Bekämpfung Hausbock , Holzwurm usw .




Hallo
Da ich selbst ein geschädigter bin , befasse ich mich auch sehr intesiv mit diesem Thema .
Möchte einmal Meinungen über meine Denkweise hören .

Ausgangspunkt ist ein Haus aus dem Jahre 1960 .
Ohne Isolierung und Unterspannbahn .
gehen wir mal davon aus , das der Dachstuhl durch Holzwurm und Hausbock befallen ist .
ICH sage : Man wird den Befall einschränken können , aber Nie kompl. ausrotten können.

Überall wird mit dem Heissluftverfahren geworben.
Ich finde , diese Methode taugt nur Bedingt etwas.
Sicherlich werden die Tierchen vorerst in einem begrentzen Bereich abgetötet , können aber jeder Zeit wiederkommen und nicht ausreichend nachgeschütztes Holz wiederbefallen . (Sparrenunterseite , Dachlatten mit Rissbildung , usw usw )
Man kann fast nie einen nachträglichen Holzschutz nach der Heissluftbehandlung an jeder Stelle des Holzes anbringen , weil man dort garnicht hinkommt .
Wie sieht es mit den Dachschraegen aus . Dort kommt das Verfahren nicht immer in Frage und an solchen Stellen muss mit Injektion gearbeitet werden.

Ich persönlich finde das Injektionsverfahren nicht schlecht . Nicht nur , weil ich es bei mir angewandt habe , sondern weil ich dort noch einen zusaetzlichen Schutz des Holzes von Innen her habe , was bei einem Heissluftverfahren nicht der Fall ist.
Auch nach den Injektionen sollte das Holz nachbehandelt werden , genau wie beim Heissluftverfahren .
Wie gesagt , sollte beim Nachbehandeln eine Stelle unzugänglich für das aufbringen des Holzschutzmittels sein , kann es vom Schädling befallen werden .
Beim Heissluftverfahren habe ich dann schlechte Karten , bei einer Injektion habe ich zumindest mehr Hoffnung , dass das Gift(Borsalz) im inneren des Holzes noch etwas bewirkt.


MEINE MEINUNG .
Einmal einen tierischen Holzschädling im Haus = Immer einen im Haus .

freundliche Grüße
Michael



Generell gültig gibt es nicht!



Es gibt diverse Verfahren und es gibt diverse Schadbilder und es gibt diverse Örtlichkeiten! Jede Örtlichkeit mit einem bestimmten Schadbild benötigt ein oder mehrere kombinierte Verfahren.
Wichtig ist m. E. eine Unterscheidung unterschiedlicher Schadinsekten mit ihren jeweiligen Merkmalen und die Feststellung ob ein Lebendbefall überhaupt vorliegt!
Kann ich einen Lebendbefall weitgehend ausschließen, muß ich mich nur noch um konstruktive Schadensbeseitigung kümmern und kann auf Chemie oder Hitze verzichten.
Lebender Hausbockbefall ist nach 60-80 Jahren Standzeit nur vergleichsweise selten anzutreffen.
Es gibt Überlegungen und Untersuchungen, dass Lebendbefall von Insekten nach Injektageverfahren auch nicht komplett abgetötet wurden.
Was ist denn z. B. wenn mit Nagsel gefüllte Frassgänge bestehen bleiben? Dort saugt doch das Frassmehl alle flüssigen Holzschutzmittel auf und das Insekt wird u. U. gar nicht getroffen. Das gleiche gilt bei zu großen Bohrabständen, die zudem auch noch die Querschnitte schwächen.
Das Heissluftverfahren bringt keinen vorbeugenden Schutz ins Holz.
Mit dem Injektageverfahren habe ich eine Vorbeugung, bringe aber gleichzeitig mehr oder weniger Gift ins Haus.
Bei dem Verfahren mit Begasung sowieso.
Infrarot und Mikrowelle ist noch eine Weile in der Forschung und außerdem sehr teuer, bringen zudem auch keine Vorbeugung.
Alle Verfahren haben Vorteile und Schwächen, und können daher immer nur bezogen auf eine bestimmte örtliche Situation eingesetzt werden. Generell gut oder generell schlecht gibt es in dem Fall nicht.
Grüße aus Leipzig
Martin Malangeri





Hallo Michael

Wie Kollege Malangeri bereits ausgeführt hat, ist es mit diesen pauschalisierten Darstellungen ein wenig schwierig.

