Boracol 20 mit Leinöl überstreichbar?

30.07.2018 Zwopfeva



Hallo zusammen,

ich würde gerne im Außenbereich auf unserem alten Fachwerk (nach fürchterlichen Bausünden wie z.B. Bitumenanstrich, Blechabdeckungen, Zementausbesserungen etc. bereits abgeschliffen, abgebeilt und partiell ersetzt) Boracol 20 aufbringen, bevor ich einen Anstrich mit Rohleinöl mache. Das Boracol 20 hat mir der befreundete Malermeister als universel gut wirksames Holzschutzmittel mit hoher Eindringtiefe angedient. Allerdings funtioniert es wie ich nun festgestellt habe auf Lösemittelbasis, also nicht wie die meisten anderen, die auch für z.B. die Käferbekämpfung zugelassen sind auf Wasserbasis.
Kann mir jemand sagen, ob es dadurch Schwierigkeiten mit einem anschließenden Leinölanstrich gibt bzw. wie lange ich warten muss, bis ich das Leinöl aufbringen kann?

Weiterhin würde ich gerne wissen, ob jemand Erfahrungen damit hat, schwarze Eisenoxid-Leinölpaste in Roh-Leinöl einzumischen und somit bereits beim ersten Leinölanstrich eine Schwarzfärbung zu erreichen (Mischungsverhältnis Roh-Leinöl zu Leinölpaste, Besonderheiten bei der Mischung,...)? Könnte ich dadurch einen Anstrich mit Leinölfirnis umgehen?

Ich bin sehr gespannt auf eure Antworten und sage jetzt schon danke dafür, dass ihr euch Zeit zum Antworten nehmt.



Vorsicht ist geboten!



Hallo Eva,

Alles in allem hast du da ein nicht ganz leichtes Thema angeschnitten. Boracol20 kenne ich so nicht...
Aber die Praxismerkblätter, die sich sehr leicht googln lassen, verraten viel!
Der erste Absatz sagt schon, das, was ich mir beim Namen vorgestellt hatte.
Es handelt sich hier um eine Grundierung/ Holzschutzmittel, welches auf Borsalz beruht. Dieses solltest du nicht in direkter Bewitterung einsetzen.

Also besser eine Grundierung aus Leinöl roh (ca. 55°C erwärmt, nicht kochen) als Grundanstrich nutzen. Das penetriert auch enorm gut! Gerade bei dieser Wärme mag das Holz diesen Spa-Einsatz ;)... da fließt es noch besser.

Bei der Pigmentierung des Holzes... Vorsicht mit Pigmenten aus Quetschtuben!
Nicht alles lässt dich gut in Öl binden. Gut gehen Ölbasierte Abtönpasten der Firma Schminke.
Zumal sich das Eisenoxidpigment, wie schon im Namen "OXID" erlesen lässt, zu verfärbungen am Holz provozieren lässt... KANN, muss nicht.

Grundieren, dann mit Pigmentiertem-ÖL , die Anstriche aufbauen und immer von "mager nach fett" die Beschichtungen einstellen.

Pigmente in Bindemittel einlassen bedarf Erfahrung, es kommt also bei deinem Vorhaben eine "Lasur" dabei raus. Die Einstellung von Leinöl als deckende Farbe ist begrenzt für Laien möglich, einmal den Punkt der Sättigung überschritten kann es zu Anstrichschäden führen. ( Fetten, Abfärben, Auswaschen, Verfärben etc.)

Hoffe, ich konnte helfen?!

Mit handwerkichem Gruß,
Jörn



Nochmal nachgefragt...



Hallo Jörn,

erstmal danke für Deine ausführliche Antwort.

Ich war auf Anraten des Malermeisters davon ausgegangen, dass ich zwecks Holzschutz vor Pilz und/oder Insekten einen entsprechenden Anstrich vornehmen muss, bevor ich irgendetwas anderes mit dem nun anstreichbereiten Holz mache (dass Boracol nicht für außen ist, hat er nicht gesagt, obwohl ich mitgeteilt habe, dass es für außen am Giebel gedacht ist). Wenn das nicht nötig ist, um so besser.

