Bläuen von Beschlägen?

17.02.2005



Wer weiß noch das genaue Rezept wie das Bläuen von Renaissance -oder Barockbeschlägen funktioniert. Dabei wird meines Wissens blankes Eisen auf 310 Grad? erhitzt und ergibt dann durchs Abkühlen in Wasser? Öl? durch Behandlung mit Chemikalien? Messingspänen? die herrlich dunkelblaue Farbe!? $$$ bei Erfolg!





guten tag herr dr. huber,
das genaue "rezept" kenne ich auch nicht, kann ihnen aber die telefonnummer von einem Schmied geben der dies praktiziert. dieser, erklärt es ihnen sicher gern. falls hier aus dem forum keine lösung kommt, rufen sie mich ruhig an. (tel.: s. profil)
schöne grüsse chr. bernard



So blau, so blau



Hallo Kollege Huber, schau doch mal hier nach:
http://www.militaria-fundforum.de/thread.php?threadid=20527

Auszug:
"....Brünieren und Schwarzfärben

Die echten Brünierungen auf Eisen und Stahl bestehen aus Eisenoxiden, spez. Eisen – 2,3 – oxid Fe3O4, die Farbe kann dabei je nach Erzeugungsmethode von dunkelbraun über dunkelgrau und tiefblau bis zum tiefen Schwarz reichen.
Um diese Oxidschichten direkt (ohne vorherige Schritte) auf dem Metall zu erzeugen, werden starke Oxidationsmittel benötigt, zum Beispiel Natriumnitrat, Natriumnitrit oder Kaliumnitrit, mitunter auch Salpetersäure HNO3.

Im Prinzip machen diese Oxidationsmittel das Gleiche, was auch der Sauerstoff der Luft auf dem Metall erzeugt, allerdings wesentlich schneller und dichter. Beim Erhitzen von Stahl an der Luft bilden sich mit zunehmender Temperatur die sog. Anlauffarben, die Schichten von Eisenoxiden darstellen, die mit zunehmender Temperatur dann immer dichter (und damit auch dunkler) werden: (Temp. in °C)

210 / Weiß-Gelb ; 220 / Strohgelb ; 230 / Gelb; 240 / Dunkelgelb; 250 / Gelb-Braun ; 260 / Braun-Rot ; 270 / Rot ; 280 / Violett ; 290 / Dunkelblau ; 300 / Tiefblau ; 400 / Grau bzw. Blaugrau

Das früher viel praktizierte Bläuen von Stahlteilen beruht auf diesen Verfahren, auch das sog. ‚Bunthärten’ gehört dazu. Dabei kommt es auf sehr genaue Einhaltung der Arbeitsbedingungen und der Rezepturen an, um gute Resultate zu erzielen. Diese Verfahren waren daher früher gut gehütete Geheimnissen der Schmiede und Kunsthandwerker.

Die altbewährte Methode der Brünierung besteht im Tauchen des Metalls in Lösungen von Natriumhydroxid (Ätznatron, Natronlauge) bzw. alternativ Kaliumhydroxid, wobei diese Lösungen sehr konzentriert sein müssen, etwa 400 – 600 g / l. Diese konzentrierten Laugen lassen sich auf 150 – 180 ° erhitzen, ohne zu kochen. Die eigentlichen Oxidationsmittel Kaliumnitrat und Natriumnitrit werden den Laugen vor dem Erwärmen beigemischt. Bei der hohen Temperatur beginnt deren Wirkung, unterstützt von der stark alkalischen Lauge. Dabei lassen sich mit dieser Lösung hier....."


