Baugenehmigung von 1931 nicht richtig ausgeführt

22.01.2019 Ralf

Baugenehmigung von 1931 nicht richtig ausgeführt

Im April 2014 überschrieb meine Mutter mir mit notariellem Vertrag sowie
Eintrag in das Grundbuch ein kleines 2- geschossiges Einfamilienhaus (Bauj. 1931) mit Keller und einer Wohnfläche von etwa 90 qm in einem Dorf in Schleswig Holstein in ca. 10 km Nähe der Ostsee. Das Grundstück liegt Mitten im Dorf an einer Aue und einem Dorfteich und hat eine Größe von ca. 600 qm.

Beschreibung: Grundmauern bestehen aus 40 cm dicken Bruchsteinmauerwerk.
Die Außenwände sind 2 fach - Ziegelstein, die Innenwände 1-fach Ziegelstein.
Der Keller wurde mittlerweile mit einem Estrichboden versehen. Der Dachstuhl wurde 1985 komplett erneuert und in Holzbauweise 2 Zimmer im Dachgeschoss eingebaut. Eine neue Treppe wurde 1990 eingebaut. Kunststoff-Fenster, Bad und Toilette wurden 1980 eingebaut.

Ich habe das Haus letztes Jahr komplett ausgeräumt und die alten Reetdecken
enfernt sowie den alten (losen) Putz von den Wänden abgeklopft.
Jetzt möchte ich das Haus teilweise mit neuen Elektroleitungen versehen, die
Wände neu Verputzen lassen und Malerarbeiten durchführen lassen. Damit das
Haus wieder bewohnbar wird; denn ich würde das Haus gerne vermieten.

Mein Problem:
Als ich vom Landesarchiv-Schleswig die alten Bauunterlagen angefordert habe,
mußte ich leider feststellen, dass ein etwa 3 m Anbau auf der rechten Seite des Hauses nicht vorhanden war. Dieser Anbau wurde aber von der damaligen Maurerfirma gleich mit errichtet, wie auf alten Fotos eindeutig zu sehen ist.
Auch die nachträglichen Umbauten, wie z.B. Bad und Toilette wurden eigentlich nicht genehmigt.

Meine Fragen:
1. Wenn ich das Haus vermieten- oder später einmal verkaufen möchte, muß ich dann zwingend eine Baugenehmigung (Statik?) besitzen?
2. Das Haus steht in seiner jetztigen Form so seit 87 Jahren. Es gibt Dank des
Feldsteinfundaments keine Feuchtigkeit und keine Risse im oder am Haus.
3. Was passiert, wenn ich von der Baubehörde die Aufforderung zum Rückbau erhalte ? Oder sollte ich lieber keine "schlafenden Hunde" wecken?


Bitte keine Belehrungen. Ich benötige echte konstruktive Ratschläge und wäre
für diese sehr dankbar.



Baugenehmigung



Lassen Sie durch einen Architekten prüfen, ob der Anbau nachträglich genehmigt werden kann. Wenn das möglich ist, dann lassen Sie diesen genehmigen.



Genehmigungsfreie Bauten



Schau doch Mal in der Bauordnung des Landes, oder Anbau überhaupt eine Genehmigung benötigt. Wenn nicht, ist er seinerzeit nur nicht im Grundbuch eingetragen worden. Das kann mithilfe eines entsprechenden Antrages nachgeholt werden und die Akte ist wieder vollständig.



Fehlende Baugenehmigung



Hier muss eventuell unterschieden werden, ob im Landesarchiv Baugenehmigungen vorliegen oder ob die Umrisse so, wie sie jetzt sind, im Grundbuch eingetragen sind.

Ich habe damals unseren Verkäufer in alle möglichen Archive geschickt, weil viele Unterlagen zu dem Haus fehlten. Vermutlich sind sie einfach in den Kriegsjahren verloren gegangen. Da sich unter anderem für das Wohnhaus vom Hof keine Baugenehmigung mehr fand, sind wir zum ansässigen Bauamt gefahren und haben dort gefragt, was wir machen können. Die Antwort war, dass wir gar nichts tun mussten. Solange die Umrisse vom Katasteramt oder aus dem Grundbuch mit dem jetzigen Bau übereinstimmen, gilt der Bau als genehmigt, auch wenn sich keine Baugenehmigung mehr findet. Die Begründung ist logisch: Hätte damals keine Baugenehmigung vorgelegen, wären die Grundrisse so nicht eingezeichnet worden.

Ich kann leider nicht sagen, ob diese Regelung bundesweit gültig ist, doch ungeachtet der nicht vorhandenen Baugenehmigung kann man ja anhand der hinterlegten Grundrisszeichnung im Katasteramt schon wenigstens eine Ahnung bekommen, ob der Anbau genehmigt war oder nicht.



Danke



Danke, danke, danke. Das ist doch ´mal wirklich eine sehr hilfreiche Antwort; denn auf den Zeichnungen
und Plänen vom Katasteramt sind sämtliche Umrisse so dargestellt wie in der Realität tatsächlich vorhanden.