Befall mit "zimtfarbenen Porenschwamm

15.06.2011 Wolf



Liebe Forumsteilnehmer,
wir haben ein 200 Jahre altes Fachwerkhaus unter Denkmalschutz erworben. Nach der Entfernung der Innenverkleidung der Außenwände haben wir 6 Holz-Proben untersuchen lassen. Bei 2 Proben wurde "Phellinus contiguus" festgestellt, einmal unterhalb einer Fensterbank und etwa Fußballgroß an einem Eckständer. Alle Bereiche sind jetzt trocken. Bei den anderen Proben war es "nur" Fäulnis und alter Befall des Grubenkäfers.

Wir haben nun ein uns seriös erscheinendes Angebot erhalten. Die befallenen Stellen sollen abgeflammt werden, danach soll Schwammimprägnierung im Schaumverfahren (Diffusit M) aufgebracht werden. In einem Bereich wo die Bodenhölzer freigelegt wurden soll mit "Diffusit Holzbau B" eingesprüht werden. Diese Bodenhölzer weisen keinerlei Befall auf.
Auch bei den Außenwänden mit einer Gesamtfläche von ca. 135m² sind ca. 80m² völlig ohne Befall, auch keine Schädlinge im Holz. Die restlichen 55m² nur mit altem Käferbefall und alter Fäulnis und eben die 2 Stellen mit dem genannten Schwamm.
Uns irritiert nun, dass die gesamten Wandflächen behandelt werden sollen und auch die Bodenhölzer vorbeugend besprüht werden sollen. Die genannten 55m² wurden wahrscheinlich schon mal ca. 1980 behandelt, vermutlich auch mit Chemikalien die heute nicht mehr zulässig sind. Das wollen wir auch noch untersuchen lassen. Aus diesem Grund graust es uns davor, dass jetzt im gesamten Geschoss die chemische Keule eingesetzt werden soll.
Der IHK-geprüfte Schädlingsbekämpfer macht einen seriösen Eindruck. Dennoch sind wir bei dem Umfang der Arbeiten verunsichert.
Uns würde interessieren wie man im Forum die Sache sieht. Wird hier angemessen saniert oder grob überzogen nachdem der "zimtfarbene Porenschwamm" überdurchschnittliche Wasseraufnahme für das Wachstum benötigt und die Stellen trocken sind und kein aktueller Schädlingsbefall besteht?

Entschuldigung für den doch etwas lang gewordenen Text und vielen Dank für Hinweise.



Gelernt ist gelernt



Hallo

Wenn der Gute das so gelernt hat wird er das so weiter geben und Ihnen das vorschlagen, was er weiß und kann.

Ob das dann nachhaltig, gut und für Sie real ungefährlich ist steht in den Sternen oder in einer DIN oder einem Merkblatt drinnen.

Wenn Sie ein Loch im Zahn haben hilft es auch nicht wenn Sie nur mit den besten Mitteln und Pasten putzen und spülen.

Evtl ist es sinnvoller andere Mittel und Wege zu beschreiten um der Bekämpfung Herr zu werden.
Interessant wäre auch die Ursache der Schädigung zu ergründen.

Wir hatten auch mal ein Beispiel in einem Gebäude. Dort hatte der Fachberater (Zimmermann, Innungsmeister mit zertifiziertem Sachverstand und diversen Urkunden) auch den Vorschlag mit den guten Mittelchen und der Bauherr ging darauf ein. Im Laufe der Arbeiten kamen dem Bauherrn allerdings Zweifel und im Nachhinein mussten nach einer weiteren Überprüfung des Fachwerks hinsichtlich Gift und Statik X m2 ausgetauscht und saniert werden.

Ein weiteres ist: mit was für Materialien wird gebaut, saniert und oder ausgebaut; ist die Ursache der Schädigung gefunden worden, etc.

Manchmal wird halt immer noch nach der Devise: "Viel hilft viel" gearbeitet.

Sein Sie wachsam, vielleicht versteckt sich noch was anderes im Gebälk!

FK





Hallo Wolf,

der Phellinus contiguus wird auch “Großporiger Feuerschwamm” genannt und ist ein eher seltener Vertreter im Haus, und wenn ,so die Literatur, ist er meist mit zu frischem Bauholz eingeschleppt worden.

