Schräge Böden - ist das normal

15.12.2011



Hallo,

ich hab mir in Unterfranken in einem Weinort einen alten Winzerhof angeschaut. Eigentlich brauch ich nur die Scheune - aber ein Haus ist halt auch dabei...
Das ganze ist so Baujahr um 1700 und mach noch einen guten eindruck - Balken gut etc.
Das einzige was mich stört ist, dass alle Böden (auch Erdgeschoss ohne Keller) zur Mitte des Hauses hin geneigt sind. Ist das normal? Oder hat sich da was gesetzt? Am Dach sieht man nichts - das ist aber auch neuer...


Danke

Michael



Böden geneigt. ...



... BJ 1700 - das kann durchaus "normal" sein.

Ein wenig detaillierter dürfen Deine Angaben schon noch werden - evtl. auch mit Foto. Wieviel neigt sichs denn? Kannst Du was über den Aufbau mitteilen - etc.

Bei so einer Kaufentscheidung wäre auch interessant, was das Denkmalschutzamt dazu sagt.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de





Hallo,

Bilder hab ich leider keine. Details hab ich folgende:
Fußböden in EG fast eben - würde sagen eine Murmel würde auf glattem Boden gerade so selbst das rollen anfangen.
Im 1. Stock schauts schon anders aus - man sieht auch im EG dass die Decken sich zur Hausmitte neigen. Dort würde ich sagen dass es so 2cm auf 1m sind.
Im Dachboden (zwei-stöckig) scheint wieder alles einigermaßen eben zu sein.
Ein Detail gibts noch: Im 2. Weltkrieg wurde wohl das Nachbarhaus von ner Granate getroffen und ein Teil des 1. Stocks wurde mit weggerissen. Der ist nun mit Ziegeln gemauert.
Denkmalamt hat bisher nur was zur Scheune und der Aussenmauer gesagt - nix zum Wohnhaus (laut Makler).

Z.Zt. kann ich mit dem Haus eigentlich nix anfangen - der Preis ist halt günstig und ich bräuchte die Scheune. Wenn mich aber dann die Kosten auffressen um das Wohnhaus in dem Zustand zu erhalten bringts das dann nicht...

Michl



Die Story vom Nachbarhaus...



... erklärt vielleicht Deinen neueren Dachstuhl.

Für mich wäre die Vorstellung etwas schwierig, ein denkmalgeschütztes Haus zu kaufen, dass ich nicht weiter nutzen will.

So ein Haus verpflichtet und evtl. wirst Du mehr in die Pflicht genommen als es Dir dann recht ist.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Die Durchbiegung ...



von 2 cm/m ist bei alten Holzbalkendecken nicht unbedingt ungewöhnlich. Ich habe bei alten Deckenbalken auf ca. 3,5m Spannweite schon Durchbiegungen von bis zu 5cm in Balkenmitte festgestellt.
Wenn die Decke unterseitig verkleidet ist und die Balkenlage nicht eingesehen werden kann, muss natürlich generell auch mit der Möglichkeit von Balkenbrüchen gerechnet werden.

Die untere Denkmalschutzbehörde würde ich direkt zum Objekt befragen. Die Denkmallisten(z.B. unter www.denkmalliste.org)sind öffentlich einsehbar. Ein Eintragung kann auch dann bereits vorgenommen werden, wenn eine Unterschutzstellung nur geplant ist. Wird es als ein solches eingetragen, erhält der Besitzer darüber einen Bescheid.

Abgesehen davon gibt es auch bei den Gemeinden im Bebauungsplan eventuell die Ausweisung von Denkmalbereichen bzw. Satzungen dazu. Ggf. kann auch bereits die räumliche Nähe Ihres Objektes zu einem Denkmal eine Einschränkung der Nutzung oder Veränderung bedeuten. Dieser Punkt sollte vor einem Immobilienkauf immer pauschal untersucht werden.

Makler sind i.d.R. weder hilfreich noch kompetent.
Da ist eigene Recherche angesagt. Und was nicht schriftlich vorliegt, hat auch keinen Aussagewert.





Hallo,

ich glaub ich hab das nicht genau ausgedrückt. Ein durchhängen sehe ich auch als normal, es ist aber so, dass alle Räume zur Hausmitte hin fallen - also so als ob dort das Haus abgesackt wäre...

Michael



Haus abgesackt...



... also ein Neigen gegen die Laufrichtung der Balkenlage?
Auf was ruht die Balkenlage?
Wie sieht das Fundament aus?

Grüße mal

Frank



Ihrer Beschreibung nach würd ich sagen,



daß das Haus selbst nicht abgesackt ist, denn mMn. würde dann auch der Boden im Untergeschoss nicht eben sein.
Ich hatte hier in Oberfranken vor kurzem einen ähnlich gelagerten Fall, da war die Frage, ob der extrem schräg verlaufende Boden im OG evtl. von einer zu hohen Dachlast und der damit verbundenen Überlastung der Strebenböcke herrührt. Eine Überprüfung der Pfetten und der Dachfläche haben aber ergeben, daß sich da überhaupt nix getan hat. Die Böden wurden von Haus aus nicht waagrecht eingebaut. Ich vermute fast, es ist in Ihrem Fall ähnlich gelagert. Sicherheit bringt da allerdings nur eine Besichtigung vor Ort.
Daß das Haus kurz nach dem Krieg renoviert wurde, kann durchaus was damit zu tun haben, daß die Balken nicht waagerecht laufen.

Gruß Andreas