Bodengrund unter Fliesen in Küche

18.12.2013 nic2810



Hallöchen,

in unserem Fachwerkhaus sind alte Fliesen in der Küche. Mir haben sie ja gefallen, aber mein Freund mag sie nicht und auch der Fussboden ist immer super kalt.

Also sollen sie raus, eine Fussbodenheizung rein und neue Fliesen rein.

Kann uns jemand sagen, (es ist kein Keller unter der Küche), auf welchen Bodengrund wir stossen könnten. Bei Google konnte ich leider nichts finden.

Dankeschön. :-)



Fußbodenaufbau



Auf Baugrund.
Das wird dann wohl Mineralboden bzw.Lockergestein sein, bindig oder nicht bindig.
Vorher könnte unter den Fliesen samt Bettung Auffüllung aus Bauschutt,
Kies, Sand, Kiessand oder gemischtkörnigem Boden liegen.
Damit wäre Ihre Frage zwar beantwortet, ich vermute Sie können damit wohl nicht viel anfangen.
Für Sie wäre sicher der eigentliche Fußbodenaufbau interessant:
Zuerst Abbruch/Aushub bis auf gewachsenen bzw. tragfähigen Boden.
Dann bei Bedarf Neuverlegung von Be- und Entwässerungsleitungen.
Dann Planum herstellen (eine ebene, waagerechte, verdichtete Oberfläche auf dem Baugrund schaffen).
Darauf dann eine Folie als Trennlage.
Darauf eine Sauberkeitsschicht aus Beton, ca. 5-8 cm dick, Oberfläche eben und waagrecht, geglättet.
Darauf dann eine Abdichtung aus Dichtbahn, mineralischer Dichtschlämme oder KMB.
Darauf dann die Dämmung aus XPS, ca. 80 mm dick.
Darauf dann den Heizestrich als Bauteil, bestehend aus Schrenzlage, Heizregister, Zementestrich ca. 60 mm dick.
Dann die Fliesen, ca. 1 cm.
Das macht eine Mindestschichtdicke von ca. 20 cm.
Das wäre Ihre Mindestaushubtiefe. Kann sein das neben dem Mörtelbett für die Fliesen (manchmal wurden Fliesen einfach im Dickbett auf den Baugrund gelegt) so etwas wie Unterbeton mit dabei ist.





ui, das ist aber ausführlich... super vielen Dank.

Damit können wir schonmal was anfangen. Aber was drunter sein könnte, hat uns auch interessiert.

Bin dann echt mal gespannt.

Danke



Die Fliesen...



... wenn möglich bergen, die könne Sie verkaufen oder je nach Zustand wiederverwenden. Sind das Betonfliesen?
Es kommt auch vor, dass die Fliesen direkt im Kiesbett liegen, je nach Zustand des Hauses.
Der beschriebene Fußbodenaufbau entspricht natürlich dem Stand der Technik, man sollte trotzdem die örtlichen Gegebenheiten beachten.



Fußbodenheizung



Jaaa... Google kann halt nicht unter die Fliesen schauen... Auf was man unter den Fliesen trifft wird sich tatsächlich nur durch "Nachschauen" herausfinden lassen. Wenn die Fliesen dem Alter des Hauses entsprechen ist der von Georg Böttcher genannte Unterboden recht wahrscheinlich (dann wäre es aber wohl sehr schade um die Fliesen), ansonsten wäre das ungefähre Jahr der letzten Renovierung ein gutes Indiz um etwas präziser orakeln zu können...

Ein paar Anmerkungen zur Fußbodenheizung:
Grundsätzlich gehört eine Fußbodenheizung nur auf eine Unterkonstruktion, die die durch den erwärmten Boden erhöhten Wärmeverluste adäquat begrenzen kann. Da macht der vom Georg Böttcher dargestellte grundsätzliche Bodenaufbau durchaus Sinn...

Jetzt kommen die "ABER"
Es ist nicht unwahrscheinlich, dass mit einer WW-Fußbodenheizung alleine eine Altbauküche nicht ausreichend beheizt werden können wird. Nach Verifizierung sollten dann entsprechende Maßnahmen überlegt und vorgesehen werden, die den baulichen Aufwand durchaus etwas reduzieren können.

Das einfachste wäre wohl eine elektrische Bodentemperierung im Fliesenbett unter Beibehaltung der vorhandenen Heizung. Dies lässt sich auch auf den vorhandenen Fliesen ausführen, dann muss allerdings mit einem leicht erhöhten Bodenniveau in der Küche gelebt werden. Die Betriebskosten sind zwar höher als bei einer Warmwasser-FBH, das sollte aber aufgrund der geringen Fläche und der Möglichkeit bedarfsorientiert zu heizen zu tolerieren sein. Vorteil ist die geringe Trägheit und die Möglichkeit auch ohne die vorhandene Heizung eine gewisse (Boden-)Wärme zu bekommen (Übergangszeit).

Wenn man eine Warmwasser-FBH von vorneherein NICHT als Alleinheizung auslegt, lässt sich auch einiges einfacher gestalten. Die heizwasserseitige Anbindung kann dann am einfachsten über ein sogenanntes RTL-Ventil sozusagen parallel zum vorhandenen Heizkörper (so denn einer vorhanden ist) realisiert werden, somit entfällt die Notwendigkeit für einen zweiten Heizkreis mit geringerem Temperaturniveau sorgen zu müssen.
Auch bei dieser Bodentemperierung halte ich es für vertretbar, die Dämmung zu reduzieren, gegebenenfalls auch auf dem vorhandenen aufzubauen. Mit einem Höhenversatz ist auch hier zu rechnen.

Wenn dies alles keine Option darstellen sollte und der Untergrund entsprechend vorbereitet werden muss und kann, sollte das dann aber auch gleich richtig geschehen. Bei Schachtungen gilt prinzipiell, dass ohne fachliche Beratung nicht unter die Oberkante der Fundamente gearbeitet werden sollte. Erforderliche Aufbauhöhe lässt sich auch durch "höherwertigen" Dämmstoff mit geringerer Wärmeleitfähigkeit oder/und Griff in den Chemiebaukasten des Estrichlegers reduzieren. Statt 80mm EPS/XPS mit WLG 040 sind auch 50mm PUR WLG 025 denkbar, und der Estrich ließe sich für eine "klassische" FBH bis auf rund 45mm runterzwingen.

Bevor Ihr also, kaum dass der Kartoffelsalat gegessen und die Gänsekeule abgenagt ist, die Küche räumt und den Abbruchhammer schwingt, sollte also erstmal das Ziel definiert werden.

MfG,
Sebastian Hausleithner



vielen Dank



.... erst mal für die tollen aussagekräftigen Antworten. Hat uns alles doch schon sehr weitergeholfen.

Jetzt müssen wir mal schauen, wie wir verfahren, da wir gestern festellen mussten, das in einem Wasserrohr das durch die Küche läuft ein Leck ist. Ok, wir wollten zwar den Boden rausreissen, aber eigentlich wollten wir das erst etwa im Frühling machen. grrrr.

An der Seite hatten wir schon länger eine Feuchte Wand und keiner konnte sich so recht erklären (ist mein Elternhaus und wir wohnen zur Zeit noch zur MIete darin) woher das kommt. Jetzt wissen wir es, nachdem das Wasser in der Küche stand. Wand ist aufgebrochen und über die Feiertage natürlich nix zu machen. So ein sch....

Aber gut, machen wir das Beste draus. Lieber jetzt, als später, wenn alles neu gemacht ist. :-)

LG



Na denn



... läuft doch alles auf die "große" Lösung hinaus...

MfG,
Sebastian Hausleithner