Nun zum seriös erscheinenden Angebot.:

1. Pilzschäden an Holz kann und sollte man nicht chemisch bekämpfen, siehe DIN 68800-4
2. Diffusit M ist ein Schwammsperrmittel und darf NUR zur Bekämpfung von Hausschwamm im Mauerwerk eingesetzt werden” siehe DIBt und DIN 68800-4
3. Regelt die DIN 68800 auch in welchen Abstand “vom letzten sichtbaren Befall” zu bekämpfen bzw. auszutauschen ist.

Bis dahin ist das Angebot nicht nur überzogen sondern auch falsch.

Diffusit Holzbau B ist ein Mittel das gegen Insekten und Pilze vorbeugen wirkt, gegen Insekten auch bekämpfend. Ob ein vorbeugender Schutz bei Bauteilen ohne Schäden eines immerhin 200 Jahre altem Haus nötig ist?

Die DIN 68800 (ich erwähne sie für Florian so oft und gern) sagt:
“Ausführungen ohne chemischen Holzschutz sollten gegenüber jenen bevorzugt werden, bei denen ein vorbeugender chemischer Holzschutz notwendig ist.”

Grüße
Oliver Struve



Moin Wolf,



im Verlauf der EHEC-Hysterie hat ein Fernsehmagazin sogenannte Abklatschproben an Bus- und U-Bahngriffen in Auftrag gegeben und, oh weh, diverse Krankheitserreger festgestellt.......

Sobald das Kind einen Namen hat, wächst natürlich die empfundene Bedrohung und die deutsche Chemie hat bisher noch für jede dieser Bedrohungen eine Keule entwickelt.....

Ich vermute mal, du hast eine wesentliche Schadensursache durch Entfernen der Innenverkleidung beseitigt und dein Gebälk bleibt in Zukunft "trocken", bzw. du sorgst für einen fehlertoleranten Aufbau und entziehst zukünftigen "Untermietern" so die lebensnotwendige Feuchtigkeit.

Sollte doch eigentlich reichen, oder?

Ich würde das Geld jedenfalls, wenn überhaupt, verwenden um die geschwächten Hölzer zu flicken/tauschen und das Ganze noch ein wenig im Auge behalten.

Grüsse, Boris



Befall mit "zimtfarbenen Porenschwamm



Hallo,
zur Ursachenforschung des Befalls: Ist leider kaum möglich. Die früheren Eigentümer und auch die anschließenden langjährigen Mieter sind verstorben. Bei der Gemeinde/Bauamt ist nicht ein Blatt über das Objekt vorhanden, auch die Beschreibung aus dem Denkmalkataster bringt uns nicht weiter. Wir haben z.B. auch schon Tage damit zugebracht, den Verlauf der Abwasserleitungen ausfindig zu machen.

Wir vermuten eine längere Periode mit defekten Regenfallrohren (am Eckständer), aber in 200 Jahren kann so ein Gebäude natürlich allerhand erleben. Derzeit ist aber alles trocken.
Das gesamte Fachwerk besteht aus Eiche. Die Gefache bestehen aus Feldsteinen mit Luftkalkmörtel, darauf eine dünne Lehmschicht. Danach wurde eine dicke Putzschicht Luftkalkputz aufgebracht. In den unbewohnten Stockwerken ist der gleiche Wandaufbau vorhanden (ohne Putz) und in einwandfreiem Zustand.

Wo der Luftkalkputz im Wohngeschoss noch vorhanden war (wenn auch bröselig) waren die Hölzer darunter trotz Rigips/Styropoverkleidung noch i.O., das waren die Schlafräume und der Flur. Die Schäden sind in den beheizten Räumen Wohn-/Esszimmer/Küche aufgetreten.

Saniert werden soll das gesamte Wohngeschoss mit folgendem Aufbau: Ausgleichsschicht Lehm mit eingelegten Schilfplatten 6-8cm, darauf dann Wandheizung in Lehm. Oberputz Lehm bzw. in Bad und Küche reiner Kalkputz. Die jetzt offenen Böden sollen zwischen den Balken mit Blähton (gebunden mit etwas Lehm) isoliert werden. Darauf Bretter, weiterer Aufbau bis zur Fußbodenheizung ist mir noch nicht klar da die Fläche nicht im Wasser ist.

