Holzwurmbefall - was tun




Hallo zusammen,

eine Frage an die Holzschädlingsspezialisten:

In einem ca, 40 Jahre alten Haus in Holland wurde im Dachgebälk / Dachraumbereich aktiver Holzschädlingbefall festgestellt. Optisch stark befallen sind insbesondere zwei Balken. Weitere Holzteile sind gering befallen (Löcheranzahl).

Nun stellt sich die Frage nach einem geeigneten Verfahren zur Bekämpfung. Ein Handwerker aus Holland meinte er würde das Holz streichen. Ist das erfolgreich und gibt es sinnvolle und gesundheitlich verträgliche Mittel ?

Fotos könnte ich einstellen, weiß aber z.Zt. nicht wie das geht. Kann jemand einen Tip geben ?

Vielen Dank,
mit freundlichem Gruß

Martin



Streichen allein wird wahrscheinlich nicht reichen



Guten Tag, es müsste geklärt werden, welcher Schädling am Werk ist. Prinzipiell auch, ob aktiver Befall oder Altschaden vorliegen. Bei 40 jährigem Gebäude ist aktiver Befall jedoch wahrscheinlich. Sollte es sich um Hausbock handeln, muss vor einer chemischen Bekämpfung abgebeilt werden. (Restquerschnitte prüfen, Verstärken usw. gehört auch immer dazu.)
Alternativ wäre über eine Heißluftbhandlung nachzudenken. Vielleicht ja auch Begsung, aber wahrscheinlich ist das nicht angebracht.
Sie brauchen mit Sicherheit fachkundigen Rat vor Ort. Wie groß sind den die Schlupflöcher? Sind sie rund oder oval? Welches Holz ist verarbeitet (in Holand wird z B. auch mit Pappel gebaut.)
Bei Nagekäferbefall ist zu diskutieren ob bei chemischen Bekämpfungen auf das Abbeilen verzichtet werden kann. Einfach mal eben Streichen (mit was eigentlich?) bringt das Bekämfungsmittel wahrscheinlich nicht dahin, wo es hin soll.
Zu überprüfen ist auch, welche Vorschriften bezüglich Insektenbekämpfung in den Niederlanden gelten.
Mit freundlichen Grüßen Ulrich Arnold



Vorsicht vor Giften



Hallo Martin,

ich rate von der Verwendung konventioneller Holzschutzmittel ab. Bisher wurde jedes Holzschutzmittel irgendwann aus dem Verkehr gezogen, weil man seine Giftigkeit erkannt hat.

Vielleicht ist bei den stark befallenen Balken der Austausch eine praktikable Lösung. Falls nicht, schau mal unter www.masid.de nach den Holzschutzmitteln "HM1" bzw. "Woodbliss" nach. Die Wirkstoffe sind alle auf natürlicher Basis und das Wirkprinzip ein gänzlich anderes als bei den üblichen "Giften"

Grüße und Gutes Gelingen

Thomas





Hallo,

vielen Dank für die Antworten. Die Fragen zum Befall könnte ich mit Fotos zeigen, weiß aber leider nicht wie man hier Bilder einstellt.

Mit freundlichem Gruß

Martin



Hallo Martin,



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Gruß Thomas W. Böhme



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MfG



Giftfreier Holzschutz



Hallo Martin,

Ulrich hat schon die wesentlichsten Punkte benannt. Wenn geklärt ist um welches Insekt es sich handelt und gegebenenfalls die Sparren bis auf das gesunde Holz abgebeilt sind, empfiehlt sich das gründliche Reinigen aller Holzoberflächen mit Pressluft. Danach einsprühen mit Altrosil oder auch Hasil. beides ungiftige Mittel, die mit Holzverfestigung, PH Wert - Veränderung physikalisch auf die Holzstruktur wirken und emissionsfrei sind.Selbst den Echten Hausschwamm habe ich damit erfolgreich bekämpft.
Zusätzlich ist das Holz noch schwer entflammbar und vorbeugend gegen jede Form von Pilz und Insektenbefall geschützt.

