Bitumenabdichtung oder nicht?

22.04.2014



Hallo zusammen,
wir sanieren gerade unser Häuschen und bin jetzt gerade etwas verunsichert. Das Haus hatte ursprünglich nur Streifenfundamente, dazwischen bringen wir zur Zeit Raum für Raum eine Bodenplatte ein. Anfangs hatten wir nur Füllsand unter der Bodenplatte vorgesehen, sind dann aber dazu übergegangen eine kapillarbrechende Schicht d: 15-20 cm einzubringen. Also ganz genau sieht das so aus: Geovlies, Rheinkies, Noppenbahn und dann 16 cm Bodenplatte mit doppelter Bewehrung. Nun ist halt die Frage ob wir die Bitumenabdichtung brauchen oder nicht. Eine horizontale Abdichtung im Mauerwerk ist nicht vorhanden wo man diese anschließen könnte, allerdings gab es in der Vergangenheit auch keine Feuchteschäden und da einige Teile des Hauses schon 90 Jahre stehen sollte das m.E. ok sein. Ein beratender Architekt hatte keine zusätzliche Abdichtung vorgesehen, allerdings liest man immer wieder, das lt.. DIN 18195-4 da eine Abdichtung hingehört. Von baubiologischer Seite liest man jedoch, bloß nicht so ein Zeug ins Haus holen...... Und ich steh hier jetzt kurze Hose Holzgewehr und bin verunsichert was wir tun sollen. Vielleicht kann jemand von euch das für und wider etwas erläutern?

Grüße aus dem Ammerland , Werner



Fußbodenaufbau



Was für ein Durcheinander...

1. Sie haben eine funktionierende Gründung, Streifenfundamente. Solange Sie daran nichts machen(und vor allem nicht die Flanken freibuddeln!) funktionieren die auch weiter.

2. Sie brauchen keine neue Gründung, wozu auch. Fundamentplatten (Flachgründungen) innerhalb eines Gebäudes sind sinnlos wenn da nicht riesige Einzellasten abgefangen werden sollen.

3. Eine kapillarbrechende Schicht innerhalb/unterhalb eines Gebäudes ist heute überflüssig wenn Flächenabdichtungen verbaut werden.
Kapillarbrechende Schichten werden als Frostschutz- und Tragschicht heute nur noch im Straßenbau eingesetzt.
Falls Sie mal eine Garage bauen wollen ist so was noch geeignet. Frostschutzschicht, Betonplatte als Gründung drauf, Mauern ringsum hochziehen, Dach drauf, Tor rein, fertig.
4. Eine Bewehrung ist ebenfalls überflüssig.
Was Sie brauchen ist eine Sauberkeitsschicht aus ein paar cm Beton als ebene, waagerechte, glatte Fläche die als Träger für die Abdichtung und die Dämmung dient.
5. Wenn Sie sich kein Bitumen ins Haus holen wollen- macht nichts, das Zeug liegt tonnenweise auf der Straße vor Ihrem Haus rum.
Entwarnung: Wirklich gesundheitsschädlich sind nicht die schwerflüchtigen Bestandteile im Bitumen sondern die leichtflüchtigen Bestandteile im Erdöl.
Die wurden aber schon abdestilliert. Schauen Sie man in Ihren Fahrrzeugtank, da finden Sie die gesundheitlich unangenehmen Sachen. Aber bitte nicht dran riechen.

6. Es gibt auch andere Abdichtsysteme auf der Basis von Folien oder Zementmineralien.

7. Die von Ihnen genannte DIN gilt nur für den Neubau. Für Altbauten gibt es WTA- Merkblätter, Fachwissen und den gesunden Menschenverstand.

8. Was Sie brauchen ist ein sinnvoller neuer Fußbodenaufbau. Wie der aussieht richtet sich nach der vorhandenen Bauhöhe- max. Tiefe ist die Oberkante der Streifenfundamente! und der Nutzung des Raumes.



das Alter



des Bauwerks ist die Frage. Dabei: Natursteinsockel oder Ziegel, Sockelputz absolut trocken ? Untergrundbeschaffenheit, Grundwasseranstand, topografische Lage ? Ich würde zuerst mal ne Feuchtemessung in den Sockelfugen machen.



@ Herr Sachsband. Nun wenn schon 90 Jahre alt...



..steht im Text!
Nun was soll die Feuchtemessung ergeben?
Was wenn 5 oder 15 % ?
Woher kommt dann diese Feuchte und wegen was soll etwas unternommen werden?



