Bodenaufbau von Grund auf

15.02.2019 Nedde



Liebe Fachwerkenden,

wir haben in allen Häusern hier auf der Insel Lanzarote (Kanarische Inseln) gravierende Probleme mit Feuchtigkeit (dazu hatte ich schon ein paar Fragen gestellt). Das liegt sicher a) am sehr salzhaltigen Sand, der hier für Mörtel und Putz verwendet wird und b) an den porösen und hydrophilen Lavasteinchen (zu vergleichen mit Seramis), die man hier in den Zement mischt oder unter die Böden als Nivellierschicht streut.
Nun wollen wir bei der Restaurierung des alten Hauses nicht päpstlicher als der Papst werden, aber doch diese mutmaßlichen Fehler vermeiden. Wir kaufen (teuer, da aus der Ferne importiert) salzfreien Sand und mischen ihn mit Kalk (NHL 3,5) zu Wandputz (bzw. Mörtel zum Ausbessern). (Hat jemand eine bessere, günstigere Idee? Her damit!) :)

Den alten Boden (Lavasteinchen, darauf Zement und darauf PVC-Boden) haben wir bis zur Erde abgetragen und würden ihn klassisch aufbauen wollen:
1) als "kapillarbrechende" Schicht (und um Höhe zu bekommen): 15 cm Kies
2) Dachpappe
3) Zement
4) Fliesenkleber und Fliesen

Problem: Es gibt hier keinen Kies, sondern tatsächlich nur diese Lavasteine oder Kalksteine, die vermutlich auch das Wasser anziehen. Doch ist es wirklich nötig, eine solche Schicht einzubringen oder würde die schnöde Dachpappe als Kapillarbrecher schon reichen? Ich fürchte mich davor, die Lavasteine zu verwenden, da die wirklich extrem (!) die Feuchtigkeit aus dem Boden anziehen ...

Über Ideen, Ratschläge, Nachfragen und Verbesserungsvorschläge jeder Art (!) freue ich mich sehr!
(Bitte nur keine Enpfehlungen zu teuren Markenprodukten, die gibt es hier sowieso nicht zu kaufen und wenn, zu horrenden Preisen!)

Vielen Dank im voraus, Nedde



Bodenaufbau



Wie sähe es mit einem Trockenaufbau, etwa mit Trockenestrichplatten aus? Gibt es die auf Lanzerote? Wie wird denn das problem in den anderen Häusern gelöst. Ich kann mir nicht vorstellen, dass alle mit einem nässebelasteten Boden leben, war schon auf La Palma und konnte das problem dort nicht feststellen. Es muss dort doch Beton geben?



@Pope



Pope schrieb: "Wie sähe es mit einem Trockenaufbau, etwa mit Trockenestrichplatten aus?"

--> Nicht zu bekommen ... (und vermutlich auch ganz schön teuer, oder?)


Pope schrieb: "Wie wird denn das problem in den anderen Häusern gelöst."

--> Man streicht jedes zweite bis dritte Jahr die Wände, wenigstens die Sockel - kein Witz! Auch heute noch werden einige Häuser ohne Horizontalsperre gebaut , da sind Feuchte Wände und schimmelnde Kleiderschrankinhalte vorprogrammiert. Viele verwenden wasserabweisende (Plastik-)Farben oder Rigipsplatten, um die Feuchte auszusperren, was natürlich nur Kosmetik ist, denn so steigt das Wasser nur noch höher in die Wand und schädigt die Mauern.
Kalkputz ist ein erster Anfang, den aber nur ganz wenige "Ökos" verwenden, da teuer und schlecht zu kriegen. Mischt man den Kalk dann mit Sand von der Insel – der stark salzbelastet ist – gehen vermutlich weitere gute Eigenschaften des Kalks verloren, weswegen wir davor stehen, gewaschenen Sand vom Festland zu importieren – ein nahezu unbezahlbarer Spaß. Doch zieht Salz nicht Wasser an?

