Viele Fragen zum Verständniss :-)

01.08.2012 K.M.



Hallo,
im Rahmen unserer Sanierung muss ich nun jetzt feststellen dass ich mich sehr schwer tue mit der Verarbeitung und den Preisen der ganzen natürlichen Materialien.

Allein aufgrund des Zeitfaktors kann ich einiges garnicht umsetzen, aber dennoch könnte ich doch das beste rausholen...

Ich selbst finde es Klasse wenn man es schafft sein Haus natürlich umzubauen...allerdings frage ich mich, warum es immer heißt ... Laien bitte nicht ran lassen...(z.b. Lehmputz...Mamorino....)

Weitere Frage: Ich höre hier immer wieder, je weniger man macht, je einfacher man das Haus ausstattet, desto besser ist es für das alte Gemäuer...

Aber warum habe ich den Eindruck dass es anscheinend(z.b. bei Putzen und Untergrundvorbereitungen...) dann doch wieder nicht so einfach und "kostengünstig" ist???

Warum kann ich nicht einfach einen Aritkel meiner Wahl, ähnlich wie im Baumarkt bei einem Hersteller von Naturmaterialien einkaufen auf die Beschreibung gucken, es so machen, und fertig?!

Worin besteht z.B. der Unterschied Kalk-Zement-putz oder Kalkputz aufzubringen???!! Es wird doch eine Beschreibung auf der Verpackung sein oder nicht?!?!

Sorry, ich muss das mal einfach ansprechen:-)

Lg Sterne



Männer...



...ticken anders. Die wollen nicht einfach 'mal reden :-)

Konkrete Frage = Konkrete Antwort.

Zum Lehm fällt mir dann doch noch eine Antwort ein. Lehm ist für Anfänger gut geeignet. Was 'runterfällt, kann wiederverwendet werden. Kalk ist da doch etwas heikler.

Grundsätzlich wurden aber die alten Häuser ganz überwiegend nicht von Bedenkenträgern und Ultraprofis mit gefühlten 500 Jahren Erfahrung gebaut. Mit Beobachtungsvermögen, Geschick und Neugier bewaffnet kann der Laie schon ganz viel selber machen - wenn er einen Sinn für seine Grenzen entwickeln kann. Sonst gäbe es dieses Forum gar nicht.

Also bitte gut einlesen, und dann konkrete Fragen zu Details bringen.

Viel Erfolg

Thomas



Von der Werdung des Laienarbeiters ...



Hallo Sterne,

sich als Laie an eine komplette Haussanierung heranzuwagen, ist mehr, als eine Herausforderung.

Ich habe vor über 15 Jahren mit meinem 1. Haus angefangen. Seitdem ist die "Laienbauerei" zum wesentlichen Bestandteil meines Lebens geworden. Ganz unauffällig hat sich das Thema immer mehr Raum genommen. Dir scheinen jetzt am Anfang die wichtigen Grundlagen zu fehlen. Bei mir gabs damals noch kein Internet in der heute verfügbaren Form, da bin ich ein Jahr lang in alle Bibliotheken gerannt und hab mir alle greifbaren Baubücher ausgeliehen. Beim Durcharbeiten der Lehrbücher für die verschiedenen Bauberufe und über Bauphysik ist mir so manches Licht aufgegangen. Wichtig war nur, keine von irgendeiner Lobby gesponsorte Literatur zu lesen, weil die natürlich ihr jeweiliges Produkt lobpreisen, auch wenn es z.B. bauphysikalischer Unsinn ist.

Heute hast Du das viel einfacher, weil das Internet eine Fülle von Informationen ins Haus liefert. Die Datenblätter der versch. Putze, Mörtel usw. sind auch sehr informativ. Wenn Du die Grundlagen der Baustoffe beim Mauern und Putzen studiert hast, kannst Du daraus erkennen, ob diese spez. Erzeugnisse für Deinen Zweck geeignet sein könnten.

Wenn Du erstmal mit der Theorie begonnen hast, machst Du erste praktische Versuche, schmeißt Mörtel an die Wände, machst den 1. Fußbodenaufbau usw. Dabei liest Du ständig weiter, wirst aus Deinen Erfolgen / Misserfolgen schlauer und quatscht alle greifbaren "Profis" in Deiner Umgebung voll, um aus ihnen möglichst viele praktische Informationen herauszubekommen. So ein Gespräch mit einem alten Maurermeister war für mich immer eine Sternstunde, oft mehr wert, als die Leserei. Hier im Forum hast Du auch genug Experten, die Dir gerne bei konkreten Fragen weiterhelfen werden.