Einige der von mir mit den genannten Mitteln sanierten Gebäude finden sich auf meiner Homepage unter Referenzen

www.das-gesunde-bauwerk.de

Mit freundlichen Grüßen aus Berlin


Werner Gensky





Hallo F-F, neue Frage:
in unserem Ferienhaus in der Bretagne haben wir Holzwurmbefall in Eichenbalken unter dem Dach des Schlafzimmers. Der Kern ist natuerlich gut, von aussen etwa 5-7 mm Befall, kleine Loecher, leichter Holzwurmstaub. Es war gerade jemand da, der hat ein Produkt Xillis vorgestellt. Ist dies bekannt, was waere eine effektive Alternative? Xylamon (giftig) etc. scheint nicht sehr effektiv zu sein???
Danke fuer die Antwort(en),
Bretonische Gruesse,
Martin Oehlmann



Eiche ...



wird im Kern kaum von Anobien befallen. Betroffene Stellen Abbeilen oder Lutz Parisek (hier im Forum) fragen.

Vielleicht stellen Sie das besser als neue Frage ein - ist besser zu finden.

Grüße

Thomas



Holzwurm



Hallo Thomas,

vielen Dank fuer die Antwort. Irgendwie hab ich nicht gefunden, wo eine neue Frage formuliert wird... ?

Es handelt sich hier um Anobium Punctatum, auf franz. Vrilliette, also einfacher Holzwurm. Die Eichenbalken sind 80 x 150 mm noch handgehauen krumm ;-)



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Hallo Martin

Als erstes einmal zum Thema Bilder einstellen. Das Mitglied werden kostet nichts und ist auch sonst mit keinen einschneidenden Verpflichtungen verbunden.
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Gruß

Lutz Parisek



Befall "la petite vrillette" (anobium punctatum)


Anobium punctatum - Gewöhnlicher Nagekäfer (Larve)

Zum Befall durch den "Holzwurm":

Ich denke Ulrich Arnold hat schon das Wesentliche gesagt. Den holländischen Handwerker würde ich allerdings dringend mit etwas anderen beschäftigen. Auch dem von Werner Gensky immer wieder wärmstens empfohlenen Mittelchen kann ich ganz besonders bei einem aktiven Befall beim besten Willen nicht zustimmen.

Damit sind wir allerdings wieder bei den zentralen Fragen:
a) Hat der holländische Handwerker dies als Befall von "la petite vrillette" diagnostiziert oder ein wirklicher Fachmann?
b) Ist dies wirklich ein aktiver Befall (frische Ausmehlungen, frische helle Ausflugslöcher etc.)???

Wie Uli Arnold schon sagte: Bitte einen wirklichen Fach-mann/frau holen!

Gruß

Lutz Parisek



Insektenbekämpfung Frankreich



Guten Tag Herr Oehlmann,
das von Ihnen genannte Mittel ist mir nicht geläufig. Ich vermute, dass sie ein Produkt aus der Handelsnamenseihe "XILIX ..." meinen. Ich habe leider nur das französische Holzschutzmittelverzeichnis von 2002 vorliegen. Dort wird unter dem namen Xilix mit weiteren Namenszusätzen, die Produktfamilie des Konzerns "Cecil" geführt. Unter den bekämpenden Mitteln gegen Vrillete gab es 2002 z. B. Xilix confort CSI (Wirkstoff Cypermenthrin), Xilix CP 86 Pro(Wirkstoff Cypermenthrin + Permethrin), Xilix CP 90 Pro(Wirkstoff Cypermenthrin), Xilix confort FI 2(Wirkstoff Cypermenthrin + Propiconazol), Xilix CP 80 (Wirkstoff Cypermenthrin + Quaternäres Ammonium), Xilix CP 90(Wirkstoff Cypermenthrin + Quaternäres Ammonium) und Xilix CP 96(Wirkstoff Permenthrin + Quaternäres Ammonium).
Um über das Mittel mehr sagen zu können, muss also die Information über den Namen noch konkretisiert werden. Dann kann man die Wirkstoffe besser einordnen. Die Xilix Produktreihe wird in Deutschland nicht gehandelt. Es wäre also auch erforderlich das aktuelle Holzschutzmittelverzeichnis der CTBA einzusehen.
Meine Erfahrung ist, dass die Franzosen in der Wirkstoffwahl und Wirkstoffmenge weniger "zimperlich" sind als wir. Bei richtiger Anwendung würde also wohl eine Wirksamkeit gegeben sein. Es stellt sich nur die Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist eine Bekämpfung durchzuführen. Dazu die Fragen: Welchem Klima sind die Balken ausgesetzt? Hat ein Fachman wirklich Aktivität festgestellt? Was würde es für Auswirkungen haben, wenn man den Schaden weiter beobachtet und in Kauf nimmt, dass der Splint zerstört wird. Kann man den Splint Abbeilen und damit das Problem beseitigen? ...
Heißluftbekämpfer sind leider äußerst rar in Frankreich, sonst wäre auch diese Alternative zu durchdenken.
Erste Devise ist Ruhe bewahren und nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen. Besonders wo in Frankreich haptsächlich Bekämpfungsmittel zur Verfügung stehen, die ausgasende Wirkstoffe enthalten.
Fragen Sie doch noch weitere französische Kollegen wie diese den Fall vor Ort bewerten. Leider habe ich die Erfahrung gemacht, dass die ausführenden französichen Kollegen oft sehr "absatzorienterte" Maßnahmen vorschlagen.
Mit freundlichen Grüßen und der Bitte, dass Sie versuchen die gestellten Fragen zu beantworten Ulrich Arnold



