Bruch-/Sandstein. Erosion aufhalten. Haus von 1934

09.10.2018 Kokua



Hallo zusammen,

habe mich gerade hier neu angemeldet und hoffe, dass mir jemand bei meiner Frage helfen kann und möchte. Schon mal herzlichen Dank!

Es geht um die folgende Sandstein Mauer (siehe Bilder), die an der Hausfront derzeit ein eher verschwindendes Bild abgibt.

Frage: Wie und mit was kann ich diese Mauer wieder herrichten und für die Zukunft vor Feuchtigkeit und Erosion mehr schützen?

Das Haus von 1934 steht auf felsigem Untergrund.
Die Kellerwände sind tw. leicht feucht, eigentlich nur dort, wo Dinge vor der Wand stehen. Es riecht nicht muffig. Kein Schimmel. Ob es eine Teerpappe/Sperre zum Außenbereich gibt, ist bis jetzt nicht sichtbar.

Liebe Grüße
Kokua



Hmm..



So wie das für mich aussieht, handelt es sich wahrscheinlich um Ruhrsandstein, eigentlich ein sehr beständiges Material. Hier mal ein Link zu einem Steinbruch, da kann man sich verschiedene Mauern aus deren Material ansehen, ich finde das passt ganz gut zu eurem Sockel:

https://www.grandi-steinbruchbetriebe.de/mauersysteme

Was mir sofort auffällt, sind die viel zu harten Fugen. Die sorgen dafür, dass gerade die Randbereiche schon so weit abgefressen sind, dass die Fugen zum Teil schon frei stehen. Fugen müssen IMMER weicher sein als der Stein. Eine verwitterte Fuge ist leichter und billiger zu ersetzen als ein kaputter Stein.

Hier wurde offensichtlich mit Zementmörtel verfugt, der nicht nur zu hart ist, sondern auch zu wenig Feuchtigkeit durchlässt, was das nächste Problem ist: Mauerwerk trocknet massgeblich über die Fugen aus. Geht das nicht, weil die Fugen zu dicht sind, dann wandert das Wasser durch die Steine und macht diese dann mürbe.

Im Foto ist gut zu erkennen, dass die Schäden an einer horizontalen Fuge weitestgehend enden, das lässt die Vermutung zu, dass hier entweder eine weitere oder auch die erste Abdichtungslage untergebracht ist. Entweder in Form einer Dachpappe, manchmal hat man auch Schiefer genommen. Zwei Abdichtungslagen wären um 1934 nicht so unüblich gewesen.

Ich vermute, dass hier auch Tausalze eine Rolle spielen. Liegt der Sockel denn direkt an einer Straße oder ist noch ein privater Garten drumherum? Wenn letzteres: Auf keinen Fall herkömmliche Streusalze im Winter verwenden. Es gibt spezielle Auftaumittel, die erstens 4 fach länger und insgesamt auch schneller wirken und sowohl für Mensch, als auch Umwelt und vor allem Naturstein verträglich sind. Kostet ein wenig mehr, habe damit aber auch beste Erfahrungen gemacht.

Sanierungsvorschläge:

1. Vorschlag - Profivariante:

Steinmetz ranholen, begutachten lassen (Schadensursache genau ermitteln) und dann ggf. die geschädigten Steine aushauen lassen und neue, bossierte Platten einbauen lassen. Mindeststärke der Platten: 5cm.

2. Vorschlag - Selbstbauvariante:

Alle Fugen mind. 2 cm tief aushauen + zementösen Fugenmörtel komplett entfernen. Fugen + Steine ordentlich reinigen (bei dem Schadensbild würde ich auf zu viel Wasser verzichten) - also auskehren / aussaugen und anschließend mit TrassKalkMörtel neu verfugen (für das Verfugen muss natürlich vorgenässt werden). Empfehlung: Fugenmörtel TK von Remmers, alternativ geht auch von Sakret der Trasskalkmörtel oder noch besser der Reinkalkmörtel. Oder selbst mischen.

Finger weg von sogenannten Steinfestigern. Sowas sollte nur von Profis und nach eingehender Voruntersuchung verarbeitet werden. Bei falscher Verarbeitung drohen schlimme Schäden in Form von Schalenbildung.

An Ihrer Stelle würde ich Variante 2 wählen und einfach beobachten was die nächsten Jahre passiert. Wenn das Sanden nicht aufhört, dann kann man immer noch den Profi ranholen und eine "Radikalkur" machen.


Ich hoffe, das hilft erstmal weiter.

Liebe Grüße,

T. Apfel