Pope schrieb: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass alle mit einem nässebelasteten Boden leben, war schon auf La Palma und konnte das problem dort nicht feststellen. Es muss dort doch Beton geben?"

--> Beton gibt es. Auch der allerdings salzbelastet, da mit Sand (vom Strand) und Kies von der Insel gearbeitet wird.
Das Problem ist ja, dass die Nässe vom Boden in die Wände drängt. Und je mehr Wasser angezogen wird, desto mehr Wasser wird auch zu den Wänden transportiert, oder liege ich da falsch? Meine Vorstellung ist, dass wenn das Wasser möglichst tief im Boden bleibt, der Feuchtigkeit auch weniger Angriffsfläche bei den Wänden bleibt ... Wenn das Blödsinn ist und gut verklebte Dachpappe als Trennung zum Boden reicht, wunderbar!

Im Grunde genommen haben wir 30 cm Platz für einen Boden ...



die mischung machts..



Moin ..
Ich vermute mal,was anderes bleibt einem ohne foto´s nicht übrig, das die sogenannte Salzblastung in Putz und Mörtel einfach daher rührt das der Mörtel Zuviel Feinkorn und Nullanteil enthält weil ein zu Fein eingestellter Mörtel halt viel schneller gesättigt ist als ein Grobkörniger Putz mit gesunder Sieblinie..


und warum könnt ihr euren Putzsand nicht selber Waschen???und sieben natürlich auch??,so mal die Theorie wenn ich mit Leitungswasser oder Regenwasser meinen Sand spüle so bringe ich das Salz in lösung und spüle es Hinfort,das auch der neue Mörtel irgendwann wieder "Satt "ist liegt halt an der Wohnlage im Salzigen Küstenklima,dem Kann man nur entgegenwirken durch die Wahl der Richtigen Baustoffe
..Bei salzbelastetem Bodenberührenden teilen hätte man wahrscheinlich mit Romankalk und der richtigen Mörtelmischung auch noch die Kapilarität ausbremsen können ,aber wie gesagt alles nur so´n gedanke dazu..
aber das liesse sich genau wie die Bodenplatte eigentlich nur im Neubau wirklich gut umsetzen..

greets Flakes..



@Flakes



Was für Fotos brauchst Du? Ich schiebe gleich mal ein paar Bilder von den halb und voll abgeknabberten Wänden hoch ...

Zum Nullanteil, google, google ... Okay. Das ist durchaus möglich, dass das Zeug zwischen den Steinen zu fein ist, denn den "Mörtel", den man früher zum Bau der Mauern verwendete, war Lehm, bzw. Erde mit hohem Lehmanteil, der staubt, wenigstens wenn er trocken ist, ordentlich. Außen herum, also beim Putz, hat man dann mit Kalk gearbeitet, die Körnung des hiesigen "Strandsands" kann ich Dir allerdings nicht nennen und die hiesigen Baustoffhändler auch nicht. Sand halt ... Wir würden uns halt jetzt an die Angaben vom Kalkhersteller halten, dann dürfte nichts passieren, oder?

Romankalk hört sich gut an, ist hier leider nicht erhältlich. Wir müssen nehmen, was wir kriegen können, und da bleibt uns nur NHL 3,5 oder NHL 5 oder schnöder Luftkalk. Zudem wir große Mengen benötigen bei knapp 750m² Wand. Deswegen ist meine Motivation, ca. 20 Tonnen Sand selbst zu waschen ...nun ... auch ... eher gering ;)



Nahaufnahme Wand



Hier sieht man den Lehm, ein bisschen Putz und Ausblühung von einem abgeknibbelten Stück Mauer.



Nahaufnahme Wand



.. und hier noch mal der Putz aus der Nähe. Hilft das?



Und hier noch mal etwas mehr Wand zum gucken.



