Wer kennt sich aus mit Baumpilzen?




Meine Frage ist vielleicht nicht unbedingt typisch für das Forum bei Fachwerk.de,aber vielleicht kennt sich doch Jemand von Euch damit aus. Wir haben einen großen Garten und uns ist vor fast 10 Jahren ein Apfelbaum durch einen Baumpilz eingegangen, vor zwei Jahren wuchs ein Fruchtkörper am nächsten Apfelbaum. Den Baum gibt es zwar noch, aber er hat schon Äste eingebüst.Seit diesem Jahr wächst ein Pilz aus unserem Nußbaum. Der ist schon 60 Jahre alt und ganz gewaltig groß. Es wäre ein großer Verlust ihn auch noch zu verlieren. Was kann man dagegen tun? Wie stoppt man diesen Befall?
Die Fruchtkörper haben wir schon herausgeschält. Geht das jetzt so weiter? Wie werden die Baumpilze übertragen?



Baumpilze



Guten Tag Frau Biedermann,
ohne ein Bild vom Fruchtkörper und des Baumes kann ich leider nichts dazu sagen. An welchem Bereich wächst er denn (Wurzelanlauf, Stamm, Krone)? Die Verbreitung der Baumpilze ist unterschiedlich. Nach Ihrer Beschreibung zu beurteilen, könnte es sich um einen wurzelbürtigen Pilz handeln, da alle Bäume nacheinander befallen werden. Ein solcher Pilz befällt auch scheinbar gesunde Bäume, wenn der Standort des Baumes nicht optimal ist. Pilze die sich durch die Luft verbreiten müssen am Baum eine Angriffsfläche haben, z.B. große Astwunden (> 5cm), Beschädigungen am Stamm, Astausbrüche, etc.
Nur den Fruchtkörper entfernen bringt gar nichts, denn das Myzel zersetzt das Holz weiter. Befallene Bäume zu entfernen bringt nicht viel, da Pilzsporen sowieso allgegenwärtig sind. Aber eins kann ich Ihnen schon sagen, das Absterben bzw. die statische Instabilität des Baumes kann nur hinauszögert werden. Zu retten ist Ihr Nußbaum leider nicht mehr.
MfG B. Olsowski, Landschaftsökologe



ja



Guten Tag, ich schließe mich Hr. Olsowski an. als Literaturtipp: z. B. Olaf Schmidt: Die Holz- und Baumpilze
Mit freundlichen Grüßen Ulrich Arnold





Baumpilze
Hallo Herr Olsowski und Herr Arnold,
vielen Dank für Ihre schnellen kompetenten Antworten.
Der Pilz tritt immer am Stamm auf. In Kürze schicke ich Ihnen ein Bild von Baum und Pilz. Wie sie sich denken können, bin ich total schockiert, das der Baum früher oder später eingeht.
Er ist so gewaltig groß und unser Hausbaum.
Bis bald! Gruß Christine Biedermann



Baumpilze



Guten Morgen Frau Biedermann,
ich hätte gerne die Antwort als Bildkommentar geschrieben, hab aber hab das irgendwie nicht hinbekommen.
Also, nach den Fotos zu Beurteilen handelt es sich um einen Wundparasit. Das
heißt, er wächst dort wo eine Beschädigung am Baum eintritt die er nicht
schnell genug abschotten kann. Beim Apfelbaum wächst er direkt auf einer
Astwunde, das sehe ich an den ausgetriebenen "Beiaugen" überhalb des
Fruchtkörpers. Ich vermute mal das es derselbe Pilz wie am Nußbaum ist. Auf
dem Bild ist eine große Stammwunde zu erkennen, ist dort der Fruchtkörper
entfernt worden? Wie schon gesagt, aufzuhalten ist das nicht mehr. Sie
können nur vorbeugend handeln für die Bäume die noch nicht befallen sind.
Sie müssen jede Wunde am Baum behandeln die einen größeren Durchmesser als
5cm aufweist. Im Fachhandel gibt es spezielle Präperate, sogenannte
Wundverschlußmittel, die auf die Wunden aufgetragen werden. Normal empfehle
ich Baumwachs, da das in der Regel ausreicht. Da sie aber schon Pilze im
Bestand haben, würde ich zu Lac Balsam raten oder ein anderes Mittel das
Fungizide enthält. Ich rate Ihnen aber das von jemand durchführen zulassen
der Ahnung davon hat (Baumpfleger, Baumschule). Die Wunde muss vorbereitet
werden und die Wundfläche darf auf keinen Fall komplett behandelt werden!
Man muß erkennen wo das Kernholz anfängt oder das Splintholz aufhört, vor
allem bei Baumarten die keinen farblich abgesetzten oder
einen unregelmäßigen Kern haben (wie das beim Apfelbaum der Fall ist). Kernholz darf
nicht mitbehandelt werden!
Den Befall aufzuhalten bzw. hinaus zuzögern ist auch nicht ganz einfach, vor
allendingen bei einer Ferndiagnose. Ich müsste sehen und messen, wie weit
der Befall ist um dann eine Maßnahme zu erstellen. Wenn das nicht zu weit
wäre, würde ich es mir mal anschauen.
Achso, hätt ich fast vergessen. Bei dem Pilz handelt es sich vermutlich um
eine Art Baumschwamm.
Wie gesagt, vor Ort könnte ich Ihnen genauere Angaben machen.
MfG Benjamin Olsowski, Landschaftsökologe



Das hat ja noch etwas gebracht



Guten Tag, Hr. Olsowski konnte ja noch mit einer Empfehlung aufwarten. Ich fand seinen Beitrag sehr interessant. Da habe ich etwas dazugelernt. In der Regel habe ich mit Bäumen erst zu tun wenn diese im Regal liegen oder verbaut sind. Mit freundlichen Grüßen Ulrich Arnold



Pilze zerstören mittel bis langfristig die statische Festigkeit des Holzes.



wir hatten zwei Bäume, die durch Pilze gefährlich wurden:
Kastanie (Brandkrustenpilz sieht aus wie verbranntes Holz)
Pappel (Hallimasch sieht aus wie ein richtiger Pilz)
Da wir in unserem Ort damals eine Baumschutzsatzung hatten, musste ich ein Gutachten anfertigen lassen.
Dieses wurde von der Fa. Stöteler in Ahaus erstellt.
Eine weitere Stelle, die Ihnen Infos geben kann ist die Landwirtschaftskammer (Lehr- u. Versuchsanstalt Münster, Neringhoff).

Alles Gute!