Du hast natürlich recht:
1. Heißluft, Mikrowelle und Begasung haben keinen vorbeugenden Charakter.

2. Bei einen vorbeugenden chemischen Behandlung erreiche ich auch bei gründlicher Behandlung nicht alle Flächen und vor allem Spalten.


Es ist jedoch anderseits so:

1. Die höchste Behandlungssicherheit habe ich nunmal mit Heißluft oder Begasung da hier alle freiliegenden Holzbauteile erfasst werden.

2. Eine Behandlung durch Injektionen wirft folgende Schwierigkeiten auf:
a) Die Abgrenzung welche Hölzer zu behandeln und welche nicht zu behandeln sind ist nur shr schwer möglich.
b) Eine Bekämpfung nur mit Injektionen entspricht bei einem ausgeprägten Befall nicht der notwendigen Vorgehensweise. Zur Behandlung müssen die befallen Bereiche bis zum letzten Fraßgang abgebbeilt werden. Dies ist in vielen Fällen nicht möglich oder stellt eine erhebliche statische und konstruktive Belastung dar.
c) Wie Kollege Martin bereits hat durchblicken lassen bestehen nach aktuellen Untersuchungen erheblich Wirksamkeitsbeschränkungen bei verschiedenen Wirkstoffen der Holzschutzmittel.
d) Der Dachstuhl wird bei dieser Vorgehensweise erheblich mit persistenten Wirkstoffen kontaminiert.

3.Bei einem begrenzten Einsatz der chemischen Bekämpfung besteht unter Umständen auch die Notwendigkeit die anderen Holzbauteile zu schützen. Hier stoße ich auf die gleiche Schwierigkeit im Bestand alle Bereiche zu errreichen.

DEINE MEINUNG:
"...Man wird den Befall einschränken können , aber Nie kompl. ausrotten können...."
"....Einmal einen tierischen Holzschädling im Haus = Immer einen im Haus...." kann ich aus meiner langjährigen Erfahrung Gott sei dank nicht bestätigen. Wir hatten in unserer über 20-jährigen Praxis nur 2 Reklamationsfälle. Dies sind zwar immer noch zwei Reklamationen zuviel, zeigt jedoch den erheblichen Bekämpfungserfolg bei einer fachgerechten Vorgehensweise.

Den Satz von Malangeri:
"...Lebender Hausbockbefall ist nach 60-80 Jahren Standzeit nur vergleichsweise selten anzutreffen...." kann ich in dieser Form leider nicht bestätigen. Z.B. ist bei Reparaturen, Sanierungen und Erweiterungen mit neu eingebrachten Hölzern eine erhöhte Attraktivität
und oft eine Aufleben eines vorher unerheblichen Befalls verbunden. Diese Aussage wiegt meiner Meinung nach den Eigentümer in falscher Sicherheit. Auch wären hier diverse Untersuchungen zum Fraßverhalten in alten Hölzern zu beachten. Auch geht hierbei immer wieder unter, dass diese These nur für den Hausbock gilt. Der Befall durch andere holzschädigende Insekten ist in überhaupt keiner Weise an das Alter des Holzes gebunden.

Mit besten Grüßen

L. Parisek





Hallo und Danke fuer die Anteilnahme an diesem Beitrag.
Bitte schildern sie mir ihr Vorgehen , wenn ich ein ungedämmtes Dach habe , ohne jegliche Unterspannbahn etc .
Ausserdem ist der kompl. Dachboden mit 2 Lagen OSB Platten verlegt , und in den darunterliegenden Balken ist auch ein aktiver Hausbockbefall. Ausserdem in den Sparren hinter den Wohnräumen.
Wie gehen Sie dort mit Heissluft vor ?
Es wird sicher auch dort Berreiche geben , andem Sie nicht die gewünschte Temp. erreichen und auf andere Methoden umschwenken .

Oder irre ich da ?
Danke




Meine Wenigkeit im Büro  1   (der junge Kerl)

Hallo Michael



Jetzt muß ich doch noch ein wenig nachfragen:

1. Dach ist vollkommen ungedämmt bzw. hohl, also auch hinter der Dachschrägenverkleidung im ausgebauten Bereich ?
(Grundsätzlich bestehen natürlich auch für diesen Fall Behandlungsstrategien mit Heißluft)

2. die Balkenlage unter den OSB Platten ist vollkommen hohl?

