Beschädigte Ziegelsteine im Keller - wie sanieren?

16.07.2014 Marc



Hallo liebe Fachwerk.de Community,

erst kürzlich bin ich auf das Forum gestoßen und nun möchte mich auch etwas beteiligen :-)

Zu meinem Problem habe ich bereits nach anderen Beiträgen gesucht konnte aber nichts genau Gleiches finden…

Der Keller meines Gründerzeithauses aus dem Jahr 1912 weißt leider Mängel auf. Der Putz ist Stellenweise abgefallen (wohl wegen Feuchtigkeit) und daher sieht man auch die Ziegelsteine. Leider sind vereinzelte Ziegelsteine zumindest an der Oberfläche in schlechtem, porösem Zustand. Teils ist dies nur ein einzelner und alle anderen darum sind immer noch so fest dass mit einem Meißelhieb fast nichts auszurichten ist. Ist hier seinerzeits eine Charge aus einem schlechten Brand untergekommen?
Die Frage ist was sollte ich machen? Es geht mir nicht um die Optik sondern darum dass die langfristige Standfestigkeit nicht beeinträchtigt wird und wenn möglich der Zerfall gestoppt wird. Ich habe heute die losen Ziegelteile entfernt und ein paar Bilder gemacht:

Bild 1 = zeigt dass es wirklich nur einzelne Ziegelsteine sind
Bild 2 = Hier ist eine ganze Reihe beeinträchtigt
Bild 3 = Hier ist alles durcheinander… im Sockel scheint ein Naturstein zu liegen, daneben ein großer Backstein(???). Darüber ist eine Reihe von Ziegelsteinen die ca. 4cm weiter raushängen als alle anderen was eventuell darauf schließen lässt dass schon einmal etwas gemacht wurde?
Bild 4 = Hier fehlen einige Ziegelsteine vollständig was mir wirklich sorgen bereitet

Weitere Infos: Die Wandstärke beträgt ca. 50cm. Die Hälfte des Kellers ist ein Gewölbekeller.

Zur Schadensbeseitigung würde ich nun die losen Teile abklopfen und die Öffnungen mit neuen Ziegelsteinstücken zumauern. Ist dies richtig? Sollte ich dafür Quellmörtel nehmen? Die Frage ist auch was ich dort mache wo nur 4cm Ziegel dann fehlen… ein 3cm Ziegelstück (geschnitten mit Steinschneidemaschine) + 1cm Mörtel bringt statisch nichts oder? Alternativ die ganze Sache mit Blitzbeton zumachen ist wohl nicht richtig?

Also ich freue mich über jeden Hinweis bzw. Tipp!





Bild 2





Bild 3





Bild 4



Tragfähigkeit Mauerwerk



Statisch gesehen haben die Schäden keinerlei Auswirkung auf die Tragfähigkeit.
Entstanden sind sie einmal durch unterschiedliche Steinqualitäten und dann durch Trocknung der Ziegel. Wasser verdunstet, Salze lagern sich im Stein am Verdunstungshorizont ab und üben Sprengwirkung aus. Frostschäden sehen genau so aus.
Mit Kalkmörtel auswerfen, Ziegelsplitter eindrücken, abstreichen, das wars. Die Fehlstelle am Pfeiler neu ausmauern. Kein Quellmörtel oder ähnliche Pülverchen, zum Ausmauern Kalkzementmörtel nehmen (etwas Zement in den Kalkmörtel mischen)
Standardrezeptur: Weißkalkhydrat/Sand 1/3.
Da die Verdunstung weitergehen wird, sind solche Schäden auch in Zukunft zu erwarten.



Danke!



Besten Dank Herr Böttcher für Ihre rasche Antwort! Anhand Ihrer Antwort haben sich mir drei Fragen ergeben:

1. Muss wirklich nicht in die oberste Fuge Quellmörtel wenn die Fehlstelle am Pfeiler ausgemauert wird (zwecks Kraftschlüssigkeit)? Ein eventueller Mehrpreis und Mehraufwand bin ich gerne bereit einzugehen wenn dies besser wäre.
2. Wenn ich es richtig verstanden haben sollen die Fehlstellen nicht mit Kalkzementmörtel sondern nur mit Kalkmörtel ausgeworfen werden? Auch hier ist ein Mehrpreis egal.
3. Was verstehen Sie unter Ziegelsplittern? Splitter die Fingernagelgröße haben oder Stücke in Mobiltelefongröße?