Feuchte



Nun ja, der Autor sagt, es gäbe keine Feuchteschäden. Das scheint mir bei dem Alter sogut wie unmöglich, gibts doch, wenn überhaupt, nur bei Betonwannen. Wenn es nicht extrem feucht ist würde ichs einfach lassen.

Neuer Betonestrich im Keller alter Häuser versiegelt aber stark, mit der Möglichkeit das kapillar aufsteigendes Wasser nun in die Wände zieht. Bei weichem Naturstein wohl kein Problem, da klappt es mit lüften; bei härterem Material oder Backstein aber doch. Deshalb der Vorschlag der Feuchtemessung.

Hängt natürlich auch davon ab wie hoch das GW ansteht und wie stark lehmhaltig der Boden darunter ist.



Bodenaufbau



Lassen wir das mal ob der Fragesteller sein Haus besser (oder schlechter)kennt als einer der es nicht gesehen hat und ob man früher in der Lage war (oder nicht), trockene Häuser zu bauen...
Wieder wird das Märchen zitiert das Kapillarität ähnlich wie hydrostatischer Druck funktioniert- wenn man den Querschnitt verengt erhöht sich die Fließgeschwindigkeit.

Mich interessiert wer dieses Märchen mal in die Welt gesetzt hat das dann viele immer wieder abgeschrieben haben oder nachplappern, wie die Mär das im Spinat viel Eisen sei oder August Monier den Stahlbeton erfunden hat.
Ich kenne jedenfalls kein Fachbuch oder keine Fachpublikation zum Thema wo das drinsteht.



Danke....



erstmal für die Antworten.
Die neue Bodenplatte muss einiges an Lasten aufnehmen, da zum einen eine neue einbindene Wand (3DF, ca 4,20 m lang und 3,30 hoch) darauf erstellt werden muss und zum anderen ein neuer Schornstein von ca. 11,50 m Höhe dort seinen Platz finden wird. Da keine Horizontalschicht zum Anschluss vorhanden ist, stellt sich halt die Frage ob die Bitumenabdichtung grundsätzlich da rein gehört oder ob man darauf verzichten kann.
Bei anderen Fragestellern in diesem Forum war die kapillar- brechende Schicht auch angeraten worden, daher wird das wohl nicht völlig falsch sein, oder?
Auf die Bodenplatte kommen übrigens 12cm Dämmung (EPS oder XPS) und dann 7cm Estrich + Fliese (Folien dazwischen mal aussen vor).
Ich bin mir allerdings im Klaren, dass es die "eine" richtige Lösung wohl nie geben wird, in der Summe wird man immer irgendwo einen Kompromiss eingehen müssen.



Bodenplatte



Wenn Sie solche riesigen Punkt- oder Linienlasten haben dann brauchen Sie eine Gründung; in diesem Fall ist eine Fundamentplatte aus Stahlbeton angemessen.
Eine kapillarbrechende Schicht brauchen sie trotzdem nicht sondern ein tragfähiges, ebenes Planum bzw. eine Sauberkeitsschicht. Dem Stahlbeton ist es später egal ob er auf Kiessand oder Kies steht und ein bisschen Bodenfeuchte schadet ihm nicht. Allerdings habe ich selber noch nicht erlebt, das in! Altbauten der Untergrund völlig durchfeuchtet war. Der Normalfall ist mehr oder weniger staubtrockener nicht bindiger Boden oder erdfeuchter Lehm.
Weitgestufter Kiessand lässt sich besser verdichten und ist tragfähiger als Ausfallkörnungen.
Bei sorgfältigem Einbau und Verdichtung reicht eine Trennfolie als Begrenzung zum Beton. Selbst gewachsener Boden eignet sich als Planum wenn er gut nivelliert werden kann und tragfähig ist. Besser ist allerdings vorher eine Sauberkeitsschicht aus ein paar cm Beton einzubauen. Damit kann man die Bewehrung exakt Verlegen und die Betondeckung ist gesichert.
Zur Abdichtung:
Die gehört oberhalb auf die Fundamentplatte. In Ihrem Fall halte ich eine mineralische Dichtschlämme für geeigneter als Bahnenware, man kann damit den Anschluß zu den sicher unebenen Bestandswänden besser ausführen. Außerdem ist sie robuster wenn dann die Wand gemauert wird.