Altersbestimmung über Fachwerkform

28.08.2004



Hallo!
Ich interessiere mich für die Altersbestimmung von Fachwerkhäusern anhand der Fachwerkform.

Unser eigenes Fachwerkhaus soll laut noch halb vorhandenem Türbalken von 1688 sein. Jetzt habe ich gehört, dass, je älter ein Fachwerkaus ist, desto flacher die diagonalen Rigel gebaut sind. Demnach wäre unser Haus jünger oder wurde renoviert.

Wer kann mir helfen?
Ich habe im Forum schon gesucht unter Altersbestimmung und Erbauungszeit, habe aber nur Verweiße auf ältere Artikel zu diesem Thema gefunden, die ich wiederum nicht mehr gefunden habe.

Vielen Dank schon mal!



Dendeo Probe (Holzalterbestimmung)!!



Guten Tag S. Mauritius
zu ihrer Frage die Sie hier im Fachwerkforum gestellt haben würde ich Ihnen vorschlagen eine Dendeo Probe entnehmen zu zulassen.

Mit dieser Dendeo Probe wird das Felljahr Baumes genau bestimmt dies ist auch meistens das Baujahr des Fachwerkhauses plus minus ein Jahr.


Wenn Sie diesbezüglich noch Fragen haben können Sie sich ja mit mir in Verbindung setzen.


Mit zimmerlichem Gruß
Andreas Vollack
aus Hann. Münden





Vielen Dank für Ihre Antwort, aber ich meine eben genau nicht diese Methode, sondern ich würde gerne wissen, in wie weit ich vom AUSSEHEN, also der FachwerkFORM auf das ungefähre Alter schließen kann. Klar, bei meinem eigenen Haus kann ich das Holz untersuchen, aber z.B. im Rahmen der Dorferneuerung (bayerisches Zuschussprogramm zur Erhaltung der dörflichen Lebensform inkl. der dörflichen Bausubstanz), wenn ich mir im Ort ein erstes Bild verschaffen möchte, wie alt die Häuser wohl sind, kann ich ja nicht jedes erst mal anbohren. Gibt es eine Methode, die sagt, wenn das Fachwerk so oder so aussieht, ist das Haus mindestens so alt (d.h. natürlich, dass es auch alte Häuser gibt, die später renoviert wurden und dabei das Fachwerk verändert wurde)?



Dann muss man aber genau recherchieren



Diese mit der Dendeo Probe war nur eine Möglichkeit die ich angezeigt habe!
Wenn Sie keine Dendeo Probe entnehmen können oder wollen sollten Sie genauer in ihrem Dorf oder Gemeinde Nachforschungen betreiben zwecks welcher Zimmermann hatte sehr viele Häuser im Dorf gebaut und was war typisch für diesen oder beim Bauamt beziehungsweise Denkmalpflegeamt nachforschen vielleicht haben diese auch noch Informationen zu ihrem Haus

Mit zimmerlichem Gruß
Andreas Vollack
aus Hann. Münden



Über kunsthistorische Dokumentation !



Hallo, S. Mauritius

Über die Grundtypen des Fachwerkes, die Zierformen, aber auch über Raumstruktur und Funktion der einzelnen Bautypen, besteht auch die Möglichkeit, ein Fachwerkhaus zwecks Baujahrs zu bestimmen! Jedoch ist eine genaue Monats bzw. Jahresangabe des Errichtens nicht genau zu benennen! Da ist eine Bestimmung über eine Dendrochronologie des Holzes schon sehr genauer!

Aber da dein Interesse besteht über die jeweiligen Formen und Bautypen, eine Bestimmung herauszufinden, hier ein paar gute Info-Quellen:

Hilfe von Behörden:

Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege
Hofgraben 4, 80539 München
Tel. 089 2114-0


Archäologische Denkmalpflege
Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege
Abt. Vor- und Frühgeschichte
Hofgraben 4, 80539 München
Tel. 089 2114-293

Und zum selber gucken und Informieren in deiner Nähe:

Heimatmuseum 1
97523 Schwanfeld
Fachwerkhaus von 1701. Vorgestellt wird die bäuerliche Wohnkultur um die Jahrhundertwende. In einem weiteren Fachwerkbau aus dem Jahre 1650 wird die örtliche Handwerkstradition dargestellt

Heimatmuseum 2
97638 Mellrichstadt
Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert. Das Museum zeigt Heimatkundliches, ortsansässiges Handwerk und ländliche Wohnkultur

Auch in Buchform, gibt es sehr umfangreiche Puplikationen, zwecks kunsthistorischer Dokumentationen von Fachwerk. Als Beispiel sei mal ,,Fachwerk im Weserraum" von Wilhelm Hansen genannt! Auch wenn man nicht aus der Ecke kommt, sehr informatives Material!