Keller



Vergessen Sie das endlich mit dem Quellmörtel.
Sie wissen nicht wozu er gedacht ist und nicht wie er funktioniert, außerdem ist er bei Ihnen überflüssig.
Logischerweise nimmt man Ziegelstücke die in die Vertiefungen passen. Größere empfehle ich ihnen nicht zu nehmen. Wo kriegen Sie welche her: Maurerhammer, ein Zigelstein, passende Stücke abschlagen.
Selbst gemachter Kalkmörtel (ein bisschen Sand werden sie sicher organisieren können) und ein Sack Weißkalkhydrat für ca. 5,- € reicht. Mit dem Rest vom Kalk können Sie den Keller weißen.
Wenn das zu kompliziert ist:
Kaufen Sie im Baumarkt einen Sack Putz- und Maurermörtel, auch etwa 5,- €. Der geht auch, zum Mauern und zum Putzen. Da kriegen Sie auch eine Trapezkelle und einen Maurerhammer.



Überarbeitung



Moin,

im wesentlichen, außer bei der Beschädigung bei Bild 4, hast du es mit einer Schadsalzproblematik zu tun. Dies rührt aus einem Feuchtetransport aus dem Mauerwerk und/oder aus der hygroskopizität von Salzen. Das hygroskope Verhalten von Salzen ist abhängig von der Salzart und, grob gesagt, der Luftfeuchtigkeit im Keller. Das Schadensbild ist relativ gering aber man kann deutlich erkennen, dass die Ziegelsteine den Folgen der Salzbelastungen auf Dauer nicht standhalten können.
Also was macht man dann? Man verlagert die Schadsalzmechanismen vor die tragende Wand.
Du kannst die schadhafte Steine mit den Salzbelastungen im Oberfächenbereich etwas herausschlagen (min. 5cm oder am besten Halbsteinmaß) und neue Steine, die den Eigenschaften deiner Kellerwand entsprechen, einsetzen. Der Grauton der Fugen lässt auf zementöse Mörtel schließen, was auch die Schäden an den Steinen untermauert, da bei Mauerwerken die in Kalk gesetzt sind eher die Fugen und nicht die Steine den Bach runtergehen.
Als Opferschicht, wie auch auf den Bildern zu sehen, ist eine Kalkschlämme aufgebracht. Soetwas stellst du am besten aus Sumpfkalk (Weißfeinkalk CL80 oder CL 90) her. Also selber löschen und mind. 48 Stunden stehen lassen und anschließend 1:3 mit einem feinen Sand versetzen und zu einer streichfähigen Masse einstellen. Aber das Ergebnis ist abhängig von der Salzbelastung. Kommt dir das zu schnell wieder runter solltest du einen Opferputz herstellen...nun wirds schon wieder kompliziert. Also grob gesagt einen Luftkalkputz oder eventuell auch einen natürlich hydraulischen Kalkputz (NHL2) und den als Opferschicht aufbringen. Wichtig ist, dass du eine Opferschicht konstruierst, damit dir dein Mauerwerk nicht wieder flöten geht.
Ganz wichtig, wenn auch hier in abgeschwächter Form, denn das Mauerwerk lässt Fragen offen, keine Zementanteile in eventuellen Opferschichten.
Mit dem Quellmörtel bei dem Auflager des Segmentbogens siehst du das schon ganz richtig. Alllerdings würde ich da immer auf Heißkalktechniken zurückgreifen und nicht auf irgendwelche Pülverchen. Aber wahrscheinlich gehts auch mit Fehlstellen einfach ausmauern. Heißkalktechniken sind sehr schwer umzusetzen.

Gruß Emzet



Kellerwand



Gehts nicht noch komplizierter und verwurschtelter?



Danke für die Antworten!



Ok das mit dem Quellmörtel habe ich nun vergessen ;-) ein freier Architekt hatte mir dies empfohlen… da die Kosten egal sind ziehe ich die fertige Sackware vor. Es ist nun der Kalk-Zementmörtel zum Mauern und Putzen K 01 von quick-mix geworden. Eigentlich hatte ich eher nach einem NM IIa Mörtel geschaut aber dies war der einzig verfügbare Kalk-Zementmörtel (sonst nur Zementmörtel) mit NM II. Das richtige Werkzeug habe ich alles schon.

Empfehlenswert wäre also ein Oberputz/Opferputz?

Welcher Feuchtigkeitswert ist denn optimal? Momentan steht ein Trocknungsgerät im Keller welches ab 75% Luftfeuchtigkeit anspringt. Der Hintergrund ist das bei der kompletten Erneuerung der Hausanschlüsse und der Elektrik im Keller vor einem Jahr ein großer Bauschaden entdeckt worden ist. Die ehemalige Abortgrube welche in den Innenhof rausgeht wurde nur behelfsmäßig zugeschüttet und nicht abgedichtet. So hat sich wahrscheinlich über die Jahrzehnte dort Wasser bis zur Decke, welche fast ebenerdig ist, angesammelt (ich würde einfach mal 5000 Liter schätzen). Zwar ist die Abortgrube Dicht aber das Schadensbild lässt darauf schließen dass die Abdichtung beschädigt war (oder die Anschlüsse) und somit wenig aber beständig Wasser ins Mauerwerk eingedrungen ist. Leider ist dies viel zu spät bemerkt worden weshalb meine Vermutung ist dass der Keller bis dahin eben viel zu feucht war und somit die hier eingangs angesprochenen Schäden entstanden sind. Der bisherige Oberputz lässt sich quasi auch überall leicht abkratzen.

