Brandschaden Holzdecke

20.03.2021 Ferdinand

Brandschaden Holzdecke

Servus zusammen,
wir sind neu hier und wenden uns mit unserem Problem an die vielen kompetenten Teilnehmer in diesem Forum. Wir besitzen ein altes Bauernhaus in Oberbayern, das wir teilweise selbst renoviert haben.

Unser Kombi-Warmluftofen mit Zügen hat vor zwei Wochen ein Feuer verursacht: Durch einen Kaminbrand im unteren Bereich, wohl am Übergang vom Ofenrohr zum Kamin hat sich das Feuer durch die Zwischendecke aus Holz gearbeitet. Das Brandzimmer ist stark verrußt, die Decke ist teilweise verkohlt.

Abgesehen von dem Schock, der Brandschadenbeseitigung und den Versicherungsfragen müssen wir nun entscheiden, was wir mit den beiden Holzdecken machen, die Firma, die die Brandstelle freilegt, meint, sie müssten komplett erneuert werden, da man sonst den Brandgeruch nicht herausbekommt.

Nach intensiver Recherche sind wir nun auf die Behandlung von Decke und auch Wänden durch Trockeneisstrahlen gestoßen. Hat jemand Erfahrung damit bei Brandschäden gemacht? Wir möchten natürlich soviel retten wie möglich, möchten aber danach kein ewiges "Rauchhaus" haben.

Außerdem sind wir für die Behebung der Schäden auf der Suche nach Handwerkern, die sich mit alten Häusern auskennen. Wir sind dankbar für jeden Rat.



Glück im Unglück



Hallo Ferdinand,
erst mal herzliches Beileid!
Das sieht ja mal krass aus......
....sehe es aber bitte optimistisch: es hätte auch schlimmer kommen können.....
Je nachdem wie groß die Hitze war, wäre eine Stahlträger- oder Betondecke vielleicht schon eingestürzt.

Zum Thema "Firma die Versicherungsschäden behebt" kann ich nur aus mehrfacher Erfahrung sagen, anscheinend ist das ein etwas, ich nenne es mal "seltsames Konstrukt" von ZUsammenarbeit zwischen en Gebäudeversicherungen und den entsprechenden Sanierngsfirmen. Diese Firmen sind bis zu einer gewissen Schadenshöhe Gutachter und ausführende Schadensbeheber in einem.
Ich hatte gerade erst einen Fall von Wasserschaden an/in einer Strohlehmdecke. Die Sanierungsfirma hatte der Versicherung ein "Gutachten" erstellt, was gleichzeitig ein Angebot ist. Als der Kunde (Geschädigte) mich fragte und ich sagte, dass ich es zum gleichen Preis reparieren kann, wollte die Versicherung gleich mal 30 % ( = 11% + MwSt) abziehen.... Wobei ich es zu dem Preis fachgerecht repariert hätte, die Sanierer die Decke komplett mit Rigips zu getackert hätten. Was der Kunde nicht wollte.
Soviel dazu....

Zu einer Frage: Trockeneisstrahlen ist eine recht teure Angelegenheit. Es ginge aber auch einfaches Sandstrahlen. Was man zur Not auch selbst machen kann.....wenn man einen gescheiten Kompressor hat.
Sandstrahlpistolen gibts für kleines Geld in jedem Baumarkt.
An den Wänden kannst du den "verseuchten" Putz auch mit einer Putzfräse ab fräsen.
Das ginge zwar an den Deckengefachen auch, aber "über Kopf" ist das eine noch üblere Drecksarbeit als Sand-/Trockeneisstrahlen.

Was den Brandgeruch angeht:
Ich hatte mal vor vielen Jahren, als ich meine Hütte sanierte, die Deckenbalken mit einem "super-bio-öko"-Holzschutzmittel gestrichen, weil die teilweise "bewohnt" waren. Das Zeug war auch aus Asche, Ruß, oder was weiß ich, jedenfalls stank die ganze Bude von der Brühe monatelang nach Rauch. Nachdem ich die Balken dann lasiert hatte, war der Geruch erst nur noch ganz schwach und ein paar Wochen später ganz weg. Und kam auch nie mehr.
Will sagen, nur deswegen würde ich die Decke erst mal nicht komplett raus reißen. Auch wenns die Versicherung bezahlt.

Du solltest aber auf jeden Fall erst mal einen (versicherungsunabhängigen) Statiker prüfen lassen, ob die Balken, bzw. die Decke insgesamt, noch tragfähig genug ist !!!

Gruß,
KH
der keiner Versicherung über den Weg traut ;-)



Vielen Dank für den Beitrag!



Lieber KH,

vielen Dank für deine ausführliche Antwort, das mit der Versicherung ist tatsächlich eine weitere Unwägbarkeit in dem ganzen Schlamassel ... die Schadensregulierung ist von Anfang an auf Verschleierung ausgelegt, der Gutachter der Versicherung hat uns deutlich gemacht, dass wir uns in allem an ihn wenden müssen. Er hat uns anfangs völlig im Unklaren darüber gelassen, wie das Ganze abzuwickeln ist. In der Tat haben wir auch den Eindruck, dass die Versicherung, der Gutachter und die Sanierungsfirmen Hand in Hand arbeiten, hier eher im negativen Sinne. Zudem wurde uns nur auf unser Drängen hin ein Ansprechpartner der Versicherung genannt. Nach kurzer Recherche hat sich herausgestellt, dass wir es mit einem freien Rechtsanwalt zu tun haben, der innerhalb einer großen Kanzlei wohl für diverse Versicherungen Schadensregulierungen übernimmt. Was da auf uns zukommt, dürfte klar sein ...

Aber nun zum Fachlichen: Mittlerweile haben wir ein Angebot zum Trockeneisstrahlen eingeholt und an den Gutachter weitergeleitet. Er könnte auch die Wände bearbeiten; ich werde berichten, wie es weitergeht, insgesamt scheint diese Technik gerade im Denkmalschutz interessant zu sein.

Danke auch für den Hinweis, die Statik prüfen zu lassen. Es sieht zwar schlimm aus, aber die verkohlte Schicht ist relativ dünn. Wir tendieren auch dazu, die Decke zu erhalten, das Beispiel mit dem Geruchsproblem an den Balken klingt ermunternd. Vielleicht ist nach dem Strahlen auch ein Anstrich der Decke mit Leinölfarbe hilfreich.

Viele Grüße
Ferdinand