Vielen Dank für die Hinweise. Es ist immer schwierig, hier die richtigen Entscheidungen zu treffen. Im Innersten beschleicht einen immer dieses ...hätte ich nicht vielleicht doch .....
Na ja, ich tendiere jetzt eher zu einem Austausch des Balkens unter dem Fenster. Beim Eckständer sieht das schwieriger aus da dieser außen eine Verzierung hat. Das Holz ist aber wirklich trocken und soll es auch bleiben.

Ich werde noch ein paarmal drüber schlafen. Nochmals herzlichen Dank für die Hilfestellung.

Grüße Wolf



Aufbau überdenken



HAllo

Ich würde den Aufbau mal überdenken, denn bei einer Innendämmung wird Ihnen die Restwand kälter.
Folglich kann schneller Taufeuchte entstehen, die Ihnen dann auch die "beste" (in meinen Augen sehr blauäugig angenommene) Kapillarität nicht verschaffen kann; zudem haben Sie ja schon ein geschädigtes Bauteil, dass dann ärgerlich reagieren könnte.

Gutes Gelingen

FK



Feuerschwämme und unsere gute Eiche



Hallo,

zunächst muss ich mal Oliver Struve in allen beipflichten. Die "Sanierungs"-Firma scheint allenfalls rudimentäres Verständnis für den Holzschutz zu besitzen.

Zu angedachten Wandaufbau: was kann besser sein für das Austrocknungsverhalten als eine moderate Innendämmung + Wandheizung? Sie schlagen damit vielleicht den besten Weg ein, der am zuträglichsten für Ihr Fachwerk ist.

Zum festgestellten Schaderreger: Phellinus contiguus treffe ich bei Bauwerksuntersuchungen relativ häufig an. Bei der Identifikation ist er spätestens mit einer starken Lupe ein sehr dankbarer Pilz, weil sicher zuzuordnen.

Drei Eigenschaften zeichnen diesen Pilz aus:
1. Er benötigt sehr viel Feuchtigkeit (>35%) und ist daher stets nur auf den direkt durchfeuchteten Bereich beschränkt.
2. Er ist wie die Blättlinge sehr temperaturtolerant und kann auch z.B. an der oberen Dachschalung unter Bitumenbahn existieren (für Ihren Fall aber nicht relevant).
3. Wie viele Weißfäuleerreger kann er auch Eichenkernholz gut abbauen (bei langanhaltenen, hohen Holzfeuchten).

Sie haben also einerseits einen Schaderreger, der Holzfeuchtigkeiten benötigt, die in einer fachmännisch ausgeführten Fachwerkwand nicht auftreten sollten, andererseits dem Eichenkernholz im Havariefall gefährlich werden könnte.

Meine Empfehlung: sichtbar bewachsenes oder durch Fäulnis geschädigtes Holz ausbauen. Der befallene Brüstungsriegel des Fensters ist ein typischer Schadensfall am Fachwerk. Den angrenzenden Eckstiel müsste sich ein Fachmann anschauen. Der in der DIN 68800-4 angegebene Sicherheitsrückschnitt von 30 cm muss möglicherweise/wahrscheinlich nicht zur Anwendung kommen. Wenn nur ein wenig des Splintholzes des Eckstiels geschädigt ist, reicht es wahrscheinlich, wenn der Schadbereiche großzügig ausgestemmt wird.

Gruß
Boris Blenn

PS: Was ist ein Grubenkäfer?



@ Boris Blenn wg. "Grubenkäfer"



Hallo und vielen Dank.

Beim Grubenkäfer habe ich leider etwas gekürzt: der heißt mit vollem Namen Grubenholzkäfer (Rhyncolus Culinaris)

zum Wandaufbau: Wir denken auch das das ok wäre. Florian Kurz hat Bedenken hinsichtlich der Innendämmung. Die hatten wir anfangs auch und es wurde uns von anderer Seite empfohlen, wieder einfach einen "Kalkspatzenputz" so wie er ursprünglich mal drauf war, anzubringen. Also ohne Dämmung und so wie früher den Sand und Kalk vor Ort löschen und verarbeiten. Das können wir uns auch vorstellen.

Da die Beizung mit einer Hackschnitzelheizung erfolgen soll kommt es uns auch nicht auf ein paar m³ mehr oder weniger beim Hackschnitzelverbrauch an. Da das Objekt ein Baudenkmal ist wird die Befreiung von der EnEv wohl kein Problem sein.

Wir sind wieder hin und her gerissen.

Grüße Wolf