Wer eine Haussanierung ganz alleine anpackt, stellt sich als Laie eine Lebensaufgabe. Nach 2 Projekten dachte ich beim 3., "kann nicht so schlimm werden". Nun hänge ich hier im 7. Jahr und arbeite pro Jahr 2.000 Stunden auf meinem Bau. Dazu kommt der ganze Stress mit Denkmalbehörde, Stadtverwaltung und Finanzamt. Wer dort was übersieht, hat ganz schnell das Nachsehen. Deshalb musst Du als Laienarbeiter auch in diesen Themen fit sein. Haussanierung ist eben mehr, als "Stein auf Stein".

Bei aller Laienarbeiterei darfst Du allerdings nie vergessen, dass wir eben keine Profis sind und niemals solche werden. Klar hab ich hunderte Quadratmeter Wand-und Deckenputz gemacht- bin aber kein Maurer/Verputzer. Auch das Selbsteinbauen einer neuen Elektrik und LAN/ISDN-Verkabelung macht mich nicht zum Elektriker, genauso wenig wie der Eigenbau der Sanitär-/Heizungsanlage (bis auf Kesselanschluss und Gas) mich zum Heizungs-/Sanitärer macht. Das sind alles Lehrberufe, diese Leute (sollten) mehr wissen und haben vor allem mehr Erfahrung. Wir arbeiten doch immer nur an unserem eigenen Projekt.

Mit diesem Bewusstsein kann man als Laie mit erheblichem Aufwand gewerkübergreifend doch einiges auf die Beine stellen, wenn man Theorie und Praxis ineinander fließen lässt und sich auch mal Rat von den Profis holt.

Viel Erfolg bei Deiner Lebensaufgabe
wünscht
AallRounder



Danke



Hallo Allrounder,

auch wenn ich nicht Urheber dieses threads bin - Danke für Deine Antwort..... - ud auch an alle anderen Profi´s die hier auf Fragen tolle Antworten geben
Das bestätigt mich in meiner bisherigen Rangehensweise. Info´s einholen, mit Fachleuten reden und wenn Grenzen überschritten werden müssen, diese eben ran lassen....
Mit jedem Handwerker, der bei mir im Haus war, um die Begehung für sein Angebot zu machen, kamem immer jede Menger Tips "gratis" mit - was mir die Auswahl an Handwekern manchmal erschwert - aber auch teilweise erheblich erleichtert....
Und bevor sich jetzt die Profi´s darüber auslassen/"beschweren" - ich vergebe dann auch Aufträge. Und ich sage klar von Anfang an, dass ich viel selbst machen und tlw auch das Material selbst besorgen werde.



@ Sterne



Du stehts vor einem alltäglichen Problem - wie jeder andere auch in einem Bereich, den er nicht gelernt hat - ich steige eben im mein Auto ein und es fährt los oder ich gebe es in der Werkstatt ab .... da ich davon keine Ahnung habe.

Zur Frage im Detail: ganz natürlich wäre Kalk und Sand - da steht keine Beschreibung auf der Verpackung. Da hilft oftmals nur Hintergrundwissen - das kann man sich aber hier (kostenlos!) erfragen.

"Kostengünstig" heißt nicht immer billig - weil man es vielleicht nur 1x machen muß.

"Wir können uns es nicht leisten, billig zu bauen" ist ein nicht ganz unbekanntes Sprichwort. Man solltes es also nicht am momentan gezahlten Euro festmachen.
Außerdem - billiger gehte immer - jedes Baumarkt-Angebot kann auch mal unterboten werden. Du hast auch da das Problem, das es eigentlich "zu teuer" ist.

Auch Naturbaustoffe können einfach eingebaut werden. Nur ist es kein Allgemeinwissen mehr. Oftmals ist es auch Zeitaufwendiger. Anderes Beispiel: Trägst Du Naturwolle oder Kunstfaser auf der Haut - auch da kann man umdenken. Und es wird mit Sicherheit nicht billiger. Ich spinne mir meine Wolle für eine Jacke selber ! (grechneter Stundenlohn - etwa 0,50 €/h - dafür könnte ich eigentlich viel "reicher" arbeiten gehen. Aber ich habe mich fürs Natürliche entschieden.



mh



vielen Dank für Eure Rückmeldungen. Ich möchte dem ganzen garnicht wiedersprechen und finde es wirklich super das pberhaupt jemand reagiert. Auch wenn wir hier in einem sehr sachlichen Forum sind, finde ich dieses Thema "leisten" und "Natürliches bauen" doch sehr interessant.