Die Fehlstellen von den Bildern werde ich auf alle Fälle ausbessern. Allerdings wollte ich die Ziegelsteine erst einmal ohne Oberputz lassen um zu sehen wie sich die Sache weiterentwickelt. Ich habe den Eindruck dass die Feuchtigkeit sich nun eingependelt hat. Eventuell wollte ich in Zukunft auch eine aktive Kellerbelüftungsanlage einbauen wegen den Stromkosten des Trocknungsgerätes und etwas frischer Luft. Ich habe Kellerbelüftungsanlagen entdeckt die nur anspringen wenn es draußen trockener ist als drinnen. Nur um Missverständnisse vorzubeugen: Ich möchte den Keller nicht trocken haben sondern möglichst in einem idealen Feuchtigkeitsbereich. Was haltet Ihr davon?

Achso und ergänzend sollte ich vielleicht noch sagen dass das Haus 6-stöckig ist.





wenn du innen trocknest, dann sorgst unweigerlich für Wassernachschub = noch mehr Salz in der Wand. Erst wenn außen dicht ist kann man innen trocknen.
Du musst deswegen nicht abdichten. Ein leicht feuchter Keller ist normal.



Kalk-Zement-Mörtel



Lieber Marc,

Wenn du Deine Feuchtigkeits- und Schadsalzproblematik nicht noch nach oben potenzieren willst musst du auf zementhaltige Mauer- und Putzmörtel verzichten.
Wenn du gezwungen bist auf Werktrockenmörtel zurückzugreifen habe ich hier ein Produkt für dich: Otterbein Putz- und Mauermörtel (NHL5). Dies ist ein Kalkmörtel mit natürlichen Hydraulefaktoren. Das kannst du z.B. über den Onlinebaumarkt "Eichhorn.de" bestellen. Sozusagen als Kompromisslösung. Aber bitte kein Zement, Kalkzement oder Putz- und Mauermörtel aus dem Baumarkt (das geht ja gar nicht...hat sich wohl noch nicht überall rumgesprochen. Naja min. 20 Jahre anerkannte Erkenntnisse über bauschädigende Wirkungen von zementösen Plörren auf Altbaubeständen reichen wohl nicht aus, um auch diejenigen zu überzeugen, die ihre Fachkenntnis wahrscheinlich die letzten 30 Jahre nicht aufgefrischt haben. Bei denen haben ja sogar die alten Römer schon Zement gehabt...das ich nicht lache), damit sind Bauschäden vorprogrammiert.



Danke für alle Antworten!



Jetzt bin ich etwas verwirrt… Emzet du empfiehlst mir unbedingt auf zementhaltigen Mauer- und Putzmörtel zu verzichten. Bei dem von dir empfohlenem Mauer- und Putzmörtel ist aber „sulfatbeständiger Zement“ enthalten (zumindest wenn ich das richtige Produkt gefunden habe)??? Des Weiteren hatte Herr Böttcher mir ja zum ausmauern des Pfeilers insbesondere Kalkzementmörtel angeraten und nur bei den sonstigen Stellen Kalkmörtel (also ohne Zement).



Mörtel



Lieber Emzet,
welche mindestens 20 Jahre alten anerkannten Erkenntnisse über bauschädigende Wirkungen von "zementösen Plörren" in Altbaubeständen gibt es?
Wo werden diese "Plörren" eingesetzt und welche Schäden verursachen sie?
Ich kenne aus der Fachliteratur keine solche Erkenntnisse, wenn man mal von ein paar Allgemeinplätzen absieht die jeder Maurer kennt (harter Putz/Mörtel nicht auf weiche Putzgründe bzw. Steine...).
Ich bitte um Informationen wo solche anerkannten Erkenntnisse zu finden sind. Das wären Fachbücher, wissenschaftliche Pubilkationen, die Merkblätter WTA, DIN, Schadis, Veröffentlichungen von Hochschulen wie der TU Dresden,dem Aachener Institut für Bauschadensforschung, TH Wismar, Fraunhofer Institut Stuttgart, ETH Zürich, oder Erkenntnisse aus den Aachener Bausachverständigentagen... Veröffentlichungen die GENERELL vom Einsatz von Zement in der Sanierung abraten.
Dann möchte gern wissen welche Zemente das betrifft. Immerhin gibt es ein paar dutzend Arten unterschiedlicher Zusammensetzung, Eigenschaften und Zweckbestimmung oder sollten Sie generell alle Zemente damit meinen? Welche allgemeinen Eigenschaften von Zementen sind denn Ihrer Meinung nach so schlimm?
Ich gehe davon aus das der falscher Materialeinsatz und fehlerhafte Verarbeitung nicht gemeint sind sondern objektive Eigenschaften die ich wissen möchte.