Antiker Größenwahn

21.06.2005



Hallo !

Mal eine Frage an die Architekten und Bau Ings.
Letztens lief im TV "Speer und Er". Im Zentrum von "Germania" sollte doch eine große kuppelförmige Halle entstehen. Hab ich das richtig verstanden, das Ding sollte freitragend 300 (dreihundert) Meter hoch sein ?
Abgesehen davon das ich diese Idee für vollkommen größenwahnsinnig halte, kann ich mir ein solches Gebäude, bzw. dessen Bau nicht vorstellen. Pyramiden, eine simple Konstruktion, aber viel Arbeit. Wolkenkratzer, OK, da werden "Eisenstöckchen" aufeinander gestapelt. Kölner Dom, für mich immer wieder unglaublich wie die das früher gemacht haben.
Aber wie baut man eine 300m Hohe Kuppel aus Beton, Steinen oder sonstwas ? Wäre das mit den damaligen Mitteln möglich gewesen, abgesehen davon das wahrscheinlich tausende Zwangsarbeiter ihr Leben hätten lassen müssen ? Oder kann man das auch zu einem dieser Pläne des "Führers" zählen, die glücklicherweise nicht funktioniert haben ?

Viele Grüße,
Karsten



"Germania"?



Dachog. Es kommt auf den Zweck an. Die riesigen Staudämme überall auf der Welt, sind Bogentragwerke und die werden mehr als nur mit ihrem Eigengewicht belastet. Die Machbarkeit wäre schon gegeben. Mfg ut de ole Mark



Staudamm



Hallo !

Ja, das so etwas theoretisch von der Statik machbar wäre, glaub ich schon. So ein Staudam ist für mich "nur eine Wand" das kann ich mir vom Bau vorstellen. Aber so eine Riesenkuppel... Bau ich da ein 300 Meter hohes Gerüst, eine Schalung oben drauf und dann Beton draufkippen oder mit Ziegelsteinchen ein nettes Gewölbe mauern ?
Ich glaub das fragen wir mal bei der Sendung mit der Maus ;-)

Viele Grüße,
Karsten



spannbeton...



Tja die Deutschen waren damals nicht nur bei Waffen die Nr 1 (...) sondern auch beim Betonbau.

Das Geheimnis heißt hier: Spannbeton!
Gespannt wird hier eigentlich nicht der Beton, sondern die Stahlbewehrung in den Trägern.
Praktisch werden die Enden der Stahlstangen in den Trägern mit Gewinde versehen und nach dem Gießen und vor dem Ausschalen des Betons mit großen Muttern gezogen.

Der Effekt ist, das sich die Träger beim Entfernen der Schalung nicht erst soweit durchbiegen müssen, bis die Spannung der Stahlbewehrung von selbst erreicht wird, sondern so bleibt wie sie ist.

Die Rissgefahr im Beton ist somit reduziert und die möglichen Spannweiten enorm erhöht bzw. der Materialaufwand enorm reduziert.

Pionier ohne Vorspannung ist die damals schon beachtliche Jahrhunderthalle in Breslau (steht heute noch) von 1913.

Die damals weitgespannteste Halle der Welt war die (unvollendete) Halle der Volksgemeinschaft in Weimar von 1937 (heute Goethe-Center).

Aktueller Rekord ist der ehemalige Postbahnhof in München aus den 70ern (an der Friedenheimer Brücke).


Heute ist diese Technik auch bei Normalen Bauten üblich.

Viele Grüße

Chris