Bodenaufbau altes Haus / Kappendecke

25.07.2018 passepartout



Hallo,
ich bin neu hier und habe mich bisher als Leser im Forum viel informiert. Habe schon viel herausgefunden aber dennoch eine Frage.

In meinem Haus (BJ 1936) habe ich im EG (unterkellert) den alten Boden herausgenommen, da der Parkettboden schon mehrfach geflickt war und vom Holzwurm zerfressen. Hab dann auch die 3,5t Schüttung (Schlacke) rausgeholt.
Nun sieht mein Boden (ich denke Kappendecke !?) so aus wie auf den Fotos. Möchte also nun den Boden aufbauen und habe hier eine Marge insgesamt von 12 bis 14 cm bis Fussbodenoberkante (Boden ist sehr uneben und an Stellen bröckelig... insgesamt aber eben mit den Stahlträgern), und da die meisten von euch hier im Forum von wesentlich höheren Margen sprechen, weiß ich nicht ob das für mich ein Vorteil oder eher Nachteil ist .

Taugt folgender Aufbau?
Holzdiele (15 bis 21mm)
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Unterlattung 40 mm (Ziwschenräume mit Knauf Isoself verfüllen)
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Dämmplatten 30-40 mm (je nachdem wie dick die erste Ausgleichsschicht ist
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Folie
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Ausgleichsbeton (2-4cm)

Der Raum ist recht groß (6,75m x 4,92m) vollständig unterkellert. Die Stahlträger laufen Quer über die Länge von 4,92m, Abstand ist unterschiedlich bei 97cm bis 110cm. Seit ich den alten Aufbau herausgenommen habe vibriert das Ganze auch unschön. Würde also gerne bald mit dem Aufbau anfangen um wieder Gewicht drauf zu bekommen...

Learning by doing :-) ich hab jetzt schon so einiges gelernt in den letzten 9 Monaten aber die Komplexität des Bodenaufbaus wird mir erst nach und nach bewusst... wie gut dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist. Ich bin um jeden Tip dankbar.

Julien



Decke



Huhu,

ich antworte dir mal als absoluter Laie, der aber einen ähnlichen Boden vorgefunden hat!

Die Felder zwischen den Trägern sind aus Beton und nicht gemauert richtig? Und ohne Gewölbe sondern scheitrecht?

Wie war der Aufbau bislang?
Bei uns gibt es auch ne scheitrechte Kappendecke, darauf lagen quer zu den Stahlträgern lose Lagerhölzer/ Holzbalken, dadrauf dann raumlange Dielen. Zwischen den Balken ist - tja - Staub, Dreck, Schlacke...
Wir haben den Aufbau in allen Räumen so belassen - hat ja jetzt seit knapp 100 Jahren gut funktioniert ;-)

Im Badezimmer wollten wir Fliesen - beim ursprünglichen Plan, „einfach Estrich draufzukippen“ um dann zu Fliesen hat der Statiker kurz Herzflattern gekriegt. Daher haben wir nen Aufbau aus gebundener Schüttung, dadrauf XPS/Styrodur, dadrauf Fermacell Powerpanel Trockenestrich, dadrauf Fliesen.
Aufbauhöhe hätten wir wie man sieht dann auch mehr als genug.

Achso - und vor der ganzen Aufbau haben wir eine „Dichtschlämme“ (keine Ahnung ob’s da ne korrekte Bezeichnung für gibt) auf die Kappendecke gegeben. „Rezept“ war hier aus dem Forum.



Bodenaufbau altes Haus / Kappendecke



Danke dir für die Antwort.
Ja, zwischen den Trägern ist Beton, nicht gemauert. Und von unten ... kein Gewölbe.
Unser Aufbau war so ähnlich wie du deinen beschreibst, Wobei bei uns die Holzbalken auf der Hälfte der Fläche längs, auf der anderen Hälfte quer zu den Stahlträgern verliefen (somit auch das Parkett obendrauf in zwei verschiedene Richtungen, waren vorher zwei Räume und jetzt ist es ein Raum).