3. Wie behandelst du die durch OSB Platten verdeckten Balkenlagen, wenn du hier eine rein chemische Bekämpfung vorhast ?




Um auch deine Schlußfrage zu beantworten:

Nein du irrst hier nicht !
Natürlich gibt es auch schwer zu durchheizende Holzbauteile (Balkenköpfe im Mauerwerk, Sparrenüberstände, Mauerlatten etc.)

Beispiel:
Nachdem durch das Heißluftverfahren von der gesamten Holzkubatur mit sofort abtötender Wirkung und ohne Verbleib großflächiger Holzschutzmittelwirkstoffe weit über 99% behandelt sind, besteht ein fachgerechtes Finishing in gezielten und kleinräumigen Ergänzungsmaßnahmen (unter Umständen auch partiell chemisch)

Merke:
Der qualifizierte Holzschädlingsbekämpfer passt seine Sanierungsstrategien grundsätzlich immer den Erfordernissen der vorgefundenen Situation an. Er versucht auch ohne die lautstarke Pflege von Vorurteilen möglichst ökonomisch und ökologisch die im Einzelfall sachgerechtesten Bekämpfungsmethoden zu finden und eventuell auch miteinander zu kombinieren

Beste Grüße

Lutz Parisek



alter Hausbockbefall und anderes



Hallo Michael, hallo Lutz,
diese 60-80 Jahre Frist für Befall von Hausbock taucht ja bei verschiedenen Strategen immer wieder auf. Ich hatte auch schon Einzelfälle, wo es auch in älteren Gebäuden noch Lebendbefall gab, aber es waren wirklich Einzelfälle. In der Mehrzahl meiner untersuchten Gebäude, höheren Alters war nur noch Insektenschäden festzustellen, von den Verursachern keine Spur. Ich gehe vorsichtig mit dieser Einschätzung um, weil ich um die verschiedensten Untersuchungen weiss, aber es entspricht meinem momentanen Erfahrungsstand.
Deinen Satz Lutz:
"Auch geht hierbei immer wieder unter, dass diese These nur für den Hausbock gilt. Der Befall durch andere holzschädigende Insekten ist in überhaupt keiner Weise an das Alter des Holzes gebunden.", kann man allerdings auch nicht oft genug wiederholen.
Grüße aus verreister Weise, aus Meck-Pomm
Martin Malangeri



Schädling kommt....



Hallo Michael,
Ein Schädlingsbefall tritt oft auf,wenn falsche Baustoffe eingesetzt werden.

Mit freundlichen Grüßen
Mladen Klepac





Hallo
Lutz : es ist ein Beispiel gewesen , mit den OSB Platten .
Wollte nur wissen , ob diese bei Heissluft drin bleiben , oder entfernt werden muessen .
Bei Injektion muessen diese auch entfernt werden , um einen nachtraeglichen Schutz aufzubringen.
Moechte nochmal meine Bedenken schildern.
Wenn wie du sagst die Heissluft auch Grenzen an gewissen Bauteilen hat , so würde diese Behandlung für mich nicht in Frage kommen .
Gehen wir mal davon aus man hat den kompl Dachstuhl ausser die Sparrenueberstaende und andere fuer Heissluft unerreichbare Stellen vom Insekt befreit.
Dann wird sicher der Anwender die nicht erreichbaren Stellen mit Injektion o.ä behandeln.

Wie geschrieben kann eine saubere Nachbehandlung des Holzes fast nur zu 70% gewährleistet sein , da man nicht unter die Sparren kommt , die Dachlatten sicherlich nicht nachbehandeln wird (kenne einen Fall vom Hausbock in einer Dachlatte) und und und . Genau derselbe Fall ist bei Inkektion , mit der Ausnahme , das ich noch Salze im Holz habe , was bei Heissluft nicht der Fall ist.

Gehen wir davon aus , der Nachbar hat eine stark befallene Scheune. Mein Haus wurde mit Heissluft behandelt , die Sparrenueberstaende mit Injektion , und der kompl. Dachstuhl wurde 3x mit Borsalz im Sprühverfahren nachbehandelt . Die Dachlatten nicht und auch die Sparrenunterseiten nicht . Sie werden mir sicher zustimmen , das auch Sie die Latten nicht nachbehandeln und auch bei unerreichbaren Stellen aufgeben , diese mit Salze zu erreichen .Wo man nicht hinkommt , die Insekten aber schon , sind einem nunmal die Haende gebunden.
Was ich sagen wollte .
Der Nachbar hat eine Befallende Scheune . Wo kann ich ruhiger schlafen ?
Ich persönlich bei einem Injektionsverfahen , weil ich dort im Falle eines Falles noch Sicherheit wegen dem Salz im Holz habe , was ich bei einem Heissluftverfahren nicht habe .

