Holzbockbefall sollen wir handeln?

24.11.2005



Wir haben in den letzten 5 Jahren ein Fachwerkhaus aus dem Jahre 1760 restauriert.
Dabei waren im Dachstuhl eine Vielzahl von Weißtannenbalken Balken eindeutig mit Holzbock befallen. Ein großer Anteil wurde ausgetauscht, jedoch haben wir einige befallene Balken im Wohnbereich belassen.
Bereits nach zwei Jahren wurden neue Fenster eingebaut und die Baustelle war praktisch dicht. Im Sommer 2005 wurde die neue Zentralwandheizung in Betrieb genommen, gleichzeitig wurden abschließende Lehmarbeiten vorgenommen.
Seit September sind nun alle Räume behaglich beheizt und trocken.
Bei arbeiten in ruhiger Umgebung habe ich jedoch schon mehrmals in einigen alten Balken leichte Kratz- bzw. Mahlgeräusche wahrgenommen.
Sind dies noch aktive alte Maden, bzw. Käfer die erst noch ausfliegen?
Werden diese im Wohnraum weitere Eier abgelegt und müssen wir mit weiter andauerndem Befall rechnen?
Ich bitte um fachmännischen Rat.



Unsichtbare Bewohner



Hallo Feist M.

Ich bin der Ansicht, dass der entscheidende Fehler vor 5 Jahren gemacht wurde. Der nur teilweiser Austausch von Hölzern bzw. diese "selektive Bbekämpfung" des Befalls lässt zuviele Larven überleben.
Der Befall mit Larven des Hausbockkäfers lässt sich aus folgenden Gründen nicht klar abgrenzen:

□ Bei der Begehung können meist gerade die versteckten Bereiche mit hoher Befallswahrscheinlichkeit (Schichte in der Taupunktzone, Traufe etc.) nicht eingehend untersucht werden.
□ Der aktive Befall des Hausbocks macht sich gewöhnlich nicht durch Mehlauswurf bemerkbar und kann nur durch vereinzelt auftretende Geräusche, frische Ausflugslöcher oder Larvenfunde sicher belegt werden. Eventuelle Ausmehlungen deuten eher auf einen Befall durch parasitoide bzw. prädatorische Insekten hin, was wiederum ein sicherer Hinweis auf die Anwesenheit der holzschädigenden Larven ist.
□ Das Fehlen von Fraßgeräuschen kann jedoch auch auf die noch geringe Größe der Larve oder auf ein bestehendes Stadium der Verpuppung zurückgeführt werde.
□ Das Fehlen frischer Ausflugslöcher kann seine Ursache in der verdeckten Lage oder einem noch nicht abgeschlossenen metamorphosichen Zyklus haben.
□ Larvenfunde können oft nur durch Aufspaltung der betroffenen Hölzer sichtbar gemacht werden.

Wenn die Fraßgeräusche eindeutig sind, handelt es sich um die Larven besagter Käfer und diese werden nach der Verpuppung aus dem Holz schlüpfen.

Um die letzte Frage zu beantworten:
Wenn die schlüpfenden Käfer einen Kopulationspartner finden, werden sie mit einiger Wahrscheinlichkeit ihre Eier in Ritzen und Spalten der vorhandenen Hölzer ablegen.



Hausbockbefall



Ich bezweifele, das in 350 jahre alten Balken noch aktiver Hausbockbefall stattfindet.
Georg



Altholzbefall



Hallo lieber Georg

das Ganze hat weniger mit Glauben als mit Wissen zu tun:

1. Diverse Untersuchungen belegen eindeutig, dass eine Entwicklung in sehr alten Holz durch aus möglich ist und auch stattfindet. Hier einige Ergebnisse:

+ Die Hausbockkäferlarven zeigten in 5 bis 360 Jahre alten Hölzern Gewichtszunahmen; eine erfolgreiche Entwicklung ist also in allen Altersklassen möglich. Mit zunehmendem Holzalter nimmt der Nährwert des Holzes ab, allerdings nicht soweit, daß eine Larvenentwicklung unmöglich würde. Die Larven kompensieren die Abnahme des Nährwertes durch eine Erhöhung der gefressenen Holzmenge.

+ Wenn älteres Holz befallen wird, dann ist der Schadfraß in 60 Jahre alten Hölzern etwa doppelt so hoch, in 100 Jahre alten Hölzer 3-fach gesteigert und in Hölzern über 350 Jahren etwa 5 bis 6 mal so stark wie in frischem Holz.

+ Der rückläufige Neubefall von älterem Holz ist vor allem auf eine altersbedingte Abnahme der Attraktivität durch den Verlust von flüchtigen Holzinhaltsstoffen zurückzuführen. Jüngere Hölzer werden bei der Eiablage deutlich bevorzugt; bei hohem Befallsdruck werden aber auch sehr alte Hölzer belegt, die ihre Attraktivität bereits weitgehend eingebüßt haben. Auch ist gerade bei Sanierungen des Dachstuhls durch den Einbau neuer Hölzer durch die geänderte geruchsintensive Aerosolbildung eine gesteigerte Befallsattraktivität des Dachstuhls festzustellen. Der Nährwert des Holzes wird von den Elterntieren nicht geprüft und ist kein Auswahlkriterium bei der Eiablage.

siehe hierzu auch Körting A. 1961: „Zur Entwicklung und Schadtätigkeit des Hausbockkäfers (hylotrupes bajulus L.) in Dachstühlen verschiedenen Alters“ Anz. Schädlingskunde, 34/10, Seite 150-153 und Neuere Untersuchungen der Bundesanstalt für Materialprüfung.

2. Die Erfahrungen vieler Holzschützer aus der Praxis wissen vom Befall in alten Hölzern zu berichten. So wird in Fachkonferenzen wiederholt von aktiven Hausbockbefall in sehr alten Holzkonstruktionen berichtet.

Gruß

L. Parisek



Hausbockbefall



Danke für die Information