p.s. @Habe gehört: Über Riegelstärken ist es nicht möglich, eine Bestimmung festzulegen!Die Stärke, hatte was mit Vorkommen des Baustoffes Holz, der Größe des Geldbeutels der Bauherrnschaft und auch dem Einluß des Zimmergesells zu tun!

wünsche Dir viel Erfolg bei der Bestimmung!
Würd mich freuen, wenn Du uns auf dem laufenden hälst!

schöne Grüße
Zimmergesell Michael



Dendochronologie



die von Andreas Vollack genannte Analogie zwischen Fälldatum und Baujahr ist meistens nur dann anwendbar, wenn es sich um die wesentlichsten Holzkonstruktionsbestandteile handelt z.B. Schwelle, Ständer. Aus der Archäologie ist wohlbekannt, dass hingegen sehr oft Hölzer aus abgerissenen und vom Brand verschonten Häusern verwendet wurden, insbesondere bei Riegeln ist die zu beobachten. Dabei wurde aber immer darauf geachtet, dass die "neue" Funktion, hinsichtlich der Druck- und Zugbelastungsrichtungen vergleichbr war (d.h. aus einem Rähm wurde nicht plötzlich ein Ständer) Immer führt dieser Umstand dazu, dass man sehr oft an einem Haus Hölzer genaz verschiedenen Alters finden kann. Nicht zuletzt ist auch das Fälljahr keineswegs das Baujahr, denn Kammertrocknung gabs noch nicht. Bei sehr alten Objekten kann auch die Radiokarbonmethode weiterhelfen, die zwar nur eine Ganauigkeit von etwa +/- 30 Jahren erbibt, aber manche Frage gut beantworten kann.

Schönen Tag noch



Ungefähre Altersbestimmung über Schmuckformen und Konstruktion



Das alter von Fachwerkhäusern kann man anhand verschiedener Merkmale einer Bauzeit von ca. +/-70 Jahre zuordnen.
In Franken zum Beispiel sind verschiedene Schmuckformen bestimmten Zeiten zuzuordnen. Z.B. ob und wie Feuerböcke in den Fachwerkfeldern vorkommen.
Zudem kann man oft auch anhand der Dachneigung und der Dachkonstruktion(Verbindungen/Blätter/Zapfe/Stuhlkonstruktionen) Rückschlüsse auf die Bauzeit schließen.
Ich empfehle hierzu diverse Bücher von Konrad Bedal (u.a. Fachwerk in Franken). Er ist der Leiter des Fränkischen Freilandmuseums in Bad Windsheim. Ein Besuch dort lohnt auch, um die Unterschiede der verschiedenen Regionen und Baustile und deren Entwicklung nachvollziehen zu können.
Grundsätzlich ist aber immer zu berücksichtigen, dass die Baustile sich nicht einheitlich weiterentwickelt haben. Vor allem in ländlichen Gebieten hat man stets "konservativer" gebaut und ist dem technischen Standart in den Zentren um bis zu 100 Jahre hinterher gewesen.
Bei Interesse suche ich gerne ein paar Buchtitel dazu heraus.
Schöne Grüsse aus Franken.



Vielen Dank für die vielen Beiträge!



Zunächst möchte ich mich für die bisherigen Beiträge sehr bedanken, mit denen ich schon sehr viel anfangen kann.

Zum Thema Fachwerk in Franken:
Da bin ich an Buchtiteln sehr interessiert, da unser Fachwerkhaus (übrigens eine Wassermühle) in Franken steht (LK Aschaffenburg) und wir schon zweimal in Bad Windsheim waren, dort steht die Ölmühle aus Königshofen, das ist nicht weit von uns.

Viele Grüße
S. Mauritius



Bücherliste zum Wochenende



Die Bücherliste stelle ich am Wochenende zusammen und mail sie zu.
Bis dahin. Schöne Woche.



Buchempfehlungen für kunsthistorische Dokumentationen



- Bauernhäuser in Mittelfranken
von Johann Friedrich Fischeisen

- Fachwerkbauten in Franken
von Alfred Höhn

viel Erfolg bei den Nachforschungen



Weitere Bücher:



H.Gebhard/K.Bedal: Bauernhäuser in Bayern - Bd.3 Unterfranken München 2001
Karl Klöckner: Alte Fachwerkbauten Augsburg 1999
viel läßt sich aber schon im bereits vorgeschlagenen "Fachwerkbauten in Franken" finden, dort werden auch verschiedene Fachwerkschmuckformen gegenübergestellt.
Schöne Grüsse aus Höchstadt/Aisch