Fussbodenaufbau 300 Jahre altes Steinhaus - bitte um Hlfe

21.02.2009



Hallo,

wir haben ein altes Steinhaus:

- nicht unterkellert
- Erd-/Lehmboden
- ca. 40cm wurden bereits abgegraben


Im Erdgeschoss soll teilweise Holzboden und teilweise Naturstein (Sollnhofer) verlegt werden.


geplanter Fussbodenaufbau f. Holzboden:

- Geovliess
- ca. 30cm Schaumglasschotter verdichtet 1,3:1
- Polsterhölzer/Konterlattung
- Tannen-Schiffboden



geplanter Fussbodenaufbau f. Natursteinboden:


da bin ich mir sehr unsicher.

wir möchten beim Steinboden Fussbodenheizung.

der Unterbau sollte diffusionsoffen sein - wegen evtl. aufsteigender Feuchtigkeit...; zur Schonung des Mauerwerks (?).

von Beton/Estrich... (?) habe nichts gutes gehört/gelesn - stimmt das?


- Geovliess
- ca. 30cm Schaumglasschotter verdichtet 1,3:1
- ?? ...
- ?? ...
- ?? ...
- ?? ...
- Naturstein (Sollnhofer)


Bitte um zahlreiche Tips mit pros/contras wenn möglich, Danke!


Erich



Fußboden



Hallo Erich,

Zuerst zum Bereich Dielung:
Das Geotextil brauchen Sie nicht; ich gehe davon aus, das der bindige Boden nicht vernässt ist.
Normaler,üblicherweise erdfeuchter Lehm ist fest und tragfähig.
Die erste Lage des SGS wird etwas in den Lehm eingerüttelt, so entsteht eine gute Verzahnung mit dem Untergrund.

Nachteile Ihrer Variante:
A)Die diffusionsoffene Bauweise setzt die Dämmwirkung stark herab, da es in den Hohlräumen der Dämmung zu Konvektionsströmungen kommen wird.
B) Es kann Erdfeuchte in den Bodenaufbau (Polsterhölzer) gelangen, außerdem wird warme, Feuchte Innenluft bedingt durch die Pumpwirkung des Dielenbelages in den Hohlaum unter die Dielung gelangen. Kondenswasser kann entstehen.

Ich persönlich würde keinen Bodenaufbau in einem Aufenthaltsraum ohne Abdichtung bauen.
Spätere Änderungen im Nutzungsverhalten (z.B.Beläge auf der Dielung) können zu Schäden führen, die Dämmwirkung ist schlecht, egal wie dick die Schaumglasschicht ist.

Mein Alternativvorschlag:
Unterbeton, Abdichtung, Lagerhölzer, dazwischen Dämmung,
Dielung.

Zum Massivboden

Erstmal würde mich würde interessieren, was Sie konkret über die schlimmen Auswirkungen von Beton bzw. Estrich gehört oder wo gelesen haben.
Das Mauerwerk geschont (vor was?) wird, wenn Fußböden diffusionsoffen sind, ist ein Märchen.

Bei Massivböden wie dem bei Ihnen geplanten ist Unterbeton die günstigste Lösung.
Es gibt verschiedene Varianten:
Klassisch wäre ca. 10 cm Unterbeton, darauf eine Abdichtung, darauf Wärmedämmung (z.B. Styrodur) darauf Estrich und dann darauf den Steinbelag im Dünn- oder Mittelbettverfahren eingebaut.
Da Sie mit SGS arbeiten wollen, bauen Sie in den betreffenden Räumen auf den eingebauten SGS statt Polsterhölzern eine Trennlage aus Ölpapier und darauf ca. 10 cm Beton ein. Wenn die Oberfläche sauber und eben abgezogen wird, kann optional eine mineralische Abdichtung (Dichtschlämme) und darauf der Belag eingebaut werden.
Wenn die Oberfläche zu uneben ist, mit Ausgleichspachtel nacharbeiten oder mit Dickbett beim Belag arbeiten.

Viele Grüße

p.s. Ich hoffe, das die Abgraberei nicht unter die Fundamentoberkante geführt hat!



Fussbodenaufbau 300 Jahre altes Steinhaus - bitte um Hlfe



Hallo Georg,

danke für die super-rasche Antwort!

Zu Deinem Alternativvorschlag bzgl. Holzboden:


Unterbeton, Abdichtung, Lagerhölzer, dazwischen Dämmung,
Dielung.

Soll der Unterbeton auf den Glasschaumschotter? Oder einfach den Beton auf den Lehmboden giessen und dann weiter im Aufbau wie oben beschrieben?

Abdichtung ist Folie, an den Rändern zur Mauer hin verklebt? Oder?


Zum Massivboden:

Gehört und gelesen habe ich, dass sich alte Bausubstanz, in der eigentlich nur mit Stein, Sand, Kalk und Holz gearbeitet wurde ganz allgemein nicht so gut mit Beton verträgt. Einerseits wegen der grösseren Härte und v.a. auch wegen der nicht-diffusionsoffenen Eigenschaften von Beton der (angeblich; ich bin Laie) das alte Mauerwerk "erstickt" wenn man ihn im Putz hat und wenn in alte Häuser Betonunterbau gegossen wird soll das die Feuchtigkeit quasi einsperren und die steigt dann mit den Jahren (5-7?) im Mauerwerk auf und die Steinwände werden feucht/nass.

Was meinst Du/Ihr dazu?

