Balkenköpfe "richtig" einbauen




Hallo zusammen!
Ich muss in einem Bruchsteinhaus Bj. 1908 die Deckenbalken tauschen. Es gibt ja schon einige Beiträge hierzu welche aber nicht zu meiner Situation passen...
Die alten Balkenköpfe und das umgebende Mauerwerk sind/ist furz trocken. Ich tausche die Balken weil diese zu schwach ausgelegt wurden und der Wurm etwas gearbeitet hat.
Es soll später von innen isoliert werden. 60mm Pavadentro + Lehmputz und teilweise Wandheizung.
Und hier ist das Problem. Es wird viel von Luftumspülter Montage geschrieben was aber in Verbindung mit der Innendämmung nicht funktioniert...
Ich habe folgende Ideen:
1. Die Balkenköpfe 4-seitig mit einer Kokosmatte ein packen und am Hirnholz offen lassen. Den restlichen Holraum mit Kalkmörtel auffüllen (hinten offen lassen)
Nach vorne dann komplett abdichten. Dann könnte die Feuchtigkeit vom Balken weg und Raumluft kann nicht kondensieren.
2. wie bei 1, nach vorne aber nicht Abdichten sondern später beim Isolieren mit Kompriband(zwischen Isolierung und Balken) abkleben.

3. 20mm PU Platte seitlich und oben mit schlitzen versehen auf den Balken kleben, hinten offen. durch die PU Platte kommt keine Feuchtigkeit an den Balken kann aber durch die Schlitze vom Balken weg, nach vorne wieder abdichten.

4. Balken komplett in Lehm oder Kalkmörtel legen wie auch bei den alten Balken, hat ja schließlich schon über 100 Jahre gehalten...

Ist Kalkmörtel zum vermörteln geeignet welche alternative gibt es?
Oder wieder Lehm? Von Zementmörtel wird ja abgeraten...

Was kann man unter den Balken legen? Teerpappe wird ja nicht empfohlen, alternative dazu?

Sollten die Balken (KVH) behandelt werden, wenn ja womit?

Der Schallschutz ist zweitrangig, mir ist nur wichtig das die Balkenköpfe gesund bleiben!

Danke für die Hilfe!



Balkenköpfe richtig einbauen


Balkenköpfe richtig einbauen

Eine grundsätzliche Möglichkeit, in Außenmauern einbindende Balkenköpfe zu vermeiden wäre die Verlegung bis kurz vor die Wand und die Deckenbalken durch einen Unterzug und Pfosten abzustützen.
Das setzt eine tragfähige Bodenkonstruktion oder Einzelfundamente voraus, daher wohl nur seltener umsetzbar.
Verbindung mit der Außenwand zB durch Edelstahl-Gewindestangen.

Zum richtigen Balkenkopfeinbau gibts auch in der Fachwelt keine einhellige Meinung.

Grundsätzlich sind statische, Feuchte-,Wärme-,Schallschutz- und Brandschutzanforderungen zu berücksichtigen.

Ich würde eine ähnliche Variante wie von mir gezeichnet verwenden und die je nach örtlichen Verhältnissen entsprechend adaptieren.

Wie abgebildet zb Glasschaumplatten(evt auch Backkkork),in U-Form die Fugen in den Ecken dicht verkleben und dann in die vorbereitete Mauertasche stellen und mit dem vorhandenen Mauerwerk vermörteln.

Außen versuchen möglichst schlagregendicht zu sein, obwohl die Glasschaumplatten diffusionsdicht sind.

Wenn Maueranker benötigt werden:
diese mit EPDM-Dichtungsmanschetten zur vor dem Balkenkopf liegenden Glasschaumplatte abdichten.

Die eingelegten Holzfaserplatten sind kapillaraktiv und können evt Restfeuchte vom Deckenbalken oder Auflager aufnehmen und abgeben.

Komplett luftumspült einbauen funktioniert unter der Voraussetzung,dass bei entsprechende Dämmung
Taupunktunterschreitung im Bereich des Balkenkopfes ausgeschlossen ist-
das dürfte aber schon aus Platzgründen nur selten möglich sein-
zudem verschlechtert die Hinterlüftung den Brand- und Schallschutz.

Bei den früher üblichen niedrigen Innentemperaturen und Feuchtewerten waren damals gängige Konstruktionen sehr dauerhaft-
bei heutigen Bedingungen und bei Innendämmungen besteht bei klassischen Ausführungen ein versagensrisiko.

Das Holz könnte vorbeugend behandelt werden- wichtiger ist die Einbaufeuchtigkeit von max 18 % Holzfeuchtigkeit.

Als zusätzliche Sicherheit wäre die Verlegung eines Heizungsrohres unter der Decke möglich.

Ebenso auf gemäßigte Luftfeuchtigkeit der Wohnräume achten- entweder durch ausreichende Fensterlüftung oder zB
durch intelligente kleine Lüftungsgeräte mit Feuchtesteuerung und Wärmerückgewinnung. Infos dazu gerne per mail anfordern.

Am genauesten ließe sich die Einbausituation des Balkenkopfes mit instationären Berechnungsverfahren untersuchen-
wenn die örtlichen Bedingungen bekannt sind wird auch das Glaserverfahren zur Risikoabschätzung genügen

Andreas Teich



Balkenköpfe "richtig" einbauen



Danke für die Antwort!
Generell kann man doch sagen, dass darauf zu achten ist das die Balken nicht dicht verpackt werden. Die Feuchte muss vom Balken weg wandern können. Von Außen sollte natürlich kein Wasser eindringen und im Falle einer Innendämmung muss der Anschluss der Isolierung an den Balken dicht sein.
Seitlich (und oben?) 20mm Holzfaserplatte direkt auf den Balken, nach hinten ca. 15mm Luft und dann eine diffosionsdichte Platte (Glasschaum oder PU) anbringen. nach unten auf Eichenholz und Gummi auflegen. Das ganze dann nach vorne abdichten.
Da man so viele unterschiedliche Meinungen findet bin ich mir sehr unsicher...
Da das Mauerwerk sehr trocken ist, hoffe ich das ich keine Probleme mit der Feuchtigkeit bekomme.



Balkenköpfe richtig einbauen



Früher wurde empfohlen, die Balkenköpfe möglichst luftumspült und mit etwas Verbindung zur Außenluft einzubauen,
um die Austrocknung des Holzes nicht zu behindern.
Gleichzeitig wurden aber auch Ummantelung, teils nur Auflager mit Blei, Asphalt, Teerpappe, Schiefer etc vorgeschlagen, um Feuchtigkeit aus dem Mauerwerk abzuhalten.

Kondensfeuchte von innen war wegen reichlicher Durchlüftung wegen undichten Fugen und geringeren Raumtemperaturen noch kein Thema.

Die Holzfeuchtigkeit von Bauholz müßte heutzutage im Bereich von 15 +/- 3 % liegen. Trotzdem ist eine diffusionsfähige Ummantelung sicher günstig, um evt Restfeuchte/Baufeuchte entweichen zu lassen.
Damit Kondensation ausgeschlossen ist sollten um den Balkenkopf Dämmplatten mit einem U-Wert eingebracht werden, der Taupunktunterschreitung auschließt.

Wenn dies sicher ausgeschlossen werden kann wäre natürlich auch eine dünne Luftschicht um den Balkenkopf praktikabel- abhängig von der Möglichkeit, genügend Dämmstoff einbringen zu können.
Allerdings sind Luftschichten an dieser Stelle vom Brand- und Schallschutz her ungünstig.

Je nach Mauerfeuchtigkeit und Schlagregenbelastung kann die obere Balkenabdeckung ausgeführt werden:
ggf auch hier eine feuchteunempfindliche Dämmung einbauen und zur Balkenoberseite hin eine Holzfaserplatte einschieben.
Am einfachsten wird es sein, einen dreiseitigen Kasten mit Dämmstoff zusammenzukleben und den mit einem rückseitigen Mörtel-/Kleberauftrag in die vorbereitete Öffnung zu schieben.
Bei dünnen Mauern sind die Dämmmöglichkeiten begrenzt, sodass Dämmstoff mit einem möglichst niedrigen Lambda-Wert verwendet werden müßte.
Die Balkenauflagertiefe in der Wand sollte etwa 12-15 cm betragen.
Beschreibe doch wie du es gemacht hast-möglichst mit Foto

Andreas Teich



Balkenköpfe



Lieber Stefan
Da ich die genaue Situation vor Ort nicht kenne, erscheinen mir spezielle Empfehlungen doch ein wenig gewagt.

Daher möchte ich dich an dieser Stelle auf das WTA Merkblatt 8-14-14 (Ertüchtigung von Holzbalkendecken nach WTA II: Balkenköpfe in Außenwänden) aufmerksam machen.

Auch existieren diverse Arbeiten zu diesen Thema:
# Plagge, Ruisinger und Kautsch zu Balkenköpfen und Innendämmung auf den Hanseatischen Sanierungstagen 2011.
# Kehl, Grunewald u.a.; Holzbalkenköpfe bei innnegedämmten Mauerwerk vom 2. Internationalen Innendämmkongress 2013.
# Hähnel E.; Holzbalkenauflager in Außenwänden, Hanseatische Sanierungstage 2009
# Müller U.; Holzbalkenköpfe in historischen Mauerwerk, Hanseatische Sanierungstage 2011
# etc.

Anderseits zeigt Andreas Teich dankenswerterweise schon die wesentlichen Rahmenbedingungen für eine schadensfreie Konstruktion auf.

Gruß

L. Parisek