Mehr? ;)



bodenaufbau



ich hatte es so verstanden, dass es um den Bodenaufbau geht. Die Wände wären nochmal ein anderes Thema, wobei diese Maßnahmen wahrscheinlich vor Ort entschieden werden müssen, auch kann ich von hier aus die Saugfähigkeit des Lavagesteins nicht einschätzen. Ist denn das Erdreich ums Haus so nass und der Grundwasserspiegel so hoch, dass die Wand soviel Wasser saugt? Sind die ersten 2 Fotos von außen? Wie hoch liegt denn das Fußbodenniveau innen gegenüber dem auf dem letzten Foto sichtbaren Außengelände?
Zurück zum Boden: Unter dem Punkt "Lesestoff" hat Georg böttcher PDF-Dateien verfasst, in denen detailliert beschrieben wird, wie ein Bodenaufbau gegen Erdreich funktionieren kann. Die Sauberkeitsschicht aus Beton könnte auch mit salzbelastetem Kies hergestellt werden, die Abdichtung gegen Feuchte übernimmt dann die Bitumenbahn, die an den Wänden bis OK Fertigfußboden hochgezogen wird. So bleibt die Feuchte unter der Abdichtung, die Salze in Lösung und es kommt nicht zum Ausblühen.
Achso, was für Sackware, also Werktrockenmörtel führen denn die Baumärkte auf Lanzarote ?



@Pope



Ja, es geht tatsächlich um den Bodenaufbau, ich bin aber auch (wie geschrieben) dankbar über alle Infos, die ich rundherum bekomme.

POPE schrieb:
Ist denn das Erdreich ums Haus so nass und der Grundwasserspiegel so hoch, dass die Wand soviel Wasser saugt?
--> Das Erdreich müsste eigentlich – Entschuldigung – furztrocken sein, es regnet eher selten hier. Ich schiebe deswegen alles auf die fehlende Horizontalsperre und hygroskopische Feuchte, denn drängendes Wasser gibt es hier null. Nicht mal Grundwasser.

POPE schrieb:
Sind die ersten 2 Fotos von außen? Wie hoch liegt denn das Fußbodenniveau innen gegenüber dem auf dem letzten Foto sichtbaren Außengelände?
--> Die Wände sehen innen wie außen vermutlich gleich aus. Wir haben bislang "nur" den Putz innen und im offenen Patio abgeschlagen. Den Patio kann man also als "außen" bezeichnen.
--> Das Bodenniveau nach dem Herausnehmen der Fußböden (Zement, ("Seramis"-)Lavasteinchen & Co.) liegt nun etwa 20 cm unter dem Außenniveau.

POPE schrieb:
[...] Georg böttcher PDF-Dateien [...] die Abdichtung gegen Feuchte übernimmt dann die Bitumenbahn, die an den Wänden bis OK Fertigfußboden hochgezogen wird.
---> Das Problem ist, dass wir mit der Bitumenbahn nicht unter die teils 60-cm-starken Wände kommen. Mein Gedanke hierzu war, dass wenn wir einen Boden unter der Bitumenbahn aufbauen, der (durch Salz und anschließendem Kapillareffekt) Wasser anzieht, DAS VORHER NICHT VORHANDEN WAR, eben dieses Mehr an Wasser in die Wände gelangt. Ich hoffe, ich drücke mich einigermaßen verständlich aus. Und blüht’s eben doch, oder?

POPE schrieb:
Achso, was für Sackware, also Werktrockenmörtel führen denn die Baumärkte auf Lanzarote ?
--> Mörtelfertigmischungen gibt es hier einige, nur können wir sie uns aufgrund der Menge und unseres Kontostandes nicht leisten. ;)


Wir haben gerade einen Baustoffhändler entdeckt, der "Balasto" verkauft, das ist Sand/Steinchen in der Granulometrie 40 bis 150 mm ... Ich hörte mal: "Je größer die Steine, desto geringer der Kapillareffekt." Blödsinn, oder eine Idee für die unterste Schicht?


Vielen, vielen Dank!