Holzwurm



Guten Tag Herr Ulrich Arnold en "goeden dag aan de andere Martin met de oorspronkelijke vraag" (es ist nicht beabsichtigt hier die urspruengliche Frage zu verdraengen ;-)

Vielen Dank fuer die ausfuehrliche Antwort.
Der Kontakt mit dem franz. Fachmann kam folgendermassen zustande: Es rief eine flotte Dame an die sagte, dass alte Haeuser untersucht werden auf Schaedlings- bzw. Pilzbefall und dass man nach einem Besuch von 40 Minuten ein Zertifikat bekommt, der den Zustand bescheinigt. Nun ist unser franzoesisch zwar ok, aber manchmal fehlt die Finesse. Wir haben also angenommen, dass es sich hier um eine offizielle Kontrolle handelt, vergleichbar mit der von Klaergruben.
Der gute Mann hatte ein abgerundetes Verkaufstraining genossen und zeigte eine Mappe mit wunderschoenen Kaefern, Larven etc. In unserem Fall konstatierte er Befall im Gebaelk. Ich muss sagen er hat Recht, es gab leichten Holzwurmstaub. Hatte bei der Dachrenovation so etwas aehnliches wie Xylamon aufgetragen, weil eben vor 8 Jahren Holzwurmaktivitaeten sichtbar waren in den Eichenbalken. Aber ich bin ueberzeugt, dass wenn die Balken bisher so gut gehalten haben, sie dies auch weiterhin tun werden. Der Kern der Eichenbalken ist prima. Es ist halt die Last des Schieferdaches zu beruecksichten und die Stuerme...

Das Mittel Xillis nannte er es. Es gaebe es nicht auf dem Markt, es waere vor 3 Jahren entwickelt und die Anwendung ist mit etwas Hochdruckreinigerartigem. Das Mittel wirkt erst hell auf das Holz, beim Trocknen nach 4-5 Stunden soll es transparant sein. Es soll gut in das Holz eindringen, nicht also 2-3 mm, sondern tief in den inneren Teil. Es waere nicht noetig um die 30 cm Loecher zu bohren und auf klassische Art zu injektieren... Das Mittel soll umweltfreundlich sein und keine Schadstoffe fuer uns frei kommen. Es handelt sich um ein Schlafzimmer!

In diesem Sinne: Gibt es in Deutschland ein Mittel zu kaufen, was Sie empfehlen wuerden?