Gruß

Lutz Parisek



Bläuen



Anlassfarben von Eisenlegierungen (Stählen) entstehen bei etwa 300°C Glühtemperatur. Es bildet sich auf der Oberfläche eine Magnetitschicht (Fe3O4)-Zunder. Zu Zeiten des Barock und Rokoko war jedoch die Chemie soweit entwickelt (z.T. überliefert aus der Antike, z.T. selbst weiterentwickelt, sh. unter Stichwort Achard) und es gab schon einige Mittel um die entsprechende Brünierung herzustellen. Die Vorgehensweise ist so, dass zunächst eine Laugenbehandlung z.B. mit Ätznatron erfolgt und dann die Salze salpetriger Säure (Nitrate und Nitrite) zugemischt werden. Diese Salze sind als Oxidationsmittel bekannt gewesen und eingesetzt. Die Farbwirkung durch oxidischen Niederschlag hängt nun zum einen von der Zusammensetzung des Eisenwerkstoffes, zum anderen von der Konzentration und Verteilung des Niederschlages auf der Oberfläche ab, wobei auch die Temperatur der Lösung die Farbwirkung mit bestimmt. Man wußte auch experimentell welche Salze z.B. Eisen oxidieren, Silber beispielsweise nicht und konnte so selektive Färbungen erzielen. Man muß auch bedenken, dass die edleren Metalle, wie Kupfer, Silber oder Gold nicht denselben Reinheitsgrad besitzen wie heute. Man kannte neben Feuervergolden und -versilbern, bei dem über Amalgamierung Schichten aufgetragen wurden das Plattieren und auch den Auftrag über Sud oder Anreiben von Cyanidlösungen. Hinzu kommt, dass die Edelmetallabscheidung über Saigerprozesse bewerkstelligt wurde (Gg. Agricola "De re metallica" Bd XI). Diese Prozesse haben sich bis in die Barockzeit erhalten. Man hat über monotektische und eutektische Reaktionen, die immer wiederholt wurden. Bleischmelzen mit dem Edelmetall stufenweise angereichert und dann die fest ausgeschiedenen Metallkristalle aus dem Eutektikum abgeschieden, oder vor Erstarrung abgeschöpft. Diese Metallbeschläge weisen nun auch zulegierte Fremdelemente, z.B. Zn oder Sn auf. Aus diesen früheren Verfahren zur Metallgewinnung sind dann im 18. und 19. Jhdt. Abscheideverfahren herausentwickelt worden (z.B. Pattinsonieren usw). Wie aus Frankreich bekannt , sind auch unter Umständen erste elektrolytische Beschichtungen versucht worden. Es gibt Literatur, die in Datenbanken der Archäometrie gesammelt sind und in Labors einiger bekannter Zentralmuseen vielleicht vorliegen.
Diese Gebiet ist sehr komplex und wird von einigen Restauratoren recht gut beherrscht. Ich würde Ihnen empfehlen sich mit Prof. Pernicka von der Bergakademie Freiberg, Prof. Pohl (Institut für Werkstoffprüfung, Ruhr Univ. Bochum) oder Prof. Sperl von der Montanuniversität Leoben/Österreich (Erich Schmid Institut) in Verbindung zu setzen. Vielleicht können ihnen auch Restauratoren des kunsthistorischen Museums in Wien weitere Hilfestellung geben. Einige Privatleute beschäftigen sich auch mit solchen Arbeiten, z.B. Militaria Begeisterte, die auch Rezepturen erprobt haben wollen.

Mit freundlichen Grüßen, Prof. Dr. H. Vetters



Rückkoppelung



Finde ich toll, das Kollege Huber die Antwort von Prof. Vetters hier ins Forum gestellt hat.

Vielen Dank



bläuen, brünieren, beizen



brünieren und beizen (einlassen) wurde zuvor genau erörtert, besser geht es wohl kaum. bei diesen verfahren handelt es sich um das färben und schützen der eisenoberfläche durch einlassen mit div. lösungen wie beschrieben (u.a. auch Leinöl mögl.), es entsteht eine "dünne schicht" (z.B.:eisnoxyduloxyd). (also: chem. reaktion bzw. beschichtung)
beim bläuen (anlassen) an sich handelt es sich (meiner meinung nach) um ein verfahren ohne zusätze: erwärmen des eisens auf ca. 300 grad +/-, dann aber, ähnlich wie beim werkzeughärten, durch gezieltes abschrecken im wasserbecken, den gewünschten farbton quasi "fixieren". (> zunder)
das bläuen taugt weniger der langfristigen farberhaltung der oberflächen, durch normalen gebrauch (handschweiss) verliert es zunehmend seinen farbton.
in den vor beschriebenen hinweisen, kommt der begriff "bläuen" immer mal vor, aber es wird dann stets vom begriff "brünieren" abgelöst. oder habe ich etwas falsch gelesen?
also, ich bin noch nicht so richtig zufrieden, möchte auch keine begriffsspalterei betreiben aber mich würden ergebnisse interessieren. (wo sind die praktiker?)
gruss
christian bernard
herr huber: hoffe die tel.nr.: konnte sie irgendwie, also praktischer, weiterbringen!




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