Beton ohne Bewehrung? Oder gehts auch ohne Beton?

08.12.2021 Jay Lennox


Guten Morgen,

habe nochmals mehrere Fragen und hoffe Jemand kann mir einen Rat geben.

zwei nicht unterkellerte Zimmer bei uns im Erdgeschoss sind aufgrund leichter Hanglage circa 1.5m mit Erdreich gefüllt auf dem der Boden liegt (alte Kantholzkonstruktion mit Pressspan beplankt).
Das muss klar erst alles raus...
dann je nach verfahren ca.30 cm auskoffern.
würde dann mit einer guten Schicht 10cm? groben Schotter anfangen und auf den eine Folie legen, die am Rand verklebt wird.

Frage:
ist in diesem Fall eine Betonschicht überhaupt von Nöten?
und müsste da dann zwingend eine Bewehrung rein? <--- eine Frage die mir durch den Kopf geht...

Meine Überlegung war :
direkt auf der Folie Perliteschüttung abziehen, Dämmplatten (eps o.ä.) drauf und darauf dann Trockenestrich verlegen.

Kann man das so machen?
In meinem Kopf spricht da nichts dagegen...aber man kann seinem Kopf ja ned immer trauen wa xd

Freu mich über über eure Antworten

Liebe Grüsse

Jay



Was dient wofür?



Schotter - Folie - Estrich: Was sollen diese Schichten?

(Ernstgemeinte Frage! Dann erschließt sich auch, ob sie eine Schicht weglassen oder ersetzen können)

=> Lesestoff => Sondersammlung Böttcher => Decken und Fußböden => Teil 1 Fußböden über Erdreich (ohne Keller)

(kleiner Tip: das ohne Estrich kann funktionieren. Das mit einer verklebten Folie auf Schotter eher nicht)



Sondersammlung Böttcher



vielen Dank dafür!! Habs grad nur kurz überflogen, werds mir nacher in Ruhe durchlesen.

Hatte ned vor die Folie auf den Schotter zu kleben. Hatte gedacht die Folie ringsrum so 15 cm die Wände hochzuklappen und dort Luftdicht zu verkleben.

Der Schotter hat den Sinn das kapillar Verhalten des Wassers zu minimieren. Aus diesem Grund nimmt man den groben Schotter ohne Feinanteile.

Die Folie hat den Zweck, die Feuchtigkeit die es trotz Schotter nach oben schafft, zu blockieren. Damit diese ned in die Dämmung oder sogar bis in Bodenbelag zieht.

Der Beton um das ganze zu versteifen und eine Gewisse Stabilität zu schaffen.
(in meinem Fall koffer ich ja nicht bis ans eigentliche Fundament aus, is noch über nen Meter Erdreich vorhanden ..daher der Gedanke ob die Betonschicht notwendig ist)

Bin keiner vom Fach...aber das wäre meine Logik bezüglich den Schichten..
Kann mich natürlich auch täuschen.



the devil is in the details



Die Funktion des Schotters ist zutreffend. Manche weisen ihm eine (zusätzliche) Dämmfunktion zu und nehmen dann Glasschaumschotter. Ist aber in aller Regel unwirtschaftlich und nicht zu empfehlen (Herr Böttcher legt das gut dar).

Auch die Folie und ihre Verklebung an der Seite (hochziehen bis Oberkante Fertigfußboden) ist erkannt.

Nächste Überlegung: Was macht der Schotter mit der Folie, wenn von oben Last wirkt?

Deshalb bringt man zwischen Schotter und Folie üblicherweise eine erste Beton-/Estrich-Schicht, auf der die Folie dann (lage- und durchdringungs)sicher ruht.

Den Schotter brauchen Sie übrigens nur, wenn nennenswert mit kapillar aufsteigendem Wasser zu rechnen ist. Sonst können sie die Folie auch direkt auf geeigneten Untergrund legen. Damit hätten Sie den ersten Teil der Antwort: ob Sie diese (erste) Beton-/Estrichschicht brauchen.

"Nach oben" stellen sich dann die Aufgaben der Wärmedämmung und eines tragfähigen Untergrundes für den Fußbodenbelag. Das geht mit und ohne (weiteren) Estrich.

Frohes Schaffen!

(Anmerkung: Sie brauchen für jede Beton-/Estrichschicht etwas, was während des Betonierens ein "Herunterlaufen" in drunterliegende Schichten verhindert. Das kann eine weitere Folie oder ein Baupapier sein (über Schotter) oder Dämmplatten, deren Fugen abgeklebt sind. Dies ist quasi ein "Wegwerfartikel" und hat nach dem Einbau keine weitere Funktion. Deshalb kann diese Folie auch ruhig später durchscheuern.)



Der Unterbeton...



...sollte planeben abgezogen werden und dient als dauerhafte Basis für die Sperrbahn und als belastbaren Unterbau für alle Fußbodenaufbauten.

