Boden und Deckensanierung Altbau 1890

03.11.2015 Micha1982



Moin Moin ins Forum,

habe ein vor kurzen ein kleines Häuschen erworben und möchte nun vernünftig sanieren. Das Haus ist unterteilt in Altbau 1890 und Anbau 1978. Ich habe den Altbau soweit entkernt und so ziemlich alle Schandtaten beseitigt. Dazu gehörten: Gipskarton an den Außenwänden mit Dampfsperre absolut dicht gemacht. Laminat auf alten Dielenböden.

An die Wände werde ich Sanierputz machen. Denke hier bin ich gut beraten. Diese sind unten ein bisschen feucht gewesen. Allerdings nur von innen bedingt, durch den RiGips. Beim Bodenaufbau im Altbau werfen sich mir noch Fragen auf.

Ich habe die ganze Zeit auf mich einreden lassen, dass ich eine Betonsohle gießen soll, Dämmplatten und Estrich.
Nun war der Boden unterlüftet und der Sand, oder die Schlacke, unter den Dielen ist relativ trocken. Unter dem EG ist dann normaler Boden. Am liebsten möchte ich einen diffusionsoffenen Boden haben. Meine Idee war Split, den verdichten, dann Lattung und geölte Dielen. In den Fächern soll dann Knauf Siliperl geschüttet werden.

Was sagen die Profis hier? Kann man das so machen. Ich möchte gerne auf Bitumen und diffusionsdichte Beläge verzichten. Ich denke die Hütte muss atmen. Ich habe Grundwasser auf 12m Tiefe.

Wenn ich einen diffusionsoffenen Boden habe, wie mache ich dann nach oben weiter? Wollte Gipskarton an die Decke und die das OG auch mit Schüttung auffüllen und eventuell oben auch Dielen.

Wäre für hilfreichen Rat sehr dankbar. Möchte später nicht mit Wasser kämpfen müssen. Weder im Mauerwerk noch im Boden.

Beste Grüße

Micha



Wand- und Bodensanierung



Bei den Wänden könntest du noch den jetzigen Aufbau mitteilen.

Boden würde ich ggf tiefer graben.
Dann verdichten und nur eine dünne Estrichschicht aufbringen- Stärke je nach Untergrund und Belastung.
Darüber sollte doch immer eine Feuchtigkeitsabdichtung verlegt werden, zB Bitumenbahnen oder besser EPDM Folie in einem Stück und an den Rändern bis Oberkante Fußboden hochziehen.
(Der Untergrund könnte auch mit Sand nivelliert werden und unter die Kanthölzer zur Druckverteilung Betonplatten oä. legen.)
Dann Kanthölzer aus KVH Verlegen und dazwischen mineralische Dämmschüttung einbringen oder Zellulose, Hanf, Holzfaserplatten etc.
Darauf geölte Dielen verlegen.

Andreas Teich



Sanierungsplanung



Warum wollen Sie Sanierputz an den Wänden aufbringen?
Warum wollen Sie einen diffusionsoffenen Boden haben?



Boden



Moin,

vielen Dank schon mal für die Antworten.

@ Andreas: Im Schreibewahn habe ich das völlig vergessen mit den Wänden. Der Altbau steht auf einem Streifenfundament aus Feldsteinen. Darauf sind dann normale gebrannte Steine mit Mörtel. An den Wänden befindet sich Putz aus Kalk Gips? was damals so üblich war. Zum Teil ist der lose, zum teil fest. Den losen Putz habe ich beseitigt, der feste kann eigentlich bleiben. Eine Horizontalsperre kann ich leider nicht erkennen.

Wenn du schreibst, Estrich - Bitumen, habe ich ja am Ende eine Sperre. Führt das nicht zwangsläufig zum Ausweichen des Wassers ins Mauerwerk?

@ Herr Böttcher: Ich habe natürlich mich vorher befragt und viel gelesen. Nun sind das aber nur begrenzte Meinungen und daher habe ich hier nachgefragt um noch andere Meinungen zu hören. Sanierputz möchte ich um die ggf. noch Restfeuchte im Raum regulieren zu können und Schwitzwasser vorzubeugen. Ebenfalls verspricht der Putz natürlich das Raumklima gut regulieren zu können. Den diffusionsoffenen Boden möchte ich eigentlich so ziemlich aus dem gleichen Grund. Der Boden war ja vorher unterlüftet. Wenn ich diesen jetzt dicht mache, habe ich Angst an anderer Stelle Probleme zu erhalten, die da jetzt noch nicht sind. Die Steine unter dem Putz sind trocken. Ich hatte bis jetzt nur Probleme mit der Dachentwässerung. Da ist das Wasser einfach an die Wände gelaufen. Diese wird natürlich im Rahmen der Dacherneuerung mit gemacht.



"atmen" und "diffusionsoffen"



werden bald zu den "Unwörtern" des Forums.

Atmen kann und soll ein Haus nicht und diffusionsoffen soll ein Bauteil sein, wenn man mit einer nicht vermeidbaren Feuchtigkeitsbelastung rechnen muss, die durch Diffusion wieder abgegeben werden soll.

Für einen Fußboden auf dem gewachsenen Boden trifft beides nun gar nicht zu.

Das Ziel ist doch, dass das Bauteil trocken ist.
Idealer Weise wird es so gebaut, dass es erst gar nicht feucht wird. Das ist bei einem Boden mühelos möglich.

Hierzu gibt's im Forum sicher eine dreistellige Anzahl ähnlicher Fragen und Antworten.

Das man erst den Feuchtigkeitseintritt aus dem gewachsenen Boden ermöglicht um dann die Feuchtigkeit per Diffusion im ganzen Haus zu verteilen ist vollkommen kontraproduktiv.
Auf der anderen Seite ist der Eintritt von feucht warmer Luft aus einem beheizten Wohnraum oder im Sommer in einen kalten Fußbodenaufbau nahezu obligat mit Kondensat verbunden.
Das kann man jeden Morgen auf der Wiese sehen oder ersatzweise im Keller, wenn man im Sommer die Fenster offen lässt.

So ein historische Fußbodenaufbau funktioniert natürlich auch, aber der ist nicht umsonst belüftet gewesen, deswegen leider auch fußkalt und energetisch eine Katastrophe.

Der Sanierputz heisst nicht so weil man damit unbedingt sanieren soll. Er ist dafür gedacht, über einen begrenzten Zeitraum an der Wand zu bleiben, um ein Problem zu lösen, dass die Verwendung klassischer Putze ausschließt,
z.B. Salzbelastungen aufzunehmen.
Der Clou ist, dass der Sanierputz im Allgemeinen irgendwann wieder runter muss und euch recht teuer ist.
Das sind Eigenschaften, die die großzügige Verwendung in einem Sanierungsprojekt eigentlich ausschließen.

Zur Decke kann man gar nichts sagen, solange man nicht weiß, wie der Aufbau jetzt ist und wie die angrenzenden Räume genutzt werden sollen.

Gruß

GE

p.s.

Schwitzwasser kann man durch einen speziellen Putz nicht vermeiden, das entsteht in Abhängigkeit von den Temperaturen und der Feuchtigkeit auf jeder Oberfläche. Lediglich die Verteilung in der Wand und die Rücktrocknung wird man beeinflussen.
Da sind die klassichen Putze sicher nicht schlecht, insbesonder auch der Lehmputz.
Es wäre sehr viel sinnvoller, Schwitzwasser zu vermeiden, in dem man so wenig wie möglich Feuchtigkeit einträgt, gut heizt und nach möglichkeit dafür Sorgt, dass die Wandoberfläche warm ist. Z.b. durch Dämmung oder Wandheizung.
Wenn bereits jetzt die Wand trocken ist und nur die Oberfläche feucht, erscheint mir das am sinnvollsten.



Vielen Dank für die ehrliche Antwort :-)



Also für mich kann das heißen, normalen Knauf Golband an die Wände, weil Salzbelastungen habe ich an keiner Stelle im Haus.

Und einen normalen Bodenaufbau kann ich auch machen (was zu allererst mein Favorit war)

Zumal es sich tatsächlich nur um 2 Zimmer handelt 2x 20qm der Rest. Der Sand ist trocken, die Wände auch. Zwischen den beiden Räumen befindet sich ein Flur, dieser ist bereits gegossen. Der Flur grenzt nur bedingt an die Außenwände.

Also Beton, Bitumen, Dämmung, Estrich bzw Trockenestrich?



Putz und Boden



Gehlerding@ hat zu den Fragen ja schon die entsprechenden Antworten gegeben.

Die Wände würde ich wie früher üblich mit Kalkputz verputzen.
Putze auf Gipsbasis sind feuchteempfindlich und erheblich diffusionsdichter.
Kalkputze sind zudem wegen hoher Alkalität gegen Schimmel wirksam.
Bei trockenem Mauerwerk sind in Wohnbereichen auch Lehmputze
gut geeignet.

Schwitzwasser und in der Folge Schimmel entsteht nur bei zu hoher Feuchtigkeit bzw bei entsprechend hohen Temperaturunterschieden zwischen Raumluft und Wandoberfläche.
Die Wände müssen in dem Fall von innen oder außen gedämmt oder temperiert werden- bzw eine Kombination dieser Maßnahmen erfolgen.Unterstützend wirken alkalische Oberflächen, daher keine organischen Farben und Materialien verwenden.

Bei normalen Wohnräumen würde ich wegen erheblich höherer Fußwärme, besserer Dämmmöglichkeit und Elastizität Holzböden mit entsprechender Unterkonstruktion verwenden.

Darunter dünne,tragfähige Estrichschicht, Abdichtung und Dämmung.
Darauf Schüttung und Trockenestrich aufbringen ist auch möglich, aber insgesamt sicher teurer- besonders bei höheren Dämmstärken.

Feuchtigkeit aus dem Boden wandert nicht bei Abdichtung des Bodens in die Wände.

Andreas Teich



"Atmende Häuser"



@ GEhlerding
Götz, danke für Deinen Beitrag!
Dem kann ich nur zustimmen; immer wenn ich "atmen" im Zusammenhang mit Gebäuden höre, rollen sich mir die Fußnägel auf.

@ Andreas Teich
Nicht der Temperaturunterschied, sondern das Erreichen des Taupunktes bedingt "Schwitzwasser".

Hohe Luftfeuchtigkeit verhindert man am besten mit Heizen und Lüften.
Und natürlich damit, dass man möglichst wenig Feuchtigkeit im Haus erzeugt.



Vielen Dank



für eure/ Ihre Beiträge.

Nun bin ich ein Stück weit schlauer und favorisiere den Bodenaufbau den Andreas vorgeschlagen hat. Ich werde das so durchführen. Dünne Estrichschicht, Bitumenbahn, UK aus KVH, mineralische Schüttung, geölte Dielen.
An den Wänden wieder Kalkputz und alles ist schick.

Perfekt.

Vielen Dank nochmal und ein angenehmes Fachwerken.