Decken brauchen Last



Auch ein Scheitrechtes ist im gewissen Sinn ein Gewölbe und Sie merken es ja selbst wie es vibriert. Also wieder Masse rein. Wenn Sie schon mal alles raus haben, Streichen Sie die Träger mal durch. Entweder Beton 6 - 8 cm oder was spricht gegen die alte Schüttung, durchsieben und gut, rein abziehen Folie drüber und dann z. B. Pavatherm (http://www.pavatex.ch/de/produkte/boden-holzfaser/pavatherm-profil/)oder ähnliches, und dann Diele mindestens 22 mm wenn möglich 24 mm.
Mit freundlichem Gruß
Michael Schmidt



Decken brauchen Last - 2



Hallo Herr Schmidt,
Danke für Ihre Antwort! Die alte Schüttung habe ich bereits entsorgt. Das waren insgesamt 3,5 m³ (Ja, im Nachhinein hätte ich sie vielleicht tatsächlich besser behalten, war ne Menge Arbeit.) Der Tipp mit den Holzdämmplatten ist interessant! Das Material schaue ich mir mal genauer an.

Ein Architektenfreund hat mir zu folgendem Aufbau geraten:
- Diele (mind. 22mm)
- Unterlattung
- OSB-Platten
- Ausgleichsschüttung (Perlit)
Das Ganze ohne irgendeine Folie dazwischen.

Mit einem angesehenen Estrichleger der Region habe ich die Tage einen Termin auf der Baustelle. Bin mal gespannt was er sagt.



Sand tut es auch



Machen Sie den Aufbau nicht so schwierig, entweder Folie dazwischen oder ein Teil Sand drunter als Trennschicht. Wenn Sie mal den Feuchtigkeitsdurchgang im ml berechnen, werden Sie feststellen, wie gering der Anfall ist. Der kann aber nach allen Seiten raus. Folie dazwischen ist toll, solange es funktioniert. Ich weiß, alle Theoretiker schlagen jetzt die Hände über den Kopf, weil Herr Glaser und Nachfolger da was anderes rausbekommen haben. Der Estrich muß minimal 4 cm stark sein, Eigenfestigkeit. Fertigteile werden genommen, damit die Trocknungsphase und damit die Zeit der erhöhten Feuchtigkeit vermieden werden kann, und hat sicher auch an vielen Stellen seine Berechtigung. In dem Falle würde ich es nicht einsetzen, weil ich nicht weiß, ob die Scheibenwirkung, Lastverteilung, auf die gesamte Decke, ähnlich ist, wie beim Estrich.
Aber eigentlich ist es schon besser, das ein Fachmann (z.B. Estrichleger) vorbeischaut. Nichts gegen das Forum, sonst würde ich ja hier nicht schreiben, aber manchmal werde ich das Gefühl nicht los, das uns jemand sein Herz mit der Post schickt und nachfragen läßt, ob er noch zu heilen ist. Ich will damit ausdrücken und das betone ich ja an vielen Stellen, so viel Mühe sich beide Seiten auch geben, man kann nicht alle Komponenten beurteilen, die vor Ort eine Rolle spielen können.
Mit freundlichem Gruß
Michael Schmidt



Internet-Doktor



Hallo Herr Schmidt,

danke für die Antwort!

Klar, das ist auch nichts anderes wie Internet-Doktor: man sucht ausgehend von den vorhandenen Symptomen (bei deren Einschätzung man nicht immer richtig liegt!) nach der passenden Behandlung im Internet :-) .... und geht dann doch am besten zum Arzt (mein Estrichleger).

Immerhin weiß ich jetzt:
- Gewicht drauf bringen! (Sand oder Beton)
- Dämmung
- Holzboden

Danke & Grüße
Julien Robichon