichenden Tropfkanten und Eindichtungen der Fensterbretter und Laibungen...
Wie sieht diese Wand von innen aus?
Wurden von Ihren "Experten" Feuchteprofile der betreffenen Wandstellen gemessen und der Durchfeuchtungsgrad festgestellt?



Feuchteprofile



Ja, die Wände wurden ausschließlich von innen gemessen. Rund um die beschriebenen 21m sieht es so aus. Von innen kann ich Ihnen derzeit leider keine Bilder zur Verfügung stellen, aber ich weiß, dass die Wände feucht sind und sich der Putz ablöst. Um dem gegenzuwirken hat man versucht, die Wände zu fliesen, da ja keine Tapete hält. Diffusionsoffenheit war dem jetzigen Eigentümer sowieso ein Fremdwort.

Im EG ist definitiv kein Schimmel erkennbar, nur haben die Gutachter jeder für sich aufsteigende Feuchtigkeit als Ursache genannt, mal in Digits, mal in % ausgedrückt.

Hinsichtlich des zu niedigen Dachüberstands haben Sie auf einer Seite recht, die Fensterbänke sind nicht ordentlich abgedichtet und auch fehlt der Sockelputz gänzlich.


Wenn ich Ihnen jetzt richtig zugehört habe, entdramatisieren Sie die gesamte Situation und empfehlen einfach, die Tropfstände ausreichend zu dimensionieren, um gesamte Fläche einen Sockel zu bauen und entsprechende Reparaturen an den Dachrinnen, Fensterbänken und eine Aufarbeitung des Putzes, um hinterher mit einem mineralischen, diffusionsoffenen Fassadenfarbe zu streichen?



Abdichtung



Um das also klarzustellen:
Sie wissen weder WIE feucht die Wände sind (Durchfeuchtungsgrad in % und Feuchtegehalt in kg/m³) noch ob vorhandene Feuchte nur oberflächlich im Putz ist oder sich im gesamten Wandquerschnitt aufhält noch wie hoch die Salzgehalte im Mauerwerk/Putz sind.
Was Sie sehen sind ausschließlich Feuchtespuren, die können auch von früheren Ereignissen stammen.
Also alles zurück auf Anfang.
Wenn Sie (bzw. die "Experten" keine ordentlichen Daten vorweisen können ist jede Sanierungskonzeption ungenau oder falsch.
Ich kann auch nur vermuten:
Oberflächlich im Putz eingedrungene Feuchte durch Spritz- und Regenwasser infolge Flaschenhalseffekt, innen Kondensat auf Wärmebrücken in den ersten paar mm/cm des Innenputzes.
Sie sind übrigens in dieser Konstellation ein besonders dankbarer Kunde für Trockenlegungsexperten die alle möglichen Verfahren anbieten.
Sie bewegen sich da in einem Haifischbecken.