Merci,

Martin Oehlmann
www.ecovacancesbretagne.com



geht nicht aus der Ferne



Guten Tag Hr. Oehlmann, ein Mittel zu empfehlen geht nicht ohne die Situation gesehen zu haben.
Deshalb habe ich gestern angesprochen einen Fachmann vor Ort hinzuzuziehen. Dass es ein wenig rieselt ist noch kein Beleg für aktive Insekten. Bei Altschäden können durch Erschütterungen auch Nagselstäube austreten.
So wie Sie es dartellen, handelt es sich nur um einen nicht tief gehenden Befall in den äußeren Splintzonen. Desweiteren in einem Aufenthaltsraum. Da würde ich versuchen alle Möglichkeiten ohne Chemie auszuschöpfen. Den Wirkstoff des vom französischen Fachmann empfohlenen Mittels kennen wir immer noch nicht, folglich lässt er sich auch nicht bewerten. Sie selbst haben anscheinend schon einmal "Xylamon" verwendet. Hier handelt es sich ebenfalls um eine Handelsbezeichnug unter der über die Jahre ganz verschiedene Wirkstoffe vermarktet wurden. Hier liegt auch eine gewisses Gesundheitsrisiko. Vermutlich hat Ihre damalige Behandlung zumindest die äußeren Holzzonen erfasst und einen gewissen Bekämpfungserfolg -falls Aktivität vorlag- erreicht.
Vielleicht sind Sie mit dem Besuch eines Statikers besser bedient als mit dem Besuch eines Holzschützers. Der Statiker kann abwägen, ob in der Standsicherheit genug Reserven vorhanden sind, die Splintzonen mit Fraßgängen abzubeilen und keine weiteren Maßnahmen durchzuführen. Dann wären auch die von Ihnen eingebraschten Altlasten minimiert. (Persönliche Schutzausrüstung anlegen)
Weiterhin erfordert eine vernünftige chemische Insektenbekämpfung in der Regel ohnehin ein Abbeilen der Hölzer. Wenn der Tragquerschnitt dann nicht ausreicht, sind ohnehin Verstärkungen oder Holzersatz angebracht.
Das Kernholz ist nach ihrer Aussage nicht betroffen. Das ist gut möglich, denn der Gewöhnliche Nagekäfer kann zwar Eichenkern befallen, zieht aber Splint vor. Wenn nach dem Abbeilen mehr oder weniger nur Kernholz zurückbleibt ist eine chemische Behandlung auch deshalb schwierig, weil in Eichenkern kaum eine Tränklösung einzubringen ist.
Noch eine Anmerkung zu meinen persönlichen Erfahrungen mit Holzschutz in Frankreich:
Freunde haben ein Haus dort gekauft. In Termitengebeiten muss ein Sachkundiger bei Hausverkäufen bescheinigen dass er keine Termiten festgestellt hatt, bzw. eine ordnungsgemäße Bekämpfung erfolgte. Diese Holzschutzfirma hat meinen Freunden nun erzählt der Dachstuhl sei stark von Gewöhnlichem Nagekäfer, Geschecktem Nagekäfer und Hausbock befallen. Es wurden sehr umfangreiche, zweifelhafte Bekämpfungsmaßnahmen angeboten. Ich habe es mir angesehen und folgendes festgestellt: an einzelnen Nadelholzbrtettern waren spärliche alte Fraßspuren von Bockkäfern erkennbar. Gewöhnlichen Nagekäfer und Gescheckten Nagekäfer konnte ich gar nicht nachweisen, dafür aber einen gerinegn Befall mit Splintholzkäfern an den Eichensparren und -deckenbalken.
Da die Sparren dünn bei hohem Splintholzantel waren, habe ich diese abgebeilt. Mit einem CTBA geprüften bekämpfendem Holzschutzmittel behandelt und wo nötig Verstärkungssparren daneben angeordnet und kraftschlüssig verbunden. Die Deckenbalken wären nur durch großflächige Bauteilzerstörungen zugänglich gewesen. Da sie aber größere Holzquerschnitte hatten, habe ich dort empfohlen nichts zu unternhemen (Lyctus geht nie in Kernholz). Natürlich erfordert so eine Maßnahme weitere Beboachtungen. Die Sparren waren nicht in einem Aufenthaltsraum.
Soweit also meine nicht repräsentativen Erfahrungen mit den Aussagen einer französicher Bekämpfungsfira.
Diskutieren sie doch einmal mit einem Statiker über das Entfernen des Splintholzes. Es würde mich auch interessieren, welcher Wirkstoff in Xillis enthalten ist.
Mit freundlichen Grüßen Ulrich Arnold



Da wäre fachlich gesehen...



...rein gar nichts hinzuzufügen.

Ein gewisses Grundmisstrauen regt sich außerdem sofort, wenn ich lese, wie der Kontakt zu diesem "Holzschützer" zustandegekommen ist. Vermutlich findet er fast überall was.

Und dann Holzschutzmittel aus Hochdruckreinigern versprühen, mit Summa summarum bisher unerreicht guten Eigenschaften..., naja, Sie sind ja selber schon skeptisch geworden.

Grüße

Thomas



Holzwurm



Sehr geehrter Herr Arnold,

vielen Dank fuer die ausfuehrliche Antwort. Ruhe bewaren ist die beste Devise in der Tat, es handelt sich womoeglich um alten Staub und der gute Mann versuchte einen Kunden zu fangen. Werde das Gebaelk im Auge behalten. Ich koennte mich revanchieren, wenn Sie Rat fuer Strohbau brauchen. Unser Haus an der Kueste (ohne Holzwuermer ;-)) ist ein Staenderbau mit Strohballen als Isolation, auch im Dachbereich. Bilder vom Bau auf www.ecopanneaux.com/galerie/martin

Auch vielen Dank Thomas fuer die Antwort.

Herzliche Gruesse aus der Bretagne,
Martin Oehlmann