Bohlenbalkendecke reinigen

18.05.2018 Kernhof



Wir renovieren gerade ein denkmalgeschütztes Bauernhaus von 1650 in Nürnberg. Eine wunderschöne Bohlenbalkendecke ist überraschend zum Vorschein gekommen. (Keine Angst, Denkmalamt und historisches Gutachten sind schon informiert bzw. gemacht) Sie wurde in den letzten 100 Jahren mal braun lackiert, später dann abgehängt (die weißen Streifen sind eine Art Kleber, mit denen eine Konstruktion festgeklebt wurde, auf der später die Rigipsplatten befestigt wurden. Wie bekomme ich die Balken wieder einigermaßen sauber? mit Drahtbürste wird das irgendwie nix. Beschädige ich die Decke nicht, wenn ich sie maschinell abschleife?



Je nach Flexibilität des Lackes



Habt ihr es per Hand mit Drahtbürste versucht oder einer Topfbürste für die Bohrmaschine?
Je nachdem wie alt die Lackschicht ist, lässt sie sich mit so einer Topfbürste entfernen. Bei gummiartig/flexiblen Lackschichten hat bei Freunden mit Bohlenbalkendecke aus der gleichen Zeit nur Strahlen mit Trockeneis geholfen. Das war ziemlich teuer, sieht aber wirklich gut aus - und die Substanz wird geschont.



Bürsten oder strahlen



Da kommen mehrere Möglichkeiten in Betracht, die aber letztendlich alle von der Farbe ebenso wie vom gewünschten Resultat abhängen.

Drahtbürsten mit Stahldraht sind halt sehr aggressiv und arbeiten die Maserung stark heraus. Messing ist zwar schon harmloser, verfärbt aber die Oberfläche. Wir haben unsere Deckenbalken mit Nylon-Fächerbürsten gereinigt. Das setzt allerdings voraus, dass die Farbe nicht allzu schnell durch Reibungswärme schmierig wird. Das Ergebnis ist eine Oberfläche die zwar eine ganz leichte Strukturierung der Maserung hervorbringt, sich auf der anderen Seite jedoch sehr glatt anfühlt. Hier ein Beispiel, wie unsere Balken vorher und nachher aussahen: http://www.hausen8.de/artikel/gebuerstete-deckenbalken.

Wesentlich kräfteschonender ist das Strahlen. Wenn Dir die Angebote von Trockeneisstrahlern zu teuer sind, kannst Du auch sandstrahlen. Das funktioniert mit dem richtigen Strahlgut extrem gut und strukturiert selbst Weichholz weitaus weniger stark, als man annehmen mag. Ich habe mir dieses Jahr zum Ausprobieren einen Strahlkessel angeschafft und mit Granatsand (Mesh 300) die Teile der Dachbodentreppe gestrahlt. Das Ergebnis war schon ziemlich gut. Sämtlicher Lack war weg, auch aus den Ecken und Löchern, so dass ich direkt ab 80er Korn an den Feinschliff gehen konnte: http://www.hausen8.de/artikel/-berarbeitung-der-treppe



DANKE



Dankeschön, das sind ja schon mal super Hinweise. Denke, es wird dann auf Sand oder Trockeneis hinauslaufen, da muss ich mich jetzt erst mal hineinlesen. Gerade habe ich gesehen, Es gibt auch Leute, die die Decke Stück für Stück herunterbauen und mit Zugmesser ect. abschleifen. Hier mal ein Beispiel: https://www.neudrossenfeld.de/module.php?id=124&sub=151



Schleifen würde ich nicht



Mit Klingen und Schleifmitteln trägt man halt immer auch mehr Material ab, als nur die Farbschicht. Die alten handgebeilten Balken verlieren an Charakter, je glatt sie werden und aus Trocknungsrissen kriegt man die Farbe damit kaum raus. Daher würde ich auf jeden Fall erstmal bürsten probieren und wenn das nicht klappt, dann strahlen.

Zum Strahlen sollte ich noch anmerken, dass es eine ordentliche Sauerei gibt. Ich würde den Boden mit einer dicken Baufolie auslegen. Granatsand lässt sich im Schnitt 2-3 Mal wiederverwenden, weshalb Ihr ihn am Boden irgendwie wieder auffangen solltet.