Hochwasserschäden

19.08.2007



Hallo, ich habe Fragen an die "Hygroskopen" unter Euch.
Damit Ihr die Sachlage einschätzen könnt, muß ich eingangs eine ausführliche Darstellung der Verhältnisse und des Geschehens liefern.
Wir haben in vier Räumen im Erdgeschoß unseres Fachwerkhauses von 1870 die alten Fußböden entfernen müssen. Da das Haus in einer Senke steht, steht das Grundwasser recht hoch, nach starken Regenfällen stößt man nach 60-70 cm auf Wasser.
Die Lehmböden waren nach Entfernen der alten Beläge feucht, weil das Wasser nicht verdunsten konnte.
Deswegen habe ich beschlossen, die Böden auf 40 cm unter fertigen Fußboden auszuschachten um mit kapillarbrechender Schicht, Beton und Estrich mit Fliesen (Küche, Bad) einen
ordentlichen Fußbodenaufbau hinzubekommen.
Außen habe ich ringsum den Boden des umliegenden Geländes zunächst ca. 20 cm abgetragen, weil die alten Schwellen quasi im Rasen gelegen haben, und durch die permanente Feuchtigkeit allesamt ausgetauscht werden mussten.
Somit liegen Teile des Fundamentes innen ca. 40-50 cm und außen ca. 20-30 cm frei.
Das Fundament besteht aus Bruchsteinen aus Glaukonit, die mit einer Art Lehmmörtel aufeinander geschichtet worden sind, das Fugenmaterial ist also kein Mörtel o.ä. und somit auch nicht fest.
Bei einer Grabung unter dem Fundament her konnte man die unteren Steine von Hand nach unten wegziehen, so weit zur Konsistenz des Mörtels.
Nun zu den Geschehnissen: letzte Woche, in der Nacht von Freitag auf Samstag hat schwerer Regen dazu geführt, daß der Ort teilweise 120 cm unter Wasser stand, bei uns vor dem Haus lag der Pegel bei ca. 50-60 cm.
Bilder davon sind durch Presse und Fernsehen gegangen.
Es ist uns nicht gelungen, das Haus davor zu bewahren, überflutet zu werden, das Wasser stand in den Räumen mit vorhandenem Fußboden knöchelhoch, in den anderen also ca. 60 cm und ist ca. zwei fingerbreit unter dem frischen Lehmputz zum Stehen gekommen.
Wir hatten das Glück, daß es um ca. 21.00 Uhr aufgehört hatte, zu regnen und uns alle Nachbarn beim Errichten von Barrieren und Wällen rund um das Haus unterstützt hatten.
Nun meine Fragen:
1. Vor dem eigentlichen Hochwasser hat das Wasser begonnen, durch den Lehmboden nach oben zu drücken. Die Stellen kann man jetzt noch lokalisieren. Soll ich da einen "Betonstopfen" reinbetonieren, oder hilft das nicht, weil das Wasser dann an anderer Stelle aufsteigen wird?

2.Während der Überflutung hatten wir eine Zeit lang wirklich Angst davor, daß das umströmende Wasser die Fugen ausspült und das Fundament flöten gehen könnte. Macht es Sinn, im Vorgriff aus ein zukünftiges Hochwasser die Fundamente, die jetzt freiliegen, mit einer Schicht Putz oder Beton zu versehen, um sie zu stabilisieren? Der Stein selber nimmt kaum Wassser auf, die Fundamentsteine waren fünf Stunden später bereits wieder trocken, aber die Fugen sind jetzt noch leicht feucht, nach 9 Tagen.

3.Ich wollte eigentlich eine Ringdrainage um das Haus herum legen. Nachdem ich aber gesehen habe, wie das Wasser an den Stellen, an denen der ich glaube man nennt ihn hygroskopische Gegendruck fehlte, hochgedrückt hat, habe ich mir überlegt, daß ich mir mit einer Drainage im Falle eines erneuten Hochwassers das Wasser ja quasi mit Gewalt selber an das Haus ziehen würde. Also lieber lassen?

4. Gibt es überhaupt eine Möglichkeit, das Haus und die Fußböden im Erdgeschoß gegen Schäden durch aufsteigende Feuchtigkeit zu sichern? Noch könnte ich z. B. die Böden noch tiefer ausheben, wenn das nötig wäre. Aber was dann für einen Aufbau wählen?

Die Alternative, einzelne Drainageschächte im Haus anzulegen und mit Schwimmerpumpen auszustatten, entfällt eigentlich aus dem genannten Grund mit der Drainage und aufgrund des Problemes, daß wir bei richtig viel Wasser gar nicht wissen, wohin wir pumpen sollen.

Ich danke zunächst für Eure Ausdauer beim Lesen meines Aufsatzes zu unserem schönsten Ferienerlebnis und bitte Euch, Eure Meinungen und Vorschläge hier kundzutun, auch, wenn Ihr "nur" zu einer Frage was sagen könnt/wollt.
Momentan sind wir recht ratlos und die Flaggen wehen auf Halbmast, nur die blau-weiße, die flattert seit Samstag wieder stolz im Wind!!
Danke und Grüße, Mario Albrecht



Hochwasserschaden



Hier aus der Ferne konkrete Empfehlungen zu geben, ohne die Sachlage vor Ort aus eigener Einschätzung zu kennen, halte ich für nicht möglich.
Dazu ist die Sache zu komplex, irgendwelche Allgemeinplätze helfen da nicht, hier ist richtiges interdisziplinäres Fachwissen gefragt.
Ich kann nur dazu raten, sich einen guten Sachverständigen aus dem Tiefbau und/oder einen aus der Sanierung zu nehmen.
Irgendwelche gutgemeinten Ratschläge selbst umsetzen zu wollen werden diese robleme nicht lösen.

Viele Grüße
Georg Böttcher