Wenn es möglich ist, alles richtig umzusetzen und auch konsequent zu sein, finde ich diese Wahl am besten. Aber man muss es sich auch "im Vorfeld" leisten können.

Stellt Euch mal folgendes vor:

Du hast seit 3 Tagen nichts gegessen. Jemand gibt dir 55 cent und wirst vor folgende Wahl gestellt:

• billiges Mischbrot aus der Tüte für 55 cent zu kaufen
• eine Woche länger zu warten bis du das Geld zusammen hast für ein Biobrot vom Biobauernhof zu kaufen.
• du verzichtest auf beide Varianten.

Wofür entscheidest du dich?

Lg Sterne



Vergleiche...



...treffen nahezu immer voll daneben. Zum Beispiel, weil das "natürliche" Bauen manchmal auch das preiswerte Bauen sein kann und das nachhaltige Bauen über die Jahre wesentlich billiger kommt als das billige Bauen mit absehbarem Verfallsdatum.

Lehm, Stein und Holz hat mit Autos und Brötchen nichts gemein.

Die bauphysikalisch und technisch richtige Verwendung von Baumaterialien hat viel mit Wissen zu tun, und das kostet nicht immer Geld, z.B. hier.

Grüße

Thomas



nein



Auf die Jahre gesehen ist es bestimmt günstiger nachhaltig zu bauen. Aber erstmal legt man drauf.(vorausgesetzt man hat das Geld zur Verfügung). Daher denke ich schon das man vergleichen kann.

Wenn ich mich gesund ernähre lebe ich auch länger, als wenn ich mich ungesund ernähre;-)

Wenn ich konsequent gewesen wäre, hätte ich das Haus garnicht kaufen dürfen;-) Aber das kann es ja jetzt auch nicht sein.

Also versuche ich doch noch das beste draus zu machen?!
Lg Sterne



Moin Sterne,



Klar kannst du deinen Lehmputz selber anmischen und aufziehen, deine Erfahrungen machen, Glück oder Pech haben. Ich hatte jedenfalls keine Zeit erstmal 3 Monate rumzuexperimentieren, bis ich's einigermassen kann, bzw. im nachhinein mir die unzähligen Risse anzuschauen bzw. ständig zu Fegen, wenn das Zeug bei jeder Berührung runterbröselt.

Diese Aussage sehe ich im Zusammenhang mit den Risiken in alten Häusern traditionelle und moderne Baustoffe zu mischen. Um das zu verstehen braucht's tiefere Ausflüge in die Bauphysik, um zu begreifen, wie sich die verschiedenen Materialien über die Jahrzehnte bei Sonne, Frost, Schnee und Regen verhalten.

Die Öko-Bau-Branche lebt von einer zahlungskräftigen Klientel und verlangt entsprechende Preise. Dazu kommt, dass traditionelle Verfahren i.d.R. zeitaufwändiger sind (z.B 2-lagiger Putzauftrag mit Armierung), also teurer bzw. mit mehr Eigenleistungen verbunden. Das relativiert sich allerdings schlagartig, wenn man die Lebensdauer und die Wohnqualität mit einrechnet.

Gegenfrage: Bist du schonmal an einem IKEA-Möbel verzweifelt...;-)? Ist doch soo einfach....
Klar kannst du das, und für den Preis erhälst du i.d.R. ein ausgereiftes Produkt mit standardisierten Eigenschaften. Nur ist dein Haus immer ein Spezialfall.....beides gelungen zusammenzubringen braucht eben Erfahrung.

Wir hatten z.B. in einem ehemaligen Stall 5 verschiedene Untergründe. Versuch mal da freskal zu kalken, wenn die eine Ecke noch klitschnass und die andere schon trocken ist. Steht gottseidank alles voller Bücherregale, also sieht man's nicht so..........

Ein Kochbuch hindert dich auch nicht daran, deine Pizza anbrennen zu lassen.......

Gruss, Boris