Balkenstoß in Fachwerkschwelle laschen- wie macht man's am besten?

31.03.2015



Hallo,
unser Haus besitzt einen Fachwerk-Dachgiebel aus Eiche auf massivem Ziegelmauerwerk im EG. Die Schwelle dieser Giebelwand ist in der Mitte überblattend gestoßen, wobei ein Spalt von etwa 2 cm existiert. Die Schwelle ist nicht auf Zug belastet.
Bevor nun das DG ausgebaut wird und man dementsprechend nicht mehr von innen an den Balkenstoß herankommt, wollen wir sicherheitshalber eine Lasche anbringen und bitten um Ratschläge hinsichtlich der Materialien und Abstände.
Auf der Innenseite der Wand wird eine neue, aussen gedämmte Mauer entstehen, so dass die Fachwerkwand als hinterlüftete Fassade dient. Die Lasche sollte also möglichst in die 3cm Hinterlüftung passen, was für Flachstahl als Material spricht. Wie sollte der dimensioniert sein und in welchem Abstand sind die Bohrungen vorzunehmen? Die Schwelle hat einen Querschnitt von 200 x 160 und ist etwa 8,50 m lang.

Ich danke im Voraus,

Andrea Jorke.



Oh Zauberwerk … 



Hallo Andrea … 

mir sind 2 Sachen aufgefallen:
1.
"Die Schwelle ist nicht auf Zug belastet."
WER sagt das?
Warum - wenn das so ist - hat man dann überblattet?
In der Überblattung könnte ein Holznagel sein … 

… und WENN die nicht auf Zug belastet ist brauchen Sie doch keine "Zugverbindung" a la Lasche! …

2.
"Innenseite der Wand wird eine neue, gedämmte … hinterlüftet …"

Rechnet sich das wirklich?
Es kommt mir nicht sehr "professionell" vor!

Wie soll denn die Fassade vor der Fassade hinterlüftet werden … d.h. wo kommt die Luft rein … und wo wieder heraus … ???

Ich würde mir das noch mal genau überlegen, das kommt mir etwas "Theoretisch" vor und nicht sehr ausgegoren!

Florian Kurz



sicherheitshalber laschen und Fassadenhinterlüftung



Hallo Florian,

es handelt sich um ein Pfettendach, bei welchem die Deckenbalken und auch eben die Giebelschwelle nicht auf Zug belastet sind, sagten uns mehrere Fachleute (Statiker, Bauingereure). Dennoch ist die Schwelle mittels geradem Blatt gestoßen, vermutlich war sie auch mal genagelt, aber nun gibt es ja da diesen Spalt... Vielleicht wurde der Nagel auch vergessen und durch den Zahn der Zeit neigten sich die Wände ein wenig nach aussen und nahmen die Schwellenteile mit sich...
Nun würden wir gerne sicherheitshalber eine Lasche auf der Innenseite befestigen, um ein etwaiges weiteres Auseinanderwandern der Schwellenteile zu verhindern und sozusagen den Nagel zu ersetzen.

Zum Thema Hinterlüftung:
Das Mauerwerk im EG ist 36 cm stark und die 15 cm FW-Wand steht leicht nach aussen überragend (Putzstärke) darauf, so dass auf der Innenseite genügend Mauer übrig bleibt um darauf eine halbsteinige Wand Innenwand-bündig zu errichten. Diese innere Wand wird beim Hochmauern mit Holzfaserdämmplatten bestückt, die in den entstehenden Zwischenraum gestellt werden. Zwischen Dämmplatten und Fachwerkwand werden Leisten geschoben, die die Dämmung an die Innenwand drücken und die Luftschicht herstellen. Lufteintritt wird über Belüftungsschlitze unterhalb der FW-Schwelle sichergestellt und Luftaustritt ist durch die in den Spitzboden offene Konstruktion gegeben.

Die Frage, ob sich das rechnet, habe ich nicht verstanden. Welche Vorschläge hättest du für den Balkenstoß oder und für die Wanddämmung?

Grüße, Andrea.



… was sich rechnet … 



Hallo Andrea

Haben Sie mal ein zwei Fotos von der Wand … von aussen und innen!

Wenn die Schwelle NICHT auf Zug belastet ist wandert sie nicht!

Was würde ich machen: ohne ein Bild zu haben: mit einem Balkenzug die zwei Teile zusammenziehen und dann mit einem Holznagel/dübel verbinden.

Stahl und Holz in Ihrer Konstruktion, die mE feucht wird und das Zeitliche segnen wird, vertragen sich nicht … wenn Ihnen das rel. egal ist reichen handelsübliche Nagelplatten aus dem Baumarkt mit Kammnägeln auch aus.

Die von Ihnen geschilderte "Dämm-Wand-Hinterlüftung" würde ich nicht empfehlen, da das Bastler- oder Heimwerkerpfusch ist … der Aufwand mit dem "Reinstellen" und Leistendazwischklemmen etc. wird sich m.E. nicht rechnen, weil das auf lange Sicht nicht zusammenhält und m.E. nix ist … 

… dann würde ich schon lieber eine 24er Wand dahinter stellen mit 4-6 cm gewährleisteter Be- und Entlüftung … ohne Dämmung … oder es ganz lassen … das Fachwerk ertüchtigen und einen dickeren Lehm oder Kalkputz drauf machen und eine Temperierungsheizung installieren … 

Florian Kurz



Pfettenstoß verbinden



Hallo Andrea
Dazu hätten sich doch auch deine Fachleute äußern müssen oder haben die jede Maßnahme für unnötig gehalten?

Ob und wieweit eine Zugbelastung bei der Verbindung existiert wird sich kaum rechnen lassen.
Rein zur Vorsicht läßt sich natürlich entweder eine Lasche aus dünnlagigem Sperrholz - 'multiplex', zB in 18 oder 21 mm Stärke , Höhe etwa wie die Schwelle und Länge etwa 3 x so lang wie die Länge der Überblattung.
Dann mit den für Knotenbleche zugelassenen Schrauben verschrauben und ggf noch die Löcher mit Kerndurchmesser der Schrauben vorbohren, um die Spaltwirkung zu reduzieren.
Schraubenlänge etwa 2,5 bis 3x Brettdicke.
Abstand von den Seitenkanten mind 2 cm und vom Hirnholz der Überblattung mind 5-8 cm.
Schraubenlöcher immer diagonal versetzen.
Bei der Schraubenanordnung kannst du dich auch an den Vorgaben der Knotenblechhersteller orientieren, wobei ich diese wegen der geringeren Festigkeit von Holzlaschen eher vergrößern würde, daher eine längere Lasche nehmen.
Sofern zugänglich könnten Verbindungslaschen auch beidseitig befestigt werden.

Wichtiger wäre eine gute Verbindung der Pfetten mit der Deckenkonstruktion, da ein Zug in Längsrichtung der Pfetten kaum vorstellbar ist. Wenn überhaupt dann von innen in Richtung Außenwand.
Ein Bild würde weiterhelfen.
Mögliche Bewegungen der Dachkonstruktion müßten sich ja auch an anderer Stelle bemerken lassen.

Ich würde keine hinterlüftete Innenwandkonstruktion verwenden, da dabei auch die Möglichkeit von Kondensationsfeuchte besteht durch Undichtigkeiten oder Wärmebrücken.
Zudem entfällt bei deiner Konstruktion wegen der Hinterlüftung die gesamte Dämmwirkung der Außenwand.
Dann lieber eine übliche Innendämmung mit hohlraumfrei angesetzten Holzfaserplatten oder einer fugenfreien Zellulosedämmung herstellen.

Daraus resultieren geringere Kosten, weniger Belastung auf darunterliegende Wände und Raumgewinn im Inneren und vermutlich weniger Wärmebrücken bei den Anschlüssen.

Andreas Teich