Baujahr 1831 - Fragen über Fragen

15.10.2015 Pedro



Hallo, liebe Forenmitglieder!

Ich wende mich an Euch, weil ich - was Fachwerkhäuser angeht - überhaupt keine Ahnung habe, nichtsdestotrotz jedoch möglicherweise vor der Aufgabe stehe, ein solches wieder auf die Füße zu stellen.

Es geht um ein 184 Jahre altes Haus im Badischen, über dessen Schicksal ich bald entscheiden soll bzw. muss. Das Projekt besteht aus einem Wohntrakt von ca. 160 - 200 qm Wfl. und mehreren daran anschließenden Ökonomie"gebäuden".

Zunächst müssen leider einige Sünden (vermutlich aus den 50er Jahren) in Ordnung gebracht werden. Zwei Schwellen wurden damals zubetoniert und sind dementsprechend weggegammelt. Einige Ständer dito. Das Haus wird also angelupft und die Schwellen und Ständer - ich habe zum Glück reichlich uralte Eichenschwellen in der Scheune - gewechselt. Sobald das erledigt ist, kommt ein neues Dach auf die Bude. Von einem ortsansässigen Zimmermannsbetrieb habe ich für diese Arbeiten ein Angebot, das mMn passt (so um die 40kEUR).

Dämmung und Innenausbau werde ich selbst angehen und genau da brauche ich guten Rat:

1. Dach:

Mein geplanter Aufbau (von außen nach innen) sieht folgendermaßen aus: Ziegel, Querlatten, diffusionsoffene Folie, 24mm-Sparren, Zwischensparrendämmung (Hanfmatten), Gipskarton, Lehmputz, Kalkfarbe. Da bin ich aber sehr unsicher, was mit wem wie zusammenspielt. Mir geht es logischerweise zum einen um eine gute Dämmung und zum anderen um Diffusionsoffenheit.

2. Außenwände

Im Wesentlichen sehe ich nur die Möglichkeit einer Innendämmung - das Fachwerk will ich ja nicht zupflastern. Daher ginge ich hier ähnlich vor: Lehmspiegel (Gefächer) lassen, wie sie sind (bzw. von außen mit Kalkputz reparieren) und innen Hanfmatten zwischen eine Querlattierung pressen, dann Gipskarton auf die Latten schrauben und mit einem Lehmputz verputzen.

3. Zwischendecken

Die Zwischendecken waren mit einer wunderhübschen Vertäfelung verkleidet, die ich abgestemmt habe. Zu meinem Glück fand ich darunter keine Schlacke, sondern trockene Balken, zwischen denen "Holzstöcke" eingespannt sind, die den Lehmputz tragen. Darüber liegen im ersten Stock alte, ca. 30 cm breite Eichendielen. Meine Tendenz ist, diese Konstruktion nicht anzutasten, sondern wiederum zwischen den Balken mit Gipskarton und Lehmputz zu arbeiten, sodass man die bisher vertäfelten Balken in Zukunft sehen kann.

Was haltet Ihr grundsätzlich von meiner Greenhorn-Planung? Meine Hauptsorge liegt zum einen im Zusammenspiel der verschiedenen Materialien (z.B. Gipskarton + Lehm + Kalk) und zum anderen darin, ob die geplanten Konstruktionen überhaupt sinnvoll sind.

Für guten Rat bin ich mehr als dankbar.

Herzliche Grüße, Pedro.



Baujahr 1831



Ups, da fehlt natürlich eine "0" bei den Sparren.

Gruß, Pedro.



Hi Pedro!



Ich würde dir auf jeden Fall Gipsfaser als Bekleidung empfehlen. Das hat die gleiche Absorptionsklasse für Wasserdampf wie Lehmputz - und man spart einen Arbeitsgang! ;)

Hier findest du Gipsfaserplatten: http://www.ausbau-schlau.de/de/content/produkte_1325.php

Viel Erfolg!



Schon wieder



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Sanierungsplanung



Ich sehe folgende Fehler und Mängel in der Planung:

1. Dach
Außen fehlt die Konterlattung, innen die Dampfbremse und die Traglattung für die innere Bekleidung aus Gipskarton- oder Gipsfaserplatten.
Lehmputz ist physikalisch nicht grundsätzlich falsch aber technisch umständlich auszuführen, gering fehlertolerant und in der Stärke praktisch ohne Auswirkungen auf das Raumklima.

2. Außenwände
Ob das Sichtfachwerk der Außenwände so erhalten bleiben kann hängt von der Bewitterungssituation ab. Der Schwarzwald befindet sich in einer für Sichtfachwerk ungünstigen Klimazone. Das Bauteil "Außenwand mit Innendämmung" muß geplant werden.

3. Innendämmung
In dieser Ausführung schadensträchtig; je nach Feuchtebelastung aus der Nutzung und der Bewitterung wird das zum Tod des Fachwerkes führen. Die Frage ist nicht ob sondern wann.

4. Zwischendecken
Was unter "wunderhübscher Vertäfelung" zu verstehen ist weiß ich nicht. Wenn sie zur orginalen Ausstattung gehörte (halber Windelboden) dann wurde hier Kulturgut zerstört. Wenn es ein Strippen der Deckenunterseite einer Einschubdecke durch den Vorbesitzer war um eine Baumarktlösung einer Balkendecke zu schaffen- gut. Dann sollte die Funktion der Einschubdecke durch Bekleidung der Deckenunterseite wieder hergestellt werden. Entweder durch Heraklith und Putz oder eine untergehängte Deckenbekleidung.

5. Grundschwelle, Sockel
Die Schwellen werden wieder weggammeln wenn der Sockel samt Schwelle weiter im Spritzwasserbereich verbleibt.

Ein Rat zum Schluß:
Eine komplexe Sanierung wurstelt man nicht so mal nebenbei zusammen. Selbst technisch richtige Einzellösungen aneinanderreihen kann zu Schäden bzw. Mehrausgaben führen wenn diese Einzelleistungen nicht miteinander abgestimmt werden- Stichwort ganzheitliche Betrachtungsweise.
Das ist ein Optimierungsprozess der immer wieder zu Änderungen führt bis man ein in sich stimmiges Konzept mit tragbaren Kompromissen gefunden hat.
Ohne fachliche Hilfe kommen Sie damit nicht weiter da Ihnen dafür das Handwerkszeug fehlt.