Welche Art von Holzfenster soll ich nehmen?

05.06.2013



Hallo!

Ich habe noch einmal eine Frage zu Holzfenstern, die ich in meinem alten Bauernhaus (Fachwerk) einbauen möchte. Ich habe mehrere Angebote und hatte zur Frage der Vorteile/Nachteile von keilgezinkten Fenstern schon einmal eine Frage gestellt. Ich bräuchte dennoch einmal einen Rat oder Hinweise:

Ein mir vorliegendes Angebot bezieht sich auf Fenster aus Kiefer, keilgezinkt. Dieses Angebot ist preislich günstig.
Ein anderes Angebot bietet Fenster aus Lärche DDL (?), nicht keilgezinkt. Dieses ist etwas teurer. Der Anbieter meinte, er könne mir ebenfalls die günstigeren Fenster anbieten (was dann preislich dem ersten Angebot entspricht), würde mir solche aber nicht zum Einbau empfehlen, sondern zu den hochwertigeren Fenstern raten.
Besteht zwischen den beiden Fensterarten wirklich ein solcher Unterschied? Worin besteht er konkret? Haltbarkeit? Wirkung? Festigkeit?

Die Fenster sollen glasteilende Sprossen erhalten und deckend weiß gestrichen sein.

Über ein paar kleine Anregungen/Hinweise wäre ich dankbar.



Kiefer < Lärche < Eiche



Hallo,

ich habe mich für Lärche entschieden, da haltbarer als Kiefer bei relativ wenig Mehrkosten. Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass Lärche ein stark harzhaltige Holz ist.

Wenn im Budget würde ich auch bei gestrichenen Fenstern Eiche nehmen, aber bei 17 dreiflügligen Fenstern plus 1 zweiflüglige und 2 einflüglige Terassentüren war bei mir Eiche leider nicht mehr drin.

Gruß,
Tina



Wir haben uns ...



... für Fenster aus europäischer Lärche entschieden, die aber "nur" geölt worden sind.

Dazu muss ich allerdings sagen, dass das Holz beim Großhändler persönlich ausgesucht wurde, sozusagen handverlesen ist.

Allerdings sollte man sich dessen bewußt sein, dass selbst bei bester Holzqualität nicht auszuschließen ist, dass im Laufe der Zeit noch etwas Harz austritt.
Dieses Risiko besteht jedoch auch bei Fichten- und Kiefernholz, wenn dieses Harzgallen enthält.

Wenn man ganz auf Nummer Sicher gehen möchte und besonders hohen Wert auf Langlebigkeit legt, ist m. E. Eiche die erste Wahl.

i. V. Dirk Meisinger



Kiefer genommen



Nach guter Erfahrung in der Verwandschaft haben wir Kiefer genommen. Nach 10 Jahren schauen die Fenster noch sehr gut aus.
Wichtig ist immer das Schäden in der Farbe/Lasur umgehend beseitigt werden. Das ist in meinen Augen entscheidender als die die Holzsorte. Vorausgesetzt das Holz an sich ist von guter Qualität und ohne Harzgallen.



Danke...



für die Hinweise und Anregungen. Ich werde am Ende nicht umhin kommen, mir bei den Anbietern die Fenster genau vorher anzuschauen und Referenzobjekte zu besuchen, bevor ich mich entscheide. Ein "Bauchgefühl" habe ich bereits, jetzt muss ich sehen, ob es konkret bestätigt oder widerlegt werden kann.

Nochmals Danke!!!



Keilzinkung



Hallo,

zum Punkt Keilzinkung brauchst Du meines Wissens nach kein schlechtes Gefühl zu haben, solange die Fenster deckend (weiß) gestrichen werden und bleiben. Bei Lasuren (transparent) treten die Keilzinkverbindungen der einzelnen Brettstücke optisch in Erscheinung (logisch).

Meine Erfahrung mit Lärche ist, daß Tischler die in der Regel Eiche oder Tropenholz einsetzen (kosten natürlich mehr) evl. nicht unbedingt mit den Eigenheiten der Lärche klarkommen.

... Lärche ist im Vergleich zu anderen Hölzern relativ spröde, und daher nicht ganz einfach zu verarbeiten.
Ich habe bei einigen meiner Fenster (waren meine ersten im Leben)leider so manche Macke ( z.B. Risse in den Ramen wegen falsch - nicht vorgebohrt - eingeschraubter Scharniere etc.) erst nach der Abnahme bemerkt. Auch war teilweise noch eine deutliche Holzmaserung in den Sprossen, trotz aufgetragenen Lacks zu sehen ( störte mich jetzt nicht so sehr, als das ich deswegen die Fenster im Winter gleich wieder hätte ausbauen lassen wollen).

Wenn Du in Lärche eine Alternative zu Tropenholz siehst, solltest Du gezielt nach FSC (nicht PEFC) - zertifiziertem Holz fragen und Dir auch den Nachweis dafür zeigen lassen. Oder aber - weil noch besser - das Holz kommt aus dem Wald von nebenan. Anderenfalls könnte diese Holz auch aus Raubbau in sibierischen Wäldern stammen. ...