Habe ich Deinen vorgeschlagenen Bodenaufbeu f.d. Massivboden richtig verstanden:

- 10 cm Unterbeton direkt auf den Lehmboden
- Abdichtung (Folie?)
- Wärmedämmung (z.B. Styrodur)
- Estrich (7cm? darin die Fussbodenheizung)
- Steinbelag

Und bei der 2. Variante für den Massivboden habe ich nicht genau verstanden wo dann die FB-Heizung hinkommt...:

"SGS arbeiten wollen, bauen Sie in den betreffenden Räumen auf den eingebauten SGS statt Polsterhölzern eine Trennlage aus Ölpapier und darauf ca. 10 cm Beton ein. Wenn die Oberfläche sauber und eben abgezogen wird, kann optional eine mineralische Abdichtung (Dichtschlämme) und darauf der Belag eingebaut werden.
Wenn die Oberfläche zu uneben ist, mit Ausgleichspachtel nacharbeiten oder mit Dickbett beim Belag arbeiten."

- SGS
- Ölpapier
- 10cm Beton
- Dichtschlämme?
- und darauf dann Estrich? inkl.. FBH
- SteinBelag


Danke und liebe Grüsse,


Erich



Fussbodenaufbau 300 Jahre altes Steinhaus - bitte um Hlfe



zwei Nachträge noch:


- wir habe nicht tiefer gegraben als das Fundament in den Erdboden reicht - wir haben es also nicht "untergraben"

- ich meinte natürlich Zement und zementhältigen Putz und Bodenaufbau und nicht Beton (wobei Beton ja ohnehin Zement enthält soweit ich zu wissen glaube) ;o)


Erich



Fußboden



Bei der klassischen Variante brauche ich keinen wärmedämmenden Unterbau unter dem Unterbeton, da die Dämmung oberhalb liegt. Kies genügt also auch.
Falls das Material schon eingebaut ist, dann die andere Variante mit Trennlage (Folie, Ölpapier...) auf dem SGS.

Zum Beton in alten Häusern:
Grundsätzlich sollte man immer Materialien miteinander kombinieren, die gleiche oder ähnliche physikalische Eigenschaften haben. Das heißt aber nicht, das man generell auf bestimmte Materialien verzichten muß. Es kommt immer auf den Einzelfall an.
Es zählt nicht die Art des Materials, sondern Wärmeleitfähigkeit, E- Modul, Festigkeit, Dichte, pH-Wert...
Der von mir vorgeschlagene Unterbau hat keinen Kontakt zum Holz und zu den Wänden, vorausgesetzt er wird fachgerecht mit Trennlagen eingebaut.
Nicht fachgerechter Einbau und falsche Materialwahl ist es, der zu Schäden führt und nicht das Material.

Der Beton liegt bei meinen Vorschlägen immer unter einer Abdichtung auf der erdzugewandten, feuchten Seite. Ob der Beton da feucht oder trocken ist, ist ihm völlig egal, wichtig ist, das die feuchteempfindlichen Bauteile darüber trocken sind.
Deshalb setzt man ihn dort ein, weil er nicht feuchteempfindlich ist.

Was die Wände betrifft:
Auch ein Wandfundament liegt auf der äüßeren, feuchten Seite der Umhüllungskonstruktion. Zwischen der äußeren Seite und den Materialien bzw. Bauteilen, die innen Kontakt zum Wohnbereich haben, muß eine Abdichtung liegen. Fundament/ Bodenplatte feucht, Dielung trocken.
Es spielt also keine Rolle, ob das Fundament oder ein Teil der Wand darüber feucht ist, solange der wichtige Bereich mit den feuchteempfindlichen Bauteilen durch eine Abdichtung geschützt ist, also unterhalb der Wohnebene liegt.
So eine Abdichtung kann auch ein ein Sockelmauerwerk aus Natursteinquadern sein.
Irgendwie hat sich ein Märchen festgesetzt, in dem man glaubt, wenn der Fußboden abgedichtet ist, die Feuchte quasi bei einem verengten Qerschnitt jetzt durch die Mauern nach oben dringt.
Das ist Quatsch.
Die Kapillarität, wenn sie denn im Mauerwerk vorhanden ist,
führt nur zu einem relativ geringen Teil zu Mauerwerksfeuchte. Und ihre Größe hängt nicht davon ab, ob daneben auf dem Boden Beton liegt oder nicht, sondern von den Materialeigenschaften des Baugrundes und des Wandmaterials.
Bei grobporigen Materialien wie Kies oder SGS spielt die Kapillarität keine Rolle sondern die Diffusionsfähigkeit, der Feuchtetransport erfolgt hier gasförmig.
Der hängt wiederum hauptsächlich von Klimabedingungen wie rel. Luftfeuchte und Temperatur ab.

Falls keine Abdichtung vorhanden ist, stellt sich ein Feuchtegleichgewicht ein, das wiederum von anderen Faktoren abhängt (Salzgehalt, Raumklima), nur nicht davon, ob neben dem Fundament Beton liegt.


Viele Grüße



Fußboden



Nachtrag zum Fundament:
Ich habe davor gewarnt, das Fundament nicht
"TIEFER ALS BIS ZUR OBERKANTE"
freizulegen.
Die Unterkante ist noch ein paar Grade gefährlicher.

Warum?
Streifenfundamente tragen die Lasten nicht nur über Sohlpressung, sondern auch über Mantelreibung ab. Das sind Scherspannungen an der äußeren senkrechten Fundamentfläche zwischen dem Erdreich und den Fundamentseitenflächen. Wenn ich diese Flächen durch Aufgraben verkleinere, kann es schlimmstenfalls zum partiellen Grundbruch kommen.
Das Fundament und damit die Wand bewegt sich nach unten und nach innen.

Viele Grüße