Ich würde also keinesfalls darauf verzichten. Er könnte auch als Leichtbeton ausgeführt werden und dammt dann auch ein bisschen. In einer Hanglage halte ich eine Schotterpackung darunter für sinnvoll.

Grüße

Thomas



Re: Der Unterbeton...



Thomas Böhme hat m. E. recht. Am Besten ist ein genügend tragfähiger, Plan abgezogener Unterbeton/Rohboden. Man kann darauf den weiteren Aufbau viel einfacher umsetzen.
Auf eine Bewehrung des Betons kann verzichtet werden, wenn der Untergrund so tragfähig, bzw. verdichtet ist, dass gewährleistet ist, dass die Bodenplatte vollflächig belastbar ist ohne zu brechen. Eine leichte Baustahlmatte kostet nicht die Welt, bringt aber die Sicherheit dass, wenn die Platte brechen sollte, die einzelnen Bruchstücke nicht unterschiedlich tief absacken und eine darauf liegende Feuchtigkeitssperre dadurch undicht wird.
Legt man die Folie unter den Rohboden/Unterbeton (was ich bevorzuge), kann sogar eine Unterkonstruktion für einen weiteren Bodenaufbau in dem Beton verdübelt werden, weil der Beton selbst schon "im Trockenen" liegt.

Ein Verkleben der Folie an den Wänden ist nicht unbedingt nötig, es reicht wenn sie nur provisorisch fixiert und später auf Höhe der Oberkante Fußboden abgeschnitten wird. Sie soll ja nur verhindern dass Feuchte in die Dämmung unter dem Estrich kommt, nicht den Untergrund luftdicht abschließen.



Denkfehler?



"Legt man die Folie unter den Rohboden/Unterbeton (was ich bevorzuge), kann sogar eine Unterkonstruktion für einen weiteren Bodenaufbau in dem Beton verdübelt werden, weil der Beton selbst schon "im Trockenen" liegt."

Damit würde die dichtende Bahn - also nicht nur die das Weglaufen des Betons während des Einbaus hindernde Behelfsschicht - zwischen Untergrund (Schotter) und Unterbeton liegen. Was dann wieder zur Überlegung führt, was - selbst bei schonendem Einbau [Filzpantoffeln statt Gummistiefel?] - Eigen- und Verkehrslast mit der Dichtbahn über die Jahre machen...

(Relativiert sich natürlich, falls man als Untergrund Sand hat und als Dichtbahn eine Elefantenhaut nimmt.)

Frohe Adventszeit an alle (Bau-)Schaffenden!



Re: Denkfehler?



Ein Folie unter dem Rohboden/Unterbeton, bzw. auf einer kapillarberechenden Schotterpackung ist gängige Praxis im Betonbau. Man muss dazu natürlich eine genügend dicke/stabile Folie verwenden, die beim Einbau es Betons nicht perforiert wird und beim Betonieren entsprechende Maßnahmen ergreifen (Schaltafen/Dielen auslegen, über die man mit der Schubkarre fährt, usw.). Die ältesten Böden die ich selbst so gebaut habe sind ca. 35 Jahre alt. Bis jetzt sind noch an keinem Feuchteflecken/-schäden aufgetreten.

Gruß,
KH



Das muss nicht teuer sein.



Wir haben diese großen Wertstoffsäcke aufgeschnitten und überlappend als Abdichtung ausgelegt. Wenn da was beim Betonieren kaputt geht oder verutscht legt man einfach was vom Verschnitt darüber. Zur Bewährung haben wir Eckputzschienen aus dem Abriss verwendet.



Das war jetzt ein Witz, oder?



Die hauchdünnen Wertstoffsäcke sind für garnichts brauchbar, nicht einmal wirklich für Wertstoffe. Das weiß jeder Waschbär. Die Nächste kommt jetzt bestimmt gleich um die Ecke damit, daß doch auch die kostenlosen Obstbeutelchen aus dem Supermarkt super wären dafür...

Ob sich die Bewehrung bewährt, ist auch zweifelhaft.

Eine geeignete Folie kommt von der Rolle. Ich habe unter dem Unterbeton nur ein Geovlies, um das Weglaufen des Betons in den Schotter zu verhindern. Die Dichtbahn kommt auf den Unterbeton, was u.a. den Vorteil hat, daß man sich um die Feuchte des Unterbetons keine Gedanken machen muss und eher weiterbauen kann.

Grüße

Thomas



Re: Das war jetzt ein Witz, oder?



Nein, das nennt man Upcycling:
Aus minderwertigen Plastiktüten werden "hochwertige" Sperrfolien und aus verbogenen Blechstreifen Betonarmierung. Ist doch toll.....
Mit den "kostenlosen Obstbeutelchen" dichtet man danach die feuchten Stellen ab... ;-)

Grüßle,
KH



Danke



huhu guten Abend zusammen, herzlichen Dank für die ganzen Tips!!
Is schön hier im Forum sein Horizont erweitern zu können und was zu lernen.

Liebste Grüße aus Tübingen

Jay