Ich hatte überlegt, mit kaltgepresstem Leinöl zu grundieren und diesem direkt entsprechend reine Leinölpaste in Eisenoxidschwarz (aus der Dose) beizugeben (laut Hersteller auch in kaltgepresstes Öl möglich). Wenn ich Dich richtig verstanden habe, sollte ich jedoch zunächst das rohe Leinöl auf 55 Grad erwärmen und damit ungefärbt grundieren, um dann eine nächste Schicht rohes Leinöl MIT eingerührter Leinölpaste aufzutragen (auf Leinölfirnis würde ich gerne verzichten). Korrekt? Das wäre dann wohl wirklich eine Lasur. Hast Du eine Idee, wie das Mischungsverhältnis von Leinölpaste und rohem Leinöl sein sollte, damit es halbwegs vernünftig "färbt" (mögliche Fehlfärbungen durch das Oxid muss ich halt riskieren).

Ist es zwingend nötig danach noch Leinölfirnis (mit eingerührtem Sikkativ und Eisenoxidpaste-Paste) aufzutragen oder genügt der zweimalige Anstrich mit dem rohen Leinöl (1x pur, einmal als "Lasur")?

Viele Grüße





Eine Borsalzimprägnierung ist nach DIN 68 800 für die Gebrauchsklassen (GK) 1 und 2 zulässig also innen verbautes Holz oder Holz das weder Erdkontakt hat noch direkt der Bewitterung ausgesetzt ist, lediglich eine temporäre Befeuchtung wird toleriert.

Vielleicht ist es auch (deutlich) günstiger sich direkt das Salz zu besorgen. Angewendet wird eine 15 prozentige Lösung (150 g Borsalz plus 850 g Wasser, reicht für 3 Quadratmeter bei meist zweimaligen Anstrich, es ist eine Wirkstoffkonzentration von mindestens 50g Borsalz pro Quadratmeter zu gewährleisten).

Bei Wetterbeanspruchung müsste die Imprägnierung noch mit einem Ölanstrich "fixiert" werden.

Für die Pigmentierung kannst du rohem Leinöl, entschleimt und am besten nordischer Provenienz (Richtpreis so um die 7 Euro / Liter) oder Lackleinöl, bis 10 bis 15 Prozent Pigment zu mischen.

Pigment ins Öl rühren und etwas sumpfen lassen. Später im dicht verschlossenen Gurkenglas zum "dispergieren" kräftig schütteln. So mache ich das. Du kannst auch gebranntes Umbra. schwarzbraun nehmen, dass ist ein Manganoxid ergibt vor allem auf älteren Holz auch fast schwarz.

Das Manganoxid wirkt wie ein Sikkativ, ein weiterer "Trocknungsbeschleuniger" ist außen an Luft und Licht nicht notwendig und auch nicht empfehlenswert.

Grundiert wird vorher einmal mit reinem Leinöl.

Alt bewährt auch der Anstrich aus (Kiefern-) Wurzelteer, Leinöl und Balsamterpentin. Das "Raucharoma" ist halt nur für außen und verfliegt alsbald.



Wirklich hilfreich



Hallo Mario,

vielen Dank für Deine Ausführungen. Das war wirklich hilfreich für mich!!

Kannst Du mir noch sagen, wie viel Zeit zwischen den jeweiligen Anstrichen liegen sollte, also zwischen den beiden Borsalzanstrichen, dem darauf folgenden (puren) Leinölanstrich (zumindest da hatte ich bereits genau das bestellt, was Du auch empfohlen hast) und dem dann abschließenden Anstrich mit pigmentiertem Leinöl?

Viele Grüße
Eva





Die Borsalzimprägnierung wird nass in nass gestrichen, also ohne Trockenzeit.

Der Leinölanstrich (Grundierung) dann natürlich auf gut durchgetrocknetem Holz.

Meist führt man danach die Putzreparaturen und -Anstriche aus. Bevor auf dem (gereinigten) Holz dann der Schlussanstrich mit pigmentierten Ol aufgetragen wird. Ansonsten würde ich drei Tage warten.



Balken streichen



Ich habe ,ebenso wie von Mario empfohlen, die Mischung aus Wurzelteer, Leinöl und Balsamterpentin genommen. Das ganze nennt sich "Labsal" und wurde früher auch zu Imprägnierung von Holz und Tauen in der Schifffahrt genommen. Ich habe es über die Farbmanufaktur Werder bezogen. Mir gefällt der leicht rauchige Geruch sogar, nach einer Woche ist er verflogen. Einziger Nachteil: Es sollte wirklich in der Trocknungsphase (1 Woche) vor Regen geschützt werden.



Danke



Hallo Mario, hallo Pope,

vielen Dank für eure Hilfe. Das kann ja nur gut werden jetzt.

Viele Grüße
Eva



Hier werde Ich geholfen!



Ich stimme den beiden Kollegen zu. Jetzt sollte es gut werden.
Viel Spaß damit, Eva ;)