Bauphysik die Meinung der Fachpersonen

26.11.2015 Thomas



Ich baue Gerade das DG meines Reihenmittelhauses BJ 1928. Zu der Ausführung habe ich hier im Forum auch schon Fragen gestellt und Antworten von hilfsbereiten Fachleuten erhalten.
Da ich mich hier angemeldet habe, habe ich mir gedacht, dass ich in diesem Zuge auch etwas loswerden kann, was mir, gerade in Hinblick auf meinen Ausbau, stark auf den Fingern brennt.

Als es in BW zu starken Hagelschäden gekommen ist, konnte ich seitens der Versicherung zahlreiche Versicherungsnehmer mit entsprechenden Schäden aufsuchen. Ich habe in dieser Zeit an die 60 Dächer gesehen. I.d.R. mit mineralischer Dämmung.
Teilweise sah die Dämmung, wie hier im Forum aooft beschrieben, nicht mehr neuwertig aus. Z.T. mit grünlichen Flecken aber auch ohne, nur verschmutzt.
Die Ausführung der Dachdämmung sowie der Dampfbremse/-sperre war jedoch größtenteils grausam mit Öffnungen durch welche man die Hand durchstecken kann, als Dampfsperre Baufolien mit Klebeband befestigt usw.
Das was mich im nachhinein verwirrt, ich habe kein Dach mit geschädigten Sparren gesehen, was von den Zimmermännern, welche die Dächer zur Besichtigung geöffnet haben, bestätigt wurde. Die sparren waren zwar auch nicht taufrisch aber nicht schlechter als meine im bis dato ungedämmten Dach.
Ich zerbreche mir wegen jedem Schlitzchen und jede Fuge beim Anschluss und Abdichten meinen Kopf. Ich habe bei jedem Arbeitsschritt die großen Furcht, dass ich in 3 Jahren einen neuen Dachstuhl benötigen werde, wenn ich nicht ganz arg aufpasse. Diesen kann ich mir genauso wenig leisten, wie jetzt einen Fachmann.

Übertreibe ich bei meinem Ausbau, ggf müssen hier mehrere Faktoren zusammenspielen (z.B. Nutzerverhalten), damit es zu Schäden an der Bausubstanz kommt?

Bitte um die Meinung und Erfahrungen der Fachleute.



Schäden



gravierende Schäden kommen selten von einer Überschreitung des Grenzwertes oder dem Vorhandensein eines Baufehlers. So kann eindringende Feuchte = Kondensat bei hinreichender Hinterlüftung noch rechtzeigt abgeführt werden, wenn es nur ein Kinderzimmer oder Schlafzimmer ist, ist die Raumfeuchte auch nicht so hoch .... Aber danke für die Rückmeldung - das bestätigt zumindest, daß die generelle Schwarzmalerei ebenso falsch ist wie das Nichbeachten der notwendigen Regeln der Technik. Allerdings sind 60 Dächer auch nicht die Masse im Vergleich zum Hausbestand in Dt. Je mehr Mühe man sich gibt, um so geringer ist das Risiko eines Schadens. Ob er überhaupt eintritt - das weiß man erst viel später - dann ist es aber zu spät :-)



Dachgeschoßausbau



Hatten die von dir besichtigten Dächer Unterspannbahnen unter den Dachpfannen und Dampfbremsen/-sperren an der Innenseite?

Wenn eine Konstruktion mit innenliegender Dampfbremse, Dämmung mit kapillaraktiven Dämmstoffen wie Zellulose oä und darüber am besten Holzfaser-Unterdachplatten verwendet werden mit Konterlattung, ggf Nageldichtbändern, Lattung und Tonpfannen wird die Konstruktion sowohl tauwasserfrei sein wie auch zeitweise Undichtigkeiten der Dachhaut überstehen.
Alle Horrormeldungen verrotteter Dachstühle und durchfeuchteter, verschimmelter Dämmung stammen von Gebäuden, die fehlerhaft gebaut wurden, wo sich die Nutzung geändert hat oder die nicht gewartet wurden.

Auch alte Burgen stürzen ein, wenn sich niemand um sie kümmert und undichte Dächer repariert oder Bewuchs entfernt.

Am besten Bilder von deinem Dachstuhl einstellen und Maße, Dimensionen der Sparren angeben und der Bedachung- dann lassen sich bauphysikalische einwandfrei funktionierende Konstruktionen angeben.

Andreas Teich



Meine Meinung



Ich finde die Dämmstoffindustrie stellt es auch ganz geschickt an. Ich glaube nicht, dass sich Leute wie ich freiwillig kratziges Faserzeug ins Dach hauen. Auch wenn man dies nicht verteufeln sollte. Die Industrie hat jedoch ein super Marketing. Sie stellen um sonst (natürlich um besser zu verkaufen) relativ detaillierte Anleitungen ins Netz. Wenn man ein Haus kauft mit Betondecken und einer durchgehenden Dachschräge, sich den Umgang mit Tacker, Messer und Klebeband zutraut, wird einem schritt für schritt die Leistung erklärt. Das Problem ist, dass die wenigsten Dächer ohne Detaillösungen auskommen und man (mich eingeschlossen) sich leicht überschätzt.
Ich würde mir wünschen, dass die ökologischen und vor allem dem Altbau technisch gerechten Alternativen ebenso Marketing betreiben würden. Ich glaube, dass einige bei einer bezahlbaren Alternative, die mit einer entsprechenden Anleitung zumindest teilweise in Eigenleistung ausgeführt werden könnte, sich sehr gerne gegen die Massenprodukte entscheiden würden.
Behält man Informationen zurück, dann wird es schnell elitär. Dann muss man aber auch nicht schimpfen, dass sich die große Masse für das womöglich schadensträchtige und gerade bei Altbauten qualitativ minderwertigere Produkt entscheidet. Das ist aber meine persönliche Meinung.
@Andreas: du hast mir schon Hilfestellung bei meinem Anschluss der Dampfbremse an die Fußpfette gegeben.