Gruß
Michael



Die Tücke liegt im Detail



Hallo Michael

Ich kann deine sehr detaillierten Überlegungen gut verstehen und es gibt hierzu auch noch eine Menge zu bemerken. Um die sehr komplexen Zusammenhänge eines Befalls und seiner Bekämpfung wirklich zu verstehen, müssten wir noch stärker in die Details einsteigen.
Ich will dies im Anhang nur sehr kurz tun, stehe aber ansonsten für deine sehr engagierten Fragen und pauschalen Thesen gerne am Telefon zur Verfügung.

Wir könnten natürlich auch eine sehr lange theoretische Debatte führen, in dem wir sehr viele zusammenkonstruierte Fälle mit Annahmen und Thesen konstruieren. In der Praxis ist aber letztenendes jedes Objekt in seinen speziellen Gegebenheiten zu bewerten und meiner Erfahrung nach ist kein Objekt wie das andere, selbst wenn sie sich in diversen Fällen sehr ähneln.
Wir sollten daher bei konkreten Objekten bleiben.


Daher noch einmal zu Deinem Fall (obwohl er mir stellenweise noch sehr unklar ist):

1. Wir müssen genau trennen zwischen Bekämpfung und Vorbeugung.

2. Eine Bekämpfung im Heißluftverfahren oder einer Begasung ist in jedem Fall sicherer als eine partielle Bekämpfung durch Injektionstechnik.
Denn, wie bereits gesagt:
Bei dem Heißluftverfahren werden alle holzschädigenden Insekten an allen freiliegende Holzbauteilen (also auch den Dachlatten) mit sofortiger Wirkung und ohne großflächigen Verbleib von Holzschutzmittel abgetötet !
Dies ist bei einer chemischen Behandlung leider nicht der Fall!!!

3. Bei der fast akademischen Diskussion über eventuell verbliebene Larven in Balkenköpfen und Sparrenenden* , rate ich bei einem erhöhten Sicherheitsbedürfniß zu ergänzenden chemischen Maßnahmen oder zur Beachtung des Punktes Nr.5
*(Wobei bei Bedarf natürlich auch diese Teile im Heißluftverfahren erfolgreich, sprich mit sofortiger abtötender Wirkung, behandelt werden können)

4. Der vorbeugende chemische Schutz stößt bei dir in beiden Bekämpfungsstrategien auf die gleiche, von dir bereits angesprochene Schwierigkeit.
Allerdings mit dem entscheidenden Unterschied, dass beim Heißluftverfahren bereits wirklich alle Insekten im behandelten Bereich abgetötet sind.

5. Bei sehr schwierigen und kritischen Objekten bzw. Bauherren rate ich zu einer Kombination von Bauwerksverschluß, insektenwidriger Hohlraumverfüllung und Oberflächenschutz von außenliegenden Holzbauteilen. Dies heißt in diesem Fall:
a) Lückenloser Verschluß der Dachkonstruktion durch eine harte Schalung (z.B.Holzschalung+Folie, Weichfaserplatte etc.)
b) Verfüllung der Dachhohlräume mit boratgetränkter Zellulosefaserdämmung in denen der metamorphosiche Zyklus der holzschädigenden Insekten komplett unterbunden wird.
c) Schließen aller Ritze, Spalten und Löcher an den außenliegenden Hölzern und aufbringen eines insektenwidrigen Anstriches.



Im übrigen ist zur beachten, dass zur Kopulation

a) zwei zur gleichen Zeit geschlüpfte Käfer gehören (Dies bei einem zeitversetzten Schlupf cirka aller 7 Jahre und einer Käferlebensdauer von ca. 4 Wochen)
b) diese verschiedenen Geschlechts sein müssen
c) diese sich auch finden müssen( was sich in Laborversuchen als gar nicht so einfach erwiesen hat)



Solltest du noch weitere ins Detail gehende Fragen haben, so stehe ich gerne unter der Telefonnummer 09549 8266 zur Verfügung.

Mit besten Grüßen

L. Parisek