Bodenaufbau



also zum Wandaufbau:wenn alles furztrocken ist, woher soll dann das kapillar aufsteigende Wasser kommen? Es handelt sich also vor allem um hygroskopische Feuchte, die durch den Salzgehalt des Mauermörtels, entsteht. Damit wird man leben müssen.
Zum Boden: zuerst muss eine ebene Fläche mit Beton auf den Untergrund aufgebracht werden. Die muss nicht stark sein, 5-6 cm sollten reichen. Über Lehren In Waage sauber abziehen. Nach dem Aushärten die Abdichtung aus Bitumenschweißbahn o.ä. aufschweißen. Diese Lage innen an den Wänden hochziehen. Sie muss nicht unter das Fundament bzw. die Mauer geführt werden. Damit ist der Boden gegen aufsteigende ( falls die auftritt bei furztrockenem Untergrund) geschützt. Dann den gewünschten Fußbodenaufbau machen. Dies könnte auch mit heimischen Baustoffen passieren, wenn die Fliesen drauf sind, kann keine Feuchte mehr in den Aufbau gelangen, weil von unten die Bitumenbahn liegt, von oben die dampfdichten Fliesen drauf sind und an der Seite die Bitumenbahn bis OK Fliesen hochgezogen wurde. Die Fugen sollten mit "sauberem " Mörtel gemischt mit 0-8 Sand verfugt werden. Kapillarität funktioniert nur von der gröberen Dichte zur feineren Dichte, also stellt der grobe Mörtel eine natürliche Barriere gegen Feuchte dar. Was kostet denn der Sack (wieviel Kilo) Putz-und Maurermörtel ?



@Pope



Okay, ich hab mich dumm ausgedrückt, ich meinte, dass das Erdreich eigentlich trocken sein sollte, da es hier nie regnet, aber es doch ein bisschen feucht ist. Aber eben nicht nass. Keine drückende Nässe, kein Fluss in der Nähe, keinerlei Grundwasser. Gräbt man, wird es etwas feucht.
Seit wir die Wände vom Zement um dem Putz befreit haben, sind die jedenfalls furztrocken ;)

Pope schrieb:
Es handelt sich also vor allem um hygroskopische Feuchte, die durch den Salzgehalt des Mauermörtels, entsteht. Damit wird man leben müssen.

--> Ich gehe mittlerweile auch davon aus, dass das die Hauptursache ist. Habe immer gehofft, dass es eine andere Ursache gäbe, denn das bedeutet jetzt, dass wir tatsächlich Sand importieren müssen. Das kostet. Aber ist jetzt so.


Pope schrieb:
[...] zuerst muss eine ebene Fläche mit Beton auf den Untergrund aufgebracht werden.

--> Also keine Kiesschicht unter die Dachpappe? So zum Nummer-sicher-gehen?
(Das mit dem grobkörnigen Mörtel ist noch ein sehr guter Tipp!!!)


Pope schrieb:
Was kostet denn der Sack (wieviel Kilo) Putz-und Maurermörtel ?

Der fertig gemischte Mörtel würde 7 € pro 20 kg kosten. Hört sich nicht viel an, wird in der Menge aber leider teurer als den Sand zu importieren. Alles schon nachgerechnet ;)



Nein,



keine Kiesschicht unter die Abdichtungsebene. Wie wollen Sie denn die Schweißbahn auf den schaftkantigen Kies oder eben Schotter kriegen, ohne sie zu beschädigen. Die Betonschicht nennt sich auch Planum, weil sie einen ebenen Untergrund für die Abdichtungsebene bildet. Das Planum liegt bauphysikalisch im Außenbereich der Hülle, da Beton wasserfest ist, kann es keine Probleme geben. Zum weiteren Verständnis und für Details empfehle ich Ihnen wärmstens unter dem Menüpunkt "Lesestoff" die PDF Dateien von Georg Böttcher zu lesen, dort ist alles mit Hintergrundwissen dazu ausgeführt.