Das mit den schnellen Ausbesserungen von Schäden solltest Du übrigens ernst nehmen! ... Wenn auf die Fenster der falsche Lack kommt oder das Ganze in Kombination mit Dämmung falsch eingebaut wird, ist die Holzsorte ohnehin fast egal. Qualitativ "billiges" Tropen-Plantagenholz hält dann auch nicht länger als Fichte aus heimischen Wäldern und hinterläßt dann nur einen breiten Fingerabdruck auf unserem Planeten. Meine alten, 90-jährigen Einfachglas - Kiefernfenster wären wohl trotz außenbündigem Verbau und wenig Pflege in den letzten 30 Jahren noch zu 80% wiederverwertbar gewesen. Leider habe ich hier keinen Tischler gefunden, der sie mir entsprechend energetisch ertüchtigen konnte oder wollte.

Gruß aus Berlin,



Danke



nochmals für die Antworten. Der Rat mit dem FSC-zertifiziertem Holz ist wirklich wichtig. Das hatte ich zwar noch im Hinterkopf, wird mir jetzt aber auch wieder bewusst.
Hinsichtlich Dämmung: wir haben vor, außen Sichtfachwerk zu belassen und deshalb innen mit einer Stampflehmdämmung zu dämmen (mind. 15 cm) und darauf innen eine Wandheizung anzubringen. Das ganze kann ja erst nach dem Einbau der Fenster erfolgen. Gibt es hier konkrete Dinge zu beachten?



Dämmung



Auf jeden Fall muss beim Kauf und Einbau der Fenster darauf geachtet werden, dass die Wand gedämmt werden soll. Ich hab Weichholzfaserplatten unter der WH, daher habe ich mich mit Stampflehm nicht so beschäftigt. Kann man den wirklich erst nach den Fenstern einbauen? Je nach dem, wie schnell der Fensterbauer liefern kann, bekommt ihr dann zum Ende hin uU Probleme mit den Temperaturen. Ideal wäre, wenn ihr jetzt mit dem Lehm anfangen könntet.



@Stephan



was ist bei PEFC schlechter als bei FSC ?

Gruß aus dem Bergischen

Stefan



FSC versus PEFC



FCS ist das Original, PEFC das Nachahmerprodukt der Europäichen Holzindustrie mit bekannten Ausnahmen im Bereich sibirische Nadelwälder ...

Andererseit's bleibt da natürlich auch ein gutes Stück Glauben und Vertrauen in die Aufrichtigkeit einstiger Ideale ... ;) ... Ob FSC wirklich heute noch in allen Punkten die bessere Wahl bietet, mag sicher der Eine oder Andere anzweifeln. Daher auch mein Hinweis auf das heimische Sägewerk, solang da wirklich auch das heimische Holz auf das Gatter kommt.

Gruß aus Berlin,



FSC/PEFC



ja Original ist richtig.
Aber es muss einen guten Grund haben, warum gerade im deutschsprachigen europäischen Raum die allermeisten Waldbesitzer sich für PEFC entschieden haben.
Nach meiner Ansicht (ich spreche von Europa, vom Rest der Welt weiß ich nur vom Hörensagen, und da hört man die abenteuerlichsten Geschichten von beiden Orgas (für Geld gibts alles)) versuchen die Fundis unter den Naturschutzorganisationen die Waldbesitzer über FSC zu sehr zu bevormunden. Wir brauchen meiner Meinung nach diese Zertifizierung in D/A/CH nicht, den wir haben ein recht strenges Bundeswald- und Landesforstgesetz und hier wurde die Nachhaltigkeit just vor 300 Jahren in der Forstwirtschaft Programm.

www.300-jahre-nachhaltigkeit.de

Aber ich kann verstehen, daß wir auch mit gutem Beispiel vorangehen sollten, nur mit Maß.

Ich kenne kein kleines bis mittleres Nadelholz-Sägewerk, zumindest in NRW/Hessen/RLP, für das es wirtschaftlich Sinn macht Rundholz aus Sibirien zu importieren, bei Schnittholz ist es sicher was anderes.

Also man kann getrost bei einem Säger um die Ecke Holz kaufen, ob zertifiziert oder nicht.

Ich würde europäische ! Eiche nehmen und habe sie genommen!

Viele Grüße aus dem Bergischen

Stefan



Welche



Probleme mit den Temperaturen? Das habe ich nicht verstanden. Geht es um die Trockung des Lehms?



Lehm



Hallo,

genau, Lehm braucht seine Zeit zum Trocknen, und bei kaltem und/oder feuchtem Wetter dauert es noch länger. Je nach benötigter Anzahl Fenster und Auftragslage des Fensterbauers kann es ja schon mal Wochen dauern, bis die Fenster fertig sind. Und dann seid ihr in der Zeit des Jahres, die für Lehmbauarbeiten nicht ideal ist. Besonders bei so dicken Schichten wie bei einer Stampflehmdämmung hätte ich Bauchschmerzen, wenn ich erst Mitte August anfangen könnte.