Fenster in Bauschaum

28.07.2008



Hallo allerseits,

letzte Woche kamen die Kastenfenster fuers Wohnzimmer, und der Fensterbauer hat sie - in meiner Abwesenheit - auch gleich eingebaut. Leider hat er dafuer Bauschaum genommen; anscheinend nicht einmal vorher eine Schraube gesetzt.
Ich erinnere mich vage an fruehere Beitrage hier im Forum, denen zufolge Bauschaum an Holzfenstern ueber kurz oder lang das Holz zerstoeren wird. Ist das so? Muss ich alles wieder rauskratzen, verschrauben und mit Flachs daemmen, oder darf ich hoffen, dass es so auch halten wird (Suedwand, also keine nennenswerte Regennaesse)?

Danke,
Konrad





Hallo,

hben Sie einen VOB- oder einen BGB-Vertrag ?
bei letzterem ist, wenn nicht detailliert beschrieben, eine Leistung mittlerer Art und Güte gefordert. Das heißt, Bauschaum geht.
Haben Sie einen VOB-Vertrag oder einen KfW-Kredit, geht Bauschaum gar nicht.
Unter Hinweis darauf würde ich mal mit dem Monteur sprechen.

Grüße



Bauschaum verschwindet mit der Zeit, er löst sich quasi in Luft auf,



weil dieses Material von sehr schlechter Qualität ist, chemisch betrachtet also kein restmonomerfreier Kunststoff.
Somit ist die Antwort auf Ihre Frage doch klar !



Von welchem Zeitraum...



...sprechen sie da, Herr Schillberg?

Auch bei meinem Haus wurden Fenster und Türen mit Bauschaum ingesetzt. Das ist aber sicher 30 Jahre her.
Der Bauschaum ist "frisch" wie eh und jeh.

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Wenn der Bauschaum vergehen würde, wäre das ja noch nicht mal das Problem, aus meiner Sicht!

Das Problem ist, dass Bauschaum keine Feuchtigkeit aufnimmt.
Wenn also Feuchtigkeit im Bereich der Fenster ensteht, oder welche eindringt, ist das Fenster- oder Fachwerkholz "gezwungen" diese Feuchtigkeit aufzunehmen.

Sinnvoller erscheint mir ein Material zu wählen, das Feuchtigkeit aufnimmt, von Holzkonstruktionen ableitet und an die Umgebung wieder abgibt. Dazu ist Bauschaum nicht in der Lage!

Ich hätte auch ein Problem damit, wenn mein Handwerker, (VOB oder BGB, sei´s drum), ungefragt Bauschaum verwendet.
Und wenn noch nicht einmal eine Schraube gesetzt wurde, würde ich dass sicher nicht als eine "Leistung mittlerer Art und Güte" bezeichnen.
Wie wäre es mit "Pfusch"??

Aber die "Rechtssprechung" scheint da wohl anderer Meinung zu sein!

Gruß
Martin



klar, ist das schlechte Feuchteverhalten von Bauschaum



das Hauptproblem. Die UV-Strahlung zerstört bereits in der Baustellenphase das künstliche Material.Außerdem gibt es sehr große Qualitätsunterschiede bei Bauschaumprodukten, die man (ich eingeschlossen) als Chemie-Laie nicht eruieren können. Meine Infos stammen von einem Bekannten,der mit Bauschaum seit Jahrzehnten Schwimmbagger ausschäumt. Ihm geht die Arbeit nie aus, er muß jährlich das Zeug nachschäumen,damit die Bagger nicht absaufen.



Und nun?



Bei Martin haelt es ja anscheinend schon seit 30 Jahren. Klar ist die Entscheidung letztlich mein, aber ich nehme gerne Hinweise an.

Denn einerseits ist der Aufwand bei nur drei Fenstern ueberschaubar, aber andererseits wollen wir in drei Wochen umziehen und haben bis dahin Dringenderes zu tun.

Vielen Dank weiterhin,
Konrad





Guten Tag Herr Lehmann,
bitte nehmen Sie es nicht persönlich, aber auch hier stellt sich für mich die Frage, warum Sie nicht einen Fachplaner eingeschaltet haben? Natürlich kostet der Geld! Aber, die Freude am gesparten Geld währt nur kurz, der Ärger über Pfusch und mangelhafte Detaillösungen lange.
Ob Sie dann letzendlich wirklich Geld gespart haben, steht auf einem anderem Zettel.
Warum hat z.B. ein Leistungsverzeichnis für ein FW-EFH ca. 40-50 Seiten? Wohl nicht, weil ich gerne Seiten bedrucke, sondern weil viele Details deutlch dargestellt werden müssen, u.a. auch die Montage und Anschlüsse.
Wie nun vorzugehen ist, ist aus der Ferne nicht zu beurteilen, insbesondere weil ich die gesamte Anschlußsituation nicht kenne, den PU-Schaum sollten Sie aber in jedem Fall entfernen.
Weiterhin viel Erfolg!
Mit freundlichen Grüßen
Bernd Kibies



"Einspruch, euer Ehren"



Bernd, da möchte ich doch ein wenig Einspruch "einstreuen".
Natürlich ist ein Planer sinnvoll. Für "Komplettlösungen" sicher. Für die Erneuerung von ein paar Fenstern auch??

Wenn Konrad einen Fensterbauer beauftragt hat ihm neue Fenster zu bauen, der wiederum diese in Abwesenheit des Bauherren einbaut, dazu Bauschaum verwendet und wohl nicht einmal eine Schraube gesetzt hat, ist es aus meiner Sicht Pfusch!
Da würde auch ein durchdachtes Planungskonzept nichts nützen.

Vermutlich hätte der Fensterbauer, Planungskonzept hin oder her, die Fenster eh so eingebaut wie er es getan hat.

Ich gehe mal davon aus, dass der Fensterbauer ein Fachmann ist. Fenster baut man ja nicht mal eben so. Zum Fensterbauen gehört meiner Meinung nach aber auch der Einbau, als abrundendes "Fachwissen", oder?

Ich finde es gelinde gesagt ein wenig ermündent, bei schlechter Leistung oftmals den Verweis auf VOB, BGB, oder ein fehlendes schlüssiges Planungskonzept zu lesen.

Das alles berechtigt nicht zum Pfusch am Bau oder mangelhafter Leistung durch Fachleute!!

Puhh, ein wenig Luft gemacht ;-))

@Konrad,

ich würde, da es sich offenbar nur um drei Fenster handelt, den Bauschaum entfernen, die Fenster einschrauben, und mit Stopfjute stopfen.
Idealerweise würde ich mir aber, nach vorheriger Absprache, den Fensterbauer dazu holen, bestenfalls die Arbeit durch ihn oder mit seiner Hilfe ausführen.

Gruß
Martin



Noch´n Beispiel zum Nachdenken!



In meiner Nachbarschaft wird ebenfalls ein Fachwerkhaus renoviert. Das Haus ist ein Einzeldenkmal, Kulturdenkmal also.

Auch bei diesem Haus wurden die Fenster durch ein Fachunternehmen erneuert.

Und??? Bauschaum!

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Ich gehe davon aus, das alle Massnahmen an diesem Haus mit der UDB abgesprochen und durch diese genehmigt wurden.
Bauschaum gehört sicher nicht dazu.

Wird sich die UDB durch einen BGB-Vertrag besänftigen lassen? Ich glaube kaum.

Gerade im Erhalt schutzwürdiger Fachwerkhäuser sollte man sich nicht darauf berufen! Da ist auch mal die Leistungsfähigkeit und die Fachkundigkeit und vor allem auch das Nachdenken der ausführenden Betriebe gefragt.

"Schäumende" Grüße
Martin



Fachplaner für 3 Fenster?



Das erscheint mir maßlos übertrieben. Dann sind da noch einige "Fachplaner" drunter, die Bauschaum für den Stand der Technik halten...

Bei einen 08/19 Plastefenster wäre statt einem Tischler vermutlich nur ein Teilemonteur gekommem, dem man möglicherweise erklären muß, wie er ein Fenster einbauen soll.

Bei einem Kastenfenster, einer individuellen handwerklichen Arbeit somit, darf man einen fachgerechten Einbau erwarten, der darüberhinaus in der Wahl der Mittel zum Hause passt.

Grüße

Thomas





Ach so, es ging hier um drei Fenster....?
Ich übertreibe jedoch gerne maßlos, Herr Böhme. Ich kenne genug Tischler die nicht in der Lage sind, ein Fenster richtig in ein FW-Haus einzubauen. Herr Lehmann hat ja nun ähnliche Erfahrungen gemacht. Es sind ja nicht alle so tolle Handwerker wie Sie!
Ebenso gibt es natürlich genug Fachplaner die nichts über Holzfenster und FW wissen.....
Ich hätte mich jedoch mindestens bei der Montage daneben gestellt. Nun, da das Kind in den Brunnen gefallen ist, würde ich das Fenster de- und neu montieren lassen und PU-Schaum vollständig entfernen. Rechtlich, wenn Ausführung nicht besonderes beschrieben, sehe ich keine Handhabe. Vieleicht haben Sie ja, Herr Lehmann, einen guten Zugang zu Ihrem Handwerker. Ein klärendes Gespräch hilft manchmal.
Weiterhin viel Erfolg!
Bernd Kibies



Danke für die Hinweise



Mal sehen, was der Fensterbauer noch zu machen bereit ist. Rechtlich geht sicherlich nichts, zum Einen, weil Papier bei diesem Auftrag nur beim Bezahlen eine Rolle gespielt hat, zum Anderen, weil statt meiner meine Frau (die vom Bauen nüscht versteht) daneben gestanden und den Bauschaum abgenickt hat. Aber dafür hat meine Frau den Fensterbauer durch mittägliches Bekochen etwas an uns gebunden; vielleicht ist er ja so nett und setzt möglichst unsichtbare Schrauben. - Denn das ist der Punkt, den ich mir selbst nicht zutraue; Bauschaum rauskratzen werde ich wohl hinkriegen.

Die Fenster sind übrigens wunderschön und mit viel Verstand gefertigt. Es ist manchmal seltsam, an welcher Stelle die Kenntnisse von Leuten enden.





Sehr geehrter Herr Lehmann,
allein den PU-schaum rauskratzen dürfte nicht ausreichend sein, denn die Flankenhaftung an den Holständern etc. dürfte danach immer noch so groß sein, daß diese diffusionsdicht wirkt. Das ist allerdings nur eine Vermutung, die Örtlichkeiten kenne ich ja nicht. Außerdem verbleiben sicherlich noch Reste, die Sie durch alleinges rauskratzen nicht beseitigen können.
Ich denke, ein Ausbau und neue Montage ist in jedem Fall die bessere Lösung.
Mit freundlichen Grüßen

Bernd Kibies