Bodenausgleich Lehmboden im Badezimmer

17.01.2018 Philterkaffee



Ahoi,

ein wiederkehrendes Problem ist ja die Bodenbegradigung.
In meinem Fall geht es um das Vorhaben, in die ehemalige Wurstekammer des Hauses ein Badezimmer einzurichten. Der Boden dort ist ein historischer Lehmstampfboden (vielleicht sogar aus dem Baujahr 1780), der im Erdgeschoß zugleich die Decke bildet. Da wir den Boden aus diesem Grunde gerne erhalten möchten, müssen wir eine geeignete Grundierung schaffen, die sowohl den Boden begradigt, als auch eine Unterlage für Fliesen ist.

Unser erstere Gedanke war Bodenausgleichsmasse. Die Ränder zur Wand hin, und folglich auch vor den Balken, würden wir mit einer Schicht Lehm auskleiden, damit die Ausgleichsmasse keinen direkten Kontakt zum Holz hat (und dieses folglich noch atmen kann). Dann gössen wir die Ausgleichsmasse aus und würden darauf dann die Fliesen legen.

Weil aber die Faustregel beim Fachwerkhaus ist, daß alles diffusionsoffen sein muß, störe ich mich etwas an diesem Plan. Andererseits werden die Fliesen natürlich nicht aus offenporigem Ton bestehen, also auch nicht atmen.

Wie seht ihr das? Kann man das so machen, oder handelt man sich dann langfristig einen Bauschaden ein? Was wäre eine gute Alternative?

Mit besten Grüßen!

Mein erster Beitrag :-)



Badeinbau



Warum wollen Sie das der Boden "atmet"?
Was stellen Sie sich darunter vor?

http://ingenieurbüro-böttcher-asl.de/fussboeden.html



Boden



Hallo,

mit der Ausgleichsmasse baue ich ja gleichsam eine Dampfsperre ein, die einen bisher vollständig diffusionsoffenen Boden abschließt. Ferner wird dort ein Bad eingebaut, was mit erhöhtem Feuchtigkeitsaufkommen "von oben" einhergeht. Wie gesagt besteht der Boden aus einem Holzgerüst, das beidseitig von Lehm umschlossen ist. Von unten, also als Decke, ist weiße Wandfarbe aufgebracht (Fundzustand).

Meine Sorge ist, daß der Holz-Lehmboden durch die Ausgleichsmasse (Dampfsperre) langfristig Schaden nehmen könnte.

Meine Überlegung ins Blaue ist, daß eine diffusionsfähige Alternative zur Ausgleichsmasse möglicherweise die Situation verbessert, da eventuelle Feuchtigkeit von unten nicht an der Dampfsperre und damit nur im Lehm "hängen bleibt", sondern erst an den Fliesen, und damit im Estrich, aufgehalten wird.

Ferner muß ich damit rechnen, daß früher oder später durch irgendwelche Haarrisse Feuchtigkeit auch von oben an der Wandkante eindringen könnte, mit ähnlichen Folgen wie oben.

Beste Grüße!



Badezimmer-Boden



Wenn sich unter dem Bad ein kühlerer Raum befindet ist eine Dampfbremse unter dem Badezimmer-Bodenbelag durchaus von Vorteil,
um die Feuchtebelastung der Decke zu reduzieren.

ZB auf den Lehmboden eine Folie auflegen, darüber Schüttung zur Nivellierung und dann Trockenestrich mit Abdichtung und Fliesen.

Wie sieht der Wandaufbau aus?
Der Anschluß der Feuchtigkeitssperre muß geklärt werden.

Fotos helfen weiter

Allerdings ist auch im Bad ein Holzdielenboden möglich und ggf kann auf die Abdichtung verzichtet werden.

Andreas Teich



Fußbodenaufbau



Verstehe ich das richtig, es geht NICHT um das Erdgeschoss sondern das Bad soll ins Obergeschoss auf eine Holzbalkendecke?
War diese "Wurstekammer" eine Räucherkammer?
Was für ein Raum (Nutzung) wird sich UNTER dem Bad befinden?



Fußboden und Decke



Hallo,

ja, die Kammer befindet sich im 1. OG. Sie bildet im EG einen kleinen Teil der Decke des L-förmigen Wohnzimmer/Eßzimmer/Küchen-Bereichs. Wenigstens im Sommer ist es im EG auch konstant merklich kühler als im OG.

Die Wände bestehen aus alten Lehm-Stroh-Füllungen, die auf (Weiden-)Zweiggeflecht aufgebracht ist. Da die trotz des vermutlich hohen Alters bombenfest sitzen und auch sonst gut in Schuß sind, werden wir sie erhalten. Im Spritzwasserbereich sollen die Wände verputzt und gekachelt werden. Im vorderen Raumteil bleibt das Fachwerk sichtbar, die Lehmfüllungen erhalten einen Oberputz.

Geräuchert wurde dort meines Wissens nicht, sie diente als unbeheizte Kammer zum Abhängen von Mettwurst.

Mit besten Grüßen!



Badeinbau



Gut, dann ist der Fußboden kein Brandschutzestrich aus Lehm, wahrscheinlicher ist er aus Anhydrit. Ich vermute er ist Kreuz und quer gerissen und sehr uneben, hat aber eine geglättete Oberfläche.
Den Deckenaufbau sollten Sie genauer ermitteln, vor allem die Bauart des Estrichs. Auf Dachböden wurden solche Gips- und später Zement- oder Steinholzestriche direkt auf die Lehmfüllung des Einschubs aufgebracht um eine leicht zu reinigende mäusesichere Lagerebene für Getreide und andere Güter zu erhalten. Der Brandschutz spielte dabei auch eine Rolle.
Gehe ich also richtig in der Annahme das es sich um einen nicht ausgebauten Dachboden handelt?
Ist das Dach erneuert und gedämmt?
Lehmestriche im Dachgeschoss gab es nicht, die stauben zu sehr da die Oberfläche schnell erodiert wenn sie austrocknet.

Solche Wände sind mit Putzbekleidung machbar, aber aufwändig. Außerhalb des unmittelbaren Spritzwasserbereiches kann man mit Lehmputzen arbeiten. Im Spritzwasserbereich, da wo gefliest wird, empfehle ich das nicht. Nehmen Sie stattdessen als Oberflächen feuchteresistente Trockenbauplatten wie Aquapaneel oder Wedi, die bringen gleichzeitig auch eine gewisse Wärmedämmung. Für nur temporär genutzte Räume wie ein Bad von Vorteil.
Wie die Platten zu montieren sind, wie der Fußbodenaufbau- die eigentliche Herausforderung- aussehen wird kann ich Ihnen bei der dürftigen Informationslage nicht schreiben. Wenigstens ein paar Fotos sind erforderlich und Angaben zur Nutzung der benachbarten Räume. Sie merken ja selber an meinen Fragen das ich hier mehr Wahrsager spielen muß als mir Vorschläge zum Ausbau zu überlegen.
So hat mich der Begriff "Lehmboden" vewirrt. In meinem Sprachgebrauch ist das eine Bodenart, ein geotechnischer Begriff. Den verwendet man um den Untergrund bzw. den Baugrund zu beschreiben.



Alles Quatsch mit Soße...



...wenn ich das jetzt mal hier so beginnen darf.
Fliesenboden auf solch einer Decke: kann tödlich sein!
Erst letztes Jahr hatten wir ein ähnliches Problem zu lösen.
Ist eure Tragkonstruktion eine Holzbalkendecke oder eine masive Unterkonstruktion?
Hier kann man mit wenig Aufwand einen schönen Holzboden einbauen und vollflächig darunter mit Lehmschüttung einen harmonischen Ausgleich herstellen.
Sogar eine Fußbodentemperierung ist da möglich.
Bilder von so etwas habe ich natürlich.
Einfach mich mal anmailen.