Boden Deckel Schalung Fragen

20.06.2019 Malingy



An meinem Giebel wird eine Boden Deckel Schalung in Douglasie (24mm, 140mm) angebracht.
Ich habe dazu drei Fragen:
1. Durch die Aufteilung ist es im Bereich der Fenster dazu gekommen, dass zwei Böden sich berühren, OHNE von einem Deckel überdeckt zu werden. Also sozusagen ein zweiteiliger Boden mit einer Fuge in der Mitte. Ich finde das bedenklich und höchst ungewöhnlich - mache ich mir unnötig Sorgen?

2. Die Edelstahlschrauben der Deckel sind zum Teil 4 - 5 mm tief ins Holz gezwängt. Ich hatte mal gelernt, sie sollten gerade so Plan abschließen oder sonst mit einem Senker vorgebohrt werden - ist das überholt?

3. An einem der Fenster landet man beidseitig mit Deckeln, an den anderen Fenstern beidseitig mit Böden - immerhin jeweils gleich je Fenster - dennoch finde ich das ungewöhnlich. Wie haltet ihr das?

Ich würde mich freuen, wenn ihr mir eure Meinung zu diesen Fragen schreiben könntet. Liege ich total daneben?



Boden-Deckel-Schalung Aufteilung



Wie auch beim Fliesen soll man nicht an einer Seite anfangen und sich dann wundern, dass das Ergebnis seltsam aussieht.
Ein Aufteilplan ist unumgänglich, also die Fassade mit allen Öffnungen genau aufmessen, Plan zeichnen und dann die Bretter so aufteilen, dass sich bei Öffnungen symmetrische Brettaufteilungen ergeben.
MIT CAD ists einfacher- es funktioniert aber auch von Hand.
z.B. Papierstreifen in Brettbreite schneiden und die auf einer große Ansichtszeichnung entsprechend verteilen- die Deckel kann man dabei erst einmal weglassen.

Die Brett- bzw Fugenbreite kann etwas variieren, um eine harmonische Aufteilung zu bekommen.
z.B. von den Laibungen jeweils nach außen arbeiten, anschließend gleichmäßige Aufteilung über und unter den Öffnungen.
Es gibt kein Gesetz hinsichtlich Fassadenaufteilung-
letztlich solls harmonisch aussehen, was aber von vielen Faktoren abhängt.

Ich würde IMMER einen Deckel auf eine Fuge setzen-
schon wegen der Optik, aber auch zur Abdichtung.

Die Schrauben sollten möglichst genau bündig mit der Holzoberfläche eingeschraubt werden, wieder aus optischen Gründen aber ebenso um längere Wassereinwirkung und stehendes Wasser in den Schraublöchern zu vermeiden.

Zudem kann sich Schmutz in den Vertiefungen sammeln, der beim nächsten Regen abläuft und Verfärbungen hervorrufen kann.
Solche Regeln sind immer gültig und veralten nicht.

Es gibt genügend Tiefenanschläge- entweder fertige oder man bastelt sich etwas.
Ich habe immer die Löcher vorgebohrt-
bei kleinen Schraubköpfen ist Ansenken bei Weichholz nicht notwendig.



Das ganze muss passen



Zur Einteilung der Schalung: wir schauen uns immer zunächst die zu verschalende Fläche an, messen einmal die Abstände zwischen den Fenstern, von den Ausenkanten der Fenster zur Traufe Bzw zum äußeren Ende der Schalung. Dann schauen wir ob direkt unter den First mit einem Boden gestartet werden kann. Grundsätzlich sollte an den Fensterlaibungen immer ein ganzer Boden enden. Dieser kann dann mit einem schmäler geschnittenen Deckel zu einem anschaulichen Rahmen umlaufend um das Fenster gearbeitet werden. Die Laibungen des Fensters sollten dabei von innen gegen die Schalung laufen und fensterseitig mit Kompriband gearbeitet werden. Ggf Fensterbänke berücksichtigen. Die Breite dieses Rahmens kann sich an der halbierten breite eines Deckels richten.
Letzten Endes kommt es weniger darauf an immer den selben Abstand, egal ob Boden und Deckelbrett zu erreichen, das Gesamtbild muss stimmen. Verändert sich der Abstand zwischen zwei Deckel um 10 oder 12 mm fällt das nicht ins Gewicht. Bei fünf deckeln kann das aber die fehlenden cm bringen um sauber am nächsten Fenster anzukommen. Natürlich nicht im hohen cm Bereich, es muss für das Auge stimmig sein. Auf ausreichende Überdeckung der Deckel und Böden achten, 25 mm ist absolutes Minimum. Böden und Deckel dürfen nicht mit einander verbunden werden, das führt zur Rissbildung.
Wird das untere Ende der Schalung nur im 90 Grad Winkel geschnitten, darauf achten das eine Tropfkante von von etwa 10 Grad Neigung geschnitten wird. Ggf kann hier auch querlaufendes Brett als Tropfkante gearbeitet werden.
Wird ohne diesen Wetterschenkel gebaut darauf achten, das der Zwischenraum zwischen den Böden mit einem kleinen Stück Insektenschutzgitter jeweils verschlossen wird. Das beugt Wespen usw vor.
ich schieße die Böden gern mit Schussnägeln, überall wo ein Verbinder jedoch sichtbar ist wird mir Edelstahlschrauben geschraubt. Vorbohren sollte im Randbereich im Pflicht sein, in der Fläche muss es nicht sein. Qualitativ hochwertige Schrauben verwenden. Senken ist nicht nötig das die Schrauben in der Regel Frässköpfe haben.
Ist die Schraube zu tief im Holz, liegt das oft an einem sich schüsselnden Brett welches mit der Schraube herangezogen werden sollte. Ich zwinge die Bretter ggf mit einer kleinen Zwinge kurz vor, drücke mit einem schmalen Brecheisen, je nach Situation. So liegt das Brett an der UK an und die Schraube zieht nicht so weit rein.
Verschalungen sind viel Erfahrungssache. Ein guter Zimmerer achtet auf Wuchsrichtung ( der Baum wächst von unten nach oben) und natürlich die Kernseite.
Als wichtigstes gilt hier immer: das Ganze muss stimmen und für das Auge gefällig sein. Dann kann von strengen Massen abgewichen werden



Danke



Danke, Andreas und Matze für eure ausführlichen Antworten!
Ich habe mit der ausführenden Zimmerei noch einmal gesprochen. Jetzt sind wir uns "einiger". Die Boden-Boden-Fugen sind bereits entfernt - mit der gesamten bis dahin angebrachten Schalung. Sie waren selber nicht recht überzeugt von ihrem Werk. Schade um das schöne Holz...
Und schade, dass ich immer erst Stress machen und laut werden muss, damit Profi-Handwerker an meinem Haus zeigen, dass sie DOCH etwas können. Bin ich still und höflich, bekomme ich bestenfalls die 2. Wahl - und ärgere mich, dass ich nicht auch DAS einfach selbst mache; sorgfältig und so wie ich es haben will - wäre da nur nicht dieses Ding mit der Zeit...

Grüße aus dem Haus mit jetzt langsam gelungener Boden-Deckel-Schalung



Rückmeldung



Schön das Sie am Ende eine gute Einigung gefunden haben. So soll es sein.
Genauso gut find ich, das Sie eine Rückmeldung geben, was aus dem Fall geworden ist. Das würde man sich